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Der baskische Nationalismus im Zusammenhang mit der Untergrundorganisation ETA

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die besondere Situation des Baskenlandes

2. Die Entstehungsgeschichte der ETA
2.1 Identitätsverlust durch Industrialisierung
2.2 Sabino Arana Goiri
2.3 Die Situation des Baskenlandes unter Franco

3. Die Entwicklung der ETA in den Jahren 1959 – 1975
3.1 Organisation und Aufbau
3.2 Die Entwicklung der ETA von ihrer Gründung bis 1975

4. Das Ende des Franquismus - Ein Ausblick

Bibliografie

1. Die besondere Situation des Baskenlandes

Das Baskenland umfasst eine Fläche von 20.664 km² westlich der Pyrenäen, am Golf von Bizkaia. Es besteht aus sieben "herrialdes", die politisch und verwaltungsmäßig zu zwei europäischen Staaten gehören. Araba, Bizkaia, Gipuzkoa und Navarra gehören zu Spanien, und Labourd, Nieder- Navarra und Soule zu Frankreich. Im Norden der iberischen Halbinsel liegen die drei Territorien von Euskal Herria: Araba, Bizkaia und Gipuzkoa. Diese drei Territorien bilden eine eigene politische Einheit mit einer Flächenausdehnung von 7.233 km² unter der Bezeichnung: Autonome Gemeinschaft des Baskenlandes, Euskadi. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das Baskenland schon immer eine Sonderstellung in Spanien hatte. Das Rechtsystem, das heute als Fuero bekannt ist, hatte die Versammlungen von Nachbarschaften als Grundlage, die sich in den "Juntas Generales" (Generalversammlung) als oberstes Regierungsorgan jedes Territoriums vertreten ließen. In Bizkaia fanden diese Versammlungen in der "Casa de Juntas de Guernica" statt. Dieses Gebäude befindet sich neben einer tausendjährigen Eiche, die seit dem 15. Jahrhundert Symbol der Freiheiten des Baskenlandes ist. Die drei Territorien der Baskischen Autonomen Gemeinschaft (Bizkaia, Gipuzkoa und Alava), die im Laufe des 8. Jahrhunderts unter diesen Namen in die Geschichte ein gingen, wurden ab dem Jahr 1200 in die Krone Kastiliens integriert, behielten dabei aber ihre traditionellen Institutionen. Die Basken besaßen Steuerfreiheiten gegenüber der Krone, konnten den Kriegsdienst im eigenen Territorium ausführen und ihre internen Organisationsfreiheiten wurden anerkannt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor das baskische Volk, teilweise durch Abschaffung und unvollständige Wiederherstellung, die Eigenheiten, die es geprägt hatten. Erst die Wiederherstellung der Demokratie in Spanien war Anlass zum Autonomiestatut von Guernica. Dieses Autonomiestatut wurde durch Volksabstimmung in einem Referendum 1979 erlassen. Das baskische Volk gründete sich damit als Ausdruck seiner Nationalität und als Mittel zur Erlangung der Selbständigkeit als Autonome Gemeinschaft. Doch während der Zeit der Unterdrückung des Baskenlandes, vor allem unter Franco, bildeten sich einige Widerstandsgruppen, die die Souveränität des Baskenlandes zu ihrem obersten Ziel erklärten. Die wichtigste und bekannteste Organisation ist bis heute die ETA, die 1959 gegründet wurde. [1]

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Entstehungsgründen dieser Terrororganisation und versucht, die Umstände um die Unterdrückung und um die veränderte Situation des Baskenlandes während der Industrialisierung näher zu beleuchten. Ein wichtiger Mann in diesem Zusammenhang ist Sabino Arana, auf dessen Ideologie ich auch kurz eingehen werde. Besonders die Zeit während des Franquismus ist ein bedeutender Faktor für die Entstehung der ETA. In dieser Zeit wurde die Organisation gegründet und ging nach anfänglich „harmlosen“, meist symbolischen Akten immer mehr zum organisierten Terror über.

