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Theorie des Kommunismus nach Karl Marx

Facharbeit (Schule) 2010 47 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Die Ideale von Karl Marx
2.1 Karl Marx Ökonom oder Philosoph?
2.2 Der Kapitalismus Wurzel allen Übels?
2.2.1 Das Verhältnis zwischen Kapitalist und Arbeiter
2.2.2 Ausbeutung und Verelendung des Proletariats
2.2.3 Die Entfremdung des Arbeiters
2.2.4 Die Krisen des Kapitalismus
2.2.5 Fazit
2.3 Der Kommunismus Die Lösung aller Probleme?
2.3.1 Marx und die Demokratie
2.3.2 Marx und das Privateigentum
2.3.3 Fazit

3 Die UdSSR als Beispiel für den Missbrauch von Karl Marx
3.1 Ära Lenin
3.1.1 Von den Ursprüngen der Bolschewiki zur Machtergreifung
3.1.2 Machtfestigung
3.1.3 Innenpolitik
3.1.4Außenpolitik
3.2 Ära Stalin
3.3 Die Gewaltfrage
3.4 Fazit

4 Die heutige Gesellschaft und der Kommunismus
4.1 Umfrage zurallgemeinen gesellschaftlichen Meinung
4.1.1ResultatederUmfrage
4.1.2 Schlussfolgerungen aus der Umfrage
4.1.3 Meinungsbildung des Volkes Woher kommt der Einfluss?
4.1.4 Wie „links“ sind die Befragten?
4.1.5 Fazit
4.2 Karl Marx Der zeitlose Philosoph?
4.3 Kommunismus heute?

5 Schlusswort

1 EINLEITUNG

Die Macht der Sprache ein mächtiges Werkzeug für die, die es geschickt einsetzen können. Wenn Sie das Wort „Wirtschaft“ lesen, assoziieren Sie es heute wahrscheinlich sofort mit dem Wort „Krise“. Das war vor einigen Jahren vielleicht nicht so. Vielleicht dachten Sie bei „Wirtschaft“ vor mehreren Jahren noch an einen großen Erfolg in Ihrem Berufsleben.

Assoziationen ändern sich wenn es denn einen Anstoß dazu gibt.

Doch manche Wörter werden mit Bedeutungen behaftet und diese werden oft nicht mehr hinterfragt. Sie schwingen mit dem Wort mit und schweben in der Luft, sobald es ausgesprochen wird. Nach einiger Zeit sind diese Assoziationen, diese verborgenen Bedeutungen des Wortes, gar so mächtig, dass sie den eigentlichen Begriff ersetzen. Diesen Prozess rückgängig zu machen ist fast unmöglich, je nachdem wie lange der Begriff von diesen Assoziationen überlagert wird.

Das Beispiel, auf das es mir in folgendem ankommt ist der Begriff „Kommunismus“ -der vielleicht missverstandenste Begriff der Neuzeit. Woran das liegt, ist die feste Überzeugung der Mehrheit zu wissen, ohne wirklich zu wissen; etwas hinzunehmen und nicht mehr zu hinterfragen. So lernen die Menschen diesen Begriff in Verbindung mit dem Kalten Krieg, mit Enteignung und Diktatur. Und so wird dieses Wort geprägt. Und niemand fragt sich, was es eigentlich bedeutet, weil jeder meint, es bereits zu wissen.

Dieses Missverständnis gilt es hier zu erläutern. Ich werde zeigen, wie Karl Marx den Kommunismus definierte, und anhand des Beispiels der UdSSR erläutern, wie die Versuche der Realisierung des Kommunismus in staatlichen Systemen aussahen und schließlich untersuchen, wie viel diese Umsetzungsversuche tatsächlich mit Karl Marx zu tun hatten. Es soll gezeigt werden, dass das wahre Gesicht des Kommunismus etwas ist, mit dem sich viele identifizieren, dem viele zustimmen würden...

