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Fallbeispiel: Bulimia Nervosa mit Verdacht auf Borderline-Persönlichkeitsstörung

Hausarbeit 2011 10 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Fallbeispiel
Symptomatik
Lebensgeschichte

Kommentar
Bulimie
Komorbiditäten
Zwangsstörung
Selbstschädigendes Verhalten
Depression
Schlussfolgerung: Diagnose Borderline

Literatur

Fallbeispiel

Symptomatik

Am 9. Dezember 2010 stellte sich in der VU Klinische Psychosomatik eine 22 jährige Patientin vor, die seit 14. Oktober 2010 in der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin stationär aufgenommen war. Die junge Frau war nach mehrmaligen Selbstmordversuchen zuerst in die geschlossene Psychiatrie der Universitätsklinik Innsbruck eingewiesen worden und danach auf die Psychosomatik verlegt worden. Die Selbstmordversuche hatte sie aufgrund von Gefühlen der Leere und Mutlosigkeit unternommen. Sie hatte beim letzten Versuch eine Packung Benzodiazepine (Temesta) eingenommen. Das Gefühl der Leere, das sie schon seit Längerem verspüre, beschrieb sie folgendermaßen: „ man spürt sich nicht, kann Gefühle nicht differenzieren.“ In die Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin war sie wegen Bulimie vom „Purching-“ und „Binge-Eating- Typus“ überwiesen worden. In den Abendstunden verspürt sie immer noch ein Gefühl von Leere, dem sie mit Fressattacken begegnet. Während dieser Anfälle nimmt sie über 1500 Kilokalorien in Form von Schokolade, Gummibärchen und Chips zu sich. Bei einer Größe von 1,68 m hat sie ein Gewicht von 62 kg, welches allerdings stark schwankt (+- 5kg). Das Gefühl der Leere nimmt während der Fressanfälle ab, danach stellt sich jedoch ein Schamgefühl ein. Die Patientin berichtete, dass sie ihren Körper, mit Ausnahme der Haare, nicht möge. Früher mochte sie noch ihren Bauch. Sie schaue ihren Körper genau an, wenn sie nackt sei und sei froh, dass sie niemand anderes so sehe. Andere Maßnahmen, die sie gegen das Gefühl von Leere unternimmt sind sich selbst schneiden, brennen oder schlagen. Sie bestrafe sich damit zusätzlich für ihre Wertlosigkeit, sagte die Patientin. Sie halte sich für einen schlechten Menschen wegen schlechter Gedanken. Die Patientin hat Zwangsgedanken aggressiven Inhalts gegen sich selbst und andere schon seit ihrem 12. Lebensjahr. Sie hat Angst, dass sie andere Leute oder sich selbst verletzen könnte. Zudem hat die Patientin davor Angst, dass sie die Kontrolle verlieren könnte wenn sie ihre Aggressionen raus lassen würde. Sie habe ihre Wut schon immer unterdrückt, weil das Ausleben zuhause nicht erlaubt gewesen sei. Mit 20 Jahren konnte sie Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden berichtet die Patientin. Sie dachte sie sei eine Verbrecherin. Darauf folgte eine Depression mit dem Gefühl der Leere. Sie versuchte daraufhin die Leere mit Alkohol aufzufüllen oder sie isolierte sich von anderen Menschen und Freunden. Mit dem Alkoholmissbrauch habe sie aber mittlerweile wieder aufgehört. Zurzeit nimmt sie Schlafmittel und Antipsychotika.

