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Jugendgewalt - ein Überblick

Seminararbeit 2010 9 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Allgemeines

2 Epidemiologie
2.1 Risikofaktoren
2.1.1 Familie
2.1.2 sozialesUmfeld/Milieu
2.1.3 Schule/Ausbildungsstätte
2.1.4 Freundeskreis/Peer
2.1.5 Medienkonsum
2.1.6 DerJugendlicheselbst
2.2 Funktionen

3 Gewalt an Schulen

4 Fazit für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Die Jugendphase (Adoleszenz) besteht aus tiefgreifenden biologischen, psychischen und sozialen Veränderungen. Jugendliche müssen dabei zugleich ihrer eigene Identität finden. Gelingt es ihnen aber nicht, die verschiedenen Facetten des „neuen Ichs“ in die personelle Identität zu integrieren, kommt es zur sog. Identitätsdiffusion - ihnen misslingt also die Einordnung in die reale Welt. Dann verstecken sie sich vielleicht hinter Intoleranz, Aggressivität und Gewalt oder fliehen in Sucht und Suizid (vgl. Langfeldt/Nothdurft, 2007, S. 92).

Ich möchte nun an einem dieser Punkte, der Jugendgewalt, anknüpfen und kurz erklären, was man darunter versteht, welche Formen existieren, wie genau es dazu kommen kann und wie in der Sozialen Arbeit mit diesem Thema umgegangen wird.

1 Allgemeines

Jugendgewalt ist von Jugendlichen ausgeübte Gewalt, und somit auch ein unspezifischer Sammelbegriff für viele verschiedene jugendspezifische Deliktformen. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass es sich dann um jugendliche Gewalthandlungen handelt, wenn die Intention einer Schädigung erkennbar ist (vgl. Scheu, 2009).

Gesamt betrachtet werden Jugendgewalthandlungen zu 80% von männlichen Jugendlichen ausgeübt, wobei ebenfalls 80% aller Gewalthandlung aus Cliquen heraus entstehen oder gemeinschaftlich in kleinen Gruppen begangen werden. Jugendgewalt ist anders als bei „erwachsener Gewalt“ öffentlich sichtbar und präsent. Nicht nur der Großteil der Täter ist männlich, sondern auch der der Opfer. Die Jugendgewaltrate ist in den letzten Jahren, anders als vermutet, nicht angestiegen, sondern gleichbleibend geblieben bzw. sind sogar rückläufige Tendenzen zu beobachten. Dem hingegen ist ein teilweise immer brutaleres Vorgehen zu beobachten. Im Vergleich zu früher ist heute längst nicht mehr Schluss, wenn das Opfer am Boden liegt und aufgibt (vgl. Gugel, 2010, S. 159 ff.).

Zu unterscheiden ist die Jugendgewalt in vier Formen: physische Gewalt (Schädigung und Verletzung eines anderen durch körperliche Kraft und Stärke); psychische Gewalt (Schädigung und Verletzung eines anderen durch Vorenthalten von Zuwendung und Vertrauen, durch seelisches Quälen und emotionales Erpressen); verbale Gewalt (Schädigen und Verletzen eines anderen durch beleidigende, erniedrigende und entwürdigende Worte) und Vandalismus (Beschädigen und Zerstören von Gegenständen) (vgl. Schubarth, 2000).

Wichtig ist die Abgrenzung von Jugendgewalt zur Jugendkriminalität, worunter Delikte fallen wie Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, gefährliche/schwere Körperverletzung - auch mit Todesfolge -, Raub, Mord, etc. (vgl. Gugel, 2010, S. 159 ff.).

Zur Jugendgewalt zählen z.B. Erpressungen, „einfache“ Körperverletzungen, Gewalt bei Sportereignissen durch Ultras und Hooligans, Mobbing, ausländerfeindliche Übergriffe, Straßenschlachten mit der Polizei, etc. (vgl. Gugel, 2010, S. 159 ff.).

2 Epidemiologie

Ursächlich bedingt existiert kein simples Kausalprinzip mit Ursache und Wirkung, stattdessen eine enorme Bandbreite von Risikofaktoren, die zu Gewalthandlungen führen können. Jugendgewalt hat zudem für den Jugendlichen immer eine Funktion.

Da es zu weit gegriffen wäre, alle Risikofaktoren und weitere Ursachen zu benennen, beschränke ich mich auf wesentliche Aspekte.

