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Über Amos Oz: "Im Lande Israel"

Aschkenasim und Misrachim: Brüder oder Feinde?

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Judaistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Autor

3. Kurzer Überblick über die soziale Situation in Israel
3.1 Israel als Mosaikgesellschaft
3.2 Die Aschkenasim.
3.3 Die Misrachim oder Sfardim.
3.4 Die russischsprachigen Israelis
3.5 Die Beita Israel oder Falascha
3.6 Die Araber

4. Die Essaysammlung

5. Das zweite Kapitel
5.1 Bet Schemesch und Giwat Scharitt: Zwei Gesichter Israels
5.2 Die Misrachim und die Ashkenasim: die „verfeindeten Brüder“
5.3 Die Aschkenasim als schlechtes Vorbild

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Israel ist ein ziemlich junger Staat, der ein sicherer Ort für alle Juden aus der ganzen Welt, die im Lauf der Geschichte unter dem Antisemitismus litten, sein will. Seit (vor) der Gründung des Staates 1948 ist Israel ein Einwanderungsland für die Juden aus aller Welt geworden, sowohl für die „Rückkehrer nach Zion“ aus religiösen Gründen als auch als letzter Zufluchtsort für die Opfer des Holocaust.

Die Schmelztiegelpolitik der ersten nacheinanderfolgenden Aschkenasim-Regierungen nach der Gründung Israels konnte nicht die hohen Ziele der Integration der nichteuropäischen Juden in der von den Aschkenasim dominierten Gesellschaft erfüllen. Das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen, das unterschiedliche Bildungsniveau und die unterschiedliche religiöse Kultur führte zu einer sozialen und kulturellen Konfrontation zwischen den größten Volksgruppen des Landes, den Aschkenasim und den Misrachim, die sich auch weiterhin unterschiedlich entwickelt haben. Die Differenzen zwischen den beiden Gruppen, die auf mehreren Faktoren beruhen, belasten die israelische Gesellschaft.

In dieser Arbeit möchte ich versuchen, auf die Wurzeln des Konfliktes zwischen den Misrachim und den Aschkenasim in Israel aufmerksam zu machen, die im zweiten Kapitel der Essaysammlung „Im Lande Israel“ von Amos Oz[1], behandelt werden.

2. Der Autor

Amos Klausner oder wie er sich später nannte, Amoz Oz, ist einer der berühmtesten Autoren der modernen hebräischen Literatur. Er wurde im Jahr 1939 in Jerusalem in eine osteuropäische Einwandererfamilie geboren, die ursprünglich aus Odessa in der ehemaligen Ukraine stammte.

1952, als Amos OZ 13 Jahre alt war, beging seine Mutter Selbstmord. Sie konnte sich nicht an das Klima und die Umgebung in Israel gewöhnen und litt unter psychischen Problemen, Kummer und Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Heimat. Mit 14 Jahren verließ Amos Oz sein Vaterhaus und änderte seinen Familiennamen von Klausner in den hebräischen Namen Oz (Stärke) und ging im Jahr 1954 in den Kibbuz Chulda, wo er arbeitete, lernte und im Gemeinschaftsleben des Kibbuz eine familiäre Atmosphäre fand. 1959 wurde er zum Militärdienst eingezogen und diente in der Nahal Einheit zweieinhalb Jahre lang. 1960 heiratete er die im Kibbuz geborene Nili Zuckerman. Von 1962 bis 1964 studierte er Literaturwissenschaft und Philosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er schrieb viele Romane, Essays, Kurzgeschichten und Erzählungen. Von 1960 bis 1963 veröffentlichte Oz seine erste Erzählung in der Literaturzeitung „Kehshet“.

1968 fand er durch seinen Roman „Mein Michael“, der in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, im In- und Ausland Anerkennung. 1982 wurde er in Deutschland bekannt, als sein Roman „Im Lande Israel“ ins Deutsche übersetzt wurde.

Er nahm 1976 am Sechstagekrieg teil. Im arabisch-israelischen Krieg kämpfte er an der Sinai-Front gegen die Ägypter. 1973 beteiligte er sich am Yom-Kippur-Krieg gegen die Araber und diente auf den besetzten Golanhöhen.

