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Ein Vergleich von Bezügen zu Goethes Werther in Plenzdorfs 'Die neuen Leiden des jungen W.' und Dana Bönisch 'Rocktage'

"Ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht."

Facharbeit (Schule) 2010 17 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich der Protagonisten bei Plenzdorf und Bönisch mit Bezügen zu Goethe
2.1 Kurze Inhaltsangabe der Protagonisten und deren Charaktereigenschaften
2.1.1 Werther in Die Leiden des jungen Werther
2.1.2 Edgar Wibeau in Die neuen Leiden des jungen W.
2.1.3 Tobias Puck in Rocktage
2.2. Vergleich der Beziehung zwischen den männlichen Protagonisten und ihren unerwiderten Liebschaften
2.3. Vergleich der Männer, die Werther, Edgar und Puck im Weg stehen
2.4. Vergleich der Todesursachen/- arten der männlichen Protagonisten

3. Wider der Anpassung: Edgar Wibeau in der DDR

4. Werther, Edgar und Tobias als Vorbilder der Jugendkultur?

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht.“ – Dieses Zitat stammt aus dem Brief vom 16.Juni aus Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther und trifft ebenfalls auf die weiteren in dieser Arbeit thematisierten Werke von Ulrich Plenzdorf ( Die neuen Leiden des jungen W.) und Dana Bönisch ( Rocktage ) zu. In allen drei Romanen geht es um die Liebe und die Beziehung zwischen Mann und Frau. Jeder der drei Protagonisten verliebt sich in eine vergebene Frau und versucht daraufhin, die unerwiderte Liebe auf seine Weise zu lösen. Doch letztendlich scheitern alle drei daran.

In vorliegender Arbeit werde ich so vorgehen, dass ich zunächst in Kapitel 2 einen kurzen Einblick in den Inhalt der Romane geben und im Anschluss daran die Protagonisten hinsichtlich folgender Aspekte vergleichen werde:

1. der Beziehung zwischen den männlichen Protagonisten und ihren unerwiderten Liebschaften
2. der Männer, die den Protagonisten im Wege stehen, und
3. der Todesursachen/-arten der Protagonisten.

Hierbei konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Romane von Plenzdorf und Bönisch und ziehe nur teilweise Bezüge zu Goethe, da das Hauptthema des Seminars, in dessen Rahmen ich diese Facharbeit verfasse, die Literatur der 70er Jahre darstellt. Das Stück Die neuen Leiden des jungen W. von Ulrich Plenzdorf ist 1972 uraufgeführt worden. Die Neuauflage von Dana Bönisch aus dem 21.Jahrhundert empfinde ich als Vergleichsobjekt an vielen Stellen ergiebiger und aufgrund ihrer Modernität geeigneter als Goethes Werther .

Ein weiterer Grund für meine Themenwahl war mein Interesse an der Thematik der unerwiderten Liebe sowie mein Erstaunen darüber, dass dieses Thema sozusagen als zeitlos bezeichnet werden kann und über die Jahrhunderte hinaus Anklang fand bzw. findet.

So gut wie jeder kann sich in dem Schicksal der unerwiderten Liebe wiederfinden und jede Person reagiert anders darauf - so auch die Protagonisten der Romane, mit denen ich mich besonders beschäftigt habe. Doch inwieweit die unerwiderte Liebe ihr Leben im Positiven und Negativen verändert und ob und wie sie mit so einer Enttäuschung umgehen, werde ich in meiner Arbeit zu erläutern versuchen.

Um den Bezug zur DDR-Literatur herzustellen, wird in Kapitel 3 erläutert, inwiefern es Ulrich Plenzdorf in seinem Roman gelungen ist, anhand des Protagonisten Edgar das DDR-Regime zu kritisieren.

Das dritte und letzte Schwerpunktthema der vorliegenden Arbeit vereint in Kapitel 4 die zwei oben genannten Teilthemen zu einem Vergleich der drei Protagonisten hinsichtlich ihrer Vorbildfunktion für die jeweilige Jugendkultur.