...wenn denn der Begriff mit seiner dunklen Vergangenheit selbst nicht wäre, der die Menschen davor zurückschrecken lässt.

2 DIE IDEALE VON KARL MARX

ln diesem Kapitel widme ich mich den Ansichten und Idealen von Karl Marx. Dies ist angesichts der vielschichtigen Marx-Texte schwer; dennoch gilt es eine Übersicht über die wichtigsten Kernaussagen von Marx zu geben, damit im späteren Verlauf die Erkenntnisse auf andere Umstände übertragen werden können.

2.1 Karl Marx Ökonom oder Philosoph?

Marx’ unzählige Werke kreisen meist um den Begriff „Kapitalismus“. Er befasst sich mit unterschiedlichsten Facetten dieses Begriffes. So beschreibt Marx nicht nur in seinem Werk „Das Kapital“ in allen Einzelheiten, wie dieses System in der Praxis funktioniert, sondern auch in seinen anderen Schriften, wie dem „Manifest der Kommunistischen Partei“1 oder den „Politisch-Ökonomischen Manuskripten“2 geht es immerwieder um die Ökonomie.

Ist Marx also durch und durch ein Ökonom?

Die Antwort ist nein. Er versucht vielmehr mithilfe der Philosophie zu erfassen, wie der Kapitalismus andere Bereiche des Lebens beeinflusst. Man muss sich nämlich einer Tatsache bewusst sein:

Marx „[ist] und [bleibt] ein Philosoph und Soziologe, für den die Frage des Menschen die zentrale Frage ist.“3 Die wirtschaftlichen Bedingungen sind die „Basis der Gesellschaft“4. Sie bestimmen den Überbau und somit Kunst, Recht, Politik, Religion und Philosophie (Abb. 1)5. Es wird deutlich, dass trotz den detaillierten Beschreibungen der wirtschaftlichen Belange und dem Engagement von Marx bei der Frage, wie die Wirtschaft funktioniert, immer der Mensch im Vordergrund steht. Somit findet Marx über die Wirtschaft den Weg zum Menschen. „Das Bewußtsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß.“6 Und Marx betrachtete sehr genau das „Sein“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Basis-Überbau-Modell: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

2.2 Der Kapitalismus Wurzel allen Übels?

Kennzeichnend für Marx ist zunächst, dass die Weltgeschichte für ihn eine Reihe von Klassenkämpfen ist. Angelehnt an Hegel entsprechen die sich gegenüberstehenden Klassen sozusagen „These“ und „Antithese“ und der Kampf zwischen ihnen resultiert aufgrund des zunehmenden Antagonismus in einer „Synthese“, einer Art Kompromiss. Diese Synthese beschreibt eine Gesellschaftsform, zu der die MenschenMarxdurch diesen Kampf gelangen (Abb. 2)7. Marx widmete sich der modern-bürgerlichen Gesellschaft, also der Epoche des „Kapitalismus“. Die kapitalistische Gesellschaft ist für ihn klar getrennt in die Bourgeoisie, mit der er die Kapitalisten zusammenfasst, und die Arbeiterschaft, das sogenannte Proletariat. Er prophezeit eine unvermeidbare Revolution, aus der eine klassenlose Gesellschaft entstehen wird.

Doch zunächst wollen wir uns den „Kapitalismus“ genauer anschauen, denn den Kapitalismus zu verstehen ist der erste Schritt, um zu verstehen, was Marx kritisiert und worin er die Vorteile einer kommunistischen Gesellschaft für den Menschen sieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.1 Das Verhältnis zwischen Kapitalist und Arbeiter

