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Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland seit 1949

Mit einem Hauptaugenmerk auf den Staatsbesuch von Chaim Herzog im April 1987

Hausarbeit 2006 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Die Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland seit 1949
a) Die Gründung des Staates Israel
b) Mehr als 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

III. Der Staatsbesuch von Chaim Herzog, April

IV. Schlussbetrachtung

V. Quellen & Literatur
a) Quellenverzeichnis
b) Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Seit über zweihundert Jahren herrschen zwischen Deutschland und dem jüdischen Volk ambivalente Beziehungen, intensive, tiefe und verletzte, kom­plizierte und vielschichtige Beziehungen. Aber vor allem: keine normalen Be- ziehungen.[1] Normale Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind kaum möglich und wohl auch nicht angemessen.

Wie schwierig und brisant die Beziehungen bis heute sind, zeigte die Rede von Bundespräsident Horst Köhler im Februar 2005 vor der Knesset. In Israel riefen Abgeordnete zum Boykott auf, falls die Rede in deutscher Sprache gehalten würde. Es sei ungehörig und „nicht angemessen, dass ein deutscher Politiker im israelischen Parlament Deutsch spreche.“[2] Andererseits wiesen auch einige Politiker darauf hin, dass Deutsch nicht nur die Sprache der Nazis war, sondern auch eben die Sprache der jüdischen Opfer. Zur Überraschung vieler begann Köhler seine Rede auf Hebräisch, beendete sie jedoch in Deutsch. Für seine „umsichtigen und sensiblen Worte“ wurde er im Anschluss gelobt.

II. Die Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland seit 1949

a) Die Gründung des Staates Israel

„Eine neue Straße in eine Welt voller Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit zu betreten, ist nicht das Monopol von Großmäch­ten. [...] Mit der Gründung unseres Staates sind wir mehr als je zuvor zu Bür­gern dieser Welt geworden.“[3] So begann der erste Ministerpräsident Israels Da­vid Ben Gurion seine ersten politischen Worte. Am Nachmittag des 14. Mai 1948 verlas Gurion die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel. Damit en­dete das britische Mandat über Palästina. Einige Monate zuvor, am 29. Novem­ber 1947, beschloss die UN-Vollversammlung, dass das britische Mandat been­det und Palästina geteilt werden sollte. Es sollten ein arabisch-palästinensischer und ein jüdischer Staat entstehen. „Jerusalem war als neutrale Enklave ge­dacht,“ da es sowohl für Juden, Christen und Muslime von zentraler Bedeutung war.[4] Die Gründung des Staates Israel „stellte eine Zäsur für die jüdische Ge­schichte dar. Es entstand erstmals ein politisches, zugleich jedoch auch ein neu­es geistig-kulturelles Zentrum für die Juden.“[5] Da die arabischen Staaten jedoch den Teilungsplan Palästinas ablehnten, war eine friedliche Entwicklung von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

b) Mehr als 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Um die deutsch-israelischen Beziehungen verstehen zu können, ist es notwendig, die Vergangenheit der beiden Länder zu betrachten / kennen. Nach der Gründung des Staates Israel wurden den Bürgern Pässe ausgehändigt. In jedem Paß war vermerkt: „Dieser Paß ist gültig für alle Länder - mit Ausnahme von Deutschland.“ Erst nach einigen Jahren verschwand dieser Zusatz.[6] An ei­nem anderen Beispiel sieht man ebenfalls sehr deutlich, wie angespannt die La­ge zwischen den beiden Staaten war. 1952 wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel das „Wiedergutmachungsabkommen“ unter­zeichnet. In Jerusalem war das für viele Menschen Anlass auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren. Sie empfanden es als „Entweihung des Andenkens an die sechs Millionen Ermordeten.“[7] Der Dichter Nathan Alterman forderte damals, von der „Rückerstattung des geraubten Vermögens“ oder von der „Rückgabe der Beute“ zu sprechen.[8]

Erst ab dem 12. Mai 1965 unterhielten Israel und Deutschland diploma­tische Beziehungen. Die israelische Botschaft in Bonn war bescheiden einge­richtet und die kleine deutsche Botschaft in Tel Aviv lag in einem unscheinba­ren Mietshaus. Israel entsandte Asher Ben Nathan und deutscher Botschafter wurde Rolf Pauls. Seine Begrüßung in Israel war alles andere als freundlich. Denn Deutschland entsandte einen ehemaligen Wehrmachtssoldaten.

