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Preisfindung für Produktinnovationen

Am Beispiel österreichischer Anbieter industrieller Anwendungen im Hochpreissegment

Bachelorarbeit 2010 51 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zieldefinition
1.3 Bezugsrahmen

2 Produktinnovation
2.1 Produktinnovationsarten
2.2 Absolute Neuheit
2.3 Hemmnisse für Produktinnovationen
2.4 Zeitpunkt der Markteinführung

3 Preis
3.1 Strategisch orientierte Preispolitik
3.1.1 Kostenorientiert
3.1.2 Kundenorientiert
3.1.3 Wettbewerbsorientiert
3.2 Preisstrategien zur Markteinführung
3.2.1 Skimming Strategie
3.2.2 Penetration Strategie
3.2.3 Verdrängungsstrategie
3.3 Anforderung der Hochpreisstrategie

4 Faktoren für Preisgestaltungsvarianten
4.1 Kundenintegration bei der Entwicklung
4.1.1 Aufklärung der Kunden
4.1.2 Erkennen von Kundenbedürfnissen

5 Identifikation von Preisbildungsverfahren in der Praxis
5.1 Vorgehensweise zur Identifikation
5.1.1 Theoretische, wissenschaftliche Inhalte
5.1.2 Studien
5.1.3 Experteninterview
5.2 Identifizierung und Zusammenführung der Preisbildungsverfahren
5.3 Preisgestaltung für etablierte Produkte am Markt
5.4 Preisgestaltung für Produktinnovationen

6 Praxisrelevante Faktoren zur Preisfindung für Produktinnovationen
6.1 Unterstützende Werkzeuge zur Preisfindung
6.1.1 Conjoint Analyse
6.1.2 Lead User Konzept
6.1.3 Testmarkt
6.1.4 Preisschwellen Analyse
6.1.5 Expertengespräch
6.2 Schlussfolgerung

7 Resümee

8 Literaturverzeichnis

Abbildung 1: Bezugsrahmen

Abbildung 2: Produktentwicklungsvarianten

Abbildung 3: Einstufung von Timingstrategien

Abbildung 4: Übersicht von Preisfindungsmethoden

Abbildung 5: Preisschwellen- Analyse

Tabelle 1: Ergebnisse der Preisfindungs- Methoden Analyse in Unternehmen

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich im Detail mit Methoden zur Preisfindung für Produktinnovationen. Sie richtet sich an Unternehmen, die mit einer Produktinnovation kurz vor der Markteinführung stehen. Dahingehend befasst sich diese Arbeit mit Preisfindungsmethoden für Produktinnovationen im Markteinführungsstadium. Der Einsatz der gewählten Methode soll Unternehmen die Möglichkeit geben, den marktgerechten Preis für ihre Produktinnovation zu definieren. Im ersten Kapitel wird auf die Problemstellung, die Zielsetzung sowie auf den bildlich dargestellten Aufbau eingegangen.

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

Um den Wettbewerbsvorsprung an europäischen Standorten nachhaltig zu sichern, ist es unablässig, durch innovatives Handeln die Erfolgschancen von Unternehmen zu steigern, um so der Verkürzung von Produktlebenszyklen entgegen zu wirken. Die zunehmende Bedeutung von Produktinnovationen stellt diesbezüglich auch bedeutende Ansprüche an die preisliche Anpassung.[1] Vielen Firmen fehlen Ansätze/Methoden, ihre Produktpreise dementsprechend anzupassen, vor allem dann, wenn es sich um eine absolute Neuheit handelt.

Speziell am Anfang einer jeden Neuentwicklung/Innovation stellt sich die Frage nach dem Preis. Jedes Unternehmen sollte sich diese Frage so früh wie möglich stellen, um seine Kunden mit all den Bedürfnissen in den Entwicklungszyklus mit einzubinden.[2] Eine Studie des GfK spiegelt wider, dass Firmen viel zu spät erkennen, welche Wirkung eine Preisentscheidung haben kann. Die Realität zeigt: Ein falsches Preis-Leistungsverhältnis führt zu den meisten Produktflops.[3] Jedes gut durchdachte Konzept muss eine dementsprechende Preisgestaltung beinhalten, um zukünftige, auf Preisentscheidungen basierende Misserfolge zu vermeiden.