2. Vergleich der Protagonisten bei Plenzdorf und Bönisch mit Bezügen zu Goethe

Während Goethe seinen Protagonisten Werther nennt, gibt Ulrich Plenzdorf ihm den Namen Edgar Wibeau. In dem Roman von Dana Bönisch wiederum heißt der Protagonist Tobias Puck.

2.1 Kurze Inhaltsangabe der Bücher mit Vorstellung der Protagonisten und deren Charaktereigenschaften

2.1.1 Werther in Die Leiden des jungen Werthers

Werther ist ein junger Mann, der noch nicht recht weiß, was er im Leben machen möchte. Er kommt in die Stadt W., um für seine Mutter eine Erbschafts-Angelegenheit zu erledigen, und wohl auch, um aus der gewohnten Umgebung herauszukommen.

Sätze wie „[...] wenn ich jene Berge, vom Fuße bis auf zum Gipfel, mit hohen, dichten Bäumen bekleidet, all jene Thäler in ihren mannichfaltigen Krümmungen von den lieblichsten Wäldern beschattet sah, [...].“[1] veranschaulichen, dass Werther seine Gefühle und Gedanken häufig mit Hilfe der Natur ausdrückt. In obigem Zitat, aus seinem Brief vom 18. August, sind seine Gefühle positiv und er beschreibt die schönen Seiten der Natur. Er hält jedoch auch seine Ängste sowie traurige Stimmungen mit aus der Natur stammenden Metaphern fest, wie folgende Textstelle im Vergleich verdeutlicht: „Ungeheure Berge umgaben mich, Abgründe lagen vor mir, und Wetterbäche stürzten herunter [...].“[2] Zudem zeigt der Brief, wie emotional Werther ist. Darüber hinaus spiegeln diese Zitate den Verlauf seines Lebens wider. Dieselben Berge und Täler, die zu Beginn als etwas Liebliches und Schönes beschrieben werden, stellt Werther nun auf einmal als Ungeheuer und Abgründe dar. Sie veranschaulichen, wie der Lebensmut von Werther immer mehr abnimmt. Grund dafür ist Lotte, die er auf einen Ball begleitet. Obwohl er um ihre Verlobung mit Albert weiß, verliebt er sich unsterblich in sie.

Als er nach einem Kuss von Lotte noch immer abgewiesen wird, verzweifelt Werther: „Der Wunsch danach, aus dem Leben zu scheiden, wächst im Laufe der Handlung immer mehr, wobei die beiden wichtigsten Ereignisse die Ablehnung am Hofe und die Ablehnung von Lotte bleiben.“[3] Aus diesen Gründen erschießt sich Werther.

2.1.2 Edgar Wibeau in Die neuen Leiden des jungen W.

Edgar Wibeau ist ein 17-jähriger Junge, der in der DDR lebt und sowohl ein Fan von Jazz als auch von echten Jeanshosen ist. Edgar bezeichnet sich als Pazifisten und hält nichts von Ordnung. Da sein Vater ihn schon im Alter von fünf Jahren verlassen hat und seine strenge Mutter versucht, ihn nach ihren Normen zu erziehen, bricht er seine Lehre ab und zieht nach Berlin in eine Laube. Edgar zieht die Natürlichkeit vor, worin er Werther stark ähnelt. Er hat einen Freund namens Willi, an den er selbstaufgenommene Tonbandträger in gehobener Sprache, wie sie auch Werther in seinen Briefen verwendet, schickt. Edgar ist ebenfalls unglücklich in eine Charlotte, die er nach Goethes Lotte benannt hat und liebevoll Charlie ruft, verliebt. Charlie ist jedoch mit Dieter verlobt.