Zuerst wollen wir uns das Verhältnis zwischen Arbeiter und Kapitalist genauer anschauen, da es uns als Ausgangspunkt für die weiteren Erläuterungen dient. Es sei gesagt, dass wir es hier mit einem Ungleichgewicht zu tun haben, da der Arbeiter vom Kapitalisten abhängig ist, der Kapitalist aber aufgrund des hohen Angebots von Arbeitskräften nicht auf den Arbeiter angewiesen ist. Sogar ohne Arbeiter ist der Kapitalist im Vorteil, ist Kapital doch nichts anderes, als aufgespeicherte Arbeit. Aus diesem Grund kann man sagen, dass letzterer länger ohne Arbeiter auskommt, als der Arbeiter ohne ihn89. Ein weiterer wichtiger Punkt um dieses Abhängigkeitsverhältnis deutlich zu machen ist die Feststellung, dass der Arbeiter „nicht notwendig mit dem Gewinn des Kapitalisten [gewinnt], aber er [notwendig mit ihm] verliert“10. Hat das Unternehmen nämlich Erfolg, bedeutet dies nicht eine automatische Verbesserung der Verhältnisse für den Arbeiter. Geht der Kapitalist jedoch in der Konkurrenz mit anderen Kapitalisten unter, so verliert der Arbeiter seinen Arbeitsplatz und damit seinen Lohn oder muss mit Lohnkürzungen rechnen. Auf diesen Beobachtungen baut Marx auf und zeigt, wie sich dieses Verhältnis für den Proletarierzunehmend verschlechtert.

2.2.2 Ausbeutung und Verelendung des Proletariats

Der zentrale Begriff, wenn man sich mit Marx und dem Arbeitslohn befasst ist der sogenannte „Mehrwert“. Dieser Mehrwert beschreibt die Ausbeutung, die das Proletariat durch die Bourgeoisie erleidet11.

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Abbildung 3: Warenumlauf: Proletarier unabhängig von Kapitalisten.

Beim normalen Warenkreislauf würde der Kunde den Proletarier bezahlen, woraufhin dieser ihm die von ihm produzierte Ware verkauft (Abb. 3)12. Hier haben wir es jedoch mit einem „erweiterten“ Kreislauf zu tun. Der Kunde bezahlt nicht den Produzenten, sondern den Kapitalisten. Dieser bezahlt wiederum den Proletarier, um die Ware zu produzieren13. Der Arbeiter wird jedoch nicht für den vollen Wert der Ware entlohnt, sondern nur mit einem Teil davon. Der übrig gebliebene Mehrwert ist der Profit des Kapitalisten (Abb. 4)14.

Will der Kapitalist seine Profitrate steigern oder muss er die Preise senken, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, kann er den Lohn des Arbeiters kürzen. Denn wie wir bereits festgestellt haben, ist der Arbeiter von ihm abhängig und wird die niedrigeren Löhne akzeptieren müssen. Ein weiteres Druckmittel des Arbeiters ist die Konkurrenz mit anderen Arbeitern, sodass er gezwungen ist, auch deswegen die niedrigeren Löhne anzunehmen15. So werden die Löhne nach einer Zeit überall auf ein ähnlich niedriges Niveau gedrückt, da das Proletariat, und damit die Konkurrenz untereinander, wächst. „Der Arbeiter sinkt immer weiter zum Pauper hinab.“16 Die Löhne sind dann gerade so hoch, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, den Arbeiter arbeitsfähig zu halten und die Arbeiterrasse nicht aussterben zu lassen. Dabei legt der Kapitalist nicht wert darauf, dass der „Mensch“ nicht aussterbe, sondern der „Arbeiter“. Der Arbeiter bekommt sozusagen das „Minimum“ von dem, was er bekommen kann17

Das Proletariat verelendet und hat keine Möglichkeit dem Kreislauf zu entkommen. „Je mehr sie verdienen wollen, desto mehr müssen sie ihre Zeit aufopfern und vollständig aller Freiheit sich entäußernd im Dienst der Habsucht Sklavenarbeit vollziehen.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Warenkreisiaiif: Der Proletarier ist abhängig und wird ausgebeutet vom Kapitalisten. Der Mehrwert ist der Profit des Kapitalisten.

