Lade Inhalt...

Die Geschichte und Entwicklung des Automobils unter der Berücksichtigung der Veränderung der Umwelt und der Gesellschaft in Deutschland

Facharbeit (Schule) 2011 19 Seiten

VWL - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Verbrennungsmotors
2.1. Die Reifung der Verbrennungsmaschine
2.1.1. Die Frage nach dem idealen Kraftstoff

3. Die Geschichte des Automobils
3.1. Die ersten Automobile
3.2. Die Motorisierung in der Weimarer Republik
3.3. Das Dritte Reich, der Volkswagen und die Autobahnen
3.4. Der Beginn der Massenmotorisierung nach 1945
3.4.1. Die Ölkrise und erste Kritik im Umgang mit dem Automobil

4. Die ökonomische und soziale Bedeutung des Autos
4.1. Als Wirtschaftszweig
4.2. Als Mittel uneingeschränkter Mobilität
4.3. Als Statussymbol

5. Die ökologischen Folgen der Motorisierung
5.1. Verbrauch und Zerstörung der Natur und Umwelt

6. Die Voraussichtliche Entwicklung des Automobils
6.1. Peak-Oil Theorie

7. Fazit

1. Einleitung

(„ Das Auto ist vielfach nützlich, um im Alltag einer ganzen Reihe von moralischen Anforderungen gerecht zu werden: Der Hilfe für kranke Verwandte, der Kontak- tepflege mit Freunden, den Verpflichtungen eines Ehrenamts. Diesen Erwartun- gen - und nicht allein eigener egoistischer Bequemlichkeit - müsste sich das öko- moralisch aufgeladene Individuum entgegenstemmen, wenn es das eigene Auto- fahren nachhaltig einschränken oder sich gar von ihm verabschieden wollte. “ )1

Mit der Erfindung und Entwicklung des benzinbetriebenen Verbrennungsmotors durch Karl Benz und unter anderem auch Gottlieb Daimler im Jahre 1888, begann die Ära der schnell voranschreitenden Entwicklung des Automobils2, die stetig größer werdende Mobilität des Menschen durch neue Technologien3, sowie eine Veränderung der Wahrnehmung des Individuums zu seiner Umwelt.4 Diese Wandlung ist der Grund meines Interesses. Ich möchte mir mit dieser Arbeit selbst vor Augen führen, welch große Unterschiede sich innerhalb von nur 125 Jahren zwischen mobilsein und nicht mobilsein entwickelt haben. Auch wie der Mensch seine Raumerfahrung und die Umwelt erlebt bzw. erlebt hat ist eine inte- ressante Transition. Seit 1888 bis heute hat die ansteigende Mobilität dem Men- schen Möglichkeiten geschaffen, Orte und Lokalitäten ohne großen Aufwand in geringer Zeit zu erreichen. Inzwischen funktioniert die Automobilindustrie als eigener Wirtschaftszweig, welcher unabdingbar zur Förderung der deutschen Konjunktur beiträgt und in großen Anteilen die Bundesrepublik Deutschland bis 2009 zum Exportweltmeister machte.5 In dieser Arbeit möchte ich die Geschichte des Automobils seit dem Beginn des schnellen Fortschritts vor 125 Jahren unter den Aspekten der deutschen Geschichte und der zunehmenden Priorität des Autos in der Gesellschaft darlegen. Im Verlauf meiner Recherchen ist mir aufgefallen, dass die Mobilität inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden und die Fas- zination über die schnelle Fortbewegung, ohne menschliche Muskelkraft in den Hintergrund getreten ist. Nicht nur neue Geschwindigkeitsrekorde soll es geben, sondern dabei sollte das Auto auch noch gut aussehen und möglichst viel Kapital bringen. Das Auto ist nur noch ein Alltagsgegenstand, der die möglicherweise benötigte Voraussetzung zur Mobilität des Einzelnen schafft. Insofern möchte ich mich in dieser Facharbeit mit den Fragen auseinandersetzen, inwieweit das Auto- mobil bzw. die Mobilität im Laufe der Zeit das Denken des Menschen in der Ge- sellschaft verändert hat, ob die inzwischen existierende Umwelt ein Leben ohne das Mobilsein überhaupt noch zulässt und inwiefern ein Wandel der Umwelt- wahrnehmung und Umwelt stattfindet. Wäre die Existenz der deutschen Wirt- schaft, so wie sie jetzt ist, ohne die Entwicklung des Automobils überhaupt mög- lich gewesen und kann diese so weiterhin bestehen? Um diese Fragen zu beant- worten werde ich dem Leser zunächst die Grundlagen der frühen Automobilent- wicklung, unter der besonderen Berücksichtigung Deutschlands, nahe bringen. Basierend darauf wird der Wandel von Umwelt und Gesellschaft im Sinne der Soziologie und Ökonomie erläutert, sowie darüber hinaus ein Einblick in die vo- raussichtliche Entwicklung gegeben. Anhand der Entwicklung des Verbren- nungsmotors, der Motorisierung in der Weimarer Republik, der geplanten Volks- motorisierung im Dritten Reich, als auch der anbrechenden Massenmotorisierung durch das Wirtschaftswunder6 ab 1960 bis heute, nehme ich Bezug auf die Auto- mobilgeschichte, mit den einfließenden Aspekten des sich entwickelnden Wirt- schaftszweigs und den Folgen für den Menschen und die Umwelt.