2.1 Risikofaktoren

2.1.1 Familie

Häufig lernen Jugendliche (Kinder) die Gewalt von ihren Eltern - sogenanntes Modelllernen. Studien ergaben außerdem, dass die meisten jugendlichen Gewalttäter selbst einmal Opfer von Gewalt waren, also z.B. von ihren Eltern geschlagen, misshandelt, missbraucht, vernachlässigt werden/wurden. Funktional gestörte Familienverhältnisse, wechselndes Erziehungsverhalten, ineffizienter Erziehungsstil, wiederholter Wechsel der Bezugspersonen (z.B. Stiefeltern; auch Pflegeeltern), fehlende emotionale Bindung zu den Eltern, Scheidung/Trennung der Eltern, sehr junge und alleinerziehende Eltern, alkoholabhängige und kriminelle Eltern, elterliches Desinteresse, etc. sind Faktoren im familiären Bereich, die in/ohne Kombination mit anderen Risikobereichen zu Jugendgewalt führen können.1

2.1.2 soziales Umfeld/Milieu

In einem Wohngebiet, welches von sozialer Benachteiligung geprägt ist (z.B. hohe Arbeitslosigkeit), in dem Kriminalität und Drogenprobleme an der Tagesordnung sind, kann es häufiger zu Gewalthandlungen kommen, als in Nobelvierteln. Jugendliche bekommen die Gewalt praktisch in ihrem sozialen Umfeld vorgelebt. Die Gefahr ist auch hier sehr hoch, selbst zum Gewaltopfer zu werden - aus Opfern werden häufig Täter.

2.1.3 Schule/Ausbildungsstätte

Schulische Misserfolge bzw. schulisches/berafliches Scheitern durch Überforderung, ein negatives Schul- und Klassenklima, mangelnde Erziehungskompetenz der Lehrer und andere Merkmale einer negativen Schulkultur können in Kombination mit anderen Risikofaktoren zu Jugendgewalt führen. Risikobereich kann auch die Stigmatisierung von Jugendlichen in Schulen sein - z.B. wenn ein Schüler für seine Gewaltbereitschaft bekannt ist, wird er von den anderen Schülern (auch Lehrern) stigmatisiert und somit eventuell ausgegrenzt - dies macht ihn natürlich noch gewalttätiger; teilweise kommt es durch die Lehrer zu gravierenden Sanktionen, welche die Gewaltbereitschaft des Jugendlichen umso mehr steigern.

2.1.4 Freundeskreis/Peer

Oftmals begehen Jugendliche Jugendgewalt, um sich Anerkennung und Respekt innerhalb des Freundeskreises zu verschaffen. Entscheidend sind dabei auch die Gleichaltrigen, welche als Vorbilder angesehen werden. Teilweise bekräftigen diese Vorbilder Aggressionen, Delinquenz und Substanzenkonsum und einen auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Lebensstil. Wie genannt nehmen sich die Jugendliche diese als Vorbilder, welche nachgeahmt werden.

Gewalt wird gefördert durch gewaltbefürwortende Normen unter den Freunden, Gewalt in der Clique, aktionsorientierter Lebensstil und Konsum von aggressionsfördernden Medieninhalten.

2.1.5 Medienkonsum

Bei gehäuftem Gewaltkonsum durch Medien kann es dazu kommen, dass sich Jugendliche an gewalttätige Handlungen gewöhnen, dass sie dadurch abstumpfen, insgesamt auch Entmenschlichung erleben, Feindbilder und ein negatives Weltbild vermittelt bekommen. Medien sind außerdem für Konsumorientierung verantwortlich, was bewirkt, dass eine Selbstdefinition nur noch über Statussymbole und Konsumartikel erfolgt.

2.1.6 Der Jugendliche selbst

Als ein letztes stellt der Jugendliche selbst möglicherweise einen Risikobereich dar. Beispielsweise kann ein anomisch begründetes Verhalten (fehlende/schwache soziale Normen/Regeln/Ordnung) in Kombination mit anderen Risikofaktoren zu Jugendgewalt führen. Hinzu kommt, dass die durch die Pubertät körperlichen Veränderungen überschüssige Energien mit sich bringen, die auf das Bedürfnis nach körperlichem Ausagieren hinweisen.

[...]


1 In Anlehnung an die Risikofaktorenauflistung in Gugel, 2010, S. 176

Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640996339
ISBN (Buch)
9783640996704
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177803
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1,0
Schlagworte
jugendgewalt allgemeines funktion risikofaktoren epidemiologie gewalt jugendliche jugendphase jugendalter kriminalität

Autor

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