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Die Determinanten der Arbeitszeit von Vätern

Hausarbeit 2010 25 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Mikrozensus
2.1 Der Mikrozensus
2.2 CAMPUS-File

3 Forschungsfrage
3.1 Hypothesen
3.2 Variablen
3.2.1 abhängige Variable
3.2.2 unabhängige Variablen
3.3 deskriptive Statistik
3.3.1 Häufigkeitsauszählungen
3.3.2 Kreuztabellen

4 Logistische Regression
4.1 Theoretischer Hintergrund
4.2 Modell

5 Schlussfolgerungen

6 Quellenverzeichnis Anhang

Syntax

1 Einleitung

"In contrast, fathers ´ employment has been much less of a focus. Fathers have tended to have higher employment rates than other man. But by the end of the 1980s, their employment and working time strategies also showed signs of disversification."

Julia Brannen1

Die Arbeitsverhältnisse von Vätern haben sich geändert. Während vor wenigen Jahrzehnten der Familienvater Alleinverdiener und Ernährer war, teilen sich die neuen Väter nun das Erwerbsverhalten mit der Partnerin. Die vorliegende Hausarbeit versucht deshalb darzustellen, welche Faktoren im 21. Jahrhundert Einfluss auf die Arbeitszeit von Vätern haben können. Anhand der CAMPUS-File des Mikrozensus 2002 werden die Daten analysiert und interpretiert. Da der CAMPUS-File nur einen Teil der Gesamtdaten des Mikrozensus wiedergibt, sind die Ergebnisse und Schlussfolgerungen dieser Hausarbeit nicht vollkommen erschöpfend. Ein Vergleich zu früheren Arbeitszeitdeterminanten wäre möglich und sehr interessant, sprengt aber den Rahmen einer Hausarbeit und soll deshalb nicht Forschungsgegenstand sein. Der Mikrozensus stellt eine Querschnittsstudie dar, und soll auch als solche behandelt beziehungsweise analysiert werden. Zu Beginn wird der Mikrozensus und der CAMPUS-File erläutert, um eine theoretische Grundlage zu schaffen. Anschließend wird die Forschungsfrage präzisiert, und Hypothesen aufgestellt. In einem nächsten Schritt widmet sich die vorliegende Hausarbeit den Variablen. Dieser Abschnitt befasst sich mit der Erklärung der abhängigen und unabhängigen Variablen, zudem werden die einzelnen Umkodierungen dargestellt und begründet. Deskriptive Analysen bilden den Abschluss dieses Kapitels. Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit der logistischen Regression. Zuerst wird der theoretische Rahmen der logistischen Regression erläutert. Danach werden die einzelnen Variablen miteinander regressiert und Schlussfolgerungen ermöglicht, welche die einzelnen Hypothesen entweder bestätigen, oder entkräften. Dies stellt dann den Abschluss der Hausarbeit dar und gibt am Ende möglicherweise eine Antwort darauf, welche Faktoren sich direkt auf die Arbeitszeit von Vätern in Deutschland auswirken, und welche nicht.

2 Der Mikrozensus

Inhalt dieses Abschnittes ist der Mikrozensus allgemein, und im Speziellen der CAMPUS-File des Mikrozensus von 2002. Für die Hausarbeit ist dieser Datensatz ausschlaggebend, da alle verwendeten Variablen dieser Erhebung verwendet werden.

