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Geschlechtsbezogene Aspekte der kindlichen Entwicklung

Sozialisation und Geschlecht: Die entwicklungspsychologische Perspektive

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kurzer geschichtlicher Rückblick von Sozialisation und Geschlecht

Integratives Entwicklungsmodell der Geschlechtstypisierung
Der biologische Ansatz
Der kognitive Ansatz
Sozialisation und Geschlecht
Unterschiedliche Sozialisationsbedingungen der Geschlechter
Schon vor der Geburt spielt das Geschlecht eine Rolle
Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und Erziehungsziele
Unterschiedliche Behandlung der beiden Geschlechter
Männliche und weibliche Verhaltensmodelle
Problem 1: Kinder sind bis zum 10. Lebensjahr fast nur von Frauen umgeben
Problem 2: Diskriminierende und emanzipatorische Geschlechtsrollenerziehung
Sozialisationsbedingungen zur Erklärung der Entwicklung von Geschlechtsunterschieden
Die mangelnde Trennung zwischen verschiedenen Erklärungsgegenständen
Die fehlende Eindeutigkeit der Wirkungsrichtung in Sozialisationsstudien
Die mangelnde Spezifizierung der Zielpersonen geschlechtsbezogener Erwartungen und
Reaktionen
Die Nichtberücksichtigung der Diskontinuität von Sozialisationsbedingungen und deren
Zusammenhang mit der Entwicklung der Geschlechtstypisierung

Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

Ich möchte mich heute mit dem Thema „geschlechtsbezogene Aspekte der kindlichen Entwicklung“ befassen und herausfinden, welche Rolle die Sozialisation in Hinblick auf diese Thematik spielt. Wenn Menschen ein Kind bekommen, sind sie schon vor der Geburt mit Erwartungen bezüglich des Säuglings behaftet. Die Tatsache, als Mädchen oder als Junge geboren zu werden, hat Auswirkungen, die nicht nur auf Chromosomen oder Hormone zurückzuführen sind, sondern meiner Meinung nach ist die Sozialisation mindestens genau so bedeutend. Dies versuche ich im Folgenden zu beweisen.

Kurzer geschichtlicher Rückblick von Sozialisation und Geschlecht

In den USA befasste sich die Sozialisationsforschung in Hinblick auf Geschlechterdifferenzierung in den 40er und 50er Jahren erstmals. Man bezog sich vor allem auf familiäre Aspekte und versuchte psychoanalytische sowie lerntheoretische Ansätze zu verknüpfen (vgl. Trautner, 2006). Die Forscher gingen zunächst davon aus, dass Menschen Geschlechterrollen von ihrer sozialen Umwelt übernehmen und dass dies für die psychische Gesundheit wichtig sei. Man bezeichnet dies als „Anpassungshypothese“. (Trautner zit. n. Trautner 1997, S. 331/334) Des Weiteren nahmen sie an, dass entscheidende Entwicklungen hinsichtlich der sexuellen Orientierung schon in den ersten Lebensjahren stattfinden. Diese Tatsache nennt man „Früherfahrungshypothese“. (Trautner zit. n. Trautner 1997, S. 331/334) „Die Identifikationshypothese“, die als letzte Annahme gilt, besagt, dass Eltern den größten Einfluss auf die Übernahme von Geschlechterrollen haben. Diese wird durch die Tatsache, dass Eltern geschlechtstypisches Verhalten bekräftigen und mit der gefühlsmäßigen Beziehung, die zwischen Eltern und ihrem Kind besteht, begründet. (Trautner zit. n. Trautner 1997, S. 331/334)

Für eine sehr lange Zeitspanne untersuchten Forscher lediglich die Entwicklung von Jungen und anstatt „intraindividuelle Veränderungen“ zu untersuchen, befasste man sich fast ausschließlich mit „interindividuellen Differenzen“. (Trautner 2006, S. 104) In den 70er Jahren hat sich diese Situation aufgrund der Frauenbewegung gewandelt und mittlerweile stehen Frauenfragen im Mittelpunkt der Forschung. Man möchte mittlerweile weltweit das Ziel der Androgynität erreichen, was nichts anderes bedeutet, als dass man sich vollständig von Geschlechtermerkmalen lösen möchte. Anders ausgedrückt sollen sich männliche und weibliche Eigenschaften in einer Person vereinen. (Trautner zit. n. Bem 1983, Bierhoff-Alfermann 1989)

Trautner ist ebenfalls der Meinung, dass Frauen unabhängig von ihrem Beruf und von ihrer sexuellen Orientierung als Frauen angesehen werden sollten. Dies gilt natürlich im Gegenzug auch für die Männer.