Lebensgeschichte

Die Patientin hat eine zwei Jahre ältere Schwester und zwei fünf Jahre jüngere Brüder, welche Zwillinge sind. Als ihre Zwillingsbrüder auf die Welt gekommen sind hat sie es so wahrgenommen, als seien diese mehr wert als sie selbst. Sie versuchte in der Folge Aufmerksamkeit und Lob zu bekommen indem sie besonders brav und ordentlich war. Sie sagte, sie habe keine Schwierigkeiten gemacht. In ihrer Familie seien Schönheit und Gewicht schon immer ein Thema gewesen. Niemand durfte sich selber sein Essen nehmen, wenn alle zusammen am Tisch saßen, dies übernahm alleine die Mutter. Es wurde die Ansicht vertreten, dass die Jungen gut gedeihen und die Mädchen zart und schlank bleiben sollten. Die Mutter machte auch manchmal Essensstreiks und drohte mit Selbstmord. Die Schuld dafür schrieb sie den Kindern und ihrem Mann zu. Die Patientin stellte sich gegen die Mutter und übergab sich aus Protest. Ihre Bulimie hat angefangen als sie 13 oder 14 Jahre alt war. Sie begann damals mit ihrer älteren Schwester Kalorien zu zählen. Die Schwester war es auch, die den Vorschlag machte sich zu erbrechen. Allerdings hörte diese nach einiger Zeit wieder damit auf, wohingegen die Patientin bereits eine Sucht entwickelt hatte. Mit 15 Jahren war sie, nachdem ihr Hausarzt organische Ursachen ausgeschlossen hatte zum ersten Mal wegen der Bulimie in Psychotherapie, jedoch nur kurz. Ihr Psychotherapeut sah damals verdrängte Aggressionen als Ursache für ihre Erkrankung. Sie selbst sah das allerdings nicht so. Ihre Mutter hatte in der frühen Phase der Bulimie versucht der Patientin zu helfen, hat das Ganze dann aber bald zur Seite geschoben. Mit 16 Jahren wog sie unter 50 kg, nachdem sie mit der großen Schwester zusammen abgenommen hatte. Sie war stolz dünn zu sein, wurde aber durch negative Rückmeldungen anderer verunsichert und nahm daraufhin wieder zu. Wegen ihrer Zwangsgedanken suchte sie einen Psychiater auf. Dieser versicherte ihr, dass sie keine Gefahr für andere oder sich selbst darstelle. Nach einiger Zeit hat sie ihre Zwangsgedanken von sich aus als unsinnig betrachtet. Zuvor grübelte sie teilweise bis zu 24 Stunden pro Tag darüber nach. Dass auch andere Leute schlechte Gedanken haben war für sie keine Erleichterung. Nach dem die Patientin Matura gemacht hatte begann sie zuerst ein Jus-Studium, welches sie allerdings nach zwei Semestern wieder abgebrochen hat. Als Grund dafür nannte sie den damaligen Freundeskreis. Sie versuchte immer den Leuten zu gefallen. Darauf folgte ein Studium der Geo- und Atmosphärenwissenschaft, welches sie aufgrund ihrer Krankheit abbrach. Danach arbeitete die Patientin für eine gewisse Zeit. Sie hatte damals regelmäßige Fressanfälle abends nach der Arbeit, während derer sie auch Alkohol in Form von Wein zu sich nahm. Ihre Eltern begannen aufgrund des Alkohols die Patientin zu kontrollieren. Eine extreme Phase hatte sie innerhalb des halben Jahres zwischen Juni und November 2009. Sie wog zu dieser Zeit ca. 70 kg. Von Mai bis September 2010 lebte sie in einer betreuten Wohngemeinschaft. Die meiste Zeit davon verbrachte sie aber im Krankenhaus. Die Patientin habe mittlerweile einen wesentlich älteren Freund. Dies sei ihre erste feste Beziehung. Sie würde viel darüber nachgrübeln berichtet sie. Das Verhältnis zu ihren Geschwistern sei heute gut. Zu ihren Eltern hingegen habe sie nur ein oberflächliches Verhältnis. Vor allem die Mutter lasse sie komplett außen vor. Die Eltern seien aber froh, dass es der Patientin besser gehe.

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Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656000877
ISBN (Buch)
9783656000440
DOI
10.3239/9783656000877
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178111
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
Psychosomatik Fallbeispiel Essstörung Persönlichkeitsstörung

Autor

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