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Medien und Öffentlichkeit

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition System
2.1 Soziologische Systemtheorie
2.2 Funktionssystem

3. Medien und Massenmedien
3.1 Medien
3.2 Massenmedien und Massenkommunikation
3.2.1 Massenmedien
3.2.2 Massenmedien als System
3.2.3 Funktionen von Massenmedien

4. Öffentlichkeit
4.1 Merkmale von Öffentlichkeit
4.2 Funktionen von Öffentlichkeit / Öffentlichkeitsmodelle
4.3 Akteure und Rollen der Öffentlichkeit
4.3.1 Akteur
4.3.2 Sprecher
4.3.3 Vermittler oder Kommunikateure
4.3.4. Publikum
4.4 Ebenen von Öffentlichkeit
4.4.1 Problematik der Ebenen der Öffentlichkeit

5. Medien und Öffentlichkeit
5.1 Aspekt der Gegenöffentlichkeit

6. Fazit und Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ebenen der Öffentlichkeit (Donges/Jarren)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

Der Begriff der Öffentlichkeit ist eine zentrale Kategorie zum Verständnis von Gesellschaft.

„Wenn wir als zentralen Wert der Moderne die „demokratische Selbstherrschaft“ bezeichnen, dann ist damit impliziert, dass eine Gesellschaft auf sich selbst einwirken kann. Um dies zu kön- nen, braucht es für die Bürgerinnen und Bürger einen politischen Begriff „ihrer“ Gesellschaft und die Wahrnehmung eines gemeinsamen politischen Geltungsbereichs. (...) Beides, der politi- sche Begriff von „ihrer“ Gesellschaft wie die Möglichkeit, dass diese Bürgergesellschaft auf sich selbst einwirken kann, setzt öffentliche Kommunikation voraus. In dieser Öffentlichkeit, und nur in dieser, ist das, was wir in politischem Sinne Gesellschaft nennen, beobacht- und gestaltbar.“1 Auf der anderen Seite erzeugt die Existenz von Massenmedien und das stattfinden von Mas- senkommunikation Bedingungen, die eine spezifische Strukturiertheit von Gesellschaft ermögli- chen,Teile der Gesellschaft miteinander verbinden und Ordnung herzustellen.2

Ziel dieser Arbeit ist es, Grundbegriffe der Soziologie und der Öffentlichkeit mit dem Medien- begriff zu verknüpfen und zu erörtern um festzustellen, wie Öffentlichkeit definiert und durch Medien hergestellt werden kann.

Hierzu wird zunächst in Kapitel zwei auf den systemtheoretischen Hintergrund von Öffentlich- keit eingegangen. Im darauffolgenden dritten Kapitel werden die Begriffe Medien, Massenme- dien und Massenkommunikation vorgestellt. Hierbei wird ihr Zusammenhang sowohl zum in Kapitel zwei vorgestellten systemtheoretischen Konzipierung als auch auf ihre Funktion an sich eingegangen. Kapitel vier ist der Erläuterung des Öffentlichkeitsbegriffs, ihrer Funktionen und Akteuere gewidmet, welche dann in Kapitel fünf mit dem Medienbegriff zusammengeführt wer- den. Den Abschluss der Arbeit bildet Kapitel sechs mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und dem Fazit.

2. Definition System

Der Begriff „System“ (von Griechisch: „Systema = das Zusammengesetzte“) bezeichnet die Anordnung von mehreren Teilen zu einem geordneten, strukturierten bzw. gegliederten Gan- zen, welches jedoch kein additives Gebilde darstellt, sondern mehr als die Summe seiner Ein- zelteile ist. Die Elemente dieses „Gebildes“ sind in irgendeiner Weise miteinander verbunden bzw. organisiert3 und „haben die Funktion der Erfassung und Reduktion von Komplexität.“4 Ein System konstituiert sich aber auch durch die Abgrenzung von seiner Umwelt und durch seine Beziehung zu der abgegrenzten Umwelt.5 Diese Unterschiedlichkeit der Beziehung konstituiert eine Systemgrenze, die System und Umwelt trennt.6 Das bedeutet, letztlich kann alles als System betrachtet und analysiert werden, d.h. unter dem Gesichtspunkt seiner inneren Organisation und seiner Beziehung zur Umwelt.7

„Das Denken in Systemen, das zwar schließlich in Systemtheorie(n) resultiert, kann denn auch sehr wohl zugleich alsVerfahren, als methodischesVorgehen begriffen werden, dessen Besonder- heit eben darin liegt, einen realen Untersuchungsbereich in der Perspektive der ihn konstituie- renden Elemente, ihrer Eigenschaften, insbesondere jedoch der Beziehungen zwischen diesen Elementen (bzw. Eigenschaften), schließlich zwischen System (und Systembestandteilen) und einer System-Umwelt zu betrachten.“8

