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Die Erlangung des REIT-Sonderstatus einer Aktiengesellschaft

Seminararbeit 2011 34 Seiten

Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Real Estate Investment Trusts
2.1. Historische Entwicklung von REITs weltweit
2.2. REITs in Deutschland
2.3. Grundkonzeption des G-REIT

3. REIT Statuserlangung
3.1. Die AG als REIT-Unternehmensträger
3.2. Gesellschaftsrechtliche Voraussetzungen
3.2.1. Beschränkung des Unternehmensgegenstands
3.2.2. Ausschluss des Immobilienhandels
3.2.3. Mindestnennbetrag des Grundkapitals
3.2.4. Aktienform und -gattung
3.2.5. Firmierung der Gesellschaft
3.2.6. Sitz und Geschäftsleitung
3.2.7. Mindeststreubesitz und Aktienhöchstbeteiligung
3.3. Wirtschaftliche Voraussetzungen
3.3.1. Vermögens- und Ertragsstruktur der REIT-AG
3.3.2. Gewinnverwendung
3.3.3. Mindesteigenkapital
3.4. Ablauf der Statuserlangung
3.4.1. Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern als Vor-REIT
3.4.2. Börsenzulassung der Aktien
3.4.3. Anmeldung und Eintragung als REIT-AG im Handelsregister
3.5. Beginn und Ende der Steuerbefreiung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung des US-REIT-Marktes

Abb. 2: REIT-Strukturen weltweit

Abb. 3: Ermittlung des Bilanzgewinns einer REIT-AG

Abb. 4: Vom Vor-REIT zur REIT-AG: Zeitablauf

Abb. 5: Statusanforderungen an Vor-REIT und REIT-AG

Abb. 6: Prüfungskriterien des Registergerichts bei Eintragung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Auf den nachfolgenden Seiten dieser Arbeit wird die historische Entwicklung desUS-REITs und des G-REITs aufgezeigt. Des Weiteren werden der Unternehmensträger einer REIT-AG sowie die zu erfüllendengesellschaftsrechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen beschrieben. Da das Gesetz zur Schaffung deutscher Immobilienaktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen, kurz REITG, selbst keine genauen Sondervorschriften zur Gründung einer REIT-AG beinhaltet,[1] wird dieseAusarbeitung mit der detaillierten Darstellung des Ablaufs der Sonderstatuserlangungund der Erläuterung des Beginns bzw. dem Beenden der Steuerbefreiung abgerundet. Schließlich erfolgt am Ende eine Abwägung der Vor- und Nachteile des REIT-Sonderstatus. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich auf die Darstellung aus Sicht einer Aktiengesellschaft.

2. Real Estate Investment Trusts

2.1. Historische Entwicklung von REITs weltweit

Seinen Ursprung fanden Real Estate Investment Trusts in den USA. Dort wurden durch den US-Kongress im Jahre 1960 die rechtlichen Grundlagen für die erstenUS-REITs geschaffen.[2] Den tatsächlichen Durchbruch erlebten US-REITs allerdings erst nach der amerikanischen Immobilienkrise Anfang der 90er Jahre.[3]

Innerhalb der letzten 35 Jahre hat sich die Marktkapitalisierung um mehr als das 280-fache von anfänglich 1,5 Mrd. US-Dollar auf ca. 430 Mrd. US-Dollar im Jahr 2006 vervielfacht(siehe Abb.1). Der Erfolgt spiegelte sich auch in dem NAREIT Aktienindex, welcher die wichtigsten US-REITs beinhaltet, wieder, da dieser stetig bessere Renditen im Vergleich zu alternativen Anlagemöglichkeiten erzielte.[4]

Wegen der erfolgreichen Entwicklung des REIT-Sektors in den USA haben mittlerweile viele weitere Länder,wie z.B. Niederlande, Belgien, Singapur oder Frankreich,REIT- oder zumindest REIT-ähnliche Unternehmensstrukturen etabliert.[5] Diese Entwicklung wird in einer Abbildung dargestellt, in welcher eine zeitliche Übersicht der Länder mit solchen Unternehmensstrukturen abgebildet ist (siehe Abb. 2).

