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Die Stellung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Frankreich

Ausarbeitung 2009 9 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Gliederung

1. Der moderne französische Staat im Zeichen der Säkularisierung

2. Die historischen Grundlagen der Entwicklung von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Frankreich

3. Die Stellung der Kirchen und Religionsgemeinschaften im heutigen Frankreich
3.1. Laizität – Der Leitbegriff einer modernen französischen Staatsauffassung
3.2. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften im öffentlichen Leben Frankreichs

4. Die Gliederung des französischen Staates – ein idealtypisches Trennungssystem?

5. Literaturverzeichnis

1. Der moderne französische Staat im Zeichen der Säkularisierung

Im heutigen modernen Frankreich ist, trotz der klaren Trennung zwischen Staat und Kirche, ein tolerantes Miteinander von staatlichen Institutionen und Religionsgemeinschaften entstanden. So ist eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und Kirchen, insbesondere in den Bereichen der Erziehungs-, Sozial- und Fürsorgetätigkeit, zu beobachten. Der französische Staat ist somit im beginnenden 21. Jahrhundert nicht mehr nur zur passiven und negativen Neutralität hinsichtlich des Umgangs mit den Religionsgemeinschaften gezwungen, sondern kann den Wunsch eines Großteils seiner Bevölkerung, welche eine religiöse Erziehung ihrer Kinder erbitten, entsprechen. Der antiklerikale Kampfgeist des 19. Jahrhunderts ist somit in der heutigen Religionspolitik Frankreichs dem Gedanken eines aufgeschlossenen und vorurteilsfreien Zusammenlebens gewichen.[1]

Im Folgenden werden sowohl die historischen Grundlagen als auch die heutige Situation der Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften im französischen Staat, bezüglich ihrer Stellung im öffentlichen Leben dargestellt. Abschließend wird eine kurze Zusammenfassung hinsichtlich des Einflusses der Kirchen im Frankreich gegeben.

2. Die historischen Grundlagen der Entwicklung von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Frankreich

Die heutige Stellung der Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften wurde im modernen Frankreich in einem starken Maße von der französischen Geschichte und den damit verbundenen Umwälzungen und Veränderungen geprägt.[2]

Das Westfränkische Reich wurde von einem katholischen Königshaus, welches den Katholizismus als Staatsreligion etablierte, regiert. Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich diese Ordnung zu einem gallikanisches Staatskirchensystem fort.[3] Der auf diese Weise entstandene Gallikanismus bestätigte den katholischen Glauben als anerkannte Staatsreligion und band die katholische Kirche als „Nationalkirche“ in die Staatsordnung ein.

Das kirchenrechtliche System des Gallikanismus förderte nicht nur die religiöse Stabilität des französischen Königreiches, sondern diente vor allem dazu, dem französischen Staat und seinem Klerus eine größere politische Unanhängigkeit gegenüber dem Papst zu verschaffen. Diese Begrenzung der weltlichen Macht des Papstes, welche im Besonderen durch das königliche Mitspracherecht bei Bischofs- und Abtswahlen verdeutlicht worden ist, mündete im Jahr 1682 in der endgültigen Ausgrenzung von Kirche und Papst hinsichtlich weltlicher Fragestellungen und der Ausübung von Machtbefugnissen.[4]

Trotz der Vormachtstellung des Katholizismus im 17. bzw. 18. Jahrhundert existierte neben der vorherrschenden katholischen Glaubensgemeinschaft ebenfalls der Protestantismus unter dem Einfluss des Calvinismus. Die stetige Unterdrückung dieser protestantischen Religion, die sowohl vom König als auch vom Klerus ausgeübt worden ist, endete in den Jahren 1562-1598 in den Hugenottenkriegen, welche bürgerkriegsähnliche Zustände und die Gefahr des Zerfalls des Zentralstaates mit sich brachten. Letztendlich wurde ein Großteil der in Frankreich lebenden Hugenotten ermordet oder ins europäische Ausland vertrieben.[5]

Ein großer Umbruch für das Verhältnis von Kirche und Staat wurde in Frankreich durch die Revolution von 1789 eingeläutet. Die Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte am 26. August 1789 brachte die Grundrechte der Religions- und Gewissensfreiheit mit sich. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zur Loslösung der säkularen von der religiösen Ebene, die sowohl das französische Staatskirchentum als auch den umfassenden Einfluss der gallikanischen Kirche beendete und zu einer Entkonfessionalisierung des französischen Staates, welche mit einer schrittweisen Verstaatlichung des Kirchenbesitzes einhergegangen ist, führte.[6]

Durch die Verkündung der Zivilkonstitution am 12. Juli 1790 sollte die Kirche in den Staat integriert, jedoch gleichzeitig diesem untergeordnet werden. Ein Symbol für diese Entwicklung ist die Ernennung der Kleriker zu Berufbeamten, welche ihren Eid nun auf die Zivilverfassung Frankreichs schwören mussten.[7]

[...]


1 Wick, Volker: Die Trennung von Staat und Kirche. Jüngere Entwicklungen in Frankreich im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell. Jus ecclesiasticum Band 81, Tübingen 2007, S.199.

2 Robbers, Gerhard: Staat und Kirche in der Europäischen Union, Baden-Baden 1995, S.128.

3 Penzel, Hans: Rechtssubjektivität der katholischen Kirche und ihrer Institutionen in Frankreich seit Inkrafttreten des Trennungsgesetzes vom 9.12.1905, Leipzig 1928, S. 1.

4 Wick, Volker: Die Trennung von Staat und Kirche. Jüngere Entwicklungen in Frankreich im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell. Jus ecclesiasticum Band 81, Tübingen 2007, S.29-30.

5 Cabanel, Patrick: Laizität und Religion im heutigen Frankreich, in: Kimmel/ Uterwedde (Hrsg.): Länderbericht Frankreich, Bonn 2005, S.140.

6 Wick, Volker: Die Trennung von Staat und Kirche. Jüngere Entwicklungen in Frankreich im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell. Jus ecclesiasticum Band 81, Tübingen 2007, S.30-31.

7 Cabanel, Patrick: Laizität und Religion im heutigen Frankreich, in: Kimmel/ Uterwedde (Hrsg.): Länderbericht Frankreich, Bonn 2005, S.141.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656009610
ISBN (Buch)
9783656010265
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178849
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Öffentliches Recht
Note
1,0
Schlagworte
Säkularisierung Laizität

Autor

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