2.1 Soziologische Systemtheorie

Die „allgemeine Systemtheorie ist die zusammenfassende Bezeichnung für Theorien in unter- schiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, die nicht nur durch die gemeinsame Verwendung des Systembegriffs, sondern v.a. durch das Forschungsleitende Programm verbunden sind, empi- rische Gegenstände als von ihrer Umwelt abgegrenzte, strukturierte Verknüpfung von Elemen- ten zu analysieren, die mit ihrer Umwelt in Austauschbeziehung stehen.“9

Der Ursprung der Systemtheorie hat sich in den 40er - und 50er Jahren in den Vereinigten Staa- ten herausgebildet. Es werden im wesentlichen zwei Bereiche unterschieden10:

- Strukturell-funktionale Theorie (TALCOTT PARSONS)
- Theorie komplexer sozialer Systeme (NIKLAS LUHMANN)

Im Weiteren ist, wenn von Systemtheorien die Rede ist, die autopoitische Systemtheorie von LUHMANN gemeint. LUHMANNS Theorie unterscheidet vier Systemtypen: Maschinen, biolo- gische Systeme (= Organismen), psychische Systeme (= Bewusstseine) und soziale Systeme. Die folgenden Ausführungen werden sich nur auf die sozialen Systeme beziehen, deren Mittelpunkt nicht der Mensch als Individuum sondern die Kommunikation in und um das System bildet.11

2.2 Funktionssystem

Moderne soziale Funktionssysteme haben sich laut LUHMANN entwickelt, um eine spezifische Funktion für die Gesamtgesellschaft wahrzunehmen. „Funktionale Differenzierung meint also nichts anderes als die nach Funktionen organisierte arbeitsteilige Gliederung der Gesellschaft. Soziale Funk- tionssysteme sind bei LUHMANN die Wirtschaft, die Politik, die Religion, die K unst, das Recht, die Wissenschaft, die Erziehung, die Familie bzw. Intimbeziehung und schließlich auch die Massenmedien.“12 Jedes Funktionssystem nimmt dabei eine spezifische (Primär-) Funktion in der Gesamtgesellschaft wahr und erfüllt spezifische Leistungen für andere Funktionssysteme wie beispielsweise das Herstel- len kollektiv verbindlicher Entscheidungen als Funktion der Politik, oder die Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung der Gesellschaft als Funktion der Massenmedien.13 „Soziale Funktionssysteme verfügen außerdem zwingend über einen binären Code, eine Art Duplikationsregel, die darüber ent- scheidet, was zum System gehört bzw. verarbeitet wird und was nicht.“14

Soziale Funktionssysteme bestehen laut LUHMANNS Systemtheorie also nicht aus Personen oder Menschen, Handlungen oder Entscheidungen sondern aus Kommunikation.15 „Der Begriff der Kommunikation selbst ist bei Luhmann abstrakt definiert als dreistellige Selektion aus Infor- mation, Mitteilung und Verstehen.“16

3. Medien und Massenmedien

Kommunikation bezeichnet sowohl in den Geistes- und Sozialwissenschaften als auch in den tech- nischen Wissenschaften den Prozess des Austauschs von Informationen zwischen Sender und Empfänger. Damit Kommunikation stattfinden kann, benötigen Sender und Empfänger ein Medium, um Inhalte und Botschaften transportieren und übertragen zu können.17

Die Bedeutung der Begriffe „Medien und Massenmedien“ werden in diesem Kapitel vorgestellt.

3.1 Medien

Eine Basisdefinition des Mediumsbegriffs gibt es nicht. Das Wort „Medium“ stammt aus dem la- teinischen und bedeutet „in der Mitte befindlich“. 18 Von den vielen Bedeutungen ist soziologisch nur die ursprüngliche spiritistische relevant: „Das Medium ist in dieser Bedeutung eine Dritte Figur, die Nachrichten von jemand Anderem empfängt und sie an einen weiteren Anderen, für den der erste abwesend ist, weitergibt – übermittelt.19 Folglich kann als Medium bezeichnet werden, „was für Menschen ein (bedeutungsvolles) Zeichen (oder einen Zeichenkomplex) mit Hilfe geeigneter Transmitter ver-mittelt, und zwar über eine zeitliche und/oder räumliche Dis- tanz hinweg.“20 Es handelt sich dabei um „gesellschaftliche Einrichtungen oder Technologien, die entweder materiell oder symbolisch vermitteln und dabei eine besondere Problemlösungsfunk- tion übernehmen.“21 Damit bilden Medien eine technische und organisatorische Infrastruktur für Kommunikation, mit Hilfe derer publizistische Aussagen an die Öffentlichkeit weitergeleitet werden. In der Kommunikationstheorie wird der Kommunikationsvorgang zunächst als ein re- ziproker Prozess dargestellt, der durch eine Antwort des Empfängers (= Feedback) am Laufen gehalten wird.22