Der Arbeiter kann lediglich arbeiten um zu leben. Damit wären wir beim nächsten entscheidenden Punkt.

2.2.3 Die Entfremdung des Arbeiters

Hier gelangen wir zu einem der wichtigsten Punkte, die Marx am Kapitalismus kritisiert hat. Dieser Bereich hat hauptsächlich mit dem Menschenbild von Marx zu tun und ist eng mit den zwei bereits genannten Punkten verwandt.

Mit der Entfremdung des Arbeiters ist Arbeit keine „Befriedigung der Bedürfnisse“ mehr, sondern vielmehr „Mittel, um die Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen“19. Der Arbeiter ist zum Einen entfremdet von dem Produkt seiner Arbeit. Das Produkt der Arbeit ist kein Produkt der eigenen kreativen individuellen Leistung, sondern ein vorgeschriebener Prozess, der den Menschen von seinem „Sein“ entfremdet. Der Arbeiter verkauft lediglich seine Arbeitskraft für Lohn. Das Produkt seiner Arbeit gehört ihm nicht, er kann sich nicht mit ihm identifizieren20. Zum anderen findet die Entfremdung statt, weil er gezwungen ist zu arbeiten, und dies nicht freiwillig tut, denn diese Arbeit gehört nicht „zu seinem Wesen“21. Die von den Kapitalisten vorgeschriebene Arbeit ist für den Arbeiter keine Selbstverwirklichung mehr, sondern lediglich ein Prozess, in dem der Arbeiter sich aufopfert, um überleben zu können. Die individuellen Bedürfnisse werden in den Hintergrund gestellt, da man zwangsweise, um seine Existenz zu erhalten, seine Bedürfnisse dem Kapitalisten unterordnen muss. Hier sieht Marx einen entschiedenen Gegensatz zur Natur des Menschen. Während ein Tier lediglich das produziert, was es braucht, abhängig von den physischen Bedürfnissen, ist der freie Mensch ursprünglich dazu fähig, frei von allem zu produzieren. Durch die Entfremdung jedoch ist ihm dies verwehrt, weil er nur noch arbeiten kann, um sich selbst am Leben zu erhalten; die Arbeit wird also Mittel zum Zweck und dadurch zum Tierischen. Marx beschreibt es sehr treffend indem er schreibt, dass durch die Entfremdung das „Menschliche zum Tierischen wird, und das Tierische zum Menschlichen.“22

2.2.4 Die Krisen des Kapitalismus

Die wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus sind aufgrund der Art, wie das System funktioniert, unausweichlich. Das kontroverse hierbei ist, dass es keine Krisen des Mangels sind, sondern Krisen der Überproduktion23.

Es ist das widersinnigste, das der Kapitalismus hervorbringt. Die Krisen entstehen dadurch, dass im Kapitalismus nicht gemäß den Bedürfnissen produziert wird. Der Kapitalist nutzt vielmehr die Arbeit des Arbeiters in jedem Arbeitstag voll aus. So kommt es zu einer Überproduktion und einem Angebot, wo keine Nachfrage besteht. Dies lässt die Preise sinken und damit auch den Lohn. Der Kreis setzt sich fort, da durch die niedrigeren Löhne der Konsum sinkt. Schließlich kommt es zu Entlassungen, da die Kapitalisten die Lohnkosten einsparen müssen, um ihre Ausgaben zu verringern, um möglichst wenig Verlust zu machen. Das Volk verhungert, obwohl zu viel da ist. Während die Ware im Überfluss vorhanden ist, ist kein Geld da, um die Lebensmittel zu erwerben. Es ist der größte Hohn derZeit, dass auf dem einen Erdteil die Menschen an Mangel leiden, während in den anderen Erdteilen wiederum Menschen leiden, jedoch am Überfluss. Diese Krisen liegen jedoch in der Natur des Systems24.