Seit 1963 engagierte er sich für den Frieden und die Rechte der Palästinenser. 1967 und 1968 nahm an dem Komitee „Für den israelisch-palästinensischen Frieden“ teil und trat für die Zwei-Staaten-Lösung ein. Er gründete unter anderem die berühmte Friedensbewegung „Schalom Achschaw“.

Seit 1993 lehrt er hebräische Literatur an der Ben-Gurion[2] Universität in der Stadt Beer Sheva[3]. Von 1969 bis 1970 arbeitete er als Gast-Schrittsteller am St. Gross College in Oxford/England. Der politisch-gesellschaftliche Kritiker Oz wurde oft in die USA eingeladen. Auf Grund der gesundheitlichen Probleme seines Sohnes verließ er mit seiner Familie den Kibbuz und ging 1986 in die Stadt Arad nahe am Toten Meer. Er verfasste 18 Bücher und über 450 Artikel und Essays. Seine Arbeiten wurden in 30 Sprachen übersetzt. Er bekam einige nationale und internationale Preise für seine Werke verliehen, darunter den Friedenpreis des deutschen Buchhandels 1992 und den Israel-Preis für Literatur.[4]

3. Kurzer Überblick über die soziale Situation in Israel

3.1 Israel als Mosaikgesellschaft

Heute leben in Israel verschiedene Volksgruppen nebeneinander, die sich nach ihrer kulturellen Identität, ihrer Lebensweise und Herkunft voneinander unterscheiden. Sie verstehen sich, abgesehen von den Arabern, als ein Teil des jüdischen Volks.

3.2 Die Aschkenasim

Die Aschkenasim sind diejenigen Israelis, die aus dem europäischen Raum oder aus Nordamerika ins Land kamen, sowie ihre in Israel geborenen Nachkommen. Sie waren die ersten Einwanderer, die vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 in Palästina siedelten, das damals immer noch unter dem britischen Mandat stand. Bei der Ausrufung des Staates bildeten die Aschkenasim 80% der jüdischen Bürger. Sie trugen den größten Teil zur Errichtung und Etablierung eines modernen, institutionellen Staates bei. Für lange Zeit bildeten sie die dominierende Sonderklasse in allen Lebensbereichen im Land und insbesondere in der Politik.

Außer den ersten Einwanderern, die ganz früh ins Land kamen, waren die Aschkenasim Holocaust-Überlebende aus Polen, Rumänien, Ungarn und aus dem angelsächsischen Sprachraum.

Wegen der demographischen Veränderungen und dem zunehmenden Einfluss der Misrachim in der Gesellschaft ist ihre Dominanz heute in Frage gestellt.

Die osteuropäischen Einwanderer waren säkular und sozialistisch geprägt und sie gestalteten ihre Kibbuzim[5] nach sozialistischem Vorbild.

[...]


[1] Oz, Amos: Im Lande Israel, Frankfurt am Main, 1984.

[2] Ben-Gurion: 1886-1973. Israelischer Staatsmann und einer der Gründer der israelischen Arbeitspartei. Er war der erste Premierminister Israels von 1949 bis 1954 und von 1955 bis 1963.

[3] Beer Sheva: Die Wüstestadt liegt nördlich von Nagev . Sie ist etwa 100 km von Jerusalem entfernt.

[4] Siehe: Biogramme hebräischer Autoren - eine Auswahl. In: Feinberg, Anat (Hrsg.): Moderne hebräische Literatur, Ein Handbuch, München, 2005, S. 236.

[5] Kibbuz: Ländliche Siedlung in Israel, in der kollektive Wirtschaft- und Lebensweise vorherrscht. Jedes Mitglied ist Arbeiter in einem Wirtschaftszweig des Kibbuz. Die Einkünfte werden zentral entsprechend den Bedürfnissen des Betriebes und der Mitglieder ausgegeben. Der erste Kibbuz entstand 1909 im Jordantal.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656012023
ISBN (Buch)
9783656012177
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178832
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Orientalisches Seminar
Note
2,00
Schlagworte
über amos lande israel aschkenasim misrachim brüder feinde

Autor

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