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Erneuerbare Energien und das DESERTEC-Projekt. Chancen und Risiken

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 21 Seiten

Politik - Klima- und Umweltpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Projekt DESERTEC

3. Die technische Dimension

4. Die Diskussion um DESERTEC

Argumente für DESERTEC

Kritik an DESERTEC

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Quellen

Monographien und Sammelbände

Zeitungs- und ZeitschriftenartikelS

Weitere Artikel aus dem Internet

1. Einleitung

Einige der drängendsten Probleme der Zukunft sind neben dem globalen, ungebremsten Bevölkerungswachstum der sich stetig steigernde Energiehunger der Menschheit sowie damit verbunden die Endlichkeit vieler Ressourcen.[1]

Um diese Probleme zu entschärfen, setzen viele Staaten seit Jahren auf erneuerbare Energien, wie Wind- und Solarenergie. Da sich dies inzwischen zu einem „Billionen-Geschäft“[2] für die Wirtschaft entwickelt hat, setzt auch sie vermehrt auf die Produktion von so genanntem „Ökostrom“. Die ehrgeizigste Vision um in riesigen Mengen aus erneuerbaren Energiequellen Strom zu gewinnen, ist das DESERTEC-Projekt, das die Anlage großer Solarkraftwerke in Nordafrika vorsieht und langfristig sowohl den Maghreb und Maschreq[3], als auch Europa mit Solarstrom versorgen soll.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über das DESERTEC Projekt geben, seine Chancen und Risiken aufzeigen, wie sie in der öffentlichen Diskussion genannt werden und ebenso die technischen Aspekte dieser Unternehmung beleuchten. Da sich DESERTEC jedoch noch in der Planungsphase befindet[4] muss sich diese Arbeit darauf beschränken, deskriptiv an das Projekt heranzugehen.

Im ersten Kapitel soll das DESERTEC-Projekt allgemein vorgestellt werden, um den Plan und die Ziele aufzuzeigen sowie die Initiatoren dieses Projektes vorzustellen.

In dem sich daran anschließenden Teil werden die technischen Möglichkeiten beschrieben die nötig sind, um aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen und diesen über weite Strecken zu transportieren, wie es bei DESERTEC geplant ist.

Um die Argumentation von Befürwortern und Gegnern von DESERTEC zu verdeutlichen, ist das folgende Kapitel in einen „Pro“- und einen „Contrateil“ gegliedert.

Im Fazit wird sodann der aktuelle Stand des Projektes dargestellt sowie der Frage nach wirtschaftlichem und politischem Sinn oder Unsinn des Projektes nachgegangen.

Als Quellen dienen vor allem Materialien der DESERTEC Initiative, die auf der Homepage dieser Organisation frei zugänglich ist.[5] Bei diesen Broschüren handelt es sich um das so genannte „Red Paper“ und das „White Book“. Diese beiden Papiere sind jedoch Werbemittel, weswegen sie kritisch betrachtet werden müssen. Als weitere Arbeitsmaterialien bieten sich vor allem Artikel in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften an. Das Spektrum der betrachteten Veröffentlichungen reicht hierbei von den Tageszeitungen „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, und „Neue Zürcher Zeitung“ über Zeitschriften wie „Capital“ und „Spiegel“ bis zu Wochenzeitungen wie „Junge Freiheit“.

2. Das Projekt DESERTEC

„Die Wüsten der Erde empfangen in weniger als 6 Stunden soviel Energie von der Sonne, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht.“[6] Diese Feststellung des Physikers Gerhard Knies stand gewissermaßen Pate für die Vision von DESERTEC. Dessen Konzept sieht die Errichtung von solarthermischen Kraftwerke[7] in Nordafrika[8] und dem Nahen Osten vor. In diesen soll in einem technischen Prozess der im folgenden Kapitel ausführlicher beschrieben wird, aus Sonnenenergie große Mengen Strom gewonnen werden. Die Initiatoren von DESERTEC gehen hierbei von bis zu 3000 TWH/a Strom aus,[9] der die so genannte EUMENA-Region[10] mit Energie versorgen soll.[11] Der Transport des Stroms soll über noch zu bauende Hochleistungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen, so genannte HGÜ, abgewickelt werden, da diese weitaus geringere Leistungsverluste ermöglichen als herkömmliche Hochspannungsleitungen und somit auch über weite Entfernungen wirtschaftlich sind.[12]