Die traditionelle Preisgestaltung aus dem Bauch heraus gibt es nicht mehr. Es erfordert mehrere Faktoren zu erheben, um einen Preis korrekt zu bestimmen und festzulegen.[4] Was wiederum heißt, dass Unternehmen ihre Leistungsangebote im passenden Preis-Qualitätsumfeld positionieren müssen.[5]

Im konkreten wird sich diese Arbeit auch mit der Positionierungsstrategie im Hochpreissegment beschäftigen und damit, welche spezifischen Anforderungen diese mit sich bringt.

1.2 Zieldefinition

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Methoden zur Preisfindung für Unternehmen mit industriellen Anwendungen für Produktinnovationen zu erheben. Ebenfalls soll die Einsatzfähigkeit dieser Methoden für absolute Produktneuheiten geprüft werden.

Daraus ergeben sich folgende Subziele:

- Vorgehensweisen zum Zeitpunkt der Markteinführung für Produktinnovationen in Bezug auf preisliche Aspekte
- Preistheoretische Ansätze für Produktinnovationen erheben
- Erfassen von gängigen Preisbestimmungsmethoden aus der Praxis

Nichtziel:

Ein Nichtziel ist es, die Ist-Situation der Preisgestaltung in allen österreichischen Wirtschaftsbetrieben zu erheben. Des Weiteren wird es nicht Ziel dieser Arbeit sein, die verschiedensten Preis-Positionierungsarten zu beschreiben, da dies durch den Schwerpunktsbezug auf das Hochpreissegment nicht erforderlich scheint. Ebenso werden andere Innovationstypen als Produktinnovationen nicht näher beschrieben. Als Voraussetzung, um weiterführende Handlungsempfehlungen geben zu können, müssen Unternehmen über ihr bestehendes Kundensegment bescheid wissen. Aus diesem Grund wird es nicht Ziel sein, Zielgruppendefinitionen vorzugeben.

1.3 Bezugsrahmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bezugsrahmen[6]

2 Produktinnovation

In der Problemstellung wurde bereits beschrieben, dass Wettbewerbsvorsprünge ausgebaut werden müssen und dies nur durch Innovationen geschehen kann. Neuartige Produkte bzw. Produktinnovationen verschaffen dem Unternehmen den entscheidenden technologischen Vorsprung, welcher benötigt wird, um langfristig den Erfolg zu sichern. Der Innovationsbegriff umfasst demnach den gesamten Prozess der Neuentwicklung. Im engeren Sinne jedoch umfasst dieser Begriff nur die Phase der Realisierung einer Erfindung.[7]

Unter Verweis auf die begriffliche Definition des österreichischen Ökonoms Schumpeter werden Innovationen als erfolgreiche Markteinführung von Neuprodukten bzw. Neuheiten gesehen.

Schumpeter legte den Grundstein für eine umfassende Definition dieses Begriffes, indem er den gesamten unternehmerischen Kreativitätsprozess in

- Intention (Erfindung)
- Innovation (Umsetzung zur Marktreife)
- Diffusion (Markteinführung)

aufteilte. Unter Betrachtung dieser Ansicht stellt die Innovation den gesamten Umsetzungsprozess dar, wobei die eigentliche Einführung der Produktinnovation als wesentlicher Bestandteil des gesamten Prozesses zu sehen ist und dies in Kapitel 2.4 vertiefend behandelt werden wird.[8]

Produktinnovationen sind die vom Kunden wahrgenommenen und marktlich verwerteten Neuerungen einer Unternehmung. Der Grad der Neuheit wird demnach wie in Kapitel 2.1 dargestellt unterschieden.[9]

2.1 Produktinnovationsarten

Die Art Produktinnovationen für den Hersteller zu unterscheiden, kann durch Neuentwicklung bzw. Verbesserungsentwicklung geschehen. Diese auf den Hersteller bezogenen Faktoren müssen, mit für den Anwender wichtigen Prozessen, ineinandergreifen. So unterscheidet sich für den Anwender zum einen das Produkt als prozessverändernd, zum anderen als prozessverbessernd.[10] Ein weiterer Ansatz Produktinnovationen zu unterscheiden ist, diese in Marktneuheiten (für alle Marktteilnehmer neu) oder Betriebsneuheiten (für den Betrieb neu eingeführte Produkte, nicht aber für den Markt) zu gliedern. Naturgemäß birgt eine echte Produktinnovation die höchsten Kosten und Risiken.[11]

