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Identität stiftende Elemente in Hamid Sadrs "Der Gedächtnissekretär"

Studienarbeit 2008 24 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung der Arbeitsmethoden bezüglich des Interviews

3. Biographie Hamid Sadrs und Inhaltsangabe von Der Gedächtnissekretär

4. Persische Intertexte

5. Sprache und Schrift

6. Speisen und Gerüche

7. Exkurs: Nationalsozialismus und gegenwärtige Vergangenheit im Vergleich mit Thomas Bernhards Heldenplatz

8. Schlusswort

9. Bibliographie

1. Einleitung

In meiner Arbeit behandle ich das Thema der Identität stiftenden Elemente in Hamid Sadrs Roman Der Gedächtnissekretär. Für diese Arbeit wurde ein Interview mit dem Autor abgehalten. Das der Einleitung folgende Kapitel beschäftigt sich also mit der Erläuterung meiner Arbeitsweise, wie dieses Interview gestaltet wurde, welche Form des Interviews gewählt wurde und wie die Ergebnisse innerhalb der Arbeit ausgewertet werden.

Nach einer kurzen Abhandlung über die Biographie Hamid Sadrs und einer Inhaltsangabe von Der Gedächtnissekretär gehe ich dazu über, in den folgenden Kapiteln meine These zu bestätigen. Diese lautet wie folgt:

In Der Gedächtnissekretär gibt es vier Arten von Identität stiftenden Elementen: Den Umgang mit persischer Literatur, mit Sprache und Schrift, die Funktionalisierung von Speisen und Gerüchen und zum Schluss das Vergegenwärtigen von Vergangenheit.

Das erste genannte Element zeigt sich in der Verwendung von persischen Intertexten, denen eine besondere Funktion zukommt. Kurz angerissen werden auch deutsche Intertexte, das Hauptaugenmerk liegt aber auf der iranischen Literatur als Identitätsbewahrer. Die Sprachverwendung kann in zwei Ebenen unterteilt werden: Die persische Sprache als Ruhe- und Fluchtort und die deutsche Sprache als Verfremdung. Während die Erhaltung der persischen Sprache zur Erhaltung von Ardis Identität beiträgt, bedeutet der Verlust dieser Sprache und das Eintreten in die Welt der deutschen Sprache gleichzeitig den Verlust eines Teils seiner persischen Identität, seiner Kindheit. Dafür schafft er es, sich stark in die Kriegsgeschehnisse hineinzuversetzen und sie bis zu einem gewissen Grad auch zu verstehen, bzw. in seinem Geist selbst zu erleben und für sich spürbar zu machen. Auch mit dem Kochen, bzw. Essen von Speisen verhält es sich ähnlich. Während fremdländische, orientalische Gerüche ihn wieder nach Persien zurückversetzen und ihn in Kontakt mit seiner iranischen Identität bringen, wird dem Roman durch die Erwähnung von österreichischen Speisen ein Lokalkolorit verliehen. Somit sind auch diese Teil einer persischen oder österreichischen Identität.

Ein eigenes Kapitel bekommt auch das Thema Nationalsozialismus. Sadr bedient sich hier der literarischen Vergegenwärtigung von Vergangenheit, um aufzuzeigen, dass sich in Österreich noch immer eine gewisse nationalsozialistische Gesinnung bemerkbar macht. Insofern ist auch diese ein Teil österreichischer Geschichte und österreichischer Identität. Um dieses Verfahren zu verdeutlichen, wird in einem kurzen Exkurs der Roman mit Thomas Bernhards Stück Heldenplatz verglichen, der hier ähnlich vorgeht und die nationalsozialistische Vergangenheit vergegenwärtigt.

