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Der ideale Held und das Töten

Hausarbeit 2010 31 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Der ideale Held

2. Wolframs von Eschenbach Parzival

3. Hartmanns von Aue Iwein

4. Hartmanns von Aue Erec

5. Wirnts von Grafenberg Wigalois

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Siglenverzeichnis

1. Der ideale Held

Der ideale Held kommt einer edlen Dame zur Hilfe[1], die sich in Not befindet. Er bezwingt den Aggressor und schenkt dem geschlagenen Gegner das Leben. Der Geschlagene begibt sich zum Artushof und verbreitet dort die Kunde von den glänzenden Taten seines Bezwingers. Neben Ruhm und Ehre kann der Sieger gegebenenfalls noch Hand und Land der geretteten Dame erlangen.

Dieses Schema ist in mittelhochdeutschen Romanen immer wieder anzutreffen. Den Rezipienten zeigt sich das Bild eines vortrefflichen Ritters, der sich den höfischen Normen gemäß verhält. Aber wie ideal kann ein Ritter sein, der neben geretteten Damen eine Spur von Leichen hinterlässt? Und nicht immer ist eine bedrängte Dame der Auslöser einer bewaffneten Auseinandersetzung. Die Analyse wird zeigen, dass es wesentlich geringere Auslöser gibt, die den mittelalterlichen Helden zur Waffe greifen lassen.

Es stellt sich die Frage, ob der Held der höfischen Literatur nicht von einer Folie profitiert, hinter der er notfalls weniger glanzvolle Taten verbergen kann. Das Bild des höfischen Ritters ist so stark festgeschrieben, dass Fehlverhalten vielleicht wesentlich leichter entschuldigt oder sogar übersehen wird, als es einer nicht höfischen Figur gegenüber geschehen würde. Eine pauschale Entschuldigung eines Totschlags durch die Idealität des Helden erscheint nicht angemessen. Bei der Bewertung von Todesfällen muss allerdings sehr vorsichtig agiert werden. Der Blick für die im Mittelalter verbindlichen Normen darf nicht verloren gehen, wenn die Taten der Helden eingeordnet werden sollen. Im Mittelalter wird unter einem Mord die erschwerte Tötung eines Menschen verstanden. Zunächst ist das wichtigste Merkmal, welches Mord von Totschlag unterscheidet, das Verbergen des Leichnams, das Leugnen der Tat oder die Verweigerung eines Sühneangebots. Bei der Überführung droht dem Täter das Vielfache des bei Totschlag üblichen Bußgelds. Mit dem Landfrieden wird das entscheidende Merkmal die Heimlichkeit der Tat selbst, darunter fallen Meuchelmord, Tötung eines Wehrlosen oder Tötung ohne Anlass, später auch die Tötung aus Gewinnsucht beziehungsweise Raubmord.[2]

Unter Totschlag wird die „Herbeiführung des Todes eines Menschen“[3] verstanden. Im Gegensatz zur neuzeitlichen Vorstellung, ist Vorsatz kein notwendiges Merkmal, der Wille zur Körperverletzung oder Misshandlung genügt. In Abgrenzung zum Mord handelt es sich meistens um Todesfälle im Affekt oder bei Streitigkeiten, d.h. um nachvollziehbare Taten. Im gesamten Mittelalter wird der Totschlag im Regelfall[4] als Angelegenheit angesehen, die zwischen dem Täter und den Hinterbliebenen durch Vergleichsverhandlungen geklärt wird.[5]

Der Totschlagsbegriff ist so weit gefasst, dass er auf alle hier untersuchte Fälle zutrifft. Deshalb muss ‚Mord‘ der zentrale Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein.