2. Die Geschichte des Verbrennungsmotors

2.1. Die Reifung der Verbrennungsmaschine

Erste Versuche zur Entwicklung von Verbrennungsmotoren gab es bereits 1666 durch den Franzosen Christiaan Huygens. Als Kraftstoff seiner entwickelten Kol- ben- bzw. Explosionsmaschine verwendete er Schießpulver. Ein großes Problem stellte allerdings der hohe Materialverschleiß dar. Die zu jener Zeit verwendeten Stoffe hielten der Explosion im Kolben nur kurzfristig stand. Auch durch Unre- gelmäßigkeiten beim Verbrennungsvorgang war die Funktionalität nicht kontinu- ierlich gewährleistet. Durch diese Defizite war es für Huygens nicht möglich, sei- ne Erfindung populär zu machen. Für etwa 100 Jahre geriet die Idee der Explosi- onsmaschine in Vergessenheit und die bis dahin entwickelte und bekanntgewor- dene Dampfmaschine, mit einem externen Verbrennungssystem, hielt in der For- schung und dem Gebrauch Einzug.7 Die Probleme Huygens nahm Phillipe Lebon d’Humbersin wieder auf. Er verwendete anstatt des Schießpulvers ein Gasgemisch zur Verbrennung. 1801 meldete er ein Patent auf seinen Gasmotor an und galt somit als Entdecker eines neuen Kraftstoffes zum Betreiben eines Verbrennungs- motors. Die weitere Entwicklung scheiterte allerdings zunächst am frühen Tod d’Humbersins im Jahre 1804. Die Schwierigkeit bei der Weiterentwicklung des Gasmotors lag auch künftig darin, eine beständig funktionierende interne Ver- brennung zu haben. 1823 benutzte Samuel Brown in seinem Motorfahrzeug, wel- ches als das Erste der Geschichte verzeichnet wurde, einen Gasmotor, den er sel- ber entwickelt hatte. Aber auch dessen Verbrennungssystem lief nicht konstant. Aus dem Vorwissen und den Entwicklungen durch Samuel Brown und anderen Ingenieuren, profitierte 1860 Jean-Joseph Entienne Lenoir. Er konzipierte aus bereits existierenden Elementen einen neuen Gasmotor, der durch ein doppeltes Verbrennungssystem deutlich stabiler lief. Mit diesem hatte er einen ansehnlichen Erfolg. Durch die Schöpfung eines komplett anderen Verbrennungssystems durch Nikolaus August Otto und Eugen Langen 1867 wurde Lenoirs Idee übertrumpft.8 Der ebenfalls mit einem Gasgemisch betriebene atmosphärische Motor erzielte eine um ein Drittel höhere Effizienz als die Motoren von Lenoir.9 Es war der erste Motor, der in Masse produziert wurde und sich innerhalb von 10 Jahren 5000 Mal verkaufte. So kam es zur Gründung des Gasmotorenwerks Deutz, durch Otto und Langen im Jahre 1869. Obgleich der Anspruch an den Gebrauch durch die Er- schwinglichkeit eines atmosphärischen Motor, vor allem im Kleingewerbe, ge- stiegen war, so sanken doch die Verkaufszahlen auf Grund der gesättigten Nach- frage Auch der Kostenaufwand für den Kraftstoff, der im atmosphärischen Motor äußerst unökonomisch war und die gefährliche Funktionsweise der Maschine wa- ren ausschlaggebende Faktoren. Er war nicht tauglich für eine Serienproduktion.10