2.2. REITs in Deutschland

Die ersten Entwürfe einer REIT-Einführung in Deutschland wurden bereits im Jahre 2003 durch das Bundesministerium für Finanzen hervorgebracht. Vor dem Hintergrund der REIT-Erfolgsgeschichte anderer Länder, insbesondere der USA, war die deutsche Wirtschaft und allen voran die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) ein steter Befürworter eines neuen Anlagevehikels.[6] Hierdurch sollte die bestehende Lücke bei indirekten Immobilienanlagen geschlossen, der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt, die Immobilienwirtschaft professionalisiert sowie Wettbewerbsgleichheit zu anderen europäischen Finanz- und Immobilienstandorten erreicht werden.[7]

Weitere Gesetzesentwürfe und konkrete Ausgestaltungen folgten im Jahr 2004. Die Entwicklung kam jedoch, aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen im Jahre 2005, wegen politischer Diskussionen ins Stocken. Ein gemeinsamer Gesetzentwurf konnte daher erst im November 2006 beschlossen werden.[8] Schließlich trat rückwirkend zum 01. Januar 2007 das am 28. Mai 2007 verkündete Gesetz zur Schaffung deutscher Immobilienaktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen in Kraft.[9]

2.3. Grundkonzeption des G-REIT

Unter dem Begriff G-REIT verbirgt sich die deutsche Form der Real Estate Investment Trust (REIT), welche in Form einer Aktiengesellschaft auftritt und auf die grundsätzlich die Regelungen des Aktienrechts anzuwenden sind.[10] DerG-REIT in Rechtsform einer KGaA ist nicht zugelassen, wohingegen die Rechtsform einer SE wohl möglich sein soll.[11] Als lex specialis stellt das REITG die gesetzliche Grundlage für den REIT-Sonderstatus dar und gibt die Bedingungen vor, welche zur steuerbefreienden Statuserlangung erfüllt werden müssen.[12] Es handelt sich hierbei nicht um eine neue Rechtsform, sondern „um eine dem Numerus clausus des Gesellschaftsrechts entsprechender Aktiengesellschaft (AG).“.[13]

Damit eine Aktiengesellschaft den Sonderstatus einer REIT-AG beanspruchen darf, müssen gem. § 16 Abs. 1 REITG alle Vorgaben der §§ 8 bis 15 REITG erfüllt werden, die Gesellschaft unbeschränkt steuerpflichtig und nicht im Sinne des Doppelbesteuerungsabkommens im Ausland ansässig sein. Zudem muss der Handel mit Aktien an einem organisierten Markt im Sinne von § 2 Abs. 5 WpHG zugelassen sein. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, so findet auf Antrag der Gesellschaft eine Befreiung von der Gewerbe- und Körperschaftssteuer statt.[14] Das Vermögen setzt sich in großen Teilen aus direkt oder indirekt gehaltenen Immobilien zusammen. Durch die Verwaltung, Vermietung, Verpachtung und der damit verbundenen Erhaltung und Entwicklung dieses Immobilienbestandes, erwirtschaftet die REIT-AG den überwiegenden Teil ihrer Erträge.[15] Die Erträge sind jedoch aufgrund der Vorgaben des REITG zum größten Teil an die Aktionäre auszuschütten. Im Gegenzug genießt die Gesellschaft gewisse steuerliche Privilegierungen.[16]

3. REIT Statuserlangung

Grundsätzlich kann die Gründung einer REIT-AG aus vier verschiedenen Situationen erfolgen. Mögliche Gründungszenarien können der reine Statuswechsel einer bereits bestehenden AG, der Rechtsformwechsel einer bereits bestehenden Gesellschaft, z.B. einer Immobilien-GmbH, die Verschmelzung oder Abspaltung eines Unternehmens in eine REIT-AG oder die vollständige Neugründung des REIT-Unternehmensträgers in Form einer Aktiengesellschaft sein.[17] Grundvoraussetzung und daher unabhängig von der jeweiligen Ausgangslage, sind die Eintragung und Anmeldung einer Aktiengesellschaft im Handelsregister, die Erfüllung der gesellschaftsrechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Sinne des REITG, die Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern, die Börsenzulassung und die Anmeldung und Eintragung als REIT-AG.[18]