2.1 Der Mikrozensus

Der Mikrozensus ist eine "von den statistischen Ämtern der Länder und des Bundes durchgeführte Haushaltsstichprobe der Bevölkerung, bei der Daten in 1% aller Haushalte erhoben werden."2. Seit 1957 (alte Bundesländer) und 1991 (neue Bundesländer) wird diese Stichprobe erhoben und liefert statistische Informationen über die "Bevölkerungsstruktur, die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung, der Familien, Lebensgemeinschaften und Haushalte, die Erwerbstätigkeit, Arbeitssuche, Aus- und Weiterbildung, Wohnverhältnisse und Gesundheit"3. Der Mikrozensus ist eine Mehrthemenumfrage und beinhaltet ein umfangreiches Themengebiet an Fragestellungen. Zur Zeit umfasst der Mikrozensus rund 327 000 Haushalte mit 730 000 Personen4, welche alle die gleiche Auswahlwahrscheinlichkeit besitzen. Ein Viertel der in der Stichprobe enthaltenen Haushalte wird jährlich ausgetauscht. Besonders ist bei dieser Querschnittserhebung die Auskunftspflicht der Befragten. Demzufolge sind die Ausfallquoten bei einzelnen Fragen sehr niedrig, oftmals unterhalb von 10%5. Deshalb eignet sich der Mikrozensus speziell für die Arbeitskräfteerhebung und bildet die Grundlage für die laufende Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Durchführung und Befragung des Mikrozensus unterliegt den statistischen Landesämtern. Die organisatorische und technische Vorbereitung jedoch dem statistischen Bundesamt, weswegen der Mikrozensus eine "dezentrale Statistik" ist6. Eine vermeintliche Schwäche dieser Erhebungsmethode wurde 2004 geändert. Bis dato bezogen sich alle erhobenen Angaben auf eine sogenannte Berichtswoche, meistens die letzte Aprilwoche, weswegen die Ergebnisse oftmals saisonalen Schwankungen untergeben waren. Nun ordnet das Mikrozensusgesetz 2005 im Paragraf 3 eine unterjährige, kontinuierliche Erhebung an.

Zu den Erhebungsinstrumenten des Mikrozensus gehören neben der persönlichen Befragung durch Interviewer auch Fragebögen.

Der Ergebnisse der Erhebung werden von den statistischen Ämtern der Länder und des Bundes veröffentlicht, außerdem stehen anonymisierte Individualdaten seit 1995 gegen eine Nutzungsgebühr zur Verfügung.

2.2 Das CAMPUS-File

Das CAMPUS-File des Mikrozensus von 2002 ist eine reduzierte Stichprobe des Originaldatensatzes. Lediglich 3,5% der Stichproben wurden hierbei verwendet. Die Daten wurden anonymisiert und sind speziell für Lehr- und Übungszwecke konzipiert. Deshalb sind CAMPUSFiles unentgeltlich.

Das CAMPUS-File aus dem Jahr 2002 umfasst 25.137 Personen in 11.655 Haushalten und 11.788 Wohnungen, sowie 335 Variablen. Neben den standardisierten Fragen zu Alter, Geschlecht und Bundesland standen in der CAMPUS-File 2002 noch Fragen zur Erwerbstätigkeit, zur Arbeitszeit zur (Fort-) Bildung und zum Einkommen im Fokus.

3 Forschungsfrage

Väter stehen bei Betrachtungen der Familienforschung und in Bezug auf den Umgang mit Kindern wesentlich weniger im Fokus als Mütter. Die Erziehung des Kindes scheint nach wie vor hauptsächlich von den Frauen übernommen zu werden. Eine solche Betreuung ist zeitintensiv und fordert oftmals Einschnitte im Erwerbsleben. Dies spiegelt sich in den Rollen und Familienmustern wieder, schließlich ist das Alleinverdiener-Modell nach wie vor stark verbreitet. Demzufolge steht in dieser Hausarbeit der Mann im Fokus und es soll untersucht werden, welche Determinanten sich auf seine Arbeitszeit auswirken. Hierfür werden fünf unabhängige Variablen verwendet, um Hypothesen aufzustellen und diese anhand der CAMPUS-File mit einer logistischen Regression zu prüfen.

3.1 Hypothesen

Hypothese 1 Junge Väter arbeiten weniger alsältere Väter

Als junge Väter werden alle Männer im Alter bis zu 30 Jahren verstanden. Sie sollten tendenziell weniger arbeiten, da ihre Kinder höchstwahrscheinlich noch im Säuglings- oder Kleinkindalter sind, und somit sehr betreuungsintensiv sein müssten. Ältere Väter werden oftmals über Kinder verfügen, die schon selbstständig sind und somit nicht so häufig, beziehungsweise intensiv, betreut werden müssen.

Hypothese 2 Verheiratete Väter haben die vergleichsweise höchste Arbeitszeit

Im Gegensatz zu ledigen, geschiedenen oder verwitweten Vätern sind die Verheirateten in einer festen Partnerschaft und können sich wahrscheinlich am einfachsten um die Betreuung des Kindes kümmern. Somit wäre es plausibel, wenn sie sich ohne Probleme dem Beruf widmen können. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass oftmals die Frau zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist. Väter die Alleinerzieher sind, werden es dagegen schwieriger haben, Kind und Beruf zeitlich miteinander zu vereinbaren.