2.1.1. Die Frage nach dem idealen Kraftstoff

Der erste flüssige Kraftstoff in einem Motor wurde 1883 verwendet. Karl Benz und Gottlieb Daimler entwickelten diese neuartigen Maschinen. Als Treibstoff diente Benzin, welches viel weniger Platz benötigte als ein Gasgemisch. Es brann- te langsamer ab, was die Verbrennung viel sauberer machte und stoßartige Explo- sionen verhinderte. Somit war der Verbrennungsmotor reif zur mobilen Verwen- dung.11

3. Die Geschichte des Automobils

3.1. Die ersten Automobile

Mit Karl Benz begann ab 1888 das Bekanntwerden der neuartigen Fortbewe- gungsweise mit einem Verbrennungsmotor. Die öffentliche Vorführung dieses Motorwagens erfolgte in München anlässlich der stattfindenden „Kraft- und Ar- beitsmaschinen-Ausstellung“. Die Öffentlichkeit zeigte sich fasziniert von dem lenkbaren Wagen, der ohne Zugpferd vorankam. („ Fast hätte man es für eine ge- w ö hnliche Kutsche halten k ö nnen, [ … ] aber [ … ] fehlte [ … ] etwas Entscheiden- des: Ein Zugpferd. Scheinbar ohne Antrieb tuckerte die Kutsche mit bis zu 15 Stundenkilometern durch die Stra ß en. “ )12 Die erste Überlandfahrt machte bereits Karl Benz‘ Gattin Berta 1886 von Mannheim nach Pforzheim. Dabei erreichte sie eine Distanz von 180 Kilometern.]13 Neben Karl Benz arbeiteten auch Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach an den benzinbetriebenen Verkehrsmitteln.14 Trotz des öffentlichen Aufsehens durch das zügellose Verkehrsmittel wurde die deutsche Bevölkerung keine Kaufkraft für die Motorenwerke von Benz und Daimler. Sie schienen zunächst weitestgehend kein Interesse an der ermöglichten individuellen Raumerfahrung zu haben.15 ( „ Das deutsche Dilemma des schlep- penden Absatzes hatte der Export von Automobilen [ … ] vor allem nach Frank- reich gel ö st. “ )16 Die Deutschen bewältigten Distanzen, auch auf Grund des unzu- länglichen Verkehrsnetzes für Automobile, lieber mit der Bahn. Ein weiteres De- fizit, das die ansteigende Popularität hemmte war die deutsche Kleinstaaterei. Die Infrastruktur verteilte sich auf einer zu großen Fläche, so waren Tankstellen und Werkstätten nicht immer sofort zu erreichen. Ansehen erhielten Benz und Daimler für ihre Benzinwagen durch die stattfindenden Rennen in Frankreich, bei denen die benzinbetriebenen Fahrzeuge von Benz und Daimler deutliche Erfolge feierten und die Popularität förderten. Der Benzinmotor erreichte Überlegenheit, gegen- über dem Dampf- und Elektromotor und bereits jetzt ging es kaum noch um kon- stante Funktionalität und Profitabilität, sondern vor allem um die Geschwindig- keit.17 ( „ Tatsächlich galt das Jahr 1895 [ … ] als das eigentliche Geburtsjahrjahr des Automobils, was nicht nur die sprunghaft steigenden Absatzzahlen der Auto- mobilhersteller, sondern auch die immer populäreren Rennveranstaltungen und der wachsende Export [ … ] rechtfertigten. [ … ] die Rennen [ … ] schufen auch die Voraussetzungen für denübergang von der handwerklichen Herstellung zur ef- fektiveren Serienfertigung. Dafür musste die neue Technologie einen Praxistest durchlaufen, und der fand auf den Pisten der frühen Autorennen statt. “ )18