In den Jahren zuvor wurde Deutschland als „Feindstaat“ und „Politisches Tabu“ betrachtet. „Die ersten Kontakte zwischen Israel und Deutschland gab es über israelische Forderungen nach materieller Entschädigung für das Eigentum der im Nationalsozialismus ermordeten Juden.“[9] Bundeskanzler Konrad Ade­nauer erkannte die deutsche Verantwortung für die NS-Verbrechen an den Ju­den eindeutig an und unterzeichnete auch das Reparationsabkommen.[10]

Bevor es im Jahr 1965 zu den ersten diplomatischen Beziehungen kam, trafen sich im März 1960 »der Alte« des jungen Israel, David Ben Gurion, mit »dem Alten« des neuen Deutschland, Konrad Adenauer, zu einem historischen Gespräch im New Yorker Waldorf-Astoria.[11] Auf israelischem Boden trafen sie sich erstmals im Mai 1966 im Zuge Adenauers Israelreise.

Doch die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der BRD stießen bei den arabischen Staaten auf strikte Ablehnung. „Zehn von dreizehn arabischen Staaten brachen vorübergehend ihre diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik ab.“[12]

III. Der Staatsbesuch von Chaim Herzog, April 1987

Der erste Staatsbesuch eines israelischen Präsidenten in Deutschland fand durch Chaim Herzog vom 6. April bis 10. April 1987 statt. Herzog war der sechste Präsident Israels.

Chaim Herzog wurde am 17. September 1918 in Belfast, Nordirland, geboren. Seine Familie siedelte 1935 nach Eretz Israel über. Sein Vater Isaak Herzog wurde dort 1937 Oberrabbiner. Herzog studierte an der Universität des Jischuw und anschließend in Cambridge und London, wo er 1942 als Jurist promovierte.

Während des Zweiten Weltkrieges diente Herzog in der britischen Elite­einheit Guard Armoured Division als Panzerkommandant, später wurde er dann Leiter der britischen Nachrichtenabteilung in Barfeld, Deutschland.

[...]


[1] Amos Oz, Israel und Deutschland. Bonn 2005, S. 7.

[2] www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,2256731,00.html 11.05.2005.

[3] Angelika Timm, Israel - Kein Staat wie jeder andere. In: Informationen zur politischen Bildung „Israel“. Heft 278. 1.Quartal 2003, S. 3.

[4] Timm, Israel, S. 10.

[5] Timm, Israel, S. 4.

[6] Oz, Israel und Deutschland, S. 9-11.

[7] Oz, Israel und Deutschland, S. 11.

[8] Oz, Israel und Deutschland, S. 12.

[9] Shlomo Shipiro / Jonathan Rybhold,. In: Informationen zur politischen Bildung „Israel“. Heft 278. 1.Quartal 2003, S. 53.

[10] Shpiro / Rynhold, Bestimmungsfaktoren der Außenpolitik, S. 54.

[11] Oz, Israel und Deutschland, S. 19.

[12] Martin Kloke, 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen. Bonn 2005, S. 8.

Details

Seiten
11
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640998012
ISBN (Buch)
9783656007494
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177978
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
BRD Bundesrepublik Deutschland Staatsbesuch Israel Beziehungen Herzog Geschichte deutsch-israelische Beziehung

Autor

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Titel: Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland seit 1949