Lade Inhalt...

Sozialisation in der Schule

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung

II. Versuch einer Definition von „Sozialisation“

III. Sozialisationsinstanzen in Deutschland
III.1 Sozialisation in der Familie
III.2 Sozialisation im Kindergarten
III.3 Sozialisation in der Schule
III.3.1 gesellschaftliche Funktion der Schule
III.3.2 »sichtbarer« und »unsichtbarer« Lehrplan
III.3.3 People processing organizations
III.3.4 Peer culture
III.3.5 Diskrepanz zwischen Schul- und Alltagsanforderungen
III.3.6 Veränderungsmöglichkeiten und deren Folgen

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

VI. Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung

Meine Hausarbeit im Seminar zur Pädagogik der Haupt-/ Real- und Gesamtschule II „Unterrichten in der Sekundarstufe I“ im Wintersemester 2009/2010 beginnt mit dem Versuch einer Definition des Begriffs Sozialisation. Darauf folgt die Betrachtung der Sozialisationsinstanzen Familie, Kindergarten und Schule, wobei das Hauptaugenmerk auf der Schule und ihren verschiedenen Facetten liegt. Als Grundlage für diese Hausarbeit diente mir der Text „Die Schule als Sozialisationsinstanz“ von Klaus Hurrelmann.

II. Versuch einer Definition von „Sozialisation“

Eine zentrale Frage der Sozialisation ist „Wie und warum wird aus einem Neugeborenen ein autonomes, gesellschaftliches Subjekt? Oder anders: Wie werden wir ein Mitglied der Gesellschaft?“[1]

Als eigentlicher Begründer des Konzepts der Sozialisation gilt Emile Durkheim, der bei seiner Untersuchung des Übergangs von einfachen zu arbeitsteiligen Industriegesellschaften feststellte, dass die gesellschaftlichen Normen auf ein Individuum stoßen, „das sich triebhaft, egoistisch und asozial verhält und erst durch den Prozess der Sozialisation gesellschaftsfähig wird.“[2]. Damit prägte er einen Begriff von Sozialisation, „der die Diskussion in den Geistes- und Sozialwissenschaften bis in die 1970er-Jahre hinein beherrschte. Er verstand Sozialisation als »Vergesellschaftung der menschlichen Natur«, gewissermaßen als sozialen Vereinnahmungsprozess der Persönlichkeit.“[3] Zum Teil durch Durkheim beeinflusst, „sind in verschiedenen Theorien der Psychologie und der Soziologie Konzepte der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen in einer sich verändernden gesellschaftlichen Umwelt entfaltet worden“[4], beispielsweise von Sigmund Freud (Persönlichkeitspsychologie), John B. Watson (Lerntheorie) und Jean Piaget (strukturgenetische Entwicklungspsychologie). „Diese psychologischen Theorien spielen bis heue eine große Rolle für die Sozialisationstheorie und –forschung. Sie gehen auf das Verhältnis eines Menschen zu seiner unmittelbaren sozialen und dinglichen Umwelt ein […].“[5] Hinsichtlich der soziologischen Tradition sind Talcott Parsons (Strukturfunktionalismus) und George Herbert Mead (Symbolischer Interaktionismus) zu nennen.

Wichtig ist, dass die genannten Theorien zu einer Zeit entstanden, als sich arbeitsteilige Industriegesellschaften gerade etablierten und somit „die Sichtweise des Zusammenhangs von Persönlichkeitsentwicklung und Gesellschaftsentwicklung […] durch diese historische Entwicklung stark beeinflusst [war].“[6] Da unsere heutigen westlichen Gesellschaften nicht mehr denen der Zeit Durkheims entsprechen, sondern „durch eine große Vielfalt von sozialen und kulturellen Lebensformen und ein Zusammenspiel von eigenständigen Organisationen und Systemen gekennzeichnet [sind]“[7] ist eine neue Definition von Sozialisation nötig geworden.

In den 1960er-Jahren begann eine Diskussion, die verknüpft war mit der These, „dass Sozialisation und Erziehung für das erhebliche Ausmaß an sozialer Ungleichheit verantwortlich seien. […] Diese Diskussion strahlte in die Kindheits-, Jugend-, Familien-, Biografie- und Lebenslaufforschung aus. Zugleich wuchs der Bedarf an einer breiten theoretischen Fundierung und an einer einheitlichen Definition.“[8] Das Handbuch der Sozialisationsforschung (Hurrelmann, Ulich 1980) spielte eine große Rolle und definierte – bis heute gültig – Sozialisation „als Prozess der Entstehung und Entwicklung von Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt.“[9]

„Sozialisation bezeichnet nach dieser Definition den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Menschen die »innere Realität« bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die »äußere Realität« bilden.“

Der Begriff Sozialisation ist eng mit Begriffen wie Erziehung, Entwicklung und Persönlichkeit verknüpft.[10] „Erziehung ist nicht gleich Sozialisation […].“[11], sie wird von Durkheim als „methodische Sozialisation“[12] verstanden. Erwachsene haben die Aufgabe, einem Kind die Aneignung von gesellschaftlichen Erfahrungen zu ermöglichen und decken somit einen Bereich der Sozialisation ab, der unter anderem durch Erziehung ermöglicht wird.[13]

III. Sozialisationsinstanzen in Deutschland

Es gibt eine Vielzahl von Instanzen, die der Sozialisation dienen und die von den meisten Menschen in Deutschland durchlaufen werden. Hurrelmann bringt sie in folgende Rangfolge:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Struktur sozialisationsrelevanter Organisationen und Systeme[14]

[...]


[1] Zimmermann, Peter: Kap. 2 Sozialisation – Was ist das eigentlich? In: Zimmermann, Peter: Grundwissen Sozialisation. Leske, Budrich: Opladen 2003, S. 13

[2] Hurrelmann, Klaus: Kap. 1.1 Definitionen und Konzepte von Sozialisation. In: Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim, Basel: Beltz 2002, S. 11

[3] ebd., S. 12

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] ebd., S. 13

[7] ebd.

[8] ebd., S. 15

[9] ebd.

[10] Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, S. 16; Zimmermann: Grundwissen Sozialisation, S. 14 f.

[11] Zimmermann: Grundwissen Sozialisation, S. 14

[12] ebd.

[13] ebd.

[14] Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, S. 34

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640993987
ISBN (Buch)
9783640995332
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177606
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Allgemeine Didaktik und Schulforschung
Note
1,0
Schlagworte
sozialisation schule

Autor

Zurück

Titel: Sozialisation in der Schule