Die Produktinnovation bezieht sich in diesem Ansatz auf eine absolut neue Erscheinung eines Produktes und nicht auf Verbesserungen, Weiterentwicklungen oder Variationen von Produkten. Die unten angeführte Grafik (Abb. 2) soll diesen Ansatz unterstreichen. Unterschieden werden lediglich die oben angesprochenen Markt- oder Betriebsneuheiten.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Produktentwicklungsvarianten[13]

Abbildung 2 zeigt im Grunde die Ansoff Matrix, unterteilt in die Dimensionen Markt und Produkt. Die Produktinnovation würde sich in der Ansoff Matrix in der Diversifikationsstrategie wiederfinden. Auch die Diversifikationsstrategie zielt auf den Aufbau neuer Geschäftsfelder und somit auch auf Produktinnovationen ab.

Sie ist die riskanteste Strategie nach Ansoff, da dem Unternehmen keine Marktdaten vorliegen.[14]

Diese Arbeit wird sich in erster Linie mit dem zweiten angeführten Ansatz befassen, da es aus Sicht des Verfassers im Produktinnovationsbereich am wenigsten Quellen gibt, die einem Unternehmen dienen, z.B. Preise fest zu legen. Für Unternehmen ist es eine große Herausforderung, eine Produktinnovation erfolgreich auf den Markt zu bringen. Daher kann mit diesem Ansatz ein Verständnis für eine absolute Neuheit gewonnen werden. Bei der ersten oben angeführten Variante wird lediglich der Kunde als wichtigstes Kriterium gesehen, was für eine Gesamtbeurteilung und preisliche Festlegung im Produktinnovationsbereich nicht ausreichend ist. Der Kunde als messbare Variable kann hier nur bedingt Anwendung finden, da es sich bei einer Produktinnovation um etwas noch nie Dagewesenes handelt und somit die Reaktionen von Kunden im Vorfeld nur bedingt eingeschätzt werden können.

2.2 Absolute Neuheit

Um von einer absoluten Neuheit im Sinne einer Produktinnovation sprechen zu können, muss den vom Anbieter auferlegten Anforderungen Genüge getan werden. Die Produktinnovation selbst muss sich im Produktangebot niederschlagen. Es reicht also nicht aus, eine konkrete Vorstellung oder Idee eines Produktes zu haben.[15]

Daher ist die Definition nach Schumpeter im Kapitel 2 als nach wie vor richtig anzusehen, da auch dieser die erfolgreiche Einführung einer Produktinnovation als Bestandteil des Kreativitätsprozesses vorsieht.

Eine absolute Neuheit auf den Markt zu bringen, erfordert vor allem im industriellen Bereich einen enormen Aufwand in der Informationsverarbeitung. Zudem haben die Käufer zum Zeitpunkt der Markteinführung (vertiefende Details im Kapitel 2.4) noch keine Eindrücke gewinnen bzw. eigene Erfahrungen sammeln können.[16]

Eine Produktinnovation muss absolut neu sein und darf durch keine ähnlichen Produkte am Markt vertreten sein. Veränderungen an Ästhetik, physikalischen Eigenschaften, Symbolik oder Service einer Leistung sind keine Produktinnovationen, sondern Facelifts oder Verbesserungsentwicklungen, die zur Kosteneinsparung oder qualitativen Verbesserung dienen.[17]

2.3 Hemmnisse für Produktinnovationen

Im Kapitel 1.1 wurde bereits auf die enorm hohe Floprate von Neuprodukt­Einführungen und somit auch von Produktinnovationen an den gegenwärtigen Märkten eingegangen. Diese Zahlen beziehen sich vor allem auf fehlerhafte Einschätzungen der Marktsituation der einzelnen Unternehmen. Die meisten Firmen sind sich diesem Risiko des Produktmisserfolgs bewusst und versuchen, dieses durch Vermeidung neuer Produktinnovationen abzuwenden. Diese meist in den Unternehmensphilosophien oder bei den einzelnen zuständigen Produktmanagern verankerten Ängste, hemmen neue Produktinnovationen immens.[18]

