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Jugendarbeit mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Jugendlichen

Akzeptieren, konfrontieren oder einfach ignorieren?

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Klienten
1.1 Abgrenzung der relevanten Gruppen
1.2 Straftaten und Potenzial
1.3 Zwischenfazit

2. Die Arbeit mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Jugendlichen
2.1 Der akzeptierende Ansatz
2.2 Kritik und Probleme des akzeptierenden Ansatzes in der Jugendarbeit

3. Alternative: konfrontativer Ansatz?

Fazit

Literatur

Einleitung

In der deutschen Medienlandschaft finden sich in regelmäßigen Abständen Schlagzeilen über jungendliche Straftäter mit einem rechtsextremen und / oder fremdenfeindlichen Hintergrund. Oft wurde in den Medien dabei auch die Frage aufgegriffen, wie man am besten mit diesen Jugendlichen umgehen sollte und ob die bisherigen Konzepte zur Ver­meidung von fremdenfeindlichen Übergriffen überhaupt geeignet sind.

Die jüngster Zeit geführten Debatte um die Integration in Deutschland lebender Ausländer führte zusätzlich auch zu der Frage, inwieweit fremdenfeindliche Tendenzen und Ansichten salon- und mehrheitsfähig sind.

Im Rahmen der Veranstaltung „Methoden der Sozialen Arbeit“ verfasste ich diese Hausarbeit. Die Arbeit befasst sich mit der Situation der Jugendarbeit mit rechts­extremen oder fremdenfeindlichen Jugendlichen. Dabei wird der Schwerpunkt auf den akzeptierenden Ansatz nach Franz Josef Krafeld gelegt. Geklärt wird, welche Kernaussagen hinter diesem Ansatz steht, wie er sich in den letzten Jahren entwickelte und inwieweit er sich von den konfrontativen Ansatz unterscheidet bzw. welche Gemeinsamkeiten bestehen. Zusätzlich werden verschiedene Kritikpunkte an der bis­herigen Umsetzung des akzeptierenden Ansatzes aufgenommen. Ergänzend gibt diese Arbeit einen Ein­blick in die Realität von Jugendarbeitern[1], die sich mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Jugendlichen beschäftigen, und deren tatsächlichen Problemen bei ihrer Arbeit.

Den ersten Abschnitt meiner Arbeit widme ich einer kompakten Erklärung, was überhaupt rechtsextreme oder fremdenfeindliche Jungendliche sind. Desweiteren wird das Kapitel einen Überblick verschaffen, wie hoch das fremdenfeindliche „Potenzial“ der deutschen Jugendlichen ist. Ergänzend wird die Entwicklung rechtsgerichteter, politisch motivierter Straftaten aufgezeigt. Der Abschluss des Kapitels bildet ein Zwischenfazit als Klärung, ob die Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen Aufgrund der ermittelten Zahlen überhaupt sinnvoll und verhältnismäßig ist.

Darauffolgend wird sich das zweite Kapitel klären, ob die Arbeit mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Jugendlichen auch außerhalbrein statistischer Überlegungen begründbar ist. Weitergehend beschäftigt sich das Kapitel intensiv mit dem akzeptierenden Ansatz der Jugendarbeit mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Jugendlichen. Hierbei wird sowohl auf die Geschichte, wie auch auf die Entwicklung des Ansatzes eingegangen.

Der dritte Abschnitt schließlich wird die (vermeidliche) Alternative des konfrontativen Ansatzes skizzieren und mit dem akzeptierenden Ansatz vergleichen.

Auf Grundlage der aller genannten Daten wird als Abschluss der Arbeit das Fazit formuliert.

1. Die Klienten

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem potenziellen Klientel der Jugendarbeit mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Jugendlichen. Dazu wird zunächst eine De­finition bzw. eine Abgrenzung der entsprechenden Gruppe von Jugendlichen vorge­nommen.

Desweiteren wird anhand verschiedener Statistiken sowohl die tatsächliche Ent­wicklung von rechtsextrem motivierten Straftaten, wie auch die mögliche Tendenz zu einer rechtsextremen Gesinnung von Jugendlichen aufgezeigt. Diese Statistiken sind relevant, um die Größe des Problems des Rechtsextremismus – vor allem aber auch des Rechtsradikalismus bei Jugendlichen – zu verdeutlichen.

1.1 Abgrenzung der relevanten Gruppen

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter „rechten“ Gedankengut und Handlungen eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen oder gar unterschiedlicher politischer Posi­tionen verstanden. Für diese Hausarbeit ist es daher notwendig eine entsprechend präzisere Wortwahl zu treffen, da schon „nationalistische“ Bestrebungen zu dem rechten Gedankengut zugeordnet werden könnten. Unter nationalistisch werden Be­strebungen gefasst, „die das eigene Volk zum höchsten Sinn des Daseins machen und die Interessen der eigenen ‚Volksgemeinschaft‘ überbetonen (Simon 2001: 4)“. Darunter fallen aber auch Ansichten demokratischer Parteien wie z.B. der CSU.

