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Können die Milgram Experimente den Holocaust erklären?

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Milgram Experiment
3.1 Methodik des Experiments
3.2 Datenerhebung
3.3 Ergebnisse

4. Situationsbedingte Faktoren
4.1 Situativ
4.2 Personenbezogen

5. Kann Milgram´s Experiment den Holocaust erklären?
5.1 Befürworter
5.2 Gegenredner

6. Resumé

Literatur..

1. Zusammenfassung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Milgram (1963) Experiment und den daraus resultierenden Ergebnissen zu Gehorsam gegenüber Autoritäten. Diese Ergebnisse werden als Erklärung für den Holocaust angesehen. Mit der Einschränkung dass nicht alle Sozialpsychologen diese Meinung teilen. Es gibt Befürworter wie Sabini und Silver (1980) die in der Bürokratie des Dritten Reiches und die daraus resultierende Aufteilung der Verantwortung eine Erklärung sehen. Diese Annahme stützen Sie auf den Ergebnissen von Milgram´s (1963) Untersuchung und den daraus angenommenen situationsbedingten Faktoren.

Auf der anderen Seite sehen Miale und Selzer (1975) keine fundierte Erklärung in den Experimenten von Milgram. Ihre Sichtweise beschränkt sich eher auf den Menschen selbst und seinem Hang dazu seine grausame Seite an anderen Individuen auszuleben.

2. Einleitung

Gehorsam ist ein alltägliches Phänomen und wird deshalb vielleicht als selbstverständlich angesehen, doch ohne würde unsere Gesellschaft nicht wirklich funktionieren. Wobei der Holocaust ein Beispiel dafür ist das dieser Gehorsam auch in eine andere grausame Richtung gehen kann. Autoritäten finden wir überall und meist lassen wir uns auch hinreißen ihnen blind zu folgen genau wie die Probanden in Milgram´s (1963) Experiment. Die überwiegende Mehrzahl der Versuchspersonen war nicht mehr Herr über ihren eigenen Willen und vertraute voll und ganz auf die Anweisungen des Experimentators. Die Probanden haben nur die Direktiven des Experimentators befolgt um das Experiment zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dies ist auch das gleiche was in den Nürnberger Prozessen von den Nazis behauptet wurde, denn sie hätten bloß ihre Arbeit gemacht und die Anweisungen befolgt, welche zum Tod von über 6 Millionen Juden führten.

3. Milgram Experiment

3.1 Methodik des Experiments

Im Experiment von Milgram (1963) wurden 40 Probanden die sich auf einen Zeitungsartikel hin meldeten oder auf postalischem Wege angeworben wurden untersucht. Auf dem Campus der Yale University fand das Experiment statt. Die Versuchspersonen meldeten sich zu einer Studie die das Thema Gedächtnis und Lernen trug. Der Anreiz dafür wurde geschaffen durch eine Bezahlung von $4.50 die man in jedem Fall allein für sein Erscheinen erhielt. Es befanden sich viele verschiedene Berufsgruppen unter den Teilnehmern wie Postangestellte, High School Lehrer, Geschäftsmänner, Ingenieure und normale Arbeiter. Der Bildungsgrad jedes Einzelnen variierte ebenfalls von Schulabgängern bis hin zu Doktoranden und Professoren.

Das Labor für das Experiment befand sich an der Yale University um die Legitimität dessen zu unterstreichen. Der involvierte Versuchsleiter war ein 31jähriger High School Lehrer für Biologie und sein Auftreten war ungerührt und ernst. Er trug während der Untersuchung einen grauen Kittel. Ein eingeweihter Mitarbeiter der im Experiment das „Opfer“ spielte war ein 47jähriger Buchhalter irisch amerikanischer Herkunft dessen Charakter mild und sympathisch erschien. Diese drei Figuren bildeten den Kern des Experiments. Die Cover Story welche die zu verabreichenden Elektroschocks rechtfertigen sollte war wie folgt. Es gab bislang keine Studie die den Effekt der Bestrafung auf das Lernverhalten untersuchte. Den Probanden wurde gesagt man wolle untersuchen welchen Effekt verschiedene Menschen aufeinander, als „Lehrer“ sowie als „Schüler“ haben und natürlich wie sich Bestrafung auf das Lernverhalten des Schülers auswirkt. Es fand eine fingierte Auslosung statt um darüber zu entscheiden wer im Experiment der Lehrer und Schüler sein sollte. Der Proband war natürlich immer der Lehrer und der 47jährige Komplize wurde Schüler. Nach der Losung wurden beide in einen anliegenden Raum gebracht und der Schüler wurde an eine Art elektrischen Stuhl gefesselt. Dies geschah unter dem Vorwand unnötige Bewegungen zu vermeiden, hatte aber den Effekt dass er sich offensichtlich der Situation nicht entziehen konnte. Eine Elektrode wurde ihm an sein Handgelenk gebunden und der Kontakt der Elektrode zur Haut wurde mit einer Elektrodensalbe eingerieben damit keine Bläschen oder Verbrennungen entstanden. Der Versuchsleiter bekräftigte seine Glaubwürdigkeit damit dass er dem Probanden erzählte die E-Schock seien zwar schmerzhaft aber verursachten keinerlei Gewebeschäden. Daraufhin wurde der Ablauf erklärt: es mussten verschiedene Wortpaare gelernt werden. Der Proband liest dem Schüler ein Wort vor sowie vier weitere Antwortmöglichkeiten.

