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Kennzahlenorientiertes Logistik-Controlling

Seminararbeit 2008 23 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen und Begrifflichkeiten
2.1 Logistik
2.2 Controlling
2.3 Betriebliche Kennzahlen und Kennzahlensysteme

3 Der Logistik-Controlling-Prozess

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Der Bereich der Logistik ist im Laufe der letzten Jahrzehnte zu eines der wichtigsten und größten Aufgabengebieten avanciert. So ist der Logistik derzeit ein Anteil zwischen 20 und 40 Prozent am gesamten Unternehmenserfolg zuzuordnen (vgl. Wildemann 2008, S. 4). Die wachsenden Strukturen und die Internationalisierung der Unternehmen und somit auch der Logistik, sowie der stetig steigende Konkurrenzdruck am Markt erfordern ein leistungsstarkes Logistik-Controlling, welches den reibungslosen Ablauf der betrieblichen Logistikprozesse gewährleistet. Schnelle Anpassungen an die dynamischen Veränderungen des Marktes müssen erfolgen können und es muss zu jeder Zeit möglich sein Aussagen über die derzeitige Logistiksachlage treffen zu können.

Damit das Logistik-Controlling effektiv arbeiten kann, das heißt logistische Strategien und Maßnahmen entwickeln, durchführen und überwachen, hat sich die Verwendung von betrieblichen Kennzahlen zu einem wichtigen und wirkungsvollen Werkzeug etabliert. Dies ermöglicht es fundierte und aussagekräftige Angaben über die Logistik-Situation des Betriebes und betriebliche Entwicklungen treffen zu können und bietet somit großes Potential hinsichtlich des Unternehmenserfolges und -fortbestandes.

Ziel dieser Arbeit ist es dem Leser einen Überblick über die Aufgaben und Funktionen des kennzahlenorientierten Logistik-Controllings zu geben und wo, beziehungsweise inwieweit dabei die Verwendung von Kennzahlen eine Rolle spielt.

Folgend werden hierfür zunächst die wichtigsten Begrifflichkeiten „Logistik“, „Control- ling“ und „Kennzahlen“ erläutert, wobei diese genau definiert werden und deren Einsatz- spektren innerhalb eines Unternehmens abgesteckt werden. Auf dieser Grundlage wird anschließend das Logistik-Controlling, sowie dessen Aufgaben, Instrumente und Stellen- wert im Unternehmen vorgestellt. Abgeschlossen wird die Arbeit mit dem Logistik- Controlling-Prozess. Dieser wird dabei in seine einzelnen Phasen aufgeschlüsselt und zeigt somit den komplexen Aufgabenbereich des Logistik-Controllings in einer festen Sequenz auf.

2 Grundlagen und Begrifflichkeiten

Bevor auf den Logistik-Controlling-Prozess eingegangen wird, werden in diesem Abschnitt die grundlegenden Begriffe hierfür erläutert. Zunächst werden dabei die beiden Kerngebiete Logistik und Controlling genauer vorgestellt, wobei jeweils nach einer Definition, sowohl die Aufgaben, als auch die Bedeutung der Gebiete erläutert wird. Anschließend wird ein Überblick über die für das kennzahlenorientierte Logistik-Controlling benötigten Kennzahlen und entsprechenden Systemen gegeben.

2.1 Logistik

Die Logistik hat ihren Ursprung im Militär, wo sie das militärische Versorgungssystem beschreibt, wie etwa die Truppenversorgung (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 15 und Bur- chert/Glöckner 2000, S. 3), ehe sie in der Unternehmenswelt zunächst nur die Lagerung und den Transport kennzeichnete und später nahezu mit jeder Abteilung eines Betriebes Berührungspunkte aufweist. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 15) Heute wird der Begriff Lo- gistik grundsätzlich unter dem betriebswirtschaftlichen Aspekt als wichtige Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre verstanden. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a)

Auf Grund des weiten Einsatzspektrums, finden sich für die Logistik viele Definitionen, welche sich jedoch in weiten Teilen decken. Somit lässt sich die Logistik durch betriebli- che Aufgaben der marktgerechten Planung, Umsetzung, Steuerung und Kontrolle von Gü- ter-, Energie-, Personen- und Informationsflüssen zur Befriedigung von Kundenaufträgen definieren, welche nicht unmittelbar in den Herstellungsprozess eingehen. Dabei gilt es diese Aufgaben zu Optimieren und den Raum und die Zeit effektiv zu überbrücken. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 15f)

Das Aufgabenfeld der Logistik ergibt sich im Wesentlichen aus den sieben R‘s (vgl. Gleissner/Femerling 2007, S. 4f):

- Richtiges Produkt
- Richtige Menge
- Richtige Qualität
- Richtiger Ort
- Richtige Zeit
- Richtige Kosten
- Richtiger Kunde

Der Begriff „richtig“ ist in diesem Rahmen nicht genau definierbar, jedoch kann es als das Optimum für die jeweilige Situation betrachtet werden.