2. Die Entstehungsgeschichte der ETA

“Ein Phänomen wie die Gewalt der ETA hat viele Ursprünge. Dazu gehört die Franco-Diktatur, die alle Zeichen der baskischen Identität, einschließlich der Sprache unterdrückte. Der imperiale Franco-Nationalismus hat die ETA möglich gemacht. Aber im Grunde nährte sich die ETA vom radikalen baskischen Nationalismus, der einen fundamentalen antispanischen Affekt enthält, der alles ablehnte, was aus Spanien kam. Sabino Aranas Haltung gegenüber den Immigranten aus anderen Teilen Spaniens lässt sich mit Le Pen heute in Frankreich vergleichen: Der Immigrant bedroht eine idyllische, uralte, patriarchalische, klerikale Ordnung, indem er neue schädliche Sitten mitbringt.”[2]

2.1 Identitätsverlust durch Industrialisierung

Mit der Etablierung eines liberalen Regimes in Madrid, Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde die Entwicklung zu einem zentralistischen Staat Ziel der spanischen Politik. So wurden in der Konstitution von 1812 unter anderem die Einschränkung der regionalen Sonderrechte sowie die Ausdehnung der zentralen Machtbefugnisse beschlossen. Während der Karlistenkriege (1833-1839; 1873-1876) verbündeten sich der Landadel, die Bauern und die Kirche gegen die liberal-bürgerlichen Kreise spanischer Geschäftsleute, Unternehmer und Intellektueller, um für die Beibehaltung ihrer regionalen Sonderrechte ein zu stehen. Dabei unterstützten sie Don Carlos, den Bruder des bis 1833 regierenden Königs Ferdinand VII., gegen dessen Tochter Isabella, die auf der Seite der liberal-bürgerlichen Kräfte stand und die Macht des Adels und der Kirche einschränken wollte.[3] Als die Karlisten 1876 endgültig von den Liberalen geschlagen wurden, wurden die Fueros abgeschafft und die Macht der Kirche erheblich eingeschränkt, beispielsweise im Erziehungswesen. Zu diesen Fueros gehörten persönliche Freiheitsrechte, die Ableistung des Militärdienstes im Baskenland selbst, Steuerfreiheit gegenüber der kastilischen Krone und ein relativ hoher Grad an Autonomie.[4]

Der Nationalismus im Baskenland entstand zu der Zeit, als das Baskenland industrialisiert wurde. Vor allem die Stadt Bilbao hatte eine besondere Stellung inne. Bilbao hatte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer wichtigen Handelsstadt entwickelt, vor allem auch, weil in der Gegend um die Stadt Eisenerz gefunden wurde. Nach der Erfindung des Stahlverarbeitungsverfahrens in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte deshalb die Industrialisierung ein. Die Eisenerze wurden mit Hilfe britischen Kapitals in großen Mengen ausgebeutet und verarbeitet. Die Minen, die früher in Familienbesitz waren, wurden nach und nach aufgekauft und neben der Stahlindustrie entstand auch chemische Industrie. Durch den enormen Industriezuwachs wuchs der Bedarf an Arbeitskräften beträchtlich. Dieser verursachte eine massive Immigration aus den südlichen, spanisch- sprechenden, Provinzen und auch die baskisch-sprachige Bevölkerung aus dem Berglang immigrierte. Doch diese große Zahl an Menschen, dieser rapide Anstieg der Einwohnerzahl hatte eine Verschlechterung der Lebensbedingungen in der Stadt zur Folge. Es bedeutete Umweltverschmutzung, Verarmung von Kleinbetrieben und fehlende Sozialeinrichtungen, wie Schulen oder Krankenhäuser. Aber auch die ethnische Vermischung durch den breiten Zustrom von Arbeitskräften aus anderen Teilen Spaniens wirkte auf die baskische Bevölkerung ein, die vorher in einem dörflich-ländlichen, von Katholizismus und moralischen Konservativismus geprägten Milieu lebte.[5] Der Übergang vom Agrarland zum Industrieland, der in ganz Europa stattfand, verschreckte nicht nur im Baskenland viele Menschen. Auf einmal waren Techniken und Fertigkeiten, die man lange angewandt hatte, veraltet. Viele verloren ihren Job. Bauern gaben ihren Betrieb auf und suchten Arbeit in den Fabriken oder im Hafen. Mit dem massenhaften Zuzug fremder Arbeiter begann auch die baskische Gesellschaft sich zu verändern.