Die Planer gehen zur Realisierung des Projektes von Investitionen in Höhe von etwa 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 aus.[13] Das entspricht jährlichen Investitionen von rund 10 Milliarden Euro. Dann sollen ca. 15% des europäischen Stromverbrauchs durch DESERTEC gedeckt werden.[14] Zusätzlich sollen die nordafrikanischen Erzeugerländer ihren eigenen Strombedarf aus DESERTEC decken können.[15] Insgesamt sollen bis 2050 50 Staaten der EUMENA-Region durch DESERTEC mit „Ökostrom“ versorgt werden.[16]

DESERTEC versteht sich selber als Lösung für eine Vielzahl von Problemen der Zukunft wie „Energiemangel, Wassermangel, Nahrungsmittelknappheit“.[17] Außerdem soll es den europäischen Staaten helfen, ihre Selbstverpflichtung zur Reduktion des CO2-Ausstoßes einzuhalten. Des Weiteren heißt es im Red Paper:

„Gleichzeitig bietet das Konzept neue Wohlstands- und Entwicklungsperspektiven für bisher wirtschaftlich wenig entwickelte Regionen sowie vielversprechende Wachstumsbereiche für die wirtschaftlich führenden Länder.“

Darüber hinaus wird DESERTEC von seinen Initiatoren als ein ganzheitliches Projekt gesehen, welches neben dem Teilaspekt des Wüstenstroms daraufhin arbeiten soll, die Welt in einigen Dekaden zum größten Teil mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen.[18] So sollen schon in EUMENA die verschiedenen Staaten den gemeinsamen Strombedarf mit spezifischen Ressourcen decken. Für den „Norden“ ist dementsprechend ein Mix aus Hydroenergie, Strom aus Biomasse und aus Wind vorgesehen, während dem „Süden“ vor allem der Solarstrom zugute kommen soll.[19]

Die Ausarbeitung des DESERTEC-Projektes begann im Jahre 2003 mit der Gründung des Netzwerkes TREC (Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation) durch die deutsche Gruppe des Club of Rome, den Hamburger Klimaschutz-Fond sowie dem Nationalen Energieforschungszentrum (NERC).[20] Zu den Gründungsmitgliedern von TREC, das 2009 in DESERTEC Foundation umbenannt wurde,[21] zählt auch der schon erwähnte Gerhard Knies.[22] Nachdem TREC das Konzept ausgearbeitet hatte, wurde es unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) evaluiert. Im Herbst 2009 erfolgte dann die Gründung der DESERTEC Industrial Initiative (DII). Die DII versteht sich wiederum als eigenständiges Unternehmen, das „in die konkrete Umsetzung der Planung des Desertec-Konzepts in der Region EU-MENA eingebunden ist.“[23] Vor allem ist die DII jedoch mit Lobbyarbeit für DESERTEC beschäftigt und versucht mögliche Partner zusammenzubringen.[24] Gründungsmitglieder der DII sind unter anderem die Münchner Rück, die Deutsche Bank, E.On, RWE, Siemens sowie verschiedene Solarunternehmen aus der Großindustrie, die wie die MAN Solar Millenium schon an ähnlichen Projekten, wie Flagsol in Ägypten beteiligt ist.[25]

Eine weitere Grundlage DESERTECs ist der Solarplan auf den sich im Sommer 2008 40 Staats- und Regierungschefs des Mittelmeerraumes mit den 27 Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten einigten und der die Abhängigkeit Europas von fossilen Energieträgern reduzieren und gleichzeitig der Konfliktvermeidung dienen soll.[26]

3. Die technische Dimension

Das elementarste Problem in der Nutzung von Sonnenenergie ist, dass es sich bei ihr nicht um einen Primärenergieträger handelt und sie sich nicht in ihrer ursprünglichen Form speichern oder transportieren lässt, sondern vielmehr „am Orte ihres Auftretens eine Wandlung in einen Sekundärenergieträger vollzogen werden muss.“[27] Hierzu wird Sonnenenergie in Strom oder Wärme umgewandelt. Während Strom jedoch über weite Distanzen relativ verlustarm zu befördern ist, lässt er sich nur schlecht in großtechnischem Maßstab speichern. Bei Wärme verhält es sich genau umgekehrt.[28] Meist wird deshalb aus der Wärme erst Strom gewonnen.

