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Grausamkeit in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Hausarbeit 2006 22 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Sammlung der Brüder Grimm

3 Das Volksmärchen

4 Die Grausamkeit in den Märchen der Brüder Grimm
4.1 Kannibalismus
4.2 Strafen
4.3 Der Tod im Märchen

5 Grausamkeit in exemplarischen Märchen und ihr Wandel
5.1 Rotkäppchen (KHM 26)
5.2 Blaubart oder Fitchers Vogel (KHM 46)

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Auch heute noch sind Märchen ein beliebter Lesestoff und neuere märchen­ähnliche Stoffe, wie Harry Potter oder Herr der Ringe, erfreuen sich höchster Beliebtheit und beide Erscheinungen begeistern gleich mehrere Generatio­nen. Doch trotz aller märchenhaften und positiven Motive der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, findet man unterschiedlichste Formen der Grausamkeit in ihnen. In Anbetracht der Tatsache, dass Märchen schon sehr kleinen Kindern zugänglich sind, stellt sich nun die Frage, welche Funktion die in den Märchen enthaltene Grausamkeit hat und welche Wirkung sie auf die Rezipienten hat, zumal bei keinem anderen Medium schon so früh so selbstverständlich so brutale Inhalte weitergegeben werden. Weiterhin soll in dieser Arbeit der historische und kulturelle Hintergrund von grausigen und makaberen Motive in Verbindung zu ihrer heutigen Wirkung gestellt werden. In der Literatur finden sich verschiedenste Stellungnahmen zu der Wirkung der Grausamkeit in Märchen. So vertritt Lutz Röhrich die Meinung, dass Kin­der die Bestrafung oder Tötung des Bösen im Märchen als selbstverständlich und nicht als grausam wahrnehmen.[1] Otto F. Gmelin hingegen erteilt den Grimmschen Märchen aufgrund der Grausamkeit eine radikale Absage. Er geht davon aus, dass Aggression und Gewalt vornehmlich gelernt würden und diese somit durch die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ge­fördert werden.[2]

Weiterhin wird der Grausamkeit in der Literatur besonders eine historische Dimension zugesprochen. Sie spiegelt politische und familiäre Zustände wieder und offenbart uns vergangene Ahndungen von Verbrechen. Ebenso spiegeln sie Aberglauben und kirchliche Einflussnahme wieder. Hans Gerd Rötzer und Harlinde Lox thematisieren dies in ihren Arbeiten und beziehen sich dabei immer wieder auf Lutz Röhrich.

In der folgenden Arbeit soll versucht werden, zu klären, wie die Grausamkeit in den Märchen auf ihre Rezipienten wirkt und welche Funktion sie für das Märchen hat. Dazu sollen zunächst typische Eigenschaften des Märchens erläutert werden. Da sich die Ausführungen auf die für deutsche Volksmär­chen exemplarischen Märchen der Brüder Grimm beziehen, folgt eine kurze Darstellung der Entstehung der Grimmschen Sammlung.

Um die Problematik der Gewalt im Märchen zu verdeutlichen, folgt eine Zu­sammenstellung von beispielhaften Brutalitäten aus den Grimmschen Mär­chen, wobei auch frühere Fassungen der Märchen Erwähnung finden wer­den. Dabei werde ich mich mit den auftretenden Formen der Grausamkeit - der Kannibalismus, die Strafen und der Tod - auseinander setzen. Hier wer­den auch die Funktion und der historische Hintergrund - soweit belegbar - mit einbezogen werden. Daran anschließend werde ich mich mit den Mär­chen Rotkäppchen (KHM 26) und dem Blaubartmotiv (KHM46) befassen und dabei die Entwicklung des Textes, unter besonderer Berücksichtigung der Grausamkeiten, herausarbeiten. Im Fazit soll versucht werden die Wirkung dieser Grausamkeiten auf die Rezipienten - besonders auf die Kinder - her­auszuarbeiten, wobei ich auf verschiedene Positionen in der Literatur einge­hen werde.

2 Die Sammlung der Brüder Grimm

Die Brüder Wilhelm (1786-1859) und Jacob Grimm (1785-1863) sammelten ab dem Jahr 1806 alte Lieder aus der Kasseler Bibliothek für Clemens Bren­tano (1778-1842), der mit Arnim eine Fortsetzung der Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn (1805-08) plante. Brentano schreibt an Achim von Ar­nim 1807:[3]

„Ich habe hier zwei sehr liebe, liebe altteutsche vertraute Freun­de, Grimm genannt, welche ich früher [,..]für die alte Poesie inte­ressili hatte, und die ich nun [...] so gelehrt und so reich an Noti­zen, Erfahrungen und den vielseitigen Ansichten der ganzen ro­mantischen [...] Poesie wiedergfunden habe [...] Sie selbst wer­den uns alles, was sie besitzen, noch mitteilen, und das ist viel."[4]

Bis 1810 arbeiten Wilhelm und Jacob mit Clemens Brentano in reziprokem Austausch und der zweite und dritte Band des Wunderhorns entstanden in enger Zusammenarbeit mit den Brüdern Grimm. Die Sammlung von Mär­chen begann etwa im Oktober 1807. Es ist deutlich zu erkennen, dass sie Brüder Grimm sich bei ihren Märchensammlungen an Brentanos Empfeh­lungen und Geschmack orientierten, da sich - natürlich auch durch die sehr ähnlichen literarischen Bestrebungen - die Brüder Grimm die gleichen Texte wie Brentano heranzogen. Hier sind beispielhaft Schelmufsky von Christian Reuter, Die Geschichte von Mäuschen und Bärenhäuter zu nennen. [5] Die mündliche Erzähltradition wurde den Brüder Grimm von Clemens Bren­tano nahe gebracht, der keineswegs seine Märchendichtungen allein aus li­terarischen Quellen bezog. Vielmehr besaß er ein besonderes Geschick, wodurch Menschen aller Schichten ihm ihre Märchen und Sagen erzählten. Er zeichnete sich ebenfalls als Märchenerzähler aus, was den Brüder Grimm nicht zugeschrieben werden kann. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass sich in den Aufzeichnungen von Jacob und Wilhelm Grimm kein Text findet, der aus eigener Erinnerung zu Papier gebracht wurde.

[...]


[1] Vgl. Röhrich Lutz: Märchen und Wirklichkeit, 2. Aufl., Wiesbaden 1964

[2] Vgl. Gmelin, Otto F.: Böses kommt aus Märchen, in: Die Grundschule, 7. Jg. 1975, Heft 3, S.125-131

[3] Vgl. Rölleke, Heinz: Die Märchen der Brüder Grimm - Quellen und Studien,

[4] Schriftenreihe Literaturwissenschaft; Bd.50; 2.Aufl., Trier 2004, S.57

[5] ebd., S.57 Vgl. ebd., S.57-58

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656000273
ISBN (Buch)
9783656000600
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178045
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Schlagworte
grausamkeit kinder- hausmärchen brüder grimm

Autor

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