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Welche ökonomischen Abhängigkeiten bestehen zwischen der US- und der chinesischen Wirtschaft?

Eine Analyse vor dem Hintergrund des Neorealismus in Internationalen Beziehungen

Seminararbeit 2011 31 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie des Neorealismus in Internationalen Beziehungen
2.1 Die Akteure im Neorealismus
2.2 Die Prinzipien des internationalen Systems
2.3 Polit-ökonomischer Neorealismus

3. Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den USA
3.1 Wechselkurs
3.2 Handelsbilanz
3.3 Geistiges Eigentum
3.4 Ausländische Direktinvestitionen

4. Analyse der wirtschaftlichen Abhängigkeiten
4.1 Anwendbarkeit des Neorealismus im ökonomischen Kontext
4.2 Der Anti-Dumping Streit
4.2.1 Arbeitsgesetzgebung
4.3 Neubewertung des RMB
4.4 US-Staatsanleihen

5. Ausblick auf die weitere Entwicklung
5.1 Verhalten der USA
5.2 Verhalten Chinas

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Investitionen seitens amerikanischer Unternehmen in China

Abbildung 2: Entwicklung der chinesischen Devisenreserven

Abbildung 3: Wechselkurs RMB und US-Dollar

Abbildung 4: Chinesische Exporte in die USA

Abbildung 5: US Handelsbilanz mit Welt und weiteren Handelspartnern

Abbildung 6: Bilateraler Handel zwischen USA und China

Abbildung 7: Amerikanische Direktinvestitionen in China

Abbildung 8: Verwendete Variablen

Abbildung 9: Ergebnisse des Johansen Cointegration Tests

Abbildung 10: Handel USA - China 2000-2010

Abbildung 11: US-Exporte nach Handelspartnern

Abbildung 12: Chinas Anteil an US-Staatsanleihen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Seit der Reform- und Öffnungspolitik, welche die chinesische Regierung seit dem Ende der 1970er Jahre betreibt, sind die Verflechtungen zwischen den USA auf der einen und der Volksrepublik China auf der anderen Seite enger geworden. Die heutigen Auswirkungen der Wirtschaftsbeziehungen übertreffen bei weitem die anfänglichen Prognosen. Die Handelsvolumina wuchsen insbesondere in den 1990er Jahren rapide an. Je nach Ursprung der Statistik, wird die Wachstumsrate des Handelsvolumens in der Zeit zwischen 1990 und 1998 von chinesischer Seite auf 21,2%, von amerikanischer Seite auf 19,9% taxiert.1 Die ökonomischen Abhängigkeiten wuchsen weitaus schneller, als die politischen Beziehungen. So war bereits diese Phase des hohen Wachstums von Friktionen und Konflikten begleitet worden. Dennoch wuchsen die ökonomischen Verbindungen zwischen beiden Ländern, sodass China bereits Ende der 1990er Jahre zu Amerikas viertwichtigstem Handelspartner avancierte. Zu diesem Zeitpunkt kauften die USA ca. ein Drittel des chinesischen Gesamtexportvolumens.2 Das Resultat waren sinkende Verbraucherpreise in den USA und hohe Wachstumsraten im Exportsektor Chinas.

Auch die Investitionstätigkeit der US-amerikanischen Unternehmen folgte dem Trend, den der bilaterale Handel vorgab und stieg besonders seit Beginn der 1990er Jahre rasch an, wie die Abbildung 1 verdeutlicht. Durch die großen kulturellen, geschichtlichen und sozialen Unterschiede zwischen den USA und der Volksrepublik sind Konflikte allerdings vorprogrammiert. Im theoretischen Teil der vorliegenden Arbeit wird daher das Verhalten der beiden Parteien vor dem Hintergrund des Neorealismus in den Internationalen Beziehungen diskutiert.

Abbildung 1: Investitionen seitens amerikanischer Unternehmen in China

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Entnommen aus: Xu (2001): S. 240)

Die wirtschaftlichen Interessen Chinas und der USA werden aufgezeigt, um heutige und mögliche zukünftige Konfliktlinien zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu identifizieren und um das Verhalten der Akteure zu analysieren. Die aktuellen Konfliktpotentiale bergen vor allem die Themen Handelsbilanz, US-Staatsanleihen, Wechselkurs und nicht zuletzt Urheberrechtsfragen. Anhand dieser Themen soll dem Leser ein aktuelles Bild der wirtschaftlichen Abhängigkeit beider Staaten voneinander vermittelt werden. Zu Beginn dieser Arbeit wird die Entwicklung der Handelsbeziehungen dargestellt. Anschließend wird mit Hilfe der im Theorieteil gelegten Grundlagen das Verhalten von Peking und Washington analysiert und im Fazit wird der Status-Quo der wirtschaftlichen Abhängigkeiten und deren zukünftige Auswirkungen auf beide Länder dargestellt.