Eine empirische Studie untersuchte die Gestaltung und Methoden zur verbesserten Kundeneinbindung in den Produktinnovationsprozess. Dahingehend gilt als wesentliche Erkenntnis, dass vor allem die Kundeneinbindung als großes Problem gesehen wird. Die Unternehmen haben keine klar definierten, systematischen, organisierten Prozesse, Anregungen bzw. Informationen preislicher Art ihrer Kunden in den Produktinnovationsprozess zu integrieren.[19] Im Kapitel 4.1 wird über diesen Prozess sowie Maßnahmen der Kundenintegration noch vertiefend eingegangen.

Problematisch ist auch die Fehleinschätzung von Produktmanagern in Bezug auf die Marktakzeptanz. Besonders im Technologiebereich kann eine zu lange Marktakzeptanz für das Scheitern verantwortlich sein. Zu untersuchen sind daher die kundenseitigen Mechanismen, die zu dieser Verzögerung beitragen. Ob es sich um preisliche oder produktspezifische Faktoren handelt, ist zu prüfen.[20] Im Kapitel 2.1 wurde bereits über kundenbezogene Faktoren gesprochen. Manager wissen nicht, wie sie einen Wert beim Kunden schaffen können, wenn es sich um etwas handelt, was noch nie am Markt vorhanden war bzw. wo im eigenen Unternehmen keinerlei Daten vorliegend sind. Dazu fehlen ihnen Methoden, mit Produktinnovationen richtig umzugehen.

2.4 Zeitpunkt der Markteinführung

Nachdem es sich um eine Produktinnovation handelt, wird davon ausgegangen, dass wie in Abb. 3 ersichtlich, das angebotene Produkt ein Innovationsführer ist. Die absolute Neuheit eines Produktes kann durch zwei Dimensionen bestimmt werden: Den Innovator Status in der Entwicklung und Pionier Status am Markt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Einstufung von Timingstrategien[21]

Der Unterschied zu anderen veränderten Produkten oder Imitationsprodukten der Konkurrenz, liegt in der Erstmaligkeit der Innovation. Somit lassen sich grob zwei Strategien für den Markteintritt unterscheiden:

- Pioniersstrategie
- Folgerstrategie

Kann zu einem frühen Zeitpunkt Risiko und Chance einer Produktinnovation abgeschätzt werden, spricht aus ökonomischen Gründen für die Pioniersstrategie die Möglichkeit, den Markteintrittspreis für das Produkt frei zu bestimmen und hohe Anfangsgewinne abzuschöpfen.[22]

Pionierstrategie

Bei der Pionierstrategie tritt ein Unternehmen als erstes in einen neuen Markt ein. Speziell auf High-tech Märkten ist es erforderlich, schnell am Markt zu reagieren.[23]

Folgerstrategie

Mittels der Folgerstrategie wird ein Produkt parallel zum Pionier entwickelt und erst nach Markteintritt des Pioniers auf den Markt gebracht. Der Folger hat somit einen zeitlichen Spielraum, bis sich das Produkt des Pioniers am Markt entwickelt hat. Zum Zeitpunkt des Markteintritts des Folgers, hat dieser einige Marktbarrieren, die vom Pionier errichtet wurden, zu überwinden.[24]

Bei jedem zweiten Unternehmen sind die ertragreichsten Produkte Innovationen, die sich gerade in der Markteinführung befinden. Vor allem in Nischenmärkten wollen Unternehmen besonders schnell auf Kundenwünsche reagieren.[25] Detaillierte Aussagen dazu finden Sie im Kapitel 4.1.