3.1. Die AG als REIT-Unternehmensträger

Den Unternehmensträger einer REIT-AG stellt grundsätzlich eine Aktiengesellschaft dar[19] und wird demzufolge auch wie eine „normale“ Aktiengesellschaft gegründet.[20] Die Gründung kann als Bargründung, Sachgründung, gemischte Gründung, qualifizierte Gründung oder Nachgründung erfolgen. Die einzelnen Gründungsformen unterscheiden sich wesentlich in der Art und Weise, wie das Grundkapital von den Gründern eingebracht wird.[21] Die zukünftigen Gesellschafter gründen durch die Einigung zur Förderung eines gemeinsamen Zweckes im ersten Schritt in aller Regel eine Vorgründungsgesellschaft in Form einer GbR gem. § 705 BGB.[22] Der gemeinsame Zweck dieser Gesellschaft liegt in der Errichtung und der anschließenden Umwandlung einer Aktiengesellschaft in eine REIT-AG. Die Gründer der Gesellschaft haben eine Satzung durch notarielle Beurkundung festzustellen, §§ 2, 23, 28 AktG.

Durch § 23 Abs. 3 AktG wird der Mindestinhalt der Satzung festgeschrieben. Diese hat unter anderem die Firma, den Sitz der Gesellschaft, den Unternehmensgegenstand, die Höhe des Grundkapitals, bei Nennbetragsaktien der Nennbetrag und die Anzahl der Aktien jedes Nennbetrages bzw. bei Stückaktien deren Stückzahl, die Gattung der Aktien verbunden mit der jeweiligen Anzahl der einzelnen Gattungsarten sowie bei Sachgründung den Gegenstand der Sacheinlage bzw. Sachübernahme und die darauf fällige Vergütung zu enthalten.[23] Mittels Feststellung der Satzung findet gleichzeitig die in § 29 AktG beschriebene Übernahme aller Aktien, wodurch sich die Gründer zur Aufbringung des Grundkapitals verpflichten, durch die Gründer statt (Simultangründung) und die Gesellschaft gilt als errichtet.[24]

Durch die notarielle Beurkundung der Satzung endet die Vorgründungsgesellschaft und es entsteht die sogenannte Vorgesellschaft, welche als eine Gesellschaft sui generis besteht und sowohl aktiv als auch passiv parteifähig ist.[25] Ebenso sind durch notarielle Beurkundung der Aufsichtsrat und ein Abschlussprüfer gem. § 30 Abs. 1 AktG zu bestellen. Bei der Erstbestellung des Aufsichtsrates sind noch keine Vertreter der Arbeitnehmer vorhanden und die entsprechenden Vorschriften hierzu finden keine Anwendung, § 30 Abs. 2 AktG.Der Aufsichtsrat bestellt sodann gem. § 30 Abs. 4 AktGeinen Vorstand. Anschließend ist ein Gründungsbericht gem. § 32 AktG zu erstellen, die Gründungsprüfung nach den §§ 36 Abs. 1, 37 AktG durch Vorstand und Aufsichtsrat herbeizuführen und die Einlagen sind gem. § 36a AktG zu leisten.[26]

Wird das Grundkapital als Bareinlage erbracht, so eröffnen die §§ 36 Abs. 2, 36 a, 54 AktG grundsätzlich die Möglichkeit, dass auf jede Aktie nur ein Viertel des geringsten Ausgabebetrags, zzgl. eines etwaigen Betrages über den Nennbetrag (Agio) bei einer Überpariemission, einbezahlt werden kann.[27] Bei einer REIT-AG ist dies nicht möglich, da der anteilig auf die Aktie fallende Teil des Grundkapitals, exklusive eines möglichen Agios, in voller Höhe einbezahlt werden muss.[28]