2. Die Theorie des Neorealismus in Internationalen Beziehungen

Als Begründer des Neorealismus gilt der Amerikaner Kenneth N. Waltz. In seinem Werk „Theory of International Politics“von 1979 begründet er das Verhalten von Staaten aus strukturalistischer Sichtweise. Um sich auf der anarchistischen Weltebene behaupten zu können, müssen Staaten ihre Macht ausweiten.3 Das Internationale System wird nach Waltz durch die Nationalstaaten (units) und seine Struktur (structure), welche die strukturellen Rahmenbedingungen und die Umgebung umfasst, geprägt.4

2.1 Die Akteure im Neorealismus

Die wesentlichen Akteure im Neorealismus sind die Nationalstaaten, die durch Aktion und Interaktion innerhalb des internationalen Systems miteinander verbunden sind. Nationalstaaten sind im Neorealismus als rationale, autonome und einheitliche Akteure definiert, die auf eine Veränderung der Bedingungen in ihrer Umwelt reagieren und sich gegebenenfalls anpassen.5 Als rationale Akteure wird den Staaten (rational units) als oberste Priorität die Durchsetzung der eigenen Interessen innerhalb einer Zweck-Mittel-Rationalität unterstellt. Die Autonomie ergibt sich aus der Tatsache, dass die Nationalstaaten nicht von innerpolitischen oder innergesellschaftlichen Konflikten in ihrem außenpolitischen Handeln beeinflusst werden. Die übergeordneten Ziele werden in eine Prioritätsreihenfolge gebracht, auf deren Grundlage Strategien zur Durchsetzung dieser Ziele ausgearbeitet werden. Gerade dieser Punkt zeigt, dass für das Handeln im internationalen Umfeld das politische System, wie etwa die Regierungs- oder Gesellschaftsform, nicht entscheidend sind. „Schließlich handeln Staaten stets einheitlich und verhalten sich hinsichtlich ihrer Präferenzen und Interessen nach außen hin uniform (unitary units)“6.7 8 9 Diese Eigenschaften des Nationalstaates ermöglichen es diesem, innerhalb des internationalen Systems, auf Zwänge zu reagieren.10

2.2 Die Prinzipien des internationalen Systems

“None is entitled to command; none is required to obey. International systems are decentralized and anarchic.” --Kenneth N. Waltz 1979 Nach Waltz werden drei konstituierende Prinzipien des internationalen Systems unterschieden:

1. Das Ordnungsprinzip (ordering pinciples)
2. Die Eigenschaften der Einheiten (the character of the units)
3. Die Machtverteilung (the distribution of capabilities)

Waltz geht davon aus, dass einzig die Machtverteilung zwischen den Akteuren verändert werden kann. Die Macht der einzelnen Nationalstaaten wird als Eigenschaft der Staaten betrachtet. So kann eine Veränderung des Umfeldes nur durch eine Macht- und Ressourcenverteilung der vorhandenen Mittel geschehen und bilden „ein Attribut der Systemstruktur“.11 Das Fehlen eines Machtmonopols, also einer übergeordneten Macht, im internationalen System hält die Nationalstaaten in steter Unsicherheit über das Verhalten der anderen Akteure. Die Motivation staatlichen Handels sieht Waltz in der Selbsterhaltungsprämisse, der die Aktionen der Nationalstaaten determiniert.12 Diese Selbsterhaltungsprämisse beinhaltet die Sicherung der Autonomie und der territorialen Integrität.13 Im Neorealismus ist „Sicherheit die wesentliche Messgröße“und Macht als ein „unterstützendes Mittel“zur Erreichung des ersteren definiert.14 Da Macht als relatives Gut betrachtet wird, dient sie als Indikator für die Sicherheit eines Staates, dieser Umstand zwingt die Akteure im internationalen System ihre Sicherheit zu maximieren.15 Nur ein Machtgleichgewicht, wie beispielsweise die atomare Pattsituation zwischen den USA und der UdSSR während des Kalten Krieges, kann die Wahrscheinlichkeit einem Angriff zum Opfer zu fallen, minimieren. Laut Waltz ist ein Machtgleichgewicht jedoch kein Garant für internationale Stabilität, sondern ein strukturbestimmter Zustand, „der sich immer wieder reproduziert“.16

In der vorliegenden Arbeit soll vor allem das Verhalten im ökonomischen Bereich zwischen den USA und China betrachtet werden. So können ökonomische Interessen nicht von weiteren Interessen abgekoppelt betrachtet werden. „States use economic means for military and political ends; and military and political means for the achievement of economic interests. “17.

