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Leitfadeninterview und Qualitative Inhaltsanalyse als Instrumente der Qualitativen Forschung

Hausarbeit 2011 26 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Hinführung zum Thema und Aufbau der Arbeit

2 Die Qualitative Forschung im Überblick
2.1 Quantitative versus Qualitative Forschung
2.2 Bedeutung der Qualitativen Forschung in der Organisationsentwicklung

3 Das Leitfadeninterview als Mittel der qualitativen Datenerhebung
3.1 Interviews im Überblick
3.2 Das Leitfadeninterview im Überblick
3.3 Erstellung und Durchführung von Leitfadeninterviews

4 Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.1 Die Qualitativen Inhaltsanalyse: Begriff und Zielsetzungen
4.2 Techniken der Qualitativen Inhaltsanalyse
4.3 Spezielle Techniken der Qualitativen Inhaltsanalyse

5 Gütekriterien der Inhaltsanalyse
5.1 Klassische Gütekriterien
5.2 Inhaltsanalytische Gütekriterien

6 Zusammenfassung und kritische Würdigung

Anhang

Anhang I: Beispiel Leitfadeninterview

Literaturverzeichnis

Eidesstaatliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:Interviewformen im Überblick 8

Abbildung 2:Ablauf eines Leitfadeninterviews 10

Abbildung 3:Erstellung eines Leitfadens 11

1 Hinführung zum Thema und Aufbau der Arbeit

Die qualitativen Forschungsmethoden gewinnen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Anwendung finden sie insbesondere in der Kommunikationswissenschaft, mittlerweile jedoch auch in der Psychologie, Erziehungswissenschaft oder Soziologie. (Mayring, 2008, S. 9f) Aufgrund der gestiegenen Resonanz beschäftigt sich die vorliegende Arbeit näher mit dem Thema der Qualitativen Forschung. Der Fokus hierbei liegt vor allem auf dem Bereich der Leitfadeninterviews und der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.

Dafür wird wie folgt vorgegangen: Im Punkt 2 wird die Qualitative Forschung im Überblick dargestellt und von der Quantitativen Forschung abgegrenzt. Anschließend wird der qualitative Ansatz gezielter betrachtet und die Bedeutung der Qualitativen Forschung für die Organisationsentwicklung herausgearbeitet. Punkt 3 der Arbeit beschäftigt sich aufbauend mit dem Thema des Leitfadeninterviews als Instrument der qualitativen Datenerhebung. Hierfür wird der Begriff des Interviews zunächst erläutert und Leitfadeninterviews als Sonderform mit seinen Vor- und Nachteilen dargestellt. Neben der Vorstellung typischer Charakteristika erfolgen Hinweise zur Erstellung und Durchführung. Zur Auswertung der erhobenen Daten wird im Abschnitt 4 die Herangehensweise nach Mayring dargelegt. Dafür wird der Begriff der Qualitativen Inhaltsanalyse definiert sowie Eigenschaften und Zielsetzungen erarbeitet. Weiterhin werden typische Techniken der Qualitativen Inhaltsanalyse vorgestellt. Der Punkt 5 verweist - bezugnehmend auf die vorgestellte Qualitative Inhaltsanalyse – nochmals explizit auf die Gütekriterien. Zu diesem Zweck werden zuerst die Bedeutung der klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität erfasst und anschließend ergänzend spezielle inhaltsanalytische Gütekriterien aufgezeigt. Den Abschluss der Arbeit bilden eine Zusammenfassung sowie eine kritische Würdigung der Thematik.

2 Die Qualitative Forschung im Überblick

Im Folgenden sollen Unterschiede der Quantitativen und Qualitativen Forschung gegenübergestellt werden. Nach den Begriffsbestimmungen wird im nächsten Schritt insbesondere die Bedeutung der Qualitativen Forschung für die Organisationsentwicklung näher untersucht.

2.1 Quantitative versus Qualitative Forschung

Bei der Qualitativen Forschung handelt es sich um eine weniger klar definierte wissenschaftliche Methode, als vielmehr ein Oberbegriff für diverse Führungsstile und Führungsverfahren (Ridder/ Hoon, 2009, S. 93; nach Kaune, 2010, S. 136), die auf einem geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverständnis beruhen. Bei der Qualitativen Forschung geht es darum, Erleben und Verhalten durch Verstehen und Interpretieren verstehbar zu machen. Zudem wird versucht Erfahrungen zu verbalisieren und interpretativ auszuwerten. Die Wahrnehmung des Forschers gegenüber dem Forschungsgegenstand ist dabei sehr subjektiv geprägt. (Seel, 2004) Typische Datenerhebungsmethoden der Qualitativen Forschung sind Interviews und Befragungen, wobei auf Interviews und speziell dem Leitfadeninterview an späterer Stelle gesondert eingegangen werden soll. Ein weiteres typisches Merkmal der Qualitativen Forschung ist die induktive und explorative Herangehensweise. Das heißt: Nicht bereits bestehende Annahmen werden geprüft (deduktive Vorgehensweise), sondern neue Theorien und Hypothesen generiert. (Heteren-Frese/ Kaune, 2010) Vorteil der Qualitativen Forschung ist es, dass durch die Datenerhebungs- und Datenauswertungsmethoden eine flexible Anpassung an den Forschungsprozess ermöglicht wird (Flick u.a., 2004, S. 24f; nach Kaune, 2010, S. 136).

