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Caracalla und Geta - Bruderhass statt Bruderliebe

Eine Ursachenforschung

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Einführung in die Thematik, Fragestellung und Methodik der Arbeit

B) Darstellung der Rechercheergebnisse
1. Das Verhältnis zwischen Caracalla und Geta zu Lebzeiten ihres Vaters
1.1. Die Entwicklung von Rivalität und Feindschaft
1.2. Die Ursachen der Feindschaft
2. Die Charaktereigenschaften von Caracalla und Geta
3. Das Verhältnis zwischen Caracalla und Geta nach dem Tod des Vaters
3.1. Der Britannienfeldzug und die Reise nach Rom
3.2. Der Machtkampf in Rom und Getas Ermordung

C) Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellung

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Tabellenanhang

A) Einführung in die Thematik, Fragestellung und Methodik der Arbeit

Das Thema dieser Arbeit ist die Beziehung zwischen Publius Septimius Geta (genannt Geta) und seinem Bruder Marcus Aurelius Severus Antoninus.1 Aufgrund seiner Vorliebe für einen keltischen Kapuzenmantel erhielt Letzterer den Spitznamen Caracalla.

Beide waren Söhne des römischen Kaisers Lucius Septimius Severus und seiner Frau Julia Domna und wurden Nachfolger ihres Vaters auf dem Kaiserthron.

Caracalla ermordete kurz nach Beginn der gemeinsamen Regentschaft seinen Bruder Geta und übernahm die Alleinherrschaft.

Die römische Geschichte ist zwar Schauplatz einer Vielzahl von politischen Morden, ein Brudermord ist trotzdem ein seltenes Ereignis.

Die Ermordung Getas durch seinen Bruder lässt bereits auf ein äußerst zerrüttetes Verhältnis schließen. Doch war dieses Ende ein Produkt eines plötzlichen Ereignisses oder vielmehr einer schleichenden Entwicklung?

Weiterhin ist von Interesse, warum an die Stelle einer zu erwartenden engen Blutsbande eine Feindschaft treten konnte, die sogar stark genug war, um in einem Mord zu enden.

Zur Klärung dieser Fragen werden hauptsächlich die Quelltexte von Herodian und Cassius Dio sowie die Historia Augusta herangezogen. Basierend auf diesen Informationen soll die Entwicklung der Bruderbeziehung von Kindheit an nachvollzogen werden. Außerdem sollen die Ursachen für die negative Richtung dieser Entwicklung erhellt werden.

Die Recherchen zu diesem Thema ergaben keine Arbeit, welche sich ausschließlich und explizit mit derselben Thematik befasste.

Die wertvollsten Informationsquellen für diesen Text waren die bereits genannten antiken Quelltexte. Besonders hilfreich bei deren Bewertung war der im Anhang genannte Aufsatz von Géza Alföldy.

B) Darstellung der Rechercheergebnisse

1. Das Verhältnis zwischen Caracalla und Geta zu Lebzeiten ihres Vaters

1.1. Die Entwicklung von Rivalität und Feindschaft

Zu Beginn soll die Entwicklung des zwischenmenschlichen Verhältnisses der beiden Brüder nachgezeichnet werden. Dies soll begreiflich machen, wie es zu einem solch tragischen Ende der Bruderbeziehung kommen konnte.

„Caracalla war seit den Kindertagen mit seinem Bruder verfeindet.“2 Die Historia Augusta versucht diese Feindschaft sogar noch früher bis zum Zeitpunkt der Geburt Getas zurückzudatieren. So soll während dessen Geburt eine Henne ein purpurfarbenes3 Ei gelegt haben, welches von Caracalla zerstört wurde. Dies wird in der Historia Augusta als Hinweis auf den späteren Brudermord ausgelegt.