Integratives Entwicklungsmodell der Geschlechtstypisierung

Dieses Modell soll die Frage beantworten, wie „aus biologisch männlichen und weiblichen Individuen psychologisch maskuline und feminine Persönlichkeiten“ entstehen. (Trautner 2006, S. 105) Die Entwicklungspsychologie wird unterteilt in biologische, sozialisationstheoretische, sowie in kognitive Ansätze, die sich untereinander ergänzen.(vgl. Trautner 2008)

Der biologische Ansatz

Diese Perspektive geht vom chromosomalen Unterschied von XX und XY aus, der unter den Geschlechtern besteht und die dadurch hervorgehenden Hormone für die gegensätzliche Entwicklung von Männern und Frauen verantwortlich ist. (vgl. Trautner 2006) Für diesen Ansatz sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede naturgegeben. Vertreter dieser Richtung berücksichtigen den Körper und seine Entwicklung. Zusammengefasst spricht die biologische Richtung von folgenden Ebenen. (vgl. Rohrmann 2008)

- „Körperliche Geschlechtsmerkmale (Anatomie)
- Biologische Funktionen der Zweigeschlechtlichkeit (Fortpflanzung)
- Endokrinologische Befunde (Hormone)
- Neurologische Befunde (Gehirnforschung)
- Entwicklungsgeschichtliche und kulturvergleichende Forschung sowie Untersuchungen anderer Spezies (Evaluationsbiologie)
- Sexualwissenschaftliche Befunde“ (Rohrmann 2008, S. 100)

Der kognitive Ansatz

Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Verstand eingesetzt wird und wurde von L. Kohlberg in Anknüpfung an Jean Piaget entwickelt. Laut dieser Theorie entwickelt sich der Mensch gesetzmäßig und von innen gesteuert in mehreren aufeinander aufbauenden Stufen. Hierbei wird der sozialen Umwelt des Kindes eine große Bedeutung zugesprochen. Laut kognitivem Ansatz bemerkt ein Kind ab seinem 3. Lebensjahr, welchem Geschlecht es angehört, es ist sich aber dessen noch nicht bewusst, dass seine Geschlechtszugehörigkeit etwas Endgültiges und Dauerhaftes ist. Ein Jahr später weiß es dies bereits. Kinder, die um diese Tatsache wissen, hegen gleichzeitig starkes Interesse daran, sich angemessen und dem Geschlecht typisch zu verhalten. (vgl. Kasten 2003)

Je nach Kultur wird die Tatsache, dass es zwei Geschlechter gibt, mehr oder weniger stark betont. Diese kann einerseits durch Normen von geschlechtstypischen Merkmalen wie Kleidung oder Schmuck erfolgen oder andererseits durch Rollenerwartungen und Verhaltensreaktionen wie es zum Beispiel bei der Erwartung oder Bekräftigung des Spiels mit Puppen bei Mädchen der Fall ist. Für Trautner ist die Entwicklung der Geschlechtstypisierung ein „transaktionaler Prozess, in welchem die soziale Umwelt dafür zuständig ist, Informationen dafür bereit zu stellen, was männlich und was weiblich zu sein bedeutet, und Menschen zu ermutigen, sich angemessen an die Normen anzupassen. (Trautner 2006, S. 108) Menschen erwarten von Mädchen und Jungen unterschiedliches Verhalten. Laut Trautner ist das Geschlecht „ein sozialer Stimulus, der je nach Entwicklungsstand des Individuums und seinen bisherigen sozialen Erfahrungen wahrgenommen und verarbeitet wird, mit anderen Worten kann man das Geschlecht auch als „soziale Kategorie“ bezeichnen.“ (Trautner 2006, S. 109)

Sozialisation und Geschlecht

Unterschiedliche Sozialisationsbedingungen der Geschlechter

Schon vor der Geburt spielt das Geschlecht eine Rolle

In den Industrieländern werden heute immer noch Jungen bevorzugt, wenn Eltern Kinder erwarten. Mädchen werden immer noch sehr häufig als Enttäuschung für ihre Mutter erlebt und immer noch erleiden Mütter von Mädchen häufiger nachgeburtliche Depressionen als Mütter von Jungen. Dies hat natürlich schwerwiegende Konsequenzen auf die spätere Mutter- Tochter-Beziehung. Eltern mit einem erstgeborenen Mädchen trennen sich innerhalb der ersten vier Monate häufiger, es kommt in diesen Familien öfter zu Konflikten und die eheliche Zufriedenheit ist deutlich geringer, als wenn es sich beim erstgeborenen Kind um einen Jungen handelt. Diese Unzufriedenheit wird von Vätern oftmals an ihren Töchtern ausgetragen, indem sie diese vernachlässigen oder schlecht behandeln. Jungen werden eher verschont. (vgl. Kasten 2003)

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Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640999408
ISBN (Buch)
9783640999293
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178126
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung
Note
1
Schlagworte
Sozialisation Kindheit Geschlecht Psychologie Entwicklung Erziehungswissenschaften Erziehungswissenschaft Pädagogik Huber Psychoanalyse Seminararbeit

Autor

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