Qualitatives Forschenkann insgesamt verstanden werden als „der Versuch herauszufinden, wie Menschen einen Sachverhalt sehen, welche individuelle Bedeutung er für sie hat und welche Handlungsmotive in diesem Zusammenhang auftreten. Daraus werden Theorien konstruiert und Folgerungen für die Praxis gezogen.“ (Seel, 2004)

Im Gegensatz dazu steht dieQuantitative Forschung, die einem insbesondere naturwissenschaftlichen Forschungsverständnis obliegt. Wird bei der Qualitativen Forschung versucht Erleben und Verhalten zu verstehen und zu interpretieren, ist die Quantitative Forschung charakterisiert von empirischen Untersuchungen zu Erleben und Verhalten mittels systematisch entwickelten Methoden (in repräsentativen Stichproben). Ausgangspunkt ist dabei die objektiv bestehende und erfassbare Wirklichkeit und nicht mehr die subjektive Wahrnehmung. (Seel, 2004) Typische Datenerhebungsmethoden der Quantitativen Forschung sind Beobachtungen, Befragungen, Urteile und Interviews. Die Datenauswertung erfolgt - anders als bei der Qualitativen Forschung - deduktiv. (Brüsemeister, 2008, S. 19)

Letztlich kann die Quantitative Forschung folgendermaßen definiert werden: Die „Quantitative empirische Forschungbeabsichtigt, soziale und psychische Phänomene genau zu definieren, sie möglichst objektiv zu „messen“ und anhand dieses Datenmaterials Hypothesen zu überprüfen.“ (Mayr, o.J.; nach Seel, 2004)

Grundsätzlich unterscheiden sich die Ansätze hinsichtlich der Frage, welche Formen von Erfahrung als methodisch kontrollierbar angesehen werden und im Grad der Standardisierung. Weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Rolle des Forschenden (Flick u.a., 2004, S. 24f; nach Kaune, 2010, S. 136).

Für welchen der beiden Forschungsansätze man sich letztlich entscheidet hängt von dem Untersuchungsgegenstand ab, sowie von den Fragen der Zielsetzung. Eine Abgrenzung zwischen den Forschungsansätzen ist in der Praxis zudem kaum möglich, vielmehr werden der qualitative und quantitative Ansatz häufig miteinander kombiniert. (Hollenstein/ Ullrich, 2003, S. 29) So kann beispielsweise der qualitative Ansatz zur Hypothesengenerierung genutzt werden, um darauf aufbauend den quantitativen Ansatz zur Überprüfung der aufgestellten Thesen anzuwenden.

2.2 Bedeutung der Qualitativen Forschung in der Organisationsentwicklung

In der Organisationsentwicklung findet die Qualitative Forschung insbesondere bei der Durchführung von Evaluationen ihre Anwendung. Unter dem Begriff der Evaluation versteht man die „Überprüfung der Wirksamkeit einer Intervention […] mit dem Mitteln der empirischen Forschung.“ (Joint Committee on Standards for Educational Evalatuations/ Sanders, 1999; nach Kaune, 2010, S. 138).

Damit Maßnahmen der Organisationsentwicklung erfolgreich umgesetzt werden können, ist es notwendig die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzubeziehen. Dazu gehören unter anderem deren Einstellungen, Verhaltensweisen und Wünsche. Werden diese ignoriert, kann dies zu fehlender Motivation und gegebenenfalls zu Widerständen im Unternehmen führen. Die Gründe für den Widerstand können dabei auf verschiedenen Aspekten beruhen. Häufige Ursachen sind zum Beispiel Angst, Unwissen oder Vorurteile, die Veränderungsprozesse in einer Unternehmung behindern können. Zur Unterstützung von Organisationsentwicklungsmaßnahmen werden in der Praxis Evaluationen eingesetzt. (Kardoff, 2004; nach Kaune, 2010, S. 138) Diese sollten nach Möglichkeit sowohl die Hard- als auch Softfacts einbeziehen. Aufgrund der subjektiven und individualen Einbeziehung verschiedener Faktoren, erscheint vor allem der Einsatz qualitativer Einsatzmethoden im Evaluationsprozess an dieser Stelle sinnvoll. (Mayring, 2002; nach Kaune, 2010, S. 138)

