Lade Inhalt...

Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti – Analyse des 1. Auftritts im 4. Aufzug

Referat / Aufsatz (Schule) 2009 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Gotthold Ephraim Lessing Emilia Galotti

Analyse des ersten Auftrittes im vierten Aufzug von Tim Blume

Der erste Auftritt des vierten Aufzugs ist Bestandteil des Dramas „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing. Es handelt sich um einen Dialog zwischen dem Prinzen und seinem bürgerlichen Berater Marinelli, der auf dem Lustschloss Dosalo des Prinzen stattfindet. Überdies handelt es sich um eine Redeszene, da das Gespräch zwischen Prinz und Marinelli in den Vordergrund tritt und keine äußere Handlung stattfindet. Der Prinz und Marinelli unterhalten sich über den Tod des Grafen Appiani und über ihr weiteres Vorgehen bezüglich Emilia und ihrer Mutter, die sich zu jenem Zeitpunkt bereits in dem Schloss befinden. Die Szene selbst ereignet sich zu Ende des Dramas, im vierten der ins- gesamt fünf Aufzüge. Der Szene vorausgegangen sind die Ermordung des Grafen durch die Helfer Marinellis, sowie der Transport Emilias und ihrer Mutter in das Schloss des Prinzen.

Der Dialog zwischen Prinz und Marinelli lässt sich in vier Abschnitte gliedern: Auf Seite 49, Zeilen fünf bis 20 sagt Marinelli dem Prinzen, dass die Mutter nach seinem Anblick ganz zahm geworden sei. Der Prinz unterstellt Marinelli, ein schlechter Beobachter zu sein, denn die Mutter habe die Tochter und nicht ihn selbst geschont (vgl. S. 40, Z. 18 f.). Im zweiten Abschnitt (S. 49, Z. 21 bis Z. 50, Z. 31) fragt der Prinz Marinelli, ob es wahr sei, dass Appiani ermordet wurde (vgl. S. 49, Z.23 f.). Marinelli antwortet nicht direkt mit ja oder nein (vgl. S. 49, Z. 25), sondern erst nach einer drohenden Ansprache des Prinzen mit einem schlichten „Nun?“ (vgl. S. 49, Z. 28). Marinelli rechtfertigt sich, indem er be- hauptet, dass der Graf der erste gewesen sei, der geschossen habe (vgl. S. 50, Z. 4 f.). An- gelo habe dann den Tod seines Gefährten gerächt (vgl. S. 50, Z. 8 f.). Der Prinz unterstellt Marinelli indirekt, dass das Geschehene vorhersehbar gewesen wäre (vgl. S. 50, Z. 20 f.) und Marinelli rechtfertigt sich: Der Graf wäre ihm noch Genugtuung schuldig gewesen und seine Ehre bleibe beleidigt (vgl. S. 50, Z. 25 ff.). Im dritten Teil (S. 50, Z. 32 bis S. 51, Z. 36) wünscht sich Marinelli, dass Appiani noch lebe (vgl. S. 50, Z. 33) und der Prinz be- fürchtet, dass man ihn für den Täter halten würde (vgl. S. 51, Z. 3 ff.). Der Prinz ist verär- gert über das gleichgültige Verhalten des Marinelli und sagt aus, dass er nicht vor einem kleinen Verbrechen erschrecke (vgl. Z. 19), doch er beschuldigt Marinelli zu weit gegangen zu sein (vgl. Z. 25 f.). Im vierten Abschnitt (S. 51, Z. 37 bis S. 52, Z. 22) unterstellt Marinelli dem Prinzen ein Fehlverhalten (vgl. S. 51, Z. 38 ff.) und zum Schluss bringt er einen Plan vor, wie man die Situation noch retten könne (vgl. S. 52, Z. 16 ff.).

Im Verlauf des Dialogs verhält sich der Prinz unterschiedlich: Er droht Marinelli mit der Wahrheit über den Tod des Grafen herauszurücken (vgl. S. 52, Z. 27). In sarkastischem Ton reagiert er auf die Begründung Marinellis (vgl. S. 50, Z. 7). Er will, dass Angelo aus seinem Gebiet verwiesen wird (vgl. S. 50, Z. 12 ff.). Als Marinelli sagt, dass seine Ehre beleidigt bleibe, gibt der Prinz plötzlich nach (vgl. S. 50, Z. 32). Er versteht Marinelli und deklariert den Tod des Grafen als Zufall (vgl. S. 50, Z. 37 f.) Er hat Angst, dass man ihn für den Täter halten würde (vgl. S. 51, Z. 3 f.) und dass er alle Hoffnung auf Emilia aufgeben müsse (vgl. S. 51, Z. 7 f.). Er beschuldigt Marinelli, daran Schuld zu sein (vgl. S. 51, Z. 25 ff.). Dennoch stimmt er dem Plan Marinellis schlussendlich zu (vgl. S. 52, Z. 20).

Auffällig ist, dass der Prinz die Tat Marinellis mit einem „Nun gut, nun gut -“ (SǤ 50, ZǤ 32) nachgebend verzeiht, ihm kurze Zeit später jedoch für das Geschehene verantwortlich macht (vgl. S. 51, Z. 25 ff.). Ebenso droht er Marinelli zu Beginn des Stücks (vgl. S. 49, Z. 27). Er verlangt Rede und Antwort von Marinelli (vgl. S. 51, Z. 32 und 29) und akzeptiert seine Tat nicht. Zudem ist er verärgert darüber, dass er nun für den Täter gehalten wer- den würde (vgl. S. 51, Z. 3 ff.) und seine Absicht auf Emilia aufgeben müsse (vgl. S. 51, Z. 7 ff.). Dafür macht er Marinelli verantwortlich (vgl. S. 51, Z. 25 ff.)

Es ist deutlich zu erkennen, dass der Prinz ein alternierendes Verhalten und eine eben- solche Reaktion gegenüber Marinelli zeigt: Zuerst vergibt er ihm, dann beschuldigt er ihn wieder (vgl. S. 50, Z. 32 und S. 52, Z. 25 ff.). Er will sich selbst nur von Schuld frei- sprechen und ist immer noch nur daran und an Emilia interessiert. Wirklich berühren tut ihn der Tod des Grafen nicht, er ist nur nicht über die möglichen Konsequenzen für ihn und seine Liebe zu Emilia einverstanden. Dementsprechend ist auch seine Funktion als Herrscher zu bewerten: Er versucht sich vor seiner Mitschuld zu drücken und schiebt sie stattdessen seinem Berater zu. Sein Verhalten ist nicht korrekt, er versucht sich rauszureden und gesteht seine Schuld nicht ein. Ein richtiger Herrscher hingegen sollte sich für seine Taten verantworten können, schließlich ließ er Marinelli freie Hand (vgl. erster Aufzug, sechster Auftritt), und sie nicht ausschließlich auf seinen Helfer Marinelli schieben.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640999439
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178130
Note
1-
Schlagworte
gotthold ephraim lessing emilia galotti analyse auftritts aufzug

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti – Analyse des 1. Auftritts im 4. Aufzug