In einer branchenübergreifenden Sekundäranalyse aus dem Jahr 1996 befragte man 350 amerikanische „innovative“ Industrieunternehmen. Dabei wurde als abhängige Variable zum Markteinführungszeitpunkt von Produkten der Erfolg (Marktanteil, ROI) des Unternehmens bewertet, der Preis wurde in dieser Studie als unabhängige Variable eingesetzt. Produktinnovationen konnten zum Markteinführungszeitpunkt das größte Marktanteilswachstum verzeichnen. Jedoch konnte eine empirische Studie zu 1022 Produktinnovationen zeigen, dass die Nutzung von Verbesserungserweiterungen (Facelift) den größten nachhaltigen Erfolg für Unternehmen generieren kann.[26]

Würde man sich rein nur an die zweite Studie halten, wäre von jeglichem Versuch, eine Produktinnovation zu initiieren, abzuraten. Dennoch ist davon auszugehen, dass bei einer Verbesserungserweiterung mehr Daten zum Zeitpunkt der Markteinführung vorhanden sind bzw. eine Markttauglichkeit des Preises bereits in einer ähnlichen Form Anwendung gefunden hat. Unternehmen würden kein Facelift kreieren, wäre das Vorgängermodell nicht Erfolg bringend auf dem Markt etabliert worden. Daher liegt es am mangelnden Wissen in Bezug auf Produktinnovationen, mit ihnen richtig umzugehen. Durch Anwendung von Analysemethoden könnten Wissen und Daten gewonnen werden, um Produktinnovationen den nachhaltigen Erfolg zu sichern.

Dies zeigt sich bei einer Befragung von Führungskräften in industriellen Unternehmen. Einer Unternehmensgruppe von 13% gelang es, ihre Produktinnovationen mit höheren Preisen abzusetzen und eine überdurchschnittliche Profitabilität im Gegensatz zu den anderen untersuchten Unternehmen aufzuweisen. Durch die einzigartige strategische Ausrichtung und den souveränen Umgang mit Kundenbedürfnissen konnten nachhaltige Wettbewerbsfaktoren generiert werden.[27]

3 Preis

3.1 Strategisch orientierte Preispolitik

Eine strategische Preispolitik setzt eine enge wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen des Unternehmens voraus. Die Zusammenarbeit sollte vor allem in Marketing, Finanz und Vertrieb ineinandergreifen. Auf Grund der nicht ausreichenden Datenerfassung im Bereich der Kostenanalyse, Kundenwert sowie den Konkurrenzpreisen können Preisniveaus nicht ausgeschöpft werden. Hinzu kommt, dass Produkte in Gruppen zusammengefasst und hierfür Preisniveaus bestimmt werden. Dadurch kann der Preis auf die Produktlinie nicht passend angewendet werden.[28] Im Rahmen des Marketings versucht der Unternehmer mittels der Kommunikation am Markt einen Wert zu schaffen. Die Preispolitik versucht diesen Wert in Form von Umsatz und Gewinnen wieder in das Unternehmen zurückzuholen. Speziell die Innovationsführerschaft, wie im Kapitel 2.3 bereits angesprochen, erlaubt eine aggressive Preisfestsetzung im Anfangsstadium.[29]

Die untenstehenden Preisorientierungen müssen in den Preis integriert und berücksichtigt werden. Die Anwendung der geeigneten Preisstrategie bildet den entscheidenden Vorteil.

Speziell im Industriegüterbereich ist auch auf eine umfangreiche Testphase zu achten. Die Produktinnovation muss vor der eigentlichen Markteinführung auf deren technische Tauglichkeit geprüft werden, um ein technisches Versagen vorbeugend zu vermeiden. Ein Flop der Produktinnovation, hervorgerufen durch technische Mängel, würde einen enormen Image- und finanziellen Schaden mit sich bringen.

3.1.1 Kostenorientiert

Um auf die preisliche Anpassung zu reagieren und Gewinne zu realisieren, erfordert dies kostenorientiert zu handeln. Das ist der Grund, weshalb sehr viele Unternehmen in den letzten Jahren auf Prozessinnovationen und nicht auf Produktinnovationen setzten. Die hohen Kosten und das hohe Risiko seien ausschlaggebende Treiber für diese Trendwende. Würde sich ein höherer Prozentsatz der Produktinnovationen erfolgreich am Markt etablieren, könnten die hohen Kosten der Entwicklung vernachlässigt werden.[30]

Eine reine Kalkulation, basierend auf den Kosten, wäre keine sinnvolle Art, einen Verkaufspreis festzulegen. Die Kosten müssen ein gewichtetes Kriterium in der Festlegung darstellen, um ein Produkt kostendeckend zu vermarkten. Dennoch würde eine reine Kostenkalkulation nicht das volle Preispotenzial einer Produktinnovation ausschöpfen.[31] Die kostenorientierte Preissetzung dient als Sicherheit zur Einhaltung der Preisuntergrenze. Es lassen sich zwei Varianten

- Vollkostenrechnung
- Teilkostenrechnung

[...]