Hypothese 3 Väter mit befristetem Arbeitsvertrag arbeiten mehr

Befinden sich die Väter in einem befristetem Arbeitsverhältnis, beschäftigt sie die berufliche Situation mehr, als Väter in einem unbefristeten Vertragsverhältnis. Dies müsste zwangsläufig dazu führen, dass sie tatsächlich mehr Arbeitszeit im Beruf verbringen, als Väter, die nicht so penibel auf die Arbeitszeit achten müssen. Mit steigender Berufsarbeitszeit sinkt jedoch auch die Zeit, die sich der Vater mit dem Kind beschäftigen könnte.

Hypothese 4 Väter mit weiten Anreisen zum Arbeitsplatz müssen mehr arbeiten

Befindet sich der Arbeitsplatz eines Vaters nicht in dem gleichen Bundesland wie der Wohnsitz, so wird er wahrscheinlich noch mehr Zeit im Beruf verbringen als eine Person, bei welcher der Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe liegt. Der Grund hierfür liegt darin, dass die weiten Anreisen als Indikator für die Bedeutung des Berufes zu interpretieren sind, heißt: eine Person, die zwangsläufig die weiten Anreisen in Kauf nimmt, verfügt über eine besondere Bindung zum Beruf und übt diesen gerne aus, oder ist in einer wichtigen Position. Je mehr Aufwand eine Person für die Anreise auf sich nimmt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Person in diesem Beruf viel Zeit investiert. Zeit, die wahrscheinlich auf Kosten der Rolle als Vater gehen.

Hypothese 5 Der Schulabschluss ist für die Arbeitszeit nicht ausschlaggebend

Der Schulabschluss sollte für die tatsächlich geleistete Arbeitszeit von Vätern keine Determinante sein. Die erste Vermutung war, dass mit steigender Bildung die Arbeitszeit nach lässt, doch diese Vermutung wurde schnell wieder verworfen, da Personen, die in höheren Beschäftigungen wie beispielsweise als Angestellter oder Führungskraft, wahrscheinlich nicht weniger arbeiten als Personen, die einen handwerklichen Beruf ausüben, auch wenn die Leitmedien bisweilen ein anderes Bild zu vermitteln scheinen.

3.2 Variablen

Der folgende Abschnitt der Hausarbeit dient dazu, die verwendeten Variablen der logistischen Regression vorzustellen und ihre Kodierung und Zusammenfassungen darzustellen. Dies ist besonders wichtig bei der abhängigen Variable, da hier mehrere Ursprungsvariablen eingehen. Als ursprüngliche Variablen sollen diejenigen Variablen verstanden werden, die so auch in dem CAMPUS-File des Mikrozensus zu finden sind.

3.2.1 abhängig Variable

Die abhängige bzw. zu erklärende Variable dieser Untersuchung, ist die durchschnittliche Arbeitszeit von Vätern. Aus den Ausprägungen des CAMPUS-File werden zwei Kategorien gebildet, damit die Variable dichotom wird und somit für die logistische Regression als abhängige Variable geeignet ist. Hintergrund der abhängigen Variable sind: Geschlecht (ef32), Kinder unter 18 Jahren im Haushalt (ef537) und die Erwerbstätigkeit (ef110). Das Geschlecht definiert seine Relevanz aus sich selbst heraus, da der Forschungsgegenstand dieser Hausarbeit die Väter sind, somit müssen und dürfen nur die Männer betrachtet werden. Vater ist zudem nur, wenn er über mindestens ein Kind verfügt, weshalb die Variable ef537 genutzt wird, um alle Väter einzugrenzen. In dieser Variable wird erhoben, ob es in dem Haushalt Kinder unter 18 Jahren gibt. Dies soll für die vorliegende Hausarbeit als Definition von Vaterschaft reichen, da es keine Bedeutung hat, ob das Kind ehelich, unehelich, adoptiert, o.ä. ist. Für die hier gestellte Forschungsfrage wird voraussgesetzt, dass die männliche Person im Haushalt dem Kind als Vater dient, sobald eine Person unter 18 Jahren im Haushalt lebt und für dieses die Betreuungs- und Fürsorgefunktionen übernimmt. Als letzte Variable geht die Erwerbstätigkeit mit ein. Da die Arbeitszeit von Vätern im Vordergrund steht, ist ein Beschäftigungsverhältnis zwingend erforderlich. Demzufolge werden alle Personen, welche arbeitslos und nicht erwerbstätig sind, aus der Betrachtung ausgeschlossen. Die Dichotomisierung erfolgt auf Grundlage der Variable ef143, der tatsächlichen Arbeitszeit pro Woche. Hier werden die Arbeitszeiten in zwei Kategorien geteilt: unter und über 38 Arbeitsstunden pro Wochen. 38 Stunden arbeitet ein durchschnittlicher Vollzeitangestellter7 pro Woche. Somit sollen alle Arbeitswochenstunden >38 als Vielarbeit und alle Stunden darunter als Geringarbeit definiert werden. Die neu erstellte, dichotomisierte, abhängige Variable heißt Arbeitszeit.