In Wirnts Wigalois bleiben nach den bestandenen Aventiuren erstaunlich viele tote Gegner zurück. Bei keinem anderen Werk erscheint dieser Eindruck so stark. Ob der Eindruck gerechtfertigt ist, ergibt eine Auszählung der Kampfergebnisse aus verschiedenen mittelhochdeutschen Romanen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Gesamtzahl getöteter Gegner keine zulässige Größe ist, um die Helden zu bewerten. Das Töten von Riesen, Drachen oder dämonischen Wesen ist in der zeitgenössischen Wahrnehmung eine ehrenhafte Tat, die dem Ritter einen bedeutenden Namen einbringt. Aussagekräftiger ist die Anzahl der insgesamt getöteten Ritter. Zieht man diese Größe heran, tötet Wigalois sechs Ritter (W 2000, 2307-2309, 3557-3560, 6710-6713, 7168-7171, 7659-7662). Erec übertrifft ihn mit neun getöteten Rittern (E 4224, 6620-6622) und lässt Parzival, ein getöteter Ritter (P 155, 7-11), und Iwein, zwei getötete Ritter (I 1051-1055, 5385-5388), hinter sich. Diese Auswertung lässt vor allem Wigalois[6] und Erec in keinem guten Licht erscheinen. Bei Wigalois kommt auch noch eine unbestimmte Anzahl von Gegnern hinzu, die er während des Namurfeldzugs erschlägt.

Die Idealität dieser Helden wird durch eine bloße Zahl beschädigt. Gerade im Wigalois dauert es mehrere Aventiuren, bis es den ersten Kontrahenten gibt, der eine Auseinandersetzung mit dem Protagonisten überhaupt überlebt (W 3073-3079).

Es ist zu untersuchen, wie der jeweilige Text mit den Kämpfen der Ritter umgeht, und welche Funktion die Auseinandersetzungen im Gesamtkontext haben. Des Weiteren muss nicht jeder Gegner, der erschlagen zurückbleibt, dem ‚Täter‘ als Mord angerechnet werden, weshalb die reine Betrachtung einer Zahl von Opfern ebenfalls nicht angemessen ist. Wie bereits erwähnt, muss jedes Kampfergebnis vor allem durch die zeitgenössische Sichtweise hindurch betrachtet werden. Möglicherweise stellen sich einige der idealen Helden als Helden heraus, die zwar im Roman in diesen Stand erhoben werden, nach näherer Betrachtung ihrer Taten aber nicht mehr in dieser Position sein dürften.

Eine Analyse der Einzelfälle ist notwendig, um über den jeweiligen Helden zu urteilen. Es ist durchaus möglich, dass die Umstände die Taten der Ritter rechtfertigen oder in einem anderen Licht erscheinen lassen.

2. Wolframs von Eschenbach Parzival

Parzival gerät mit den denkbar schlechtesten Voraussetzungen an den Artushof. Er wird von seiner Mutter Herzeloyde systematisch von jeglicher ritterlichen Ausbildung ferngehalten (P 117,22-118,2). Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er seinen Verwandten[7] Ithêr von Gaheviez wie ein Tier mit einem Spieß absticht und den Leichnam anschließend respektlos behandelt (P 159, 5-6). Zum Tatzeitpunkt ist Parzival noch „Parzivâl der tumbe“ (P 155, 19), der erst später durch Gurnemanz unterwiesen wird (P 162, 6-163, 6). Erst Gurnemanz bringt Parzival bei, dass er des Mitleids fähig sein und einen anderen Ritter schonen muss, wenn dieser sein Ehrenwort anbietet (P 171, 25-30). Einerseits wird ihn die Unterweisung zu einem Ritter machen, der von diesem Zeitpunkt an keinen Gegner mehr töten wird.[8] Andererseits wird Gurnemanz‘ Rat, nicht so viele Fragen zu stellen, zentral dafür verantwortlich sein, dass Parzival den Gralskönig Anfortas nicht nach seinem Leiden fragt (P 255, 1-20).

Parzival erfährt von Ithêr, dass dieser gekommen ist, um sein Erbe von Artus zu fordern (P 146, 19-30). Ithêr ist ein Verwandter von Artus und von dessen Vater Utepandragûn erzogen worden (P 145, 11-12). Zum Zeichen der Landnahme nimmt Ithêr einen Pokal von der Tafelrunde mit. Nun wartet er vor Nantes darauf, dass die Mitglieder der Tafelrunde den Raub zu rächen versuchen (P 146, 29-147, 8). Parzival erhält von ihm den Auftrag, der Tafelrunde, besonders der Königin Ginover, die bei seinem Raub mit Wein beschmutzt wurde, eine Nachricht zu übermitteln (P 146, 13-147, 8).