3.2 Massenmedien und Massenkommunikation

In der Massenkommunikation spricht man statt von Sendern und Empfängern (vgl. Kommunika- tionsprozess) von Kommunikatoren und Rezipienten, welche über Massenmedien kommunizie- ren. Problematisch bei der Massenkommunikation ist, dass die Anwortschleife (= Feedback des Rezipienten) nicht über den Kanal (= Medium) der ursprünglichen Mitteilung stattfinden kann. Man spricht daher bei der Massenkommunikation der klassischen Medien (Print / Rundfunk) von einer Einweg-Kommunikation. Lediglich die neuen Medien wie der Internet-Chat oder E- Mails bieten die Möglichkeit des Feedbacks in der Massenkommunikation.23

3.2.1 Massenmedien

Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es auch für die Massenmedien nicht. Man versteht unter Massenmedien sämtliche Print- und elektronischen Medien (Bücher, Printprodukte, Radio, Fernsehen, CD, DVD, Internet), die sich mit hohen Auflagen oder einer hohen elektronischen Verbreitung an ein örtlich verstreutes, weitgehend anonymes Publikum richten.24

[...]


1 Imhof, Kurt: Medien und Öffentlichkeit in Jäckel, Michael (Hrsg.): Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Wies- baden 2005, S. 273

2 Vgl. Jäckel, Michael (Hrsg.): Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Wiesbaden 2005, S.11 und 18

3 Vgl. Saxer, Ulrich: Systemtheorie und Kommunikationswissenschaft, in: Burkart, Roland / Hömberg, Walter (Hg.): Kommunika- tionstheorien. Ein Textbuch zur Einführung. 3. Auflage. Wien 2004, S.85

4 Kohring, Matthias: Öffentlichkeit als Funktionssystem der modernen Gesellschaft, in: Ziemann, Andreas (Hg.): Medien der Gesellschaft - Gesellschaft der Medien. Konstanz 2006, S.162

5 Vgl. Maletzke, Gerhard: Massenkommunikationstheorien. Tübingen 1998, S.44f

6 Maletzke, Gerhard: Kommunikationswissenschaft im Überblick. Grundlagen, Probleme, Perspektiven. Wiesbaden 1998, S.125

7 Vgl. Maletzke, Gerhard: Massenkommunikationstheorien. Tübingen 1998, S.46

8 Saxer, Ulrich: Systemtheorie und Kommunikationswissenschaft, in: Burkart, Roland / Hömberg, Walter (Hg.): Kommunikations- theorien. Ein Textbuch zur Einführung. 3. Auflage. Wien 2004, S.85

9 Kopp, Johannes / Schäfers, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie. 10. Auflage. Wiesbaden 2010, S.285

10 Vgl. Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie. 5. Auflage. Heidelberg 2009, S.12

11 Vgl. Weber, Stefan (Hrsg.): Theorie der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus. Konstanz 2003, S.207f

12 Ebd., S.208

13 Vgl. ebd., S.209

14 Ebd., S.210

15 Vgl. ebd., S.210

16 Ebd., S.210

17 Vgl. Rota, Franco P. / Fuchs, Wolfgang: Lexikon Public Relations. 500 Begriffe zu Öffentlichkeitsarbeit, Markt- und Unterneh- menskommunikation. München 2007, S.214

18 Vgl. Schellmann, Bernhard / Baumann, Andreas/ Gaida, Peter / Glaser, Martin / Kegel, Thomas: Medien. Verstehen – gestal- ten – produzieren. 4. Auflage. Goch 2008, S.12

19 Fischer, Joachim: Das Medium ist der Bote. Zur Soziologie der Massenmedien aus der Perspektive eines Dritten, in: Ziemann, Andreas (Hg.): Medien der Gesellschaft – Gesellschaft der Medien. Konstanz 2006, S.21

20 Neumann-Braun, Klaus: Medien – Medienkommunikation, in Neumann-Braun, Klaus / Müller-Doohm, Stefan (Hrgs.): Medi- en- und Kommunikationssoziologie. Eine Einführung in zentrale Begriffe und Theorien. München 2000, S.30

21 Ziemann, Andreas: Soziologie der Medien. Bielefeld 2006, S.17

22 Vgl. Rota, Franco P. / Fuchs, Wolfgang: Lexikon Public Relations, S.214

23 Vgl. ebd., S.217

24 Vgl. ebd., S.264

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656013495
ISBN (Buch)
9783656020875
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179055
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart – Electronic Media
Note
1,3
Schlagworte
Mediensoziologie Öffentlichkeit Medien Massenmedien Massenkommunikation Merkmale von Öffentlichkeit Funktion von Öffentlichkeit System Soziologische Systemtheorie

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Titel: Medien und Öffentlichkeit