3.2.2 unabhängige Variablen

Für die vorliegende Hausarbeit werden fünf unabhängige Variablen genutzt, um das

Forschungsthema zu begründen. Die erste erklärende Variable soll Alter sein. Diese wird aus der Ursprungsvariable ef30 gebildet und kategorisiert. Hierfür werden sechs Kategorien gebildet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Personen im Alter zwischen 0 und 17 Jahren werden aller Voraussicht nach noch nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Personen in diesem Alter bereits Väter sind. Dennoch werden sie der Voll- ständigkeit halber als Kategorie in die Betrachtung mit einbe- zogen. Die Referenzkategorie bilden Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren. In der Regel werden in dieser Lebensspanne entscheidende biographische Veränderungen vorgenommen und Berufe erlernt, sowie Familien gegründet. Deshalb eignet sich diese Kategorie besonders als Referenzgruppe. 31 - 40 Jährige stecken oftmals am Ende der Eingewöhnungsphase und haben die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt. Die Familienplanung und Karriereorientierung wird oftmals in dieser Zeitspanne abgeschlossen, weshalb eine Kategorisierung innerhalb dieser Altersausprägungen sinnvoll erscheint. 41 - 55 jährige Personen befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Arbeitskraft, da sie über eine Menge Berufserfahrung verfügen und ihren Job routiniert erledigen. Zudem findet in diesem Alter eine neue Orientierung im Haushalt statt, da die eigenen Kinder meistens ausziehen und selbstständig sind. Demzufolge ist eine Einteilung dieser Ausprägungen zwingend notwendig. 56 - 65 Jährige stehen am Ende des Berufslebens und arbeiten in der Regel weniger als Berufseinsteiger und Personen zwischen 40 und 50 Jahren. Die eigenen Kinder werden in diesem Alter oftmals zu Eltern, so dass die Personen nicht nur mit dem Ruhestand, sondern auch dem Dasein als Großeltern konfrontiert werden. Ein neuer Lebensabschnitt, welcher sich möglicherweise auf die Arbeitszeit auswirken könnte. Als letzte Gruppe werden die Ruheständler betrachtet. Eine Unterscheidung zwischen "jungen" und "alten" Rentnern ist unnötig, da diese Personen in der Regel aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Jedoch gibt es vereinzelte Fälle von Erwerbstätigkeit im hohen Alter, weshalb diese Personen in einer sechsten Kategorie zusammengefasst werden.

[...]


1 Haas: Organizational change & gender equity: international perspectives on fathers and mothers at the workplace (S. 30)

2 Schnell/Hill/Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung, S. 289

3 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/Mikrozensus,templateId=renderPr int.psml (07.08.2010)

4 Schnell/Hill/Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung, S. 289

5 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/Mikrozensus,templateId=renderPr int.psml (07.08.2010)

6 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/Mikrozensus,templateId=renderPr int.psml (07.08.2010)

7 http://doku.iab.de/grauepap/2010/tab-az09.pdf (08.08.10)

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656007913
ISBN (Buch)
9783656007685
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178650
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Soziologie
Note
2,7
Schlagworte
determinanten arbeitszeit vätern einfluss alter familienstand arbeitsvertrages lage arbeitsstätte bildung

Autor

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Titel: Die Determinanten der Arbeitszeit von Vätern