Bei einer Sachgründung erfolgt die Übernahme der Aktien durch Einlagen in Form von Vermögensgegenständen. Diese müssen einen bestimmbaren Vermögenswert darstellen und übertragbar sein, § 27 Abs. 2 AktG.[29] Bei einer REIT-AG sind dies in der Regel Immobilien oder Anteile an Immobiliengesellschaften.[30] In einem solchen Fall hat die Satzung gem. § 27 Abs. 1 AktG den Gegenstand der Sacheinlage, den Verkäufer und den Nennbetrag bzw. die Zahl der zu gewährenden Stückaktien zu enthalten. Darüber hinaus sind bei einer Sachgründung die Einlagegegenstände vollständig zu leisten.[31]

Erst jetzt kann die Gesellschaft durch alle Gründer und Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats bei Gericht zur Eintragung ins Handelsregister angemeldet werden, §§ 36, 37 AktG. Das Registergericht überprüft gem. § 38 AktG die ordnungsgemäße Errichtung und Anmeldung der Gesellschaft. Sind alle Anforderungen erfüllt, so erfolgt die konstitutive Eintragung, § 6 HGB i.V.m. § 3 AktG, der Gesellschaft in das Handelsregister, § 39 AktG. Mit der Eintragung endet die Vorgesellschaft und die Aktiengesellschaft ist als juristische Person entstanden.[32]

3.2. Gesellschaftsrechtliche Voraussetzungen

3.2.1. Beschränkung des Unternehmensgegenstands

Der Unternehmensgegenstand der REIT-AG wird durch die Vorgaben des § 1 REITG beschränkt. Somit darf die REIT-AG in- und ausländisches unbewegliches Vermögen[33] erwerben, halten, im Rahmen der Vermietung, der Verpachtung und des Leasings einschließlich notwendiger immobiliennaher Hilfstätigkeiten[34] verwalten sowie veräußern, § 1 Abs. 1 Nr. 1 REITG.[35] Darüber hinaus darf sie Immobilien-personengesellschaften[36], Anteile an REIT-Dienstleistungsgesellschaften,Anteile an Auslandsobjektgesellschaften und Anteile an Kapitalgesellschaften erwerben, halten, verwalten und veräußern, § 1 Abs. 1 Nr. 2 - 5 REITG.[37] Nicht immobiliennahe Tätigkeiten dürfen weder von der REIT-AG noch von einer Tochtergesellschaft erbracht werden. Sollen immobiliennaheTätigkeiten für Dritte erbracht werden, so sind diese durch eine ausschließlich durch die REIT-AG gehaltene und voll steuerpflichtige Tochterkapitalgesellschaft zu erbringen.[38] Eine weitere Beschränkung findet sich bei der Art des inländischen unbeweglichen Vermögens. So dürfen nach den Vorgaben des § 1 Abs. 1 Nr. 1 a) REITG keine Eigentums- oder dingliche Nutzungsrechte an Bestandsmietwohnimmobilien[39] bestehen. Hintergrund war die Befürchtung, dass „die REIT-Gesellschaften als „Heuschrecken“ über die Wohnungsmieter herfallen und die städtebauliche Entwicklung im Sinne einer bloßen Renditemaximierung verhindern“ würden.[40] Durch dieses Reglement beabsichtigt der Gesetzgeber den Schutz der Mietinteressenten und die Gewährleistung einer nachhaltigen und sozialen Städteentwicklung.[41]