Parzival nimmt den Dienst an und verbindet ihn mit seinem Wunsch nach Ritterschaft. Die Rüstung Ithêrs gefällt ihm so gut, dass er sie als Ausstattung von Artus fordert, ohne eine Alternative akzeptieren zu können (P 149, 25-150, 3). Artus ist sich bewusst, dass er Parzival seinen Wunsch nicht erfüllen kann, lässt sich aber von Keye überzeugen. Artus fürchtet, dass Parzivals Weg durch eine Konfrontation mit Ithêr bereits beendet sein könnte, da dieser ein gefährlicher Gegner ist (P 150, 4-5; 23-25).

Obwohl der nicht ausgebildete Parzival gegen einen gerüsteten Ritter, der ein erfahrener Kämpfer ist, eigentlich keine Chance haben kann, lässt der Artushof ihn ziehen. Kein anderer Artusritter erklärt sich bereit, selber die Tjost gegen Ithêr zu wagen. Einerseits kann der Grund dafür in der Verwandtschaft Ithêrs mit Artus liegen. Artus‘ Erklärung bezüglich Ithêr klingt nicht nach einem schlimmen Feind, eher nach einem irregeleiteten Verwandten, den er zur Vernunft bringen möchte (P 150, 4-9). Es wäre demnach anzuraten, das Problem ohne eine gewaltsame Konfrontation zu lösen.[9] Andererseits kann die Kampfkraft Ithêrs den Artushof abschrecken, was für die Feigheit der Tafelrunde sprechen würde.

Da Ithêr als gefährlicher Gegner angesehen wird, erscheint das Verhalten von Artus problematisch. Artus erfüllt Parzivals Forderung nach der Rüstung Ithêrs, obwohl er weiß, dass Ithêr diese nicht kampflos herausgeben kann. Die Zusage der Rüstung ist als Fehdeansage an Ithêr zu verstehen. Parzival kann diese Botschaft nicht entschlüsseln, Ithêr schon.[10] Parzival unter dieser Voraussetzung zu Ithêr zu schicken, erscheint unverantwortlich. Artus kann zwar davon ausgehen, dass sein Verwandter den unbedarften Knaben nicht töten wird, sicher kann er sich dessen aber nicht sein. Ithêr greift Parzival tatsächlich mit umgedrehter Lanze an (P 154, 27-30). Ein Treffer mit der stumpfen Seite der Lanze kann gegen einen ungeschützten Gegner dennoch tödlich ausgehen.

Die Rolle des Artushofes erscheint in dieser Szene nicht allzu vorbildlich. Der Hof verharrt in Passivität, der Herrscher kommt, beraten von Keye, zu einer zweifelhaften Entscheidung.[11] Abgeschwächt wird dies höchstens durch die Idealität Parzivals, die ihn vor Gefahren schützen könnte. Die Besonderheit Parzivals wird von Ithêr (P 146, 5-12) und dem Artushof (P 148, 19-149, 4) anerkannt, Parzival ist von so schöner Gestalt, dass er edler Herkunft sein muss. Der Fischer, der Parzival nach Nantes begleitet, weist ihn darauf hin, dass ein gemeiner Bauer nicht einfach an den Hof geht (P 144, 13-16). Dass Parzival, der wie ein Bettler ausgestattet ist, demnach dort nicht sein dürfte, wird nicht thematisiert.

Unterstrichen wird dies durch die besondere Eigenschaft der Dame Cunnewâre, die niemals lacht und erst lachen wird, wenn der vor ihr steht, der höchsten Ruhm erworben hat oder gewinnen wird. Als sie Parzival sieht, beginnt sie zu lachen (P 151, 11-19). Keye bestraft sie und ihren Bruder Antanor dafür, weil er nicht akzeptiert, dass Cunnewâre beim Anblick vortrefflichster Ritter nicht lacht, aber angesichts eines Tölpels, der keine Ahnung von Ritterschaft hat (P 152, 7-12).

Für den Artushof besteht also, mit Ausnahme Keyes, kein Zweifel an der Idealität Parzivals. Trotzdem muss der Tafelrunde klar sein, dass Parzival gegen Ithêr nicht bestehen kann. Es kann nur spekuliert werden, ob die Tafelrunde auf ein göttliches Eingreifen, auf die Ritterlichkeit Ithêrs oder auf Glück Parzivals setzt. Es muss allerdings überlegt werden, ob das Erscheinen Parzivals am Hof für Artus nicht auch ein sehr günstiges Ereignis ist.