Die Logistik befasst sich dabei mit Funktionen vieler Bereiche im Unternehmen, vom Ein- kauf, der Lagerung und dem Transport über die Organisation der Auftragszentren, der Fer- tigung und dem Vertrieb bis zum Service, der Entwicklung und der Entsorgung. Je nach Art und Schwerpunkt des Unternehmens weisen diese Funktionen eine unterschiedlich starke Ausprägungen und Wichtigkeit auf. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 16f) Zudem zählen Logistikaufgaben zu funktions- und ebenenübergreifenden Tätigkeiten. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 18) Hierbei gilt es drei Ebenen zu berücksichtigen. Zum einen die Ebene der Gestaltungsaufgaben, welche den Aufbau der Informations- und Güterflüsse übernehmen und zum anderen die der Controlling-Aufgaben. Dabei werden eventuelle Veränderungen logistischer Systeme und deren Wirkungen und Folgen überwacht, wobei sich solche Systemveränderungen und logistische Leistungen und Kosten durch vorher festgelegte Vereinbarungen hinsichtlich Kennzahlen und Zielgrößen konsequent und zu- verlässig erkennen und verfolgen lassen. Zuletzt bleiben die Abwicklungsaufgaben zu er- wähnen, welche verantwortlich für die Lenkung und Ausführung der erforderlichen Pro- zesse zur Befriedigung der Kundenaufträge und -anforderungen sind. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 18f)

Eine weitere Unterteilung der logistischen Aufgabenfelder kann erfolgen, wenn man zwi- schen physischen, administrative und dispositiven Tätigkeiten unterscheidet. (vgl. Wirt- schaftslexikon24 2009a) Grundsätzlich übernimmt jedes der Aufgabenfelder Aktivitäten, welche dafür sorgen, dass Güter und mit diesen zusammenhängende Informationen vom Entstehungsort und Ausgangszustand zu einem Verbraucher in einem Endzustand gebracht werden, wobei sich im Allgemeinen mindestens eines der drei Attribute Zeit, Ort und Menge im Wert ändert. Die Physischen Aufgaben betreffen direkt den Güterfluss, bei- spielsweise den Transport und die Lagerung oder die Kommissionierung und die Verpa- ckung, während die administrativen Aufgaben den Informationsfluss behandeln, wie die Auftragsabwicklung. Unter den dispositiven Tätigkeiten versteht man Aufgaben, wie bei- spielsweise den Entwurf von logistischen Systemen und Organisationen und Aufgaben des Logistik-Controllings. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a) Die dispositive Logistik steuert somit in gewissem Maße die physische Logistik. (vgl. Weber 1990, S. 10)

Weiterhin kann zwischen logistischen Subsystemen unterschieden werden. (vgl. Wirt- schaftslexikon24 2009a) Hierzu zählt zunächst die Beschaffungslogistik, welche für die Sicherstellung des Materialnachschubes, beziehungsweise der Materialverfügbarkeit für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe verantwortlich ist. Eine Variante der Beschaffungslogistik ist beispielsweise die Ersatzteillogistik, welche Reparaturen und die Wartung von Be- triebsmitteln gewährleistet. Weitere Subsysteme sind die Produktionslogistik, die Distribu- tionslogistik, sowie die Entsorgungslogistik. Die Produktionslogistik versorgt die unter- schiedlichen Stufen der Produktion mit den notwendigen Betriebsmitteln, während die Distributionslogistik sicherstellt, dass Produktionserzeugnisse zu den jeweiligen Verbrau- chern, beziehungsweise Endverbrauchern gelangen. Die Entsorgungslogistik befasst sich wiederrum mit Rückständen aus den Produktions- und Geschäftstätigkeiten wie zum Bei- spiel Ausschuss, um diese ökologisch und ökonomisch korrekt zu Entsorgen oder sie im Produktionsprozess wieder zu verwenden. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a) Im Rahmen der Beschaffung und Fertigung findet auch der Begriff Materiallogistik Anwendung. (vgl. Burchert/Glöckner 2000, S. 3)