3.2.2. Ausschluss des Immobilienhandels

Der Handel mit dem Immobilienvermögen ist gem. § 14 Abs. 1 REITG für eine REIT-AG nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, da die Haupttätigkeit der REIT-AG beim Halten und der Bewirtschaftung des Immobilienbestandes liegen soll. Ein Immobilienhandel liegt vor, wenn binnen der letzten fünf Geschäftsjahre der Erlös aus der Veräußerung von unbeweglichen Vermögen der REIT-AG sowie ihrer in den Konzernabschluss einzubeziehenden Tochterunternehmen (z.B. Immobilien-personengesellschaften oder Auslandsobjektgesellschaften)mehr als die Hälfte des Wertes des durchschnittlichen Bestandes an unbeweglichem Vermögen innerhalb desselben Zeitraums ausmacht, § 14 Abs. 2 REITG.[42] Bei der Ermittlung des Wertes des durchschnittlichen Bestandes ist grundsätzlich auf den beizulegenden Zeitwert i.S.d. IAS 40 (Fairvalue-Bewertung) abzustellen.[43] Durch diese Regelung wird der Immobilienhandel nicht vollständig ausgeschlossen und der REIT-AG bleibt somit die Möglichkeit erhalten, auf neue Marktsituationen zu reagieren und das angebotene Immobilienportfolio anzupassen.[44]

Kritisch wird eine Veräußerung jedoch, wenn eine Ein- oder Zwei-Immobilien REIT-AG ihren Immobilienbestand verändern möchte, da eine Veräußerung innerhalb von fünf Jahren oftmals mit einem Verstoß gegen § 14 REITG verbunden wäre. In diesem Fall wird gefordert, dass „bei Ein- oder Zweiobjektgesellschaften ausnahmsweise auf die 50 % Grenze“ verzichtet wird.[45]

3.2.3. Mindestnennbetrag des Grundkapitals

Die Höhe des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft mit REIT-Sonderstatus beträgt gem. § 4 REITG 15 Millionen Euro. Über diesen Betrag muss die Gesellschaft jedoch erst zu dem Zeitpunkt verfügen, zu dem der REIT-Status erreicht werden soll. Demnach genügt zur Gründung des REIT-Unternehmensträgers, der in § 7 AktG beschriebene Mindestnennbetrag des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft in Höhe von 50.000 €.[46] Wird die Erlangung des REIT-Sonderstatus begehrt, so ist eine entsprechende Kapitalerhöhung nach den Vorgaben der §§ 182 ff. AktG, bis auf das geforderte Mindestgrundkapital in Höhe von 15 Millionen Euro, vorzunehmen. Das benötigte Grundkapital kann wie bei einer „normalen“ Aktiengesellschaft als Sacheinlage, z.B. in Form von Grundstücken und Immobilien, oder Bareinlage erbracht werden, wobei Letzteres als Regelfall durch den Gesetzgeber angenommen wird, § 23 Abs. 2 Nr. 3 AktG.[47]

Das erhöhte Mindestgrundkapital einer REIT-AG schafft eine gewisse Markteintrittsschwelle für Immobiliengesellschaften. Kleine und mittelständische Immobilienunternehmen müssen sich somit zusammenschließen, wenn ihre Finanzmittel für den Aufwand des Börsengangs und für ein ausreichend großes Immobilienportfolio nicht ausreichen sollten, um so eine börsenfähige Größe zu erreichen.[48] Die Anhebung des Grundkapitals führt auch dazu, dass nach dem IPO eine gewisse Mindestanzahl an handelbaren Aktien vorhanden sein wird.[49] Die Höhe des Mindestgrundkapitals stellt jedoch kein Indiz für den wirtschaftlich adäquaten Umfang der Gesamtvermögensausstattung einer REIT-AG dar,[50] insbesondere wenn man bedenkt, dass ein Börsengang auch immer mit erheblichen Kosten verbunden ist.[51]

3.2.4. Aktienform und -gattung

Die Aktien einer REIT-AG müssen gem. § 10 Abs. 1 REITGzum Handel an einem organisierten Markt im Sinne des § 2 Abs. 5 WpHG in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum zugelassen sein. Sämtliche Aktien einer REIT-AG sind nach § 5 Abs. 1 REITG als stimmberechtigte Aktien gleicher Gattung zu begründen. Dies schließt unter anderem die Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugsaktien aus, wodurch ein Auseinanderfallen von stimmen- und kapitalmäßiger Beteiligung verhindert wird.[52] Des Weiteren ist die Ausgabe der Aktien, entgegen § 9 Abs. 1 AktG, gem. § 5 Abs. 1 Satz 2 REITG nur bei voller Leistung des gesamten Ausgabebetrages zulässig. [53]