Roßkopf verweist auf die Rechtmäßigkeit der Ansprüche[12], die Ithêr an Artus stellt.[13] Die Königin erkennt das in ihrer Trauerklage an (P 160, 9-10) und betont, dass Ithêr nie Unrecht begangen hätte (P 160, 11-15). Durch die Darstellung in Ginovers Klage wird die Idealität Ithêrs bezeugt. Für Roßkopf verkörpert Ithêr das überlieferte Artusbild, das der Artus, der im Parzival dargestellt wird, nicht mehr erfüllt. Artus und seine Tafelrunde sind in ihrer Vorbildlichkeit gesunken. Parzival kommt demnach gerade recht, um Artus zu helfen. Artus stimmt dem Kampf zu, um sich der berechtigten Ansprüche zu entledigen. Durch die Zubilligung des Harnisches erfolgt indirekt das Einverständnis zum Kampf. Da Parzivals fehlende ritterliche Ausbildung bekannt ist, weiß Artus, dass Parzival den Kampf wie eine Jagd gestalten wird, Ithêr wird seine Ausrüstung bis zuletzt verteidigen, die Tafelrunde nimmt wissentlich einen Kampf um Leben und Tod in Kauf. Roßkopf sieht einen weiteren Beleg für den Fall des Artushofes darin, dass Parzivals Tat nicht verurteilt, sondern mit der Aufnahme in die Tafelrunde belohnt wird (P 280, 11-18). Roßkopf schließt, dass Parzival am Artushof nur auf Ritter trifft, die eigentlich nicht besser als der unwissende Jüngling selbst sind. Deshalb muss Parzival den Artushof verlassen, um seine ritterliche Ausbildung durch Gurnemanz zu erhalten.[14]

Die Ausführungen Roßkopfs stellen Artus und seinen Hof als skrupellose und berechnende Verantwortliche für den Tod Ithêrs dar. Artus wird unterstellt, aus niederen Beweggründen zu handeln, da ihm Parzival ein Problem vom Hals schafft. Des Weiteren wird die gesamte Integrität das Artushofes und dessen Vorbildlichkeit in Frage gestellt.[15] Ob diese Lesart zulässig ist, ist allerdings zu bezweifeln. Artus stimmt Parzivals Wunsch keinesfalls leichtfertig zu (P 150, 4-5; 23-25), außerdem empfindet er Ithêr nicht als Feind (P 150, 6-10). Dass Parzival für seine Tat nicht direkt verurteilt wird, kann auch damit zusammenhängen, dass der Hof seine Mitschuld am Tod Ithêrs einsieht und anerkennt, dass Parzival so gehandelt hat, wie es im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt. Die Totenklage und die standesgemäße Bestattung Ithêrs widersprechen der Darstellung Roßkopfs, dass die Tat ein Segen für die Tafelrunde ist. Ergänzend ist zu sagen, dass Parzival den Artushof nach der Tat verlässt und später auf Gurnemanz trifft (P 161, 10-162, 30), ein Zusammentreffen mit dem Hof, bei dem eine Anklage möglich gewesen wäre, erfolgt nicht.

Parzival wird später einsehen, dass er ein großes Unrecht begangen hat (P 161, 7-9). Dennoch kann er nicht allein für die Tat verantwortlich gemacht werden. Seine Mutter, die ihm Ausbildung und Wissen vorenthält, ist ebenso verantwortlich wie Artus, der das Risiko eingeht, Parzival kämpfen zu lassen, ohne nach einer anderen Lösung zu suchen. Da Parzival zu diesem Zeitpunkt formal noch kein Ritter ist, da seine Schwertleite[16] noch nicht erfolgt ist, wird seine Idealität durch die Tötung Ithêrs nicht angetastet.

[...]


[1] Vgl. Rostek, Markus (2009): mit selher jugent hât minne ir strît: die Bedeutung von Jugend, Ehe und Verwandschaft für die Entwicklung der Titelfigur im 'klassischen' mittelhochdeutschen Artusroman. München, S. 48. Künftig zitiert als Rostek, M. (2009).

[2] Vgl. Schild, Wolfgang (1999): Mord. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, Sp. 833-834. Stuttgart.

[3] Vgl. Schild, Wolfgang (1999): Totschlag. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, Sp. 833-834. Stuttgart, Sp. 833.

