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Analyse des Films "Sherlock Jr." (Buster Keaton, USA 1924)

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Film „Sherlock Jr.“
2.1 Produktionsdaten
2.2 Inhalt des Films

3 Typische Buster Keaton-Motive in „Sherlock Jr.“
3.1 Faszination für Technik und Medium Film
3.2 Authentizität, Stunts und Vaudeville
3.3 Verfolgungsjagden
3.4 Melancholie

4 Schlusswort

Filmographie

Bibliographie

Internetquellen

1 Einleitung

In dieser schriftlichen Arbeit wird der Film SHERLOCK JR. (Buster Keaton, USA 1924) untersucht und analysiert. Es ist der vierte lange Stummfilm von Regisseur und Hauptdarsteller Buster Keaton. SHERLOCK JR. gingen zahlreiche Stummfilme voraus, welche teilweise mit Roscoe „Fatty“ Arbuckle verwirklicht wurden. Ausserdem spielte Keaton vor SHERLOCK JR. in drei anderen stummen Langfilmen mit (Vgl. Knopf 1999: 179–185). Zum Zeitpunkt der Entstehung von SHERLOCK JR. war es für Keaton also schon möglich gewesen, einen eigenen Stil kreiert zu haben. In der Arbeit sollen Elemente dieses Stils herausgearbeitet werden. Der Schwerpunkt der Analyse liegt deshalb darin, sowohl in den narrativen, wie auch in den formalen Elementen des Films – beispielsweise Schnitt, Montage, Beleuchtung oder Schauspiel – Merkmale zu finden, die typisch sind für die Filme von Buster Keaton und in seinen Werken häufiger eingesetzt werden und vorkommen. Insofern ist es nötig, die Biographie und die anderen Filme von Buster Keaton in die Untersuchung einzubeziehen, um die einzelnen Motive und ihre eventuelle Herkunft herausarbeiten zu können. Es soll ein Überblick entstehen, welche Motive bereits in früheren Filmen von Keaton vorkamen und ob es solche gab, die in SHERLOCK JR. zum ersten Mal auftauchten, in späteren Filmen aber wieder eingebaut wurden.

Die Arbeit ist so gegliedert, dass im ersten Teil die wichtigsten Produktionsdaten und eine Zusammenfassung des Inhalts enthalten sind und im zweiten Teil die Motive im Einzelnen dargestellt und analysiert werden. Dabei werden Parallelen zu anderen Filmen von Keaton aufgezeigt, in denen diese Motive präsentiert werden. Ebenso werden Einflüsse aus seinem Leben und seiner gesamten Karriere und ihr Zusammenhang mit den einzelnen Merkmalen und ihrer Darstellung im Film SHERLOCK JR. gezeigt. Ziel ist es, herauszufinden, welche Motive in Buster Keatons Filmen häufig vorkommen, welche dieser Motive Keaton seinen anderen Filmen entnommen und in SHERLOCK JR. eingebaut hat und zu welchem Grad sein eigenes Leben seine Art Filme zu drehen und darzustellen beeinflusst hat.

2 Der Film „Sherlock Jr.“

2.1 Produktionsdaten

SHERLOCK JR. (USA, 1924)[1]

- Regie: Buster Keaton
- Produzent: Joseph M. Schenck
- Produktionsfirma: Buster Keaton Productions Inc.
- Verleih (USA): Metro Pictures
- Drehbuch: Clyde Bruckman, Jean Havez, Joseph Mitchell
- Kamera: Byron Houck, Elgin Lessley
- Schnitt: Rob B. Yokelson, Buster Keaton
- Künstlerische Leitung: Fred Gabourie
- Kostüme: Clare West
- Laufzeit/Material: 45 Minuten, 5 Rollen, 16mm/35mm, S/W
- Erstaufführung (USA): 21. April 1924
- Darsteller: Buster Keaton (The Boy/Sherlock Jr.)

Kathryn McGuire (The Girl)

Ward Crane (The Rival)

Joe Keaton (The Girl’s Father)

Erwin Connelly (The Butler)

2.2 Inhalt des Films

Buster Keaton spielt einen Kinofilmvorführer, der gerne ein berühmter Detektiv wie Sherlock Holmes wäre. Er möchte ein hübsches Mädchen – gespielt von Kathryn McGuire – heiraten, hat aber einen Konkurrenten, welcher von Ward Crane dargestellt wird. Dieser stiehlt die Uhr des Vaters des Mädchens. Als der Diebstahl entdeckt wird, versucht Buster mit seinem Buch „How to Be a Detective“ den Fall zu lösen. Der Dieb schafft es allerdings, dass Buster für den Diebstahl beschuldigt wird und vom Vater des Mädchens aus dessen Haus verbannt. Buster kehrt darauf zu seiner Tätigkeit als Vorführer zurück und schläft während eines Films ein. Er träumt davon, dass er als Geist seinen Körper verlässt und den Film betritt, dessen Plot eindeutige Parallelen zur Situation in Busters Leben aufweist. Die Personen die am Vorfall, den Buster im Wachzustand erlebt hat, teilgenommen haben, nämlich das Mädchen, ihr Vater und der Konkurrent um die Frau, ersetzen die Figuren im Film. In der folgenden Szene nimmt Buster am Film teil, doch es kommt zu überraschenden Schnitten, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Buster wird zum Teil einer Filmwelt, in der zwischen den verschiedensten Orten und Situationen hin- und hergeschnitten wird und in welcher er sich auf die immer neuen Gegebenheiten einstellen muss. Mal ist er im Dschungel und steht einem Löwen gegenüber, mal sitzt er auf einem Felsen im Meer. Als er ins Meer springen will, landet er aufgrund eines Schnitts im Schnee. Nach dieser Szene kommt es zu einer Abblende. Als wieder aufgeblendet wird, kehrt der Film zur eigentlichen Handlung zurück, in der Buster die Rolle des Meisterdetektivs Sherlock Jr. übernimmt und den Fall der gestohlenen Perlen – welche die Parallele zur gestohlenen Uhr darstellen sollen – lösen muss. Während Buster in seinem Traum nach einem Abenteuer den Fall lösen kann, löst Kathryn den Fall der gestohlenen Uhr und bittet den gerade wach gewordenen Buster um Entschuldigung. Der unbeholfene Buster weiss nicht, wie er reagieren soll und schaut sich im immer noch laufenden Film ab, was er tun soll. Es kommt zu einem Kuss. Der Film SHERLOCK JR. endet, als Buster im Kino leicht verwirrt zur Kenntnis nehmen muss, dass das Filmpärchen zwei Kinder bekommt (Vgl. Kline 1993: 99–101).