[1] Vgl. Beelitz von Busse, Nicola; Innovationen in der Unternehmenspraxis, soziale Repräsentationen von Innovationen und Innovationsprozessen, 1. Aufl., DUV, 2005, S. 1

[2] Vgl. Nagle, Thomas T.; Hogan, John E.; Strategie und Taktik in der Preispolitik, Profitable Entscheidungen treffen, 4. Aufl., Pearson, 2007, S. 16-17

[3] Vgl. Zimprich, Stephan; Neues von der Resterampe, http://www.softwareload.de/c/76/68/23/7668232.html (22.01.2010)

[4] Vgl. Woratschek, Herbert; Roth, Stefan; Die Ermittlung von Preisbereitschaften und Preisreaktionen als Basis zur Bestimmung des Kundenwerts, in: Kundenwert, Grundlagen­innovative Konzepte- praktische Umsetzungen, hrsg. von Günter, Bernd; Helm, Sabrina; 3. Aufl., Gabler, 2006, S. 370-396, hier S. 372-373

[5] Vgl. Backhaus, Klaus; Voeth, Markus; Handbuch Industriegütermarketing, 1. Aufl., Gabler, 2004, S. 960 - 961

[6] Eigene Darstellung

[7] Vgl. Faber, Markus; Open Innovation, Ansätze, Strategien und Geschäftsmodelle in: Spektrum wirtschaftswissenschaftliche Forschung, hrsg. von Auer-Srnka, Katharina; Bellmann, Klaus; Bronner, Frank; Schmidt-Gallas, Dirk; 1. Aufl., Gabler, 2008, S. 1-27, hier S. 10-12

[8] Vgl. Perl, Elke; Grundlagen des Innovations- und Technologiemanagements, in: Innovations­und Technologiemanagement, hrsg. von Strebel, Heinz; 2. Aufl., Facultas, 2007, S. 17-51, hier S. 20-21

[9] Vgl. Hauschildt, Jürgen; Innovationsmanagement, 5. Aufl., Vahlen, 2010, S. 9

[10] Vgl. Reichart, Sybille; Kundenorientierung im Innovationsprozess, die erfolgreiche Integration von Kunden in den frühen Phasen der Produktentwicklung, 1. Aufl., Gabler, 2002, S. 143-144

[11] Vgl. Fritz, Wolfgang; von der Oelsnitz, Dietrich; Marketing, Elemente marktorientierter Unternehmensführung, 4. Aufl., Kohlhammer, 2006, S. 152

[12] Vgl. Disselkamp, Marcus; Innovationsmanagement, Instrumente und Methoden zur Umsetzung im Unternehmen, 1. Aufl., Gabler, 2005, S. 21

[13] in Anlehnung an Disselkamp; Innovationsmanagement, S. 21

[14] Vgl. Steven, Marion; Handbuch Produktion, Theorie- Management- Logistik- Controlling, Kohlhammer, 2007, S. 125-126

[15] Vgl. Niedbal, Meike; Vorankündigung von Produktinnovationen, eine marktprozesstheoretische Analyse der Käufer- und Wettbewerbsreaktionen in: Business to Business Marketing, hrsg. von Engelhardt, Werner Hans; Kleinaltenkamp, Michael; 1. Aufl., Gabler, 2005, S.1-298, hier S. 93

[16] Vgl. Kuester, Sabine; Heß, Silke C.; Adoptionsbarrieren bei Produktinnovationen, Kundenseitige und unternehmerische Herausforderungen des Neuproduktmanagements in: Vielfalt und Einheit in der Marketingwissenschaft, ein Spannungsverhältnis, hrsg. von Bayon, Tomas; Herrmann, Andreas; Huber, Frank; 1. Aufl., Gabler, 2007, S. 79-109, hier S. 79