In diesem Kontext entstand eine Strömung, die man später den baskischen Nationalismus nannte. Erst noch mit dem Karlismus vergleichbar, entwickelte der baskische Nationalismus bald eigene Ideen und Forderungen. Dazu gehörten die Rückbesinnung auf die angebliche ethnisch-rassistische Einzigartigkeit der Basken, die Wiederbelebung und Vereinheitlichung der baskischen Sprache und die Schaffung eigener baskischer Symbole, wie einer baskischen Flagge und einer eigenen Hymne. Auch die Wortneuschöpfung Euskadi geht auf diese Zeit zurück.

2.2 Sabino Arana Goiri

Als wichtigste Persönlichkeit dieser Strömung gilt der baskische Politiker und Schriftsteller Sabino Arana Goiri. Er wurde am 26. Januar 1865 in der Republik Abando, die später an Bilbao angegliedert wurde, geboren. Sein Vater war überzeugter Karlist, der auch als Soldat in den Karlistenkriegen gekämpft hat. Im Alter von 8 Jahren emigrierte die Familie ins französische Baskenland, drei Jahre später kehrte er aber nach Biskaya zurück und absolvierte dort erfolgreich sein Abitur. 1882 begann er in Barcelona Jura, Philosophie und Naturwissenschaften zu studieren, kehrte aber nach dem Tod der Mutter 1888 wieder nach Biskaya zurück. Dort begann er die baskische Geschichte, die Sprache sowie die sozio- politischen Probleme zu studieren und zu analysieren und dachte außerdem darüber nach, die baskischen Gesetze wiederherzustellen. 1892 veröffentlichte er sein erstes Werk, „Bizcaya por su libertad“ (Biskaya für seine Freiheit) und begann sich politisch zu engagieren. 1894 gründete er die Gesellschaft „Euzkeldun Batzokija“, was der erste nationalistische, baskische Verein war. Ein Jahr darauf rief er die Baskische Volkspartei, die Partido Nacionalista Vasco (PNV) ins Leben, die bis heute besteht. 1899 gründete er die Tageszeitung „El correo vasco“, von der 103 Ausgaben erschienen. 1902 wurde er der Rebellion beschuldigt und kam ins Gefängnis. Dort komponierte er die spätere baskische Nationalhymne. Am 25. November 1903 stirbt Sabino Arana infolge einer Krankheit im Alter von 38 Jahren in Sukarrieta.[6]

Arana selbst wurde mit dem sozialen und ökonomischen Wandel Bilbaos konfrontiert und kannte auch von seiner Studienzeit in Barcelona her den katalanischen Nationalismus. Seiner Meinung nach musste das Baskenland unabhängig werden, damit die alte Ordnung wiederhergestellt werden kann. Seine Ansichten waren rassistisch und konsequent. Er hielt die Spanier für ein durch arabisches und jüdisches Blut verunreinigtes Volk und beschuldigte sie durch ihre „Invasion“ die Harmonie der katholischen, egalitären Gesellschaft des Baskenlandes zerstört zu haben. Die Basken sah er als das einzige Volk, das das reine Christentum verkörperte und er sah die Wurzel der baskischen Identität in der Reinheit des Blutes. Außerdem sah er die spanische Rasse als der baskischen unterlegen an. Arana, der die baskische Geschichte ausführlich studiert hatte, argumentierte, dass sich das baskische Volk über Jahrhunderte hinweg gegen alle fremden Einflüsse erfolgreich zur Wehr gesetzt hat. Weiterhin versuchte er die baskische Sprache, die er sich auch erst selbst beibringen musste, zu vereinheitlichen und von spanischen Einflüssen zu reinigen. Auch entwarf er eine baskische Flagge, ein Wappen sowie den Text der Nationalhymne.[7]

(Die Ikkuriña, die baskische Nationalflagge; das grüne Kreuz steht für das Gesetz, das weiße Kreuz steht für Gott)[8]

[...]


[1] vgl. www.lehendakaritza.ejgr.euskadi.net

[2] Fernando Saveter in: Die Zeit, 18.07.1997

[3] vgl. Kerstin Römhildt, S.22

[4] vgl. Walter L. Bernecker, S. 195

[5] vgl. Walter L. Bernecker, S. 197

[6] vgl. www.euskomedia.org

[7] vgl. Kerstin Römhildt, S.24f

[8] www.wikipedia.org/wiki/Baskenland

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656018469
ISBN (Buch)
9783656019268
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179312
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Romanistik
Note
1,5
Schlagworte
ETA Spanien Baskenland Regionalismus Franquismus

Autor

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