3 Typische Buster Keaton-Motive in „Sherlock Jr.“

3.1 Faszination für Technik und Medium Film

Keaton wurde in seinem filmischen Schaffen stark von technischen Geräten und mechanisierten Vorgängen inspiriert. Insbesondere die Technik, die zum Film gehört und das Medium Film selber, faszinierten ihn stark. Als er mit Roscoe Arbuckle begann Filme zu drehen, war Keaton sehr neugierig. Er stellte viele Fragen zum Thema „Film drehen“. In erster Linie interessierte ihn aber, wie eine Kamera funktionierte (Vgl. Kline 1993: 13). Insofern erstaunt es nicht, dass Technik und mechanische Vorgänge auch in seinen Filmen häufig thematisiert wurden. In ONE WEEK (Buster Keaton/Eddie Cline, USA 1920) bekommen Buster und seine Braut ein portables Haus geschenkt, welches es zusammenzubauen gilt. Dabei kommt es zu zahlreichen Komplikationen und „mechanischen Gags“ (Vgl. Kline 1993: 57–58). THE SCARECROW (Buster Keaton/Eddie Cline, USA 1920) beginnt mit einer Szene, in der Buster Keaton und Joe Roberts in einer Hütte leben, die voll mechanisch ist. Alles hat mehrere Funktionen. Das Grammophon dient ebenfalls als Ofen, das Bücherregal als Kühlschrank, das Bett als Piano und der Küchentisch als Wandtafel (Vgl. Kline 1993: 61). Diese Idee wird später in THE ELECTRIC HOUSE (Buster Keaton/Eddie Cline, USA 1922) noch einmal aufgegriffen, wo der ganze Film – wie der Titel schon sagt – von einem vollmechanischen Haus handelt, wo die Geschirrspülmaschine das Geschirr auch gleich wegräumt und das Essen durch eine Modelleisenbahn, die von der Küche ins Esszimmer fährt, automatisch serviert wird (Vgl. Kline 1993: 83–84). Doch Keaton greift nicht nur auf solche Innovationen zurück, sondern auch auf herkömmliche technische Geräte, speziell auf Fahrzeuge. In THE BOAT (Buster Keaton/Eddie Cline, USA 1921) konstruiert Keaton ein Schiff (Vgl. Kline 1993: 72), in OUR HOSPITALITY (Buster Keaton/Jack Blystone, USA 1923) fährt Keaton mit einem der ersten Fernverkehrzüge der USA, welcher wie eine Kutsche aussieht und welchen Keaton eigens für den Film rekonstruiert hatte (Vgl. Kline 1993: 94–95). THE NAVIGATOR (Buster Keaton/Donald Crisp, USA 1924) spielt wie THE BOAT wieder auf einem Schiff (Vgl. Kline 1993: 101). THE GENERAL (Buster Keaton/Clyde Bruckman, USA 1927) hingegen handelt wieder von einem Zug. Diesmal steht das Fahrzeug in einer noch bedeutenderen Rolle, da Keaton einen Lokomotivführer spielt, dessen Zug gestohlen wird (Vgl. Kline 1993: 113–115). In STEAMBOAT BILL JR. (Charles F. Riesner, USA 1928) steht erneut ein Schiff im Zentrum des Geschehens, genauer ein Flussboot auf dem Mississippi (Vgl. Kline 1993: 120–121). Keaton war seit seiner Jugend begeistert und fasziniert von Zügen und Schiffen, was erklärt, wieso er gerade diesen beiden Fahrzeugen in seinen Filmen solche Beachtung schenkt (Vgl. Knopf 1999: 37). Wie bereits erwähnt, faszinierte ihn aber auch die Filmtechnologie sehr stark, besonders die Kameras. Deshalb wird auch dieses Motiv in Keatons Filmen thematisiert. Ein Beispiel dafür ist THE CAMERAMAN (Edward M. Sedgwick, USA 1928), bei dem Keaton – auch hier ist der Filmtitel selbsterklärend – einen Kameramann spielt (Vgl. Kline 1993: 125–126).

[...]


[1] Vgl. Kline 1993: 97–98. und Sherlock Jr. Internet Movie Database. <http://www.imdb.com/title/tt0015324/> [Stand 20. Februar 2011].

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993109
ISBN (Buch)
9783640993369
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177570
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Seminar für Filmwissenschaft
Note
Schlagworte
analyse films sherlock keaton

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