2.3 Polit-ökonomischer Neorealismus

Der Ökonom Robert Gilpin entwickelte aus dem strukturellen Neorealismus nach Waltz eine Modifikation, die impliziert, dass „Machtbehauptungen, sicherheitsorientiertes Verhalten und nationales Interesse der Staaten auch in einem wesentlichen Maße auf ökonomische Aspekte zurückzuführen sind“18. In Gilpins Analyse stehen, im Kontrast zu Waltz, nicht die Struktur des internationalen Systems im Vordergrund, sondern die Akteure. Dabei geht es weniger um die Erklärung von Stabilität und Einheitlichkeit, denn um die Frage warum es, trotz der anarchischen Prägung des internationalen Systems, zu zwischenstaatlicher Kooperation und Wandel kommt. Gilpins Theorie fußt auf drei wesentlichen Annahmen19:

1. Die Natur der Beziehungen zwischen den Akteuren ist konfliktgeladen.
2. Das Substrat der sozialen und politischen Realität ist die Gruppe.
3. Die wesentlichen Leitmotive und Motivationen menschlichen Lebens und Handelns sind Macht und Sicherheit.20

Gilpin definiert Staaten als Nutzenmaximierer, die innerhalb des internationalen Systems versuchen, ihre Interessen und Ziele optimal durchzusetzen. Sämtlichen Handlungen auf supra-nationaler Ebene liegt, ähnlich der ökonomischen Theorie, ein Kosten-Nutzen-Kalkül zu Grunde. Der Versuch, das internationale System zu seinen Gunsten zu verändern, ist für den Nationalstaat nur erstrebenswert, wenn der erwartete Mehrnutzen die Kosten der angestrebten Veränderung übersteigt.21 22

3. Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den USA

Im Folgenden werden die wesentlichen Kritikpunkte der US-amerikanischen Regierung gegenüber China bei den Themen Wechselkurs, Handelsbilanz und Urheberrecht aufgeführt.

3.1 Wechselkurs

Die Wechselkursdebatte und der Vorwurf, Peking würde den Wechselkurs zu Gunsten seines Exportsektors manipulieren, sind immer wieder Thema in den Auseinandersetzungen zwischen den USA und der Volksrepublik. Im Zuge des steigenden Handelsbilanzüberschusses auf chinesischer Seite und der resultierenden Ausweitung der Devisenreserven, auf aktuell 3,04 Billionen US-Dollar23, rückte der Wechselkurs in den Fokus der Argumentation seitens der amerikanischen Politik. Die Volksrepublik hat seit 1995 ein sehr stabiles Austauschverhältnis zwischen dem Renminbi (RMB) und dem US-Dollar gehalten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konnte dieses Verhältnis nur durch massive Intervention auf den Devisenmärkten stabilisiert und eine Aufwertung des RMB verhindert werden.24 Die steigenden Devisenreserven und das massive Exportwachstum Chinas bilden so die Grundlage für die Kritik an einer Unterbewertung des RMB. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der chinesischen Devisenreserven.

[...]


1 Xu (2001): S. 237

2 Ebd.

3 Menzel (2001): S. 159

4 Waltz (1979): S. 93

5 Masala (2005): S. 40f.

6 Dietzel, Hoegele (2011): S. 16

7 Masala (2005): S. 41f.

8 Waltz (1996): S. 54

9 Schöring (2006): S. 71

10 Dietzel, Hoegele (2011): S. 16

11 Dietzel, Hoegele (2011): S. 17

12 Waltz (1979): S. 88-93

13 Dietzel, Hoegele (2011): S. 17

14 Ebd.: S. 18

15 Ebd.

16 Dietzel, Hoegele (2011): S.18

17 Waltz (1979): S. 94

18 Dietzel, Hoegele (2011): S. 24

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Menzel (2001): S. 161

22 Dietzel, Hoegele (2011): S. 24

23 o.V. (2011): Chinas Devisenreserven bei drei Billionen Dollar, in: handelsblatt.com

24 Prasad (2008): S. 81

Details

Seiten
31
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640994335
ISBN (Buch)
9783640995158
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177685
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Wirtschaft Ostasiens
Note
1,0
Schlagworte
USA China Wechselkurs Renminbi RMB Neorealismus Internationale Beziehungen Abhängigkeit

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