[17] Vgl. Wiltinger, Angelika; Wiltinger, Kai; Marketing, Systematische Darstellung in Übersicht, 1. Aufl., Cuvillier, 2005, S. 207-209

[18] Vgl. Sander, Matthias; Marketing-Management, Märkte, Marktinformationen und Marktbearbeitung, Lucius & Lucius, 2004, S. 361-363

[19] Vgl. Reichart; Kundenorientierung im Innovationsprozess, S. 143-144

[20] Vgl. Kuester; Heß; Adoptionsbarrieren bei Produktinnovationen, S. 79

[21] In Anlehnung an Albers, Sönke; Hermann, Andreas; Handbuch Produktmanagement, Strategieentwicklung- Produktplanung, 3. Aufl., Gabler, 2007, S. 53

[22] Vgl. Dyckhoff, Harald; Souren, Rainer; Nachhaltige Unternehmensführung, Grundzüge industriellen Umweltmanagements, Springer, 2008, S. 222

[23] Vgl. Haas, Hans-Dieter; Ländermarktauswahl und Timingstrategien, in: Internationale Wirtschaft, Rahmenbedingungen, Akteure, räumliche Prozesse, hrsg. von Haas, Hans-Dieter; Neumair, Simon-Martin; Oldenbourg, 2006, S. 579- 604, hier S. 595

[24] Vgl. Yezhelyeva, Ivanna; Pionierunternehmen und ihre Markteintrittsstrategien in der Automobilbranche, Diplomarbeit, Fachhochschule für Wirtschaft Berlin, 2008

[25] Vgl. o.A. Margenkönige setzen auf Innovationen, (12.12.2006), http://www.wiwitreff.de/home/index.php?mainkatid=1&sid=9&ukatid=1&artikelid=3242, (18.03.2010)

[26] Vgl. Talke, Katrin; Einführung von Innovationen, Marktorientierte strategische und operative Aktivitäten als kritische Erfolgsfaktoren in: Betriebswirtschaftliche Studien in forschungsintensiven Industrien, hrsg. von Leker, Jens; Salomo, Sören; Schewe, Gerhard; 1. Aufl., Gabler, 2005, S. 1-287, hier S. 52

[27] Vgl. Bailom, Franz; Anschober, Markus; Matzler, Kurt; Kausl, Alexander; Preis- und Innovationswettbewerb, Ergebnisse einer Führungskräftebefragung in: Kundenorientierte Unternehmensführung, Kundenorientierung- Kundenzufriedenheit- Kundenbindung, hrsg. von Hinterhuber, Hans H., Matzler, Kurt; 5. Aufl., Gabler, 2006, S. 525-542, hier S. 533-534

[28] Vgl. Wewezow, Christian; Pörsel, Christine; Kleine oder große Preise, Preisfestsetzung als Erfolgsfaktor, (23.7.2008) http://clockwiseconsulting.wordpress.com/2008/07/23/kleine-oder- qrose-preise-preisfestsetzunq-als-erfolqsfaktor/, (15.03.2010)

[29] Vgl. Nagle, Thomas T.; Holden, Reed K.; Larsen, Georg M.; Pricing, Praxis der optimalen Preisfindung, Springer, 1998, S. 1

[30] Vgl. o.A. Trendwende, deutsche Unternehmen setzen auf Innovationen, (04.02.2005) http://www.wiwi-treff.de/home/index.php?mainkatid=1&sid=9&ukatid=1&artikelid=2119, (18.03.2010)

[31] Vgl. Wiegran, Gaby; Kommunikation zwischen Kunde und Unternehmen, Preisstudien in der Praxis, in: Feedback, Heft1/2005, S. 1-6 hier S. 1

Details

Seiten
51
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656002796
ISBN (Buch)
9783656002710
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178219
Institution / Hochschule
Campus02 Fachhochschule der Wirtschaft Graz – International Marketing & Sales
Note
2,00
Schlagworte
Vertrieb Preis; Preisfindung; Preisgestaltung; Produktinnovation; Produktneuheiten; Skimming; Penetration; Markteinführung Strategie

Autor

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