[4] Im Spätmittelalter können durchaus weitreichendere Konsequenzen für den Täter folgen, unter anderem die Todesstrafe, die aber durch Geld ablösbar ist. Vgl. Schild, W. (1999): Sp. 833.

[5] Vgl. Schild, W. (1999): Sp. 833-834.

[6] Kaiser weist darauf hin, dass es auf Wigalois‘ Weg diverse Aventiuren gibt, die im Verständnis von Hartmann und Chrétiens „mitnichten alle artuswürdig“ sind. Vgl. Kaiser, Gerd (1975): Der Wigalois des Wirnt von Grâvenberc. Zur Bedeutung des Territorialisierungsprozesses für die „höfisch-ritterliche“ Literatur des 13. Jahrhunderts. In: Euphorion, Jg. 69, S. 410-443, S. 412. Künftig zitiert als Kaiser, G. (1975).

[7] Vgl. Dallapiazza, Michael (2009): Wolfram von Eschenbach. Parzival. Berlin, S. 97. Künftig zitiert als Dallapiazza, M. (2009).

[8] Vgl. Eichholz, Birgit (1987): Kommentar zur Sigune- und Ither-Szene im 3. Buch von Wolframs "Parzival". Stuttgart, S. 204-205. Künftig zitiert als Eichholz, B. (1987).

[9] Dass der Artushof dazu in der Lage ist, beweist der Umgang Gaweins mit dem paralysierten Parzival, der angesichts der Blutstropfen von der Minne übermannt wird (P 282, 20-283, 23). Keye und Segramors stürzen sich ohne Überlegung in die Tjost und werden schwer verletzt (P 284, 23-295, 30). Im Gegensatz zu Keye und Segramors reitet Gawein in friedlicher Absicht zu Parzival und findet eine Lösung (P 299, 27-30; 301, 22-30). Der Artushof verfügt folglich zumindest über einen Ritter, der Streitigkeiten auch ohne Waffen lösen kann. Niemand, außer Keye (P 299, 10-14), würde aufgrund dieser Vorgehensweise Gaweins herausragende Eigenschaften in Frage stellen. Vgl. Sieverding, Norbert (1985): Der ritterliche Kampf bei Hartmann und Wolfram. Seine Bewertung im "Erec" und "Iwein" und in den Gahmuret- und Gawan-Büchern des "Parzival". Heidelberg, S. 236-241. Künftig zitiert als Sieverding, N. (1985).

[10] Vgl. Wittmann, Viola (2007): Das Ende des Kampfes. Kämpfen, Siegen und Verlieren in Wolframs Parzival. Zur Konzeptlogik höfischen Erzählens. Trier, S. 39. Künftig zitiert als Wittmann, V. (2007).

[11] Vgl. Dallapiazza, M. (2009): S. 97.

[12] Dies wird auch von Wittmann betont. Vgl. Wittmann, V. (2007): S. 38.

[13] Maier-Emons widerspricht dem und sieht die Forderungen Ithêrs als unberechtigt an. Vgl. Maier-Eroms, Verena Eleonore (2009): Heldentum und Weiblichkeit. Wolframs Parzival, Gottfrieds Tristan und Richard Wagners Musikdramen. Marburg, S. 42-43. Künftig zitiert als Maier-Eroms, V. (2009).

[14] Die Ausführungen in diesem Absatz beziehen sich auf Roßkopf, Rudolf (1972): Der Traum Herzeloydes und der rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs "Parzival". Göppingen, S. 154-162.

[15] Dies unterstützt auch Dallapiazza, der sich auflösende Ordnungprinzipien sieht. Vgl. Dallapiazza, M. (2009): S. 97.

[16] Umstritten ist, wann Parzivals Schwertleite erfolgt. Diese kann mit dem Umgürten von Ithêrs Schwert angesetzt werden, aber auch erst mit dem Ende der Ausbildung bei Gurnemanz. Die Entscheidung für einen Zeitpunkt ist davon abhängig, ob dem Vorhandensein des Symbols ‚Schwert‘ oder dem tatsächlichen Wissen über das Rittertum der Vorzug gegeben wird. Vgl. Eichholz, B. (1987): S. 229-231.

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640996391
ISBN (Buch)
9783640996469
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177812
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Der ideale Held und das Töten