2.2.5 Fazit

Wir haben die entscheidenden Kritikpunkte von Marx bezüglich des Kapitalismus gesehen und können zusammenfassend sagen, dass der Arbeiter in diesem System eine sehr schwache Position hat. Seine Abhängigkeit vom Kapitalisten macht ihn unfähig sich zu wehren.

Man muss natürlich feststellen, dass auch der Kapitalismus nach Marx eine Synthese war, und somit ein Fortschritt im Bezug auf die Feudalgesellschaft (s. Abb. 2). Er hat für engere Handelsbeziehungen und Friedensverträge zwischen den Ländern gesorgt und das Leben modernisiert und für einen Aufschwung in der Wirtschaft gesorgt25. Doch diese anfänglichen Gewinne entpuppen sich als Habgier der Kapitalisten, die mit den Jahren, im Laufe der Polarisierung der Gesellschaft, immer mehr zum Vorschein kommt und sich doch immer auf neue Weise hinter Reformen zu verstecken weiß, das System ist eine Heuchelei seinesgleichen. Man muss zwangsläufig feststellen, dass all die freundschaftlichen Beziehungen und Friedensverträge oft nur aus der kalt kalkulierten Gier nach Profit hervorgehen, der sich im Frieden als größer erweist. „Die einzigen Räder, die die Nationalökonomie in Bewegung setzt, sind die Habsucht und der Krieg unter den Habsüchtigen, die Konkurrenz.“26

Wir haben auch festgestellt wie sehr der bereits erwähnte Überbau von den negativen Auswirkungen des Kapitalismus auf den Arbeiter leidet. „Ein Volk, damit es sich geistig frei ausbilde, darf nicht mehr in der Sklaverei seiner körperlichen Bedürfnisse stehen, nicht mehr der Leibeigene des Leibes sein. Es muss ihm vor allem Zeit bleiben, um geistig zu schaffen und geistig genießen zu können.“27 Gerade das ist dem Arbeiter im Kapitalismus nicht gegeben. Deswegen muss man Marx zustimmen wenn er schreibt „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“28 Denn nur der herrschenden Klasse ist die Möglichkeit gegeben, den Überbau zu formen, während das Proletariat arbeitet.

Und gerade dieses Proletariat wächst mit der Zeit und kann sich doch nicht gegen die zahlenmäßig weit unterlegenen Kapitalisten wehren. Das Proletariat wächst dabei nicht nur natürlich, sondern auch dadurch, dass die Konkurrenz der Kapitalisten untereinander die Bourgeoise in das Proletariat hinabwirft, sodass das Kapital anschließend in noch weniger Hände zentriert ist29. Die Kluft zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie wird immer größer. Es ist ein System, dessen ungerechte Natur erst mit der Zeit zum Vorschein kommt, da die Verhältnisse durch diesen Prozess immer deutlicher werden. Wir haben es also mit einem System zu tun in dem die wenigen wohlhabenden mithilfe ihres Kapitals über die von ihr abhängige Masse regieren. Man kann sagen, dass das Kapital gleichbedeutend Macht ist, denn erst mit dem Kapital gelangt man zur Freiheit, und erst durch diese Unabhängigkeit hat man wahre Macht. Zu beachten ist natürlich die Zeit, in der Karl Marx gelebt hat. Während es in diesem Kapitel oft zu verwischen scheint, ob die Epoche von Marx gemeint ist, oder die heutige muss ich spätestens an diesem Punkt hinzufügen, dass Marx Gedanken auf die Arbeiter der heutigen Zeit passen, denn wir leben immer noch im gleichen System wie Marx. Dieses System wurde lediglich reformiert, nicht aber grundlegend verändert. Auf diese Tatsache werde ich später Bezug nehmen.