3.2. Die Motorisierung in der Weimarer Republik

Einen Anstieg der Absatzzahlen auf dem deutschen Automobilmarkt konnte nach dem ersten Weltkrieg 1919 verzeichnet werden. Zu dieser Zeit zeigte sich die Öf- fentlichkeit über ungewohnt ansteigende Unfallzahlen empört. Gleichzeitig fand ein Umdenken statt. Im öffentlichen Verkehr erhielt das Automobil Vorrang vor dem nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer . ( „ Was im 21. Jahrhundert zum Selbstverständlichen Alltagswissen geh ö rt, mussten die Menschen des frühen 20. Jahrhunderts erst allmählich, [ … ] und nicht selten leidvoll lernen. “ )19. Ebenfalls entstand in der Nachkriegszeit „ Der Berufsmarkt für Kraftfahrer “ 20, der zuneh- mend den nicht motorisierten Transport von Gütern ablöste.21 Auch die Pferde- kutsche wurde als Personentransporter vom „ Taxiboom “ 22 verschlungen.23 Der Autokauf zum privaten Gebrauch hielt sich trotz der Aufhebung des privaten Fahrverbots 1921, auf Grund der Luxussteuer und der beträchtlichen Benzin- und Reifenpreise, in Grenzen.24 Die Motorisierung des Bürgers folgte mit dem Wirt- schaftsaufschwung der zwanziger Jahre. Die Mobilität in der Öffentlichkeit wurde zunehmend wichtiger, um in einem kleinen Zeitraum, möglichst effektiv zu sein.25 ( „ Als Inbegriff der modernen Gro ß stadt wurde das Automobil zum Symbol der neuen Zeit. “ ) 26 Der Besitz eines Autos charakterisierte den Aufschwung des Ein- zelnen in eine technisch modernisierte Zukunft und das endgültige Vergessen des deutschen Kaiserreichs.27 Unübersichtlich war das Angebot an Automobilen, das den deutschen Markt überschwemmte. Auch in politischer Hinsicht ( „ diente das Automobil mitunter als Symbol im Kampf um die Vorherrschaft in der jungen Re-publik“)28 zwischen Kommunisten und Kapitalisten, aber bereits mit der expandierenden Erschwinglichkeit des Autos für jeden, lösten sich die Proteste der Kommunisten auf.

[...]


1 Heine, Hartwig; Mautz, Rudiger; Rosenbaum, Wolf: Mobilitat im Alltag, S. 26

2 Vgl. http://de.wikipedia.Org/wiki/Automobil#lm_19._Jahrhundert

3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Automobil#Mobilit.C3.A4t

4 Vgl. Heine, Hartwig; Mautz, Rudiger; Rosenbaum, Wolf: Mobilitat im Alltag, S. 94-95

5 Vgl. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,671071,00.html

8 Vgl. http://library.thinkquest.org/C006011/german/sites/ottomotor.php3?v=2

9 Vgl. http://www.uni-kassel.de/fb11/agrartechnik/Fachgebiet/pdf/physik/Projekte_2010/Handout_0ttomotor.pdf

10 Vgl. http://library.thinkquest.org/C006011/german/sites/gasmotoren.php3?v=2

11 Vgl. http://library.thinkquest.org/C006011/german/sites/ottomotor.php3?v=2

12 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 9

13 Vgl. Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 9-11

14 Ebd. S. 14-15

15 Ebd. S. 18

16 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 22

17 Vgl. Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 26-28

18 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 28

19 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 84

20 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 85

21 Vgl. Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 83-85

22 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 88

23 Ebd. S. 87-88

24 Ebd. S. 93

25 Ebd. S. 113

26 Ebd. S. 115

27 Ebd. S. 134

28 Gutberlet, Bernd Ingmar: Tempo!; S. 148

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656022183
ISBN (Buch)
9783656021995
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177829
Note
1,0
Schlagworte
Geschichte Automobil Mensch Umwelt Natur

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Geschichte und Entwicklung des Automobils unter der Berücksichtigung der Veränderung der Umwelt und der Gesellschaft in Deutschland