Entgegen § 10 Abs. 1 AktG, welcher die Möglichkeit zur Verbriefung einer Aktie einräumt, schließt § 5 Abs. 2 REITG einen Anspruch auf die Verbriefung des Anteils der Aktionäre ausdrücklich aus, weshalb der REIT-AG eine Zweitzulassung an Börsen, die einen Anspruch der Aktionäre auf die Verbriefung der Aktien voraussetzen, nicht möglich ist.[54] Die REIT-AG muss somit eine Globalurkunde ausstellen,[55] welche bei einer Depotbank in Girosammelverwahrung gegeben wird,[56] was wiederum im Interesse der kapitalmäßigen Handelbarkeit ist, da mit der Eigentumsübertragung des REIT-Anteils auch immer die entsprechenden Aktien übertragen werden.[57]

Waren noch im Regierungsentwurf vom 12.01.2007 Nennbetragsaktien vollständig ausgeschlossen und nur Stückaktien als zulässig erklärt worden,[58] so sindin der verkündeten Fassung gem. § 5 Abs. 1 REITG beide Aktienformen möglich. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein Grund für den Ausschluss der in Deutschland, wie auch im Ausland, bekannten Aktienform der Nennbetragsaktien nicht vorliegt.[59] Ebenso sind Inhaber-, Namens- und vinkulierte Namensaktien zulässig, welche sich insbesondere in der Art und Weise der Eigentumsübertragung unterscheiden. Bei Inhaberaktien als Inhaberpapiere, analog §§ 793 ff. BGB, erfolgt die Eigentumsübertragung mittels Einigung und Übergabe der Urkunde, bei Sammelverwahrung respektive durch Umbuchung des Miteigentumsanteils am Sammelbestand, während bei Namensaktien als Orderpapiere gem. § 67 Abs. 1 AktG der Name, das Geburtsdatum und die Adresse des Inhabers sowie weitere Angaben in das elektronische Namensregister der Gesellschaft einzutragen sind.Die Eigentumsübertragung von vinkulierten Namensaktien ist von der Zustimmung des Vorstandes der Gesellschaft gem. § 68 AktG abhängig.[60]

[...]


[1] Vgl. Seibt (2008), Rn. 54, S. 31.

[2] Vgl. Hughes/Cieleback (2008), S. 50.

[3] Vgl. Bone-Winkel/Schäfers/Schulte/Forster-Kraus/Pfrang (2008), S. 29.

[4] Vgl. Elmendorff (2008), Rn. 13, S. 10.

[5] Vgl. Elmendorff (2008), Rn. 14, S. 10.

[6] Vgl. Bone-Winkel/Schäfers/Schulte/Forster-Kraus/Pfrang (2008), S. 46.

[7] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 1.

[8] Vgl. Bone-Winkel/Schäfers/Schulte/Forster-Kraus/Pfrang (2008), S. 46 - 47.

[9] Vgl. Bundesanzeiger Verlag (2007), S. 914 (siehe Internetverzeichnis).

[10] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 15.

[11] Vgl. Korezkij/Fuchs (2007a), S. 12.

[12] Vgl. Volckens (2007), S. 107.

[13] Vgl. Pauli (2007), S. 13.

[14] Vgl. Striegel (2007), Rn. 8, S. 279.

[15] Vgl. Westerheide (2006), S. 10.

[16] Vgl. von Rosen (2007), S. 6.

[17] Vgl. Seibt (2008), Rn. 54, S. 31 f.

[18] Vgl. Seibt (2008), Rn. 55 - 58, S. 32 - 33.