Nach Kardoff (2004, S. 245) gibt es verschiedene Prinzipien der qualitativen Evaluationsforschung: So wird unter anderem davon ausgegangen, dass nur Beobachtungszeitpunkte, nicht aber im Voraus festgelegte Messwerte, relevant sind. Beobachtet werden hierfür zum Beispiel Widerstände, kritische Momente oder Wendepunkte. Weiterhin werden Begründungen und Handlungsweisen rekonstruiert und nicht auf reaktives Verhalten zurückgeführt. Eine weitere Annahme beruht darauf, dass es sich in der Evaluationsforschung um eine prozessorientierte statt um eine ergebnisorientierte Vorgehensweise handelt. Dies bedeutet insbesondere, dass Dynamiken in den Prozessen – vor allem bei denen, die innovativ sind – einbezogen werden. Besonderes Merkmal der qualitativen Evaluationsforschung ist zudem die spezifische Herangehensweise. Anstatt eine Verallgemeinerung eines Sachverhalts vorzunehmen, geht es in Evaluationen darum subjektive und individuelle Aspekte in die Betrachtung einzubeziehen. Unterstützend wirkt dabei das kommunikative Aushandeln von zielgeleiteten Erfolgskriterien.

3 Das Leitfadeninterview als Mittel der qualitativen Datenerhebung

Im Folgenden soll das Leitfadeninterview als ein Instrument der qualitativen Datenerhebung näher betrachtet werden. Hierfür soll der Begriff des „Interviews“ definiert werden und darauf aufbauend im Überblick dargestellt werden. Im nächsten Schritt wird dann das Leitfadeninterview charakterisiert sowie auf Aspekte zur Erstellung und Durchführung solch eines Interviews verwiesen.

3.1 Interviews im Überblick

Laut Scheuch (o.J.; nach Heteren-Frese/ Kaune, 2010) lässt sich der Begriff des Interviews wie folgt definieren: „Ein Interview ist ein planmäßiges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Reaktionen veranlasst werden soll.“

Grundsätzlich kann man Interviews nach ihrem Strukturierungsgrad unterscheiden (Weyer, S., o.J.):

Standardisierte Interviewssind dadurch charakterisiert, dass die Art der Formulierung der Fragen, die Reihenfolge der Fragen, das Interviewverhalten und die Antwortmöglichkeiten genau festgelegt sind. Diese Interviewform hat einerseits den Vorteil, dass sich mehrere Interviews relativ schnell und leicht miteinander vergleichen lassen. Andererseits bieten standardisierte Interviews keinen Raum für Flexibilität, wodurch wichtige und interessante Aspekte verloren gehen können. (Stangl, o.J.)

Das Gegenstück zum standardisierten Interview ist dasoffene (unstrukturierte) Interview. Hier ist der Interviewer völlig frei in der Gestaltung der Fragen, Formulierungen, der Reihenfolge der Fragen etc. und dem Befragten ist es möglich sich völlig frei zu einem Sachverhalt zu äußern (Dell/ Korotkaja, 2006, S. 6). Durch die hohe Flexibilität kann das offene Interview sehr in die Tiefe gehen, weshalb das offene Interview in der Literatur auch als Tiefeninterview bezeichnet wird. Vorteil dieser Interviewform ist es, dass sehr viele Informationen gewonnen werden. Die Vergleichbarkeit ist aufgrund der Komplexität aber aufwendig und teilweise nur schwer durchführbar. (Stangl, o.J.)

Eine Mischform des standardisierten und offenen Interviews bildetdas halbstrukturierte Interview, das sich eines Fragenkatalogs oder Gesprächsleitfaden bedient (Raber/ Temmel, 2005, S. 1). Zu den halbstrukturierten Interviews - die sich der qualitativen Sozialforschung zuordnen lassen - zählen unter anderem Leitfadeninterviews (Heteren-Frese/ Kaune, 2010), die im weiteren Verlauf der Arbeit näher vorgestellt werden sollen.

Die nachstehende Tabelle zeigt die von Mayring beschriebenen Interviewformen noch einmal im Überblick (Mayring, P. in Seel, A., 2004):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Interviewformen im Überblick (eigene Darstellung, 2011)

Neben der Struktur lassen sich Interviews darin unterscheiden, auf welche Art und Weise das Interview durchgeführt wird. Bei Face-to-Face Interviews wird eine Person direkt und persönlich von einer anderen Person, also vom Interviewer, befragt. Bei telefonischen Interviews erfolgt die Befragung am Telefon und bei Paper and Pencil Interviews mittels eines vorbereiteten und ausgedruckten Fragebogens. Immer mehr verbreitet sind zudem Online-Interviews, die auf Unternehmensseiten im Internet positioniert werden oder im Auftrag von Marktforschungsinstituten durchgeführt werden. Weitere Formen sind das CAPI- Interview und das CATI. Als CAPI-Interviews bezeichnet man Interviews, bei denen die Befragung nicht mit Hilfe eines ausgedruckten Fragebogens, sondern am Computer erfolgt. Bei CATIs handelt es sich um eine telefonische Befragung, bei der zur Auswahl der Probanden und zur Durchführung des Interviews Computer zur Unterstützung herangezogen werden. (SDI-Research, o.J.)

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Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656012863
ISBN (Buch)
9783656013143
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178985
Institution / Hochschule
Hochschule Harz Hochschule für angewandte Wissenschaften
Note
Schlagworte
leitfadeninterview qualitative inhaltsanalyse instrument qualitativen forschung

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