Folgend werden ich die für diese Hausarbeit wichtigsten Abstufungen rechter Gesinn­ungen aufgelistet und bündig erklären.

Rechtsradikalismus: Eine rechtsradikale Gesinnung richtet sich gegen Bemühungen des bestehenden Herrschaftssystems die Emanzipation zu fördern und zu erhalten. Dabei kann dies durchaus im legalen Rahmen stattfinden (vgl. Simon 2001: 4).

Rechtsextremismus: Hierbei treffen sowohl der Gedanke von der Ungleichheit und Ungleichwertigkeit des Menschen, sowie eine starke Gewaltakzeptanz zusammen (vgl. Simon 2001: 4). Daher ist diese Gruppe für diese Hausarbeit von großem Interesse. Hierunter fallen auch gewaltbereite Subkulturen, wie z.B. Skinheads (vgl. Verfassungs­schutzbericht 2009: 50).

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: Bei Rassismus handelt es sich um die Einstellung, dass die eigene Gruppe/Rasse höherwertig ist als andere. Geprägt durch diese Gruppenvorstellung kommt es zu Fremdenfeindlichkeit. Hierbei kommt es zu der Wahr­nehmung von Bedrohungen durch andere kulturelle Gruppen und zur Konkurrenz um knappe materielle Güter (vgl. Universität Bielefeld: 2010).

Diese Arbeit beschränkt sich zu Gunsten der Übersicht auf die Wörter „Rechtsextrem“ und „Fremdenfeindlichkeit“, um möglichst die Jungendlichen zu erfassen, welche eine Gewaltakzeptanz gegenüber anderen Kulturen und Gesinnungen entwickelt haben. Es sollen darunter aber auch Jugendliche verstanden werden, die zu diesen Gesinnungen tendieren.

1.2 Straftaten und Potenzial

Der Verfassungsschutzbericht beinhaltet seit einigen Jahren auch eine Aufgliederung von politisch motivierterKriminalität. Unter politisch motivierterKriminalität wird zum einen „Straftatbestände der so genannten klassischen Staatsschutzdelikte [Herv. i. Orig.] (Verfassungsschutzbericht 2009: 24)“ gefasst. Darunter fällt z.B. das fortführen einer für verfassungswidrig erklärten Partei oder die Verwendung von Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation. Desweiteren werden Straftaten erfasst, die zwar unter die Allgemeinkriminalität fallen würden (z.B. Körperverletzung) aber unter der Würdigung der Umstände der Tat und der Einstellung des Täters eine politisch motivierte Tat vermuten lassen (vgl. Verfassungsschutzbericht 2009: 24)[2].

Folgende Grafik zeigt die Entwicklung der rechtsextrem motivierten Straftaten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auffällig ist, dass in den letzten Jahren die Zahl entsprechender Straftaten von Rechtsextremen deutlich zugenommen hat. Wenn es auch zu einer leichten Abnahme in den Jahren 2008 und 2009 gekommen ist, bleibt die Gesamtzahl von politisch motivierter Kriminalität von Rechtsextremen auf einem hohen Niveau (vgl. Verfassungsschutzbericht 2009: 50).

Die zweite Grafik veranschaulicht das Personenpotential der rechtsextremen Szene d.h., Personen die entweder Mitglieder in rechtsextremen Organisationen oder Parteien sind und nichtorganisierte Rechtsextreme. Desweiteren werden die Anhänger gewaltbereiter Subkulturen separat nochmals angezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Zur Übersicht wird in dieser Arbeit auf die weibliche Form der Wörter „Jugendarbeiter“, „Pädagoge“, etc. verzichtet. Gemeint sind sowohl Jugendarbeiter, wie auch Jugend­arbeiterinnen und Pädagoginnen.

[2] Die Definition von „politisch motivierter Kriminalität“ änderte sich zum 31.12.2000. Daher beginnt die Datenerhebung für diese Hausarbeit erst mit dem Verfassungsschutzbericht 2001.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656000754
ISBN (Buch)
9783656001171
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178242
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Schlagworte
Jugendarbeit rechtsextrem fremdenfeindlich rechtsradikal akzeptierender Ansatz konfrontativer Ansatz Krafeld Rechtsradikalismus Rechtsextremismus Fremdenfeindlichkeit Methoden der Sozialen Arbeit

Autor

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Titel: Jugendarbeit mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Jugendlichen