An der Lehne des elektrischen Stuhls befanden sich vier Knöpfe über die der Schüler mit dem Lehrer im Nebenraum kommunizieren konnte. Dazu waren vier Leuchtquadrate am Generator im Nebenraum angebracht worüber der Lehrer sehen konnte welche Antwort der Schüler gewählt hatte. Der Generator stand im Nebenraum und war mit 30 Schaltern ausgestattet. Jeder dieser Schalter hatte eine Markierung mit einer Voltangabe von 15V bis 450V. Darunter gab es eine weitere Markierung die sich auf jeweils 4 Schalter bezog. Unter den ersten vier Schaltern stand „Leichter Schock“, dann „Mäßiger Schock“, „Starker Schock“, „Sehr starker Schock“, „Intensiver/Ernsthafter Schock“ und das letzte Viererpaar war mit „Extrem intensiver/ernsthafter Schock“ versehen. Die letzten beiden Schalter (435V und 450V) waren nur noch mit drei „XXX“ gekennzeichnet. Über den einzelnen Schaltern befand sich jeweils ein rotes Licht welches bei Betätigung aufleuchtete. Dieses Lichtsignal wurde durch ein elektrisches Brummen akustisch unterstützt. Die Voltmeter Anzeige schlug dabei nach rechts aus und man konnte verschiedene Relais klicken hören. Der Generator lieferte ein sehr authentisches Abbild und man wäre nie auf die Idee gekommen dass es sich um einen eigentlich funktionslosen Gegenstand handelte.

Als nächstes wurde dem Probanden ein echter Schock mit einer Stärke von 45V gegeben um die Glaubwürdigkeit des Experiments noch weiter zu erhöhen. Dieser wurde durch eine Batterie im Inneren des Generators erzeugt.

Das war der Einzige Schock der während des ganzen Experimentes abgegeben wurde!

Der Proband wurde nun eingewiesen wie er während des Experimentes vorzugehen hatte. Nachdem der Proband die Wörter vorgelesen hatte sollt er die Antwort kurz abwarten. Bei jeder falschen Antwort musste er dem Schüler einen Elektro-Schock verabreichen. Es gab einen 1. Vorlauf bei dem 10 Wortpaare vorgelesen wurden. Bei diesem Durchgang wurden 7 falsche Antworten vom Schüler gegeben und somit verabreichte der Proband seinem Schüler sieben Elektro-Schocks mit einer ansteigenden Stärke bis 105V. Nach diesem ersten Probe-Durchgang bekam der Proband eine neue Wortliste und das eigentliche Experiment begann. Die Anweisungen waren dieselben: bei jeder falschen Antwort musste der Proband dem Schüler einen Schock verabreichen, welcher sich mit jeder falschen Antwort um 15V erhöhte. Eine zusätzliche Anweisung war wenn man am Ende der Liste angekommen ist wieder von vorne zu beginnen. Diese Anweisung sollte so lange Folge geleistet werden, bis der Schüler alle Wortpaare gelernt hatte. Die Versuchsperson sollte wieder mit 15V beginnen. Bis zu der Stufe von 300V gab es keine verbale Äußerung des Schülers. Als 300V erreicht wurden hörte der Proband ein lautes Hämmern an der Wand welches offensichtlich aus dem Nebenraum kam wo sich der Schüler befand. Das Hämmern wiederholte sich bei 315V. Danach kam es nicht mehr zu einer Reaktionen des Schülers, weder noch verbaler Art oder auf dem Antwortdisplay.

Der Proband wurde angewiesen dieses Ausbleiben der Antwort als falsch zu bewerten und mit der Untersuchung fortzufahren. Wenn der Proband während des Experiments einen Zweifel erwäge ob er denn fortfahren solle und sich mit diesem Zweifel an den Versuchsleiter wendete gab ihm dieser standardisierte Antworten. Es gab vier verschiedene aufeinander aufbauende Direktiven welche vom Versuchsleiter dann nacheinander an den Probanden gerichtet wurden und ihn anspornen sollten weiter zu machen.

1. Bitte fahren Sie fort! oder: Bitte machen Sie weiter!
2. Das Experiment erfordert dass Sie weiter machen!
3. Sie müssen unbedingt weiter machen!
4. Sie haben keine Wahl Sie müssen weiter machen!

Der Tonfall des Versuchsleiters war dabei stets beständig aber nicht unhöflich. Die Anweisungen wurden einzeln nacheinander vom Versuchsleiter benutzt bis der Proband das Experiment fortsetzte. Jedes Mal wenn der Proband sich an den Versuchsleiter wendete, las dieser seine Liste standardisierter Ansporne vor bis er sich nicht mehr weigerte fortzufahren. Falls der Proband sich nach allen vier Ansporn Versuchen immer noch weigerte dem Schüler weitere Elektro-Schocks zu verabreichen wurde das Experiment abgebrochen! Darüber hinaus gab es noch spezielle Anweisungen die der Versuchsleiter dem Probanden gab wenn dieser sich nach dem Wohlergehen des Schülers erkundete. Bei Fragen ob die Elektro-Schocks nicht zu schmerzhaft seien und man den Schüler ernsthaften Schaden zufügen würde antwortete der Versuchsleiter dass sie Schocks zwar schmerzhaft seien aber keinen Gewebeschaden verursachen würden. Im Anschluss wurden wieder die 4 Ansporne vorgetragen um dem Probanden zum Weitermachen zu bewegen. Ein anderer Fall war es wenn der Proband der Meinung war dass der Schüler nicht mehr weitermachen wolle. Darauf antwortete der Versuchsleiter nur dass er die Untersuchung fortführen müsse bis der Schüler alle Wortpaare auswendig gelernt hat ob der Schüler will oder nicht.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656003144
ISBN (Buch)
9783656003335
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178361
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
3
Schlagworte
können milgram experimente holocaust

Autor

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Titel: Können die Milgram Experimente den Holocaust erklären?