Nachdem Edgar einen Malerjob angenommen und dort sowohl einen neuen Freund namens Addi als auch eine neue Vaterfigur - Zaremba – gefunden hat, bastelt er an einem sogenannten „NFG“ ( einem nebellosen Farbspritzgerät). Doch bevor er dieses seinen Kollegen vorführen kann, stirbt Edgar Wibeau bei einem Unfall.[4]

2.1.3 Tobias Puck in Rocktage

Nach außen hin erweckt Tobias den Anschein eines normalen BWL-Studenten, der des Öfteren viel Alkohol trinkt. Er ist zudem ein fanatischer Anhänger der Band „Ash“. Am Anfang des Romans wird jedoch bereits deutlich, wie durcheinander er innerlich ist und dass er nicht wirklich weiß, was er mit sich anfangen soll: „Er wusste nicht, wohin. Das fiel ihm nun auf.“[5] Auf einer Uni-Party lernt er dann das Mädchen Gwen kennen und verfällt ihr schon in dieser ersten Nacht: „Ihr Name war ein Märchen, sie selbst war ein Märchen, ein Märchen, das sich auf der Welt rumtrieb [...].“[6] Aber auch diese Liebe wird von der weiblichen Protagonistin nicht erwidert, da Gwen schon an Stephan, ihren festen Freund, vergeben ist. Auch in Tobias’ übrigem Freundeskreis, in dem er nur mit seinem Nachnamen Puck gerufen wird, sieht es eher dürftig aus. Pucks bester Freund ist Mo, sofern man überhaupt von Freundschaft sprechen kann: „ „Alter“, sagte Mo. „Alter“, sagte Puck. Er setzte sich neben ihn auf den kalten Stein.“[7] Dieses Zitat verdeutlicht, dass sie sich nicht wirklich viel zu sagen haben. Somit stellt Mo hauptsächlich Pucks Quelle für Drogen dar. Neben seinen einzigen wahren Freunden, den Fröschen in dem Aquarium seines Zimmers, gibt es noch einen letzten Freund: Goethe. Dieser spricht jedoch nur in seiner Phantasie mit ihm: „ „Was zieht mir das Herz so? Was zieht mich hinaus?“ “[8]

Pucks Familie besteht aus seiner Mutter und ihrem neuen Freund, den er nicht besonders leiden kann. Auch zu seiner Mutter pflegt Puck kein gutes Verhältnis.

Pucks Leben ist in die „Gummispülhandschuhtage“[9], die schlechten Tage, und in die „Rocktage“[10], die fröhlichen und traurigen Tage, an denen man das Leben spürt und lebt, eingeteilt. Letztere kommen in Pucks Leben bedauerlicherweise jedoch nur selten vor und somit ist er weiter auf der Suche nach der„[...] undefinierte[n] Sehnsucht, vielleicht nach etwas, das er mal gekannt und dann verloren, oder nach etwas, das er nie gekannt und immer gesucht hat[...].“[11] Doch die Suche scheint gescheitert, nachdem sich Puck am Ende selbst das Leben nimmt, indem er von einem „Zehner“[12] springt.

[...]


[1] Texte, Themen und Strukturen Deutschbuch für die Oberstufe.Berlin.1999.S:220.

[2] Ebd.S:220.

[3] http://www.rhetoriksturm.de/leiden-des-werther.php#selb [09.02.2010]

[4] vgl.Königs Erläuterungen Interpretation zu Ulrich Plenzdorf Die neuen Leiden des jungen W.Hollfeld.2004.,S: 42/43.

[5] Bönisch, Dana.2003.S:8

[6] Ebd.S:25

[7] Ebd.S:9

[8] Dana Bönisch.2003.S:9

[9] Ebd.S:11

[10] Ebd.S:11

[11] Ebd.S:9

[12] Ebd.S:158

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656001867
ISBN (Buch)
9783656011019
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178261
Institution / Hochschule
Gymnasium Bersenbrück
Note
14 Punkte
Schlagworte
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Autor

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