2.3 Der Kommunismus Die Lösung aller Probleme?

Die Ungerechtigkeiten gegenüber dem Proletariat können nach Marx nur in einer Revolution resultieren. Diese letzte Synthese in der Weltgeschichte stellt der Kommunismus dar. Diese kommunistische Gesellschaft bezeichnet Marx als „notwendige Gestalt und [energisches] Prinzip der nächsten Zukunft“.30 Bekannt ist vor allem das von Marx und Engels verfasste „Manifest der Kommunistischen Partei“, was als Parteiprogramm dienen sollte. Das Manifest ist eine wichtige Quelle, wenn man wissen will, welche Ziele dieses System verfolgt.

Zunächst muss man feststellen, dass der Kommunismus nach Marx definitiv eine Folge des Kapitalismus ist. Eingeleitet wird die Revolution durch die unterdrückten Arbeiter, durch das Proletariat. Die Arbeiter kommen zusammen, um ihre Fesseln zu sprengen und die oben genannten Ungerechtigkeiten zu bekämpfen und es kommt zu einem Umsturz der Bourgeoisie. Die Zwischenstufe zwischen Kapitalismus und dem Kommunismus ist eine sozialistische Gesellschaft, in der die Produktionsmittel von der Bourgeoisie in die Hände des Proletariats übergehen. Die Verhältnisse kehren sich um, das Proletariat erhebt sich über die bis dahin herrschende Klasse. Was dann folgt, sobald die Versklavung und die ungerechte Verteilung der Güter umgekehrt ist, ist eine klassenlose, kommunistische Gesellschaft, in dem das Wohl der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht und es das Bestreben eines jeden ist, dieses Gemeinwohl zu fördern31.

2.3.1 Marx und die Demokratie

Während der Übergangsphase von der kapitalistischen in die kommunistische Gesellschaft, dem Sozialismus, spricht Marx von der „Diktatur des Proletariats“32. Dieser recht negative Begriff istjedoch sehr viel zivilisierter als man denkt. Man muss sich in Gedanken rufen, dass das Proletariat die breite Schicht ausmacht. Somit ist eine Diktatur des Proletariats der Demokratie ähnlicher als man annimmt. „Der erste Schritt der Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse beginnt mit der Erkämpfung der Demokratie.“33 So ist Marx der Ansicht, dass eine Revolution nur unter den Gesichtspunkten der Demokratie geführt werden kann. Der Impuls muss also von der Mehrheit kommen. Im späteren Verlauf werden wir sehen, wie gegen diesen zentralen Punkt bei Lenin verstoßen wird. Marx hingegen betont, dass der Anstoß zur Revolution vom Volk kommt. „Je länger die Ereignisse der denkenden Menschheit Zeit lassen, sich zu besinnen, und der leidenden, sich zu sammeln, umso vollendeter wird das Produkt in die Welt treten, welches die Gegenwart in ihrem Schoße trägt.“34 Dies heißt im Umkehrschluss, dass das „Produkt“, zwingt man ein Volk vorzeitig zum Kommunismus, unvollendet und wertlos ist.

Kommunismus und Demokratie schließen sich bei Marx folglich keinesfalls aus. Deutlich wird dies auch, wenn man auf die „Neue Rheinische Zeitung“ blickt, die Marx seit dem 1. Juni 1848 herausbrachte. Sie trug den Titel „Organ der Demokratie“.35 Den Kommunismus sieht Marx als radikale Demokratie, in der es keine Klassen mehr gibt, da die Klassengesetze in der Revolution aufgelöst werden. Die öffentliche Gewalt verliert den „politischen Charakter“36. Das Volk herrscht über sich selbst. Die „politische Gesellschaft“ wird zur „wirklichen Gesellschaft“.37 Die Macht liegt also voll und ganz beim Volk. Jeder soll am Staat teilhaben und mitbestimmen können38. Der Kommunismus scheint tatsächlich eine weiterentwickelte Form der Demokratie zu sein.

[...]


1 Vgl. : Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 459ff.

2 Vgl.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 38ff.

3 Zit.: Schaff, Adam: Marxismus und das menschliche Individuum. 1. Auflage. Wien; Frankfurt; Zürich: Europa Verlag, 1965.