2. Erläuterung der Arbeitsmethoden bezüglich des Interviews

Ergänzend zu meinen eigenen Beobachtungen und der Verwendung von Sekundärliteratur, wurde auf meinen Wunsch am 24. November ein Interview mit dem Autor, Hamid Sadr, abgehalten. Es handelt sich dabei um ein problemzentriertes Interview, wie es von Philipp Mayring in seiner Einf ü hrung in die qualitative Sozialforschung beschrieben wird. Es dient dazu, subjektive Bedeutungen in Erfahrung zu bringen, die von dem Interviewpartner selbst eruiert werden. Dem Interview wird dabei durch einen Interviewleitfaden eine Struktur verliehen, der Interviewpartner wird auf bestimmte Fragestellungen hingelenkt, letztendlich soll dieser aber offen auf die Fragestellungen reagieren.1

Zur weiteren Auswertung dieses Interviews soll das Verfahren einer qualitativen Inhaltsanalyse herangezogen werden, die Mayring wie folgend beschreibt: „Qualitative Inhaltsanalyse will Texte systematisch analysieren, indem sie das Material schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriesystemen bearbeitet.“2 Das Material soll so reduziert werden, dass nur die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben.3 „Das Ergebnis dieser Analyse ist“ dann „ein Set von Kategorien zu einer bestimmten Thematik, dem spezifische Textstellen zugeordnet sind.“4

Da zur Zeit des Interviews von meiner Seite aus noch kein bestimmter Ansatz zu dem Roman Der Gedächtnissekretär fixiert wurde, da ich erst sehen wollte wie viel Stoff ein bestimmter Ansatz zu bieten hat, gibt es sehr verschiedene Fragen, die mit Herrn Sadr selbst oder seinem Roman zu tun haben. Um das Material trotzdem zu strukturieren und auf die für diese Arbeit relevanten Stellen zu reduzieren, wurden Kategorien in Form von Überschriften gebildet, z. B. Sprache und Schrift, persische Intertexte, Speisen und Gerüche und Nationalsozialismus. Diesen werden, wie bei Mayring beschrieben, gewisse Textpassagen und Zitate aus dem Interview zugeordnet und in den Kontext der Thematik meiner Arbeit eingebettet.5

3. Biographie Hamid Sadrs und Inhaltsangabe von Der Gedächtnissekretär

Hamid Sadr wurde am 12. Dezember 1946 in Teheran geboren. Mit dem Schreiben begann er bereits in seiner Schulzeit, als er das Gymnasium besuchte. Er veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten und schließlich seinen ersten Roman Die Geschichten der Gasse (1966). Ein Jahr darauf erschien sein zweites Buch, Die Geschichten der m ü den Taube. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des neu gegründeten Schriftstellerverbandes im Iran. Er absolvierte schließlich den Militärdienst im Süden des Iran und schrieb währenddessen an seinem neuen Buch Streik der Nachtfalter, das erst 1969 erschien. Zu dieser Zeit studierte Hamid Sadr gerade Chemie in Wien. Während seines Aufenthaltes in Österreich verbot man den Schriftstellerverband im Iran. Hamid Sadr wurde zum Außenkorrespondent seines Verbandes, um sich für dessen Legalisierung zu engagieren. Der Aufenthalt in Österreich entwickelte sich schließlich zum Exil, da Hamid Sadr sich für die Studentenbewegung im Iran einzusetzen begann und in der oppositionellen Mosadegh-Bewegung aktiv wurde. Schließlich wurde er zum ersten Mal Opfer der Zensur und die Veröffentlichung seines neuen Romanes gestaltete sich als schwierig.

Nach 1979 zog er von Wien nach Paris um und weigerte sich aufgrund der politischen Ereignisse in den Iran zurückzukehren. Er wurde außerdem Mitglied der Widerstandsbewegung unter Schapur Bakhtiar, der 1991 ermordet wurde. Danach kehrte er wieder nach Wien zurück und begann seine Bücher auf Deutsch zu schreiben.

1994 erschien sein erster in deutscher Sprache verfasster Roman Gesprächszettel an Dora. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, wie z. B. mit dem Staatsstipendium für Literatur und dem 2. Literaturpreis Schreiben zwischen den Kulturen.

Heute denke, entwerfe und schreibe ich auf Deutsch. Ich arbeite sehr lange an meinen Texten und korrigiere sie immer wieder, bis ich endlich das Gefühl habe, dass sie ident mit dem sind, was ich sagen will. Man sagt mir, dass dabei eine merkwürdige Mischung von fremden - vielleicht auch persischen Bildern - entsteht. Das kann ich selbst aber nicht so gut beurteilen. 6

Der Gedächtnissekretär erschien 2005 im Deuticke Verlag. Der Roman handelt von dem persischen Chemiestudenten Ardi, der ständig unter finanzieller Not leidet. Deswegen nimmt er den Auftrag eines alten Mannes, Herrn Sohalt, an, der ihn bittet, einen Band aus alten Fotografien zusammenzustellen, in dem das zerbombte und zerschossene Wien dokumentiert wird. Vor allem sollen die Wunden, die an den Häusern und Bauten sichtbar wurden, zu sehen sein. Ardi, den Sohalt auch seinen Gedächtnissekretär nennt, soll die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Aufnahmen und den Zeiten rekonstruieren.