[19] Vgl. Bron (2007), S. 119.

[20] Vgl. Voigt (2008), Rn. 249, S. 119.

[21] Vgl. Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[22] Vgl. Pauli (2007), S. 26.

[23] Vgl. Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[24] Vgl. Führich (2008), Rn. 914, S. 434 f.; Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[25] Vgl. Pauli (2007), S. 26.

[26] Vgl. Führich (2008), Rn. 915 – 916, S. 435 f.

[27] Vgl. Führich (2008), Rn. 916, S. 436; Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[28] Vgl. Münchow (2007a), Rn. 4, S. 140 f.; zum genauen Zeitpunkt siehe Kapitel 3.2.3.

[29] Vgl. Pauli (2007), S. 24.

[30] Vgl. Münchow (2007a), Rn. 5, S. 141.

[31] Vgl. Seibt (2008), Rn. 71, S. 39; Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[32] Achleitner/Berwanger/Dautzenberg/Breuer, W./Breuer, C./Dennerlein (2011), o.S. (siehe Internetverzeichnis).

[33] Hierbei wird das unbewegliche Vermögen als Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte im Sinne des BGBs, sowie vergleichbare Rechte anderer Staaten definiert, vgl. Striegel/Gallenkamp (2007), Rn. 40, S. 136.

[34] Unter Hilfstätigkeiten werden nach § 3 Abs. 4 REITG Tätigkeiten verstanden, die der Haupttätigkeit, also dem eigenen Anlagebestand, dienen.

[35] Vgl. Seibt (2008), Rn. 99, S. 51; Bundesministerium der Finanzen (2007), S. 65.

[36] Dies sind gem. § 3 Abs. 1 REITG Personengesellschaften, deren Unternehmensgegenstand im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 2 beschränkt ist und die Vermögensgegenstände gem. § 3 Abs. 7 REITG darstellen.

[37] Vgl. Weger (2007), Rn. 10, S. 111 f.

[38] Vgl. Roche (2007), S. 53 (siehe Internetverzeichnis).

[39] Inländische Immobilien, welche vor dem 01. Januar 2007 erbaut worden sind und die zu mehr als 50 Prozent Wohnzwecken dienen, vgl. Bundesministerium der Finanzen (2007), S. 68.

[40] Vgl. Striegel/Gallenkamp (2007), Rn. 44, S. 137.

[41] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 19.

[42] Vgl. Seibt (2008), Rn. 162 f., S. 76 f.

[43] Vgl. Volckens (2007), S. 114.

[44] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 23.

[45] Vgl. Volckens (2007), S. 114.

[46] Vgl. Münchow (2007a), Rn. 3, S. 140.

[47] Vgl. Pauli (2007), S. 24; siehe auch Kapitel 3.1.

[48] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 20; Volckens (2007), S. 114.

[49] Vgl. Deutsches Aktieninstitut (2007), S. 2 (siehe Internetverzeichnis).

[50] Vgl. Pauli (2007), S. 15.

[51] Vgl. Münchow (2007a), Rn. 2, S. 139 f.

[52] Vgl. Münchow/Götz (2007), Rn. 2, S. 151.

[53] Vgl. Volckens (2007), S. 115.

[54] Vgl. Pauli (2007), S. 17; Seibt (2008), Rn. 113, S. 55.

[55] Vgl. Roche (2007), S. 51 (siehe Internetverzeichnis).

[56] Vgl. Volckens (2007), S. 115.

[57] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 20.

[58] Vgl. Bundesregierung (2007), S. 8.

[59] Vgl. Seibt (2008), Rn. 110, S. 54.

[60] Vgl. Volckens (2007), S. 115 f.

Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656017394
ISBN (Buch)
9783656017592
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179381
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,00
Schlagworte
REIT-AG REIT REIT-Status REIT-Statuserlangung Immobilien REIT Real Estate Investment Trust G-REIT German Real Estate Investement Trust German Real Estate Investment Trusts REITs Real Estate Investment Trusts REITs in Deutschland Deutscher REIT

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