4 Zit.: Brockhaus F.A. (2005): Der Jugend Brockhaus in drei Bänden. Zweiter Band: GRO-PIA. 6. Auflage. Leipzig: Brockhaus F.A., 2005, S. 263.

5 Vgl.: Engelhart, Klaus: Sozialkunde für die Jahrgangsstufen 11 und 12. 1. Auflage. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 2000, S. 343.

6 Zit.: Marx, Karl et. al. (1846): Die Deutsche Ideologie, MEW 3. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1962, S. 26.

7 Vgl.: Engelhart, Klaus et. al.: Sozialkunde für die Jahrgangsstufen 11 und 12. 1. Auflage. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 2000, S. 340.

8 Vgl.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 42.

9 Vgl.: Engels, Friedrich (1844): Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW 1.1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 508.

10 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 39.

11 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1863): Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2. Berlin: Dietz Verlag, 1974, S. 419.

12 Vgl.: Friedrich-Ebert-Stiftung: Karl Marx (1818-1883). Leben Werk Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier. 1. Auflage. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2005, S. 36.

13 Vgl.: Friedrich-Ebert-Stiftung: Karl Marx (1818-1883). Leben Werk Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier. 1. Auflage. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2005, S. 36.

14 Vgl.: Friedrich-Ebert-Stiftung: Karl Marx (1818-1883). Leben Werk Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier. 1. Auflage. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2005, S. 36.

15 Vgl.: Engels, Friedrich (1845): Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2. 1. Auflage. Berlin: Dietz "'/erlag, 1962, S. 306.

16 Zit.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz "'Verlag, 1964, S. 473.

17 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1849): Lohnarbeit und Kapital, MEW 6. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1961, S. 406.

18 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 40.

19 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 43.

20 Vgl. : Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz "'/erlag, 1964, S. 466.

21 Vgl.: Marx, Karl: Das Kapital. 39. Auflage. Berlin: Karl Dietz Verlag, 2008, S. 534.

22 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 43.

23 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1895): Das Kapital. Dritter Band, MEW 25. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 277.

24 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 468.

25 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 467.

26 Zit.: Marx, Karl et. al. (1848): Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW 40. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 511.

27 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S.45f.

28 Zit.: Marx, Karl et. al. (1845): Die Deutsche Ideologie, MEW 3. Berlin: Dietz Verlag, 1962, S. 46.

29 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 469.

30 Zit.: Fetscher, Iring et. al.: Karl Marx, Friedrich Engels. Studienausgabe II. Politische Ökonomie. 1. Auflage. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004, S. 113.

31 Vgl. : Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 481.

32 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1875): Kritik des Gothaer Programms, MEW 19. Berlin: Dietz Verlag, 1962, S. 29.

33 Zit.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz ''Verlag, 1964, S. 481.

34 Zit.: Marx, Karl et. al. (1844): Briefe aus den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“, MEW 1. 1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 343.

35 Vgl.: Friedrich-Ebert-Stiftung: Karl Marx (1818-1883). Leben Werk Wirkung bis zur Gegenwart. Ausstellung im Geburtshaus in Trier. 1. Auflage. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2005, S. 47.

36 Zit.: Marx, Karl et. al. (1848): Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4. 1. Auflage. Berlin: Dietz ''Verlag, 1964, S. 482.

37 Zit.: Marx, Karl et. al. (1843): Kritik des Hegelschen Staatsrechts, MEW 1. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 324.

38 Vgl.: Marx, Karl et. al. (1843): Kritik des Hegelschen Staatsrechts, MEW 1.1. Auflage. Berlin: Dietz Verlag, 1964, S. 324.

Details

Seiten
47
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656021544
Dateigröße
4.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178992
Institution / Hochschule
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium,Trier
Note
15 Punkte
Schlagworte
Kommunismus Karl Marx

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