Zuerst bedeutet diese Arbeit ein Stück Alltagsbewältigung für Ardi, schließlich wird er aber von einer geistigen Bilderflut überwältigt. Dazu kommt seine schwierige Lebenssituation, der finanzielle Mangel und die Delogierung durch den Besitzer des Mietshauses, in dem er wohnt. Er bekommt mehr und mehr das Gefühl, dabei gewesen zu sein und erliegt schließlich seinen Phantasien vom 2. Weltkrieg. Am Ende des Buches ist zwar seine Wohnsituation wiederhergestellt, doch Ardi bemerkt, dass er krank ist und lässt sich freiwillig in die Psychiatrie des Otto Wagner Spitals einliefern.

4. Persische Intertexte

In meiner Arbeit wird von dem von Gerard Genette geprägten Begriff der Transtextualität ausgegangen. Intertextualität ist eine Unterkategorie von Transtextualität. Darunter versteht Genette die „Beziehung der Kopräsenz zweier oder mehrerer Texte, d. h. in den meisten Fällen [...] als effektive Präsenz eines Textes in einem anderen Text.“7 Diese effektive Präsenz der persischen Intertexte kommt in Der Gedächtnissekretär durch die Nennung von Autoren- und Büchernamen zustande. Im Roman fallen Namen wie Molana Dschala od-Din Rumie, Nasser Khosrou, Omar Khajam und Hafes. Die Hauptfigur, Herr Ardi, besitzt einige Bücher dieser Autoren und Dichter. Allgemein betrachtet, sagt der Besitz dieser Bücher für den persischen Leser oder den Kenner von persischer Literatur etwas über Herrn Ardi aus, denn dies soll zeigen, dass Herr Ardi ein gebildeter Mensch ist, weil alle diese hier aufgezählten Werke zu einem Kanon von Standardwerken gehören, die der durchschnittliche gebildete Iraner gelesen haben sollte.

Widmen wir uns nun vorerst der Szene, in der Herr Ardi in das Miethaus zurückkehren will, um die Miete zu bezahlen und seine Wohnung wieder bewohnen will. Er findet sie aber bereits vermietet vor, seine Sachen hat man in Kisten verpackt und in einen Schuppen auf den Boden geworfen. Unter diesen Sachen befinden sich auch einige Bücher, zum Beispiel Safarnam é von Nasser Khosrou. Es befindet sich nicht ohne Grund unter seinen Sachen, denn ihm kommt eine spezielle Funktion zu. Nasser Khosrou war ein persischer Dichter. Er schrieb philosophische und theologische Schriften, Gedichtsammlungen und Prosa. Er unternahm eine Pilgerreise zu den heiligen Städten des Islam und hielt sich einige Zeit in Ägypten auf. Diese Reise hat er in Safarnam é dokumentiert. Hamid Sadr wollte mit der Nennung von Safarnam é eine Parallele zu sich selbst ziehen:

Nasser Khosrou (1003 - 1088) lag nicht ohne Absicht am schlammigen Boden des Holzschuppen. Vor einigen Jahren wollte ich wissen, wie das Zusammenleben zwischen Arabern und Juden in Palästina war. Ich kaufte sein Hauptwerk Safarnam é in deutscher Übersetzung. Sein Reisebericht befriedigte meine Neugier nicht. Er beschrieb die Stadt sehr allgemein und grob, ging nicht auf Details ein. Ich sah irgendwie eine bestimmte Parallele zwischen Nasser Khosrou und mir. Nur, ich dachte, wenn ich über Wien etwas schreibe, muss es viel genauer und ausführlicher sein als das, was Nasser Khosrou hinterlassen hat. Als ich die Bücher, die in einem Schuppen auf den Boden lagen, aufzählte, erwähnte ich sein Buch. Falls tausend Jahre später oder sagen wir, zweitausend Jahre später jemand Der Gedächtnissekretär liest, sollte man sagen, er hat uns detailliert über Wien 1945 und Wien 1996 so gut informiert, dass wir uns davon ein klares Bild machen können!8