Dies zeigt, das die Logistik ein sehr weites Gebiet ist mit vielen Berührungspunkten zu anderen Abteilungen im Unternehmen, hinsichtlich der betrieblichen Grundfunktionen Beschaffung, Produktion, Absatz und Lagerung. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a) Die Bedeutung von Logistikentscheidungen nimmt immer mehr zu. Hierfür sind unter an- derem die Zunahme der Wettbewerbsintensität, sowie die raschen Entwicklungsfortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Auch die fortwährend wachsende Internationalisierung, beziehungsweise Globalisierung ist dabei mit verantwortlich. (vgl. Göpfert 2006, S. 40) Die Logistik zählt zu den Instrumenten der aktiven Gestaltung des Absatzmarktes und kann zudem die Aufgabe der Produktionssteuerung übernehmen. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a)

Außerdem zeichnet sich die Logistik heute vor allem durch vier Begriffe aus (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 16):

Marktorientierung:

Die Marktorientierung steht im Fokus wirtschaftlicher Aktivitäten, weshalb sich auch die logistisch relevanten Geschäftstätigkeiten konsequent an den Anforderung des Marktes und der Verbraucher ausrichten.

Ganzheitlichkeit:

Bei der Ganzheitlichkeit geht es darum die komplette Logistikkette als ein Ganzes anzusehen und entsprechend zu gestalten und somit alle zugehörigen Funktionen in den Gesamtprozess einzubetten.

Flussorientierung:

Die Flussorientierung besagt, dass der in der Ganzheitlichkeit erwähnte Gesamtprozess gleichbleibend und frei von Warte- und Liegezeiten störungsfrei abgewickelt werden kann.

Zeitorientierung:

Um auch hinsichtlich des Zeitmanagements das Optimum erreichen zu können, spielt die Zeitorientierung, auch im Hinblick auf die Flussorientierung, eine wesentliche Rolle. So sollen nach Möglichkeit alle Prozessschritte Just-In-Time eingeplant werden, sodass dem Unternehmen nicht benötigte Zeit- und überflüssige Bestandsreserven erspart bleiben. Durch diese Zeitorientierung können beispielsweise die Lagerkosten minimiert und auch Wiederbeschaffungs-, Einlagerungs- oder Durchlaufzeiten reduziert werden.

Zusammenfassend stellt sich die Logistik als ein entscheidender Unternehmenszweig dar, dessen Funktionen, Systeme und Methoden den güterwirtschaftlichen Umsatz- und Absatzprozess behandeln und unterstützen. Auf Grund der stetigen Expansion von Unternehmen steigen die Anforderungen an die Logistik in Zukunft konsequent weiter an. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009a)

2.2 Controlling

Der Begriff Controlling hat erst in den letzten Jahrzehnten Einzug in Unternehmen gehalten, wo es zunächst lediglich das nachträgliche Kontrollieren bezeichnete. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 19) Im Ursprung stammt es aus der amerikanischen Unternehmenswelt, wo es Tätigkeiten im Bereich des Rechnungs- und Finanzwesens charakterisierte. Jedoch hat sich das Einsatzspektrum stetig verbreitert, speziell im Unternehmensberatungssektor. (vgl. Wirtschaftslexikon24 2009b)

Bei der Übertragung ins Deutsche liegt ebenfalls zunächst der Begriff der Kontrolle nahe, jedoch wird bei der exakten Übersetzung eine weitere wichtige Funktion des Controllings deutlich, da „to control“ im Deutschen „steuern“ entspricht. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 19)

Tatsächlich lässt sich Controlling daher definieren als ein Instrument der Steuerung, sowie zur Entscheidungsunterstützung, wobei der Controller sicherstellt, dass die vom Unternehmen angestrebten Ziele durch betriebswirtschaftliche Werkzeuge erreicht werden können. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 19)

Neben der Unterstützung des Managements, ergänzt das Controlling dieses zudem. Es leis- tet dabei konzeptionelle Arbeit und stellt hierfür eine Infrastruktur zur Verfügung. Konzep- tionelle Arbeit zeichnet sich aus durch zielgerichtete Planung und Lenkung des Unterneh- mens, während die Infrastruktur das Controlling-System mit den für dieses Vorgehen er- forderlichen Funktionen und Instrumente beinhaltet. Ein effektives und leistungsfähiges Controlling resultiert genau dann, wenn die verantwortlichen Führungskräfte mit Control- lern konsequent zusammenarbeiten. (vgl. Gollwitzer/Karl 1998, S. 20)

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Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656000129
ISBN (Buch)
9783656000105
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178195
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik
Note
2,3
Schlagworte
Logistik Controlling BWL Kennzahlen Strategisch

Autor

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Titel: Kennzahlenorientiertes Logistik-Controlling