Strom lässt sich aus Sonnenenergie auf verschiedene Arten gewinnen und zwar vor allem durch Photovoltaik und solarthermische Anlage.[29] DESERTEC soll vornehmlich auf der Leistung solarthermischer Kraftwerke und in diesem Rahmen vor allem auf Parabolrinnenkraftwerken beruhen.

[...]


[1] DESERTEC Foundation: Red Paper. Das DESERTEC Konzept im Überblick. Zugegriffen am 13.02.2011, http://www.desertec.org/downloads/summary_de.pdf.

[2] Junge Freiheit 48/10, 26. November 2010: „Ein Billionen-Geschäft“ – Im Gespräch mit Günter Ederer. Zugegriffen am 21.02.2011, http://www.jungefreiheit.de/Archiv.611.0.html.

[3] „Maghreb“ und „Maschreq“ bezeichnen des Westen bzw. den Osten der islamisch-arabischen Welt.

[4] Red Paper.

[5] http://www.desertec.org/downloads/.

[6] Red Paper.

[7] Engl. Concentrating Solar-Thermal Power Plants, kurz CSP. Vgl. DESERTEC Foundation: Clean Power from Deserts. The DESERTEC Concept for Energy, Water and Climate Security. White Book 4th Edition. Zugegriffen am 13.02.2011, http://www.desertec.org/fileadmin/downloads/DESERTEC-WhiteBook_en_small.pdf. S.36.

[8] Damit sind vor allem die Staaten des Maghreb, Marokko einschließlich Sahara, Algerien und Tunesien gemeint. Vgl. hierzu die DESERTEC-EUMENA-Karte im Red Paper.

[9] Momentan liegt der globale Stromverbrauch bei etwa 18.000 Tera-Watt-Stunden im Jahr. Vgl. Red Paper.

[10] EUMENA leitet sich von Europe, Middle East und Northern Africa ab.

[11] Red Paper.

[12] Ebd.

[13] ARD Hörfunkstudio Nordafrika, 13.07.2009: Unternehmen besiegeln Pläne für Sahara-Strom. Zugegriffen am 21.02.2011, http://www.tagesschau.de/wirtschaft/desertec108.html.

[14] Ebd.

[15] Capital, 07.01.2010: Die spektakulärsten Energieprojekte der Welt. Zugegriffen am 21.02.2011, http://www.capital.de/unternehmen/:Wind-Sonne-Kernkraft--Die-spektakulaersten- Energieprojekte-der-Welt/100027331.html.

[16] White Book, S.32.

[17] Red Paper

[18] Ebd.

[19] White Book, S.30.

[20] Junge Freiheit 34/10, 20. August 2010: Die Sahara als Superkraftwerk. Zugegriffen am 21.02.2011, http://www.jungefreiheit.de/Archiv.611.0.html.

[21] Ebd.

[22] http:// www.desertec.org/de/organisation/partner-unterstuetzer/

[23] Junge Freiheit 34/10, 20. August 2010: Die Sahara als Superkraftwerk.

[24] ARD Hörfunkstudio Nordafrika, 21.07.2010: „Desertec war ein Hype.“ Zugegriffen am 21.02.2011, http://www.tagesschau.de/wirtschaft/desertec116.html

[25] Junge Freiheit 34/10, 20. August 2010: Die Sahara als Superkraftwerk.

[26] Ebd.

[27] Biberacher, Markus: Sonne und Wind als Energieressourcen – Chancen und Herausforderungen aus einer räumlichen Sichtweise, in: Lehr- und Forschungszentrum für Landwirtschaft „Raumberg“, Vom Naturpotenzial zur Produktion erneuerbarer Energie : Chancen - Strategien - Werkzeuge ; 2. Energietagung gemäß Fortbildungsplan des Bundes, 07.-08. Oktober 2010. Irdning 2010. S.13-17. S.13.

[28] Biberacher, S.13.

[29].White Book, S.36.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656011927
ISBN (Buch)
9783656012047
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178963
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
desertec-projekt Wüstenstrom Erneuerbare Energien Energiesicherheit Solarkraft Strom aus der Sahara EUMENA

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Titel: Erneuerbare Energien und das DESERTEC-Projekt. Chancen und Risiken