Ein weiterer Name, der im Buch fällt, ist Farid od-Din Attar, im Buch Fridealdin-e Attar genannt, der im Roman als „Meister“ bezeichnet wird:

Mit dem Flüstern der Pflastersteine war es ein wenig anders. Die Sprache der Steine war nicht deutlich genug. Es gab auf jeden Fall Verständigungsprobleme zwischen uns. Ich sah oft hin, und die Steine sagten etwas, und in dem, was sie sagten, obwohl es so leise war, steckten die weisen Worte meines Wegweisers und Meisters Scheich Fridealdin-e Attar aus Neischapur. Er sagte: „Ich sah am Weg einen Stein, auf dem geschrieben stand: ›Dreh und lies!‹ Ich drehte und las. Dort stand: ›Wenn du nicht handelst, wovon du keine Ahnung hast, warum verlangst du nach dem, was du nicht weißt?‹“9

Das Flüstern der Pflastersteine hat bei Sadr mit einem „Gedächtnis der Dinge“ zu tun, wie Sandra Vlasta dies in ihrer Dissertation erläutert. Vlasta geht dabei von den Theorien Maurice Halbwachs, die er in Das kollektive Gedächtnis formuliert und von jenen Jan Assmanns (Das kulturelle Gedächtnis) aus:

Gedächtnis ist ein Begriff, der eigentlich ein Innenphänomen bezeichnet, das sich im Gehirn eines Menschen abspielt. Wie dieses Gedächtnis aber geordnet ist, was gespeichert wird und was nicht, hängt von äußeren, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. Jan Assmann hat diese Außendimensionen des Gedächtnisses nach Maurice Halbwachs in mehrere Kategorien eingeteilt, von denen das ‚Gedächtnis der Dinge‘ eine darstellt. [...] Bei Sadr wird das Gedächtnis der Dinge als Gedächtnis der Stadt, aber schließlich auch das der Alltagsgegenstände [...] zum Weitertreiben seines unfreiwilligen Projekts der Vergangenheitsbewältigung genutzt.10

Für Ardi sind Gebäude und Gegenstände nicht mehr reine Symbole, sondern mit persönlichen Erfahrungen angereichert.11 Die Erinnerung, die in den Alltagsgegenständen gespeichert ist, überwindet sowohl zeitliche als auch räumliche Distanzen.12 Dies erklärt auch, warum ihm Pflastersteine die Worte eines offensichtlich vorbildlichen Dichters und Philosophen zuflüstern. Sie „erleichtern ihm die Orientierung und werden mit ihrem historischen Wissen zu Komplizen bei seiner Arbeit.“13 Ihr Flüstern erklärt sich daraus, dass man sich in Vorsicht üben muss, wenn man sich zum Thema Nationalsozialismus äußern möchte. Um diese Tatsache zu verdeutlichen, bringt Hamid Sadr an dieser Stelle ein Zitat von Attar an und schafft damit wieder eine Anbindung an die persische Dichtung und Philosophie.14 „Er liest die Stadt Wien nunmehr wie ein Palimpsest, stets auf der Suche nach der darunter verborgenen Schicht.“15 Dazu der Autor Hamid Sadr:

Oder im Heft Vier, wo es hauptsächlich um die Pflastersteine in Wien als Geheimnisträger geht. [...] Um bei der Aussage aller solchen Tatsachen zurückzuhaltend sein zu müssen, rede ich über die „flüsterleisen Pflastergerüchte“. Aber um dann noch eine Spur deutlicher zu werden, bringe ich eine Metapher von Scheikh Fridealdin -e- Attar (1145 - 1221) über einen Dialog mit den Steinen.16

Der für den Roman Der Gedächtnissekretär wohl wichtigste Vertreter ist Molana Dschalal od-Din Rumie. Hamid Sadr kalligraphiert am Ende des Romanes eines von Molanas Gedichten, dass man am Ende in deutscher Übersetzung findet. Dieses Gedicht kalligraphiert Herr Ardi in persischer Sprache und Schrift auf einen Zettel und hinterlässt es seinem ehemaligen Arbeitgeber Herrn Sohalt auf dem Küchentisch, bevor er zur Heilanstalt Baumgartner Höhe fährt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum er dies tut, vor allem warum in persischer Sprache, wo Herr Sohalt kein Persisch versteht. Dazu Hamid Sadr:

Molana Dschala od-Din Muhammade Rumie (Mystiker und Dichter) ist auch dafür bekannt, dass er Unendlichkeiten der geistigen Welt dem kleinen Weltchen unseres Daseins gegenüberstellt. Das Gedicht, das ich am Ende des Buches erwähne, ist eine Mahnung gegen die Verworrenen, es soll den Lesern das Gefühl geben, dass die Welt des Nationalsozialismus trotz aller katastrophalen Vernichtungswillen in der unendlichen Welt des Geistes zwar einen kleinen Bruch darstellt, aber nicht mehr. Das Gedicht beruhigt mit den mahnenden Worten des Dichters die Verwirrungen Ardis, dem die Stadt, wie er sagt, abhanden gekommen ist. Es ist aber nicht alles. Er möchte das mahnende Gedicht für den alten Mann hinterlassen, damit er, wenn er aus dem Krankenhaus heimkommt, die auf persisch kalligraphierten Verse vorfindet. Wohl wissend, dass der alte Mann das Gedicht nicht lesen kann. Aber das ist es eben, was er uns mitteilen will. Er will signalisieren: „Ich weiß, dass er die Inhalt des Gedichtes nicht versteht, aber man darf trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben! Er wird es einmal verstehen.“17

Weiters gibt es im Iran eine vollkommen andere Form, Literatur zu tradieren. Gedichte werden bei uns meist vorgelesen, während sie im Iran auswendig gelernt und mündlich überliefert werden. Es ist auch üblich, dass man Tatsachen die man nicht versteht, gerne einmal mit einem Gedicht, oder einem Zitat einer literarischen oder philosophischen Autorität, begegnet. Durch das Rezitieren eines Gedichtes bekommt der Perser das Gefühl, dass er die Gegebenheiten jetzt besser versteht. Ardi versucht sich selbst etwas über den Nationalsozialismus durch die Literatur seines Landes zu erzählen.

Das ist wieder eine der Facetten der persischen Mentalität. Dem, was wir nicht verstehen, begegnen wir mit den Gedichten. Mit einem Gedicht machen wir es uns schöner und verstecken, dass wir die Problematik nicht verstehen.

[...]


1 Vgl. Mayring. Philipp: Einf ü hrung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. Weinheim und Basel: Beltz 2002. S. 69

2 Ebenda, S. 114

3 Vgl. Ebenda, S.115

4 Ebenda, S. 117

5 Vgl. www.hamidsadr.com

6 Sadr, Hamid: „ Im Exil zu leben hei ß t, von der Kindheit entg ü ltig Abschied zu nehmen. “ Hamid Sadr im Gespräch. In: Grenzgänger. Wien: Edition Exil 2001

7 Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993. S. 10. Übersetzt durch Wolfram Bayer und Dieter Hornig.

8 Sadr, Hamid: Interview mit Rubina Mirfattahi vom 24.11. 2008.

9 Sadr, Hamid: Der Gedächtnissekretär. Wien: Deuticke 2005. S. 92

10 Vlasta, Sandra: Mit Engelszungen und Bilderspuren ein neues Selbstverständnis erzählen. Ein Vergleich deutsch- und englischsprachiger Literatur im Kontext von Migration. Wien: Univ. Diss. 2008. S. 247

11 Vgl. Ebenda, S. 249

12 Vgl. Ebenda, S. 251

13 Ebenda, S. 252

14 Vgl. Sadr, Hamid: Interview,

15 Kluy, Alexander: Die Stadt als Palimpsest. In: Literatur und Kritik, September 2005. Zitiert von: www.hamidsadr.com

16 Sadr, Hamid: Interview,

17 Sadr, Hamid: Interview, S. 39 f.

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783656014331
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179092
Institution / Hochschule
Universität Wien – Vergleichende Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Hamid Sadr Der Gedächtnissekretär Intertextualität persische Literatur Migration persisch-österreichische Literaturbeziehungen Wechselbeziehungen der Literatur Iran Österreich Rubina Mirfattahi

Autor

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