Frühe realistische Hinweise auf ein gespanntes Verhältnis der beiden finden sich im Geschichtswerk des Herodian. Seiner Schilderung nach „gerieten die Brüder miteinander in Streit, zunächst schon als Kinder in der Rivalität von Wachtel- und Hahnenkämpfen und in Ringkämpfen gegeneinander.“4

Diese Rivalität im Kindesalter ist zwischen Brüdern nachvollziehbar, besonders wenn der Altersunterschied nur 11 Monate betrug, wie es bei Caracalla und Geta der Fall war.

Die Situation verschlechterte sich jedoch zusehends. Als junge Erwachsene zeigten beide reges Interesse an den Vergnügungen, welche die Metropole Rom bot.5 Die geschah jedoch nicht in Eintracht, „sondern alles, was dem einen lieb war, war dem anderen verhasst“.6

Septimius Severus sorgte sich wegen dem nicht standesgemäßen Lebenswandel und der gegenseitigen Feindschaft seiner Söhne. Um die Ausschweifungen von Caracalla zu begrenzen, verheiratete Septimius Severus seinen Sohn mit der Tochter des mächtigen Prätorianerpräfekten Plautianus.7

Als Plautianus unter Mitwirkung des Caracalla starb, konnte dieser seinen Einfluss als Zuchtmeister nicht mehr ausüben und das Verhalten der Kaisersöhne änderte sich noch mehr zum Schlechteren. „Sie schändeten Frauen, mißbrauchten [sic] Knaben, veruntreuten Gelder und machten Gladiatoren und Wagenlenker zu ihren Gefährten“.8 All diese Aktivitäten waren geprägt von gegenseitigem Konkurrenzdenken, was unter Anderem zu einem Unfall beim Wagenrennen führte. Bei diesem neuerlichen Ausdruck der Rivalität brach sich Caracalla ein Bein,9 was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verstärkung der feindseligen Gefühle führte.

Weder Drohungen noch Ermahnungen,10 noch die Verlegung des kaiserlichen Hofs weg von den Verlockungen Roms nach Kampanien,11 änderten das Verhalten der beiden Brüder.

Caracalla und Geta waren sich nur bezüglich ihrer gegenseitigen Abneigung einig und zeigten keinerlei Mäßigung. Ihrem Vater kam ein anstehender Feldzug in Britannien deswegen zur rechten Zeit, obwohl er gesundheitlich bereits schwer angeschlagen war und ihm vorausgesagt wurde, dass er dort den Tod finden würde.12 Er hoffte jedoch auf einen positiven Einfluss des Soldatenlebens auf den Charakter seiner Söhne.13

In der Beschreibung des Verhältnisses zwischen Caracalla und Geta in jungen Jahren sind sich alle drei verwendeten Quellentexte in der Kernaussage einig. Zwar ist dieser Zeitraum hauptsächlich durch Herodian ausführlich beschrieben, aber auch Dio und die HA erwähnen die schon früh hervortretende Feindschaft der beiden Brüder, weswegen dies als historisch gesichert angesehen werden kann.

[...]


1 So lautete sein Name seit 198, sein Geburtsname war Bassianus. Vgl. Birley, A.R.: s.v. Caracalla, in: DNP 2 (1997), S. 980f.

2 Heuß, A.: Römische Geschichte, Paderborn (u.a.) 2001, S 358.

3 Purpur wurde in der Prinzipatszeit zum Ornat des Princeps. Vgl. Schneider, H.: s.v. Purpur, in: DNP 10 (2001), S. 605.

4 Herodian. 3,10,3.

5 Herodian. 3,10,3.

6 Herodian. 3,10,4.

7 Vgl. Herodian. 3,10,5.

8 Cass. Dio 77,7,1.

9 Vgl. Cass. Dio 77,7,2.

10 Vgl. Herodian. 3,13,5.

11 Vgl. Herodian. 3,13,1.

12 Vgl. Cass. Dio 77,11,1-2.

13 Vgl. Herodian. 3,14,2.

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656012818
ISBN (Buch)
9783656013082
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179005
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Römische Kaiser Severer

Autor

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