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Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden - Ein Vergleich.

Welche familienpolitischen Maßnahmen sind notwendig, um dem demographischen Wandel in der Bundesrepublik Deutschland entgegenzuwirken?

Seminararbeit 2009 28 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen sowie Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden
2.1. Demographie / demographischer Wandel
2.1.2. Familienpolitik
2.2. Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
2.2.1 Bevölkerungsentwicklung im Königreich Schweden

3. Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden
3.1 Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland
3.2. Familienpolitik im Königreich Schweden

4. Kinderbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden
4.1 Kinderbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland
4.2 Kinderbetreuung im Königreich Schweden
4.3. Ergebnisse im Bezug auf die demographische Entwicklung

5. Gleichstellung von Mann und Frau in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden
5.1. Ergebnisse im Bezug auf die demographische Entwicklung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung in der BRD in absoluten Zahlen 1871 bis 2006

Abbildung 2: Bevölkerung der BRD in Absoluten Zahlen, Anteile der Altersgruppen in Prozent, bis 2050, Strand 2006

Abbildung 3: Geburten und Sterbefälle in Schweden 1970 bis 2050, Zahlen in Tausend

Abbildung 4: Krippenplätze in der BRD 1990/91 bis 2002 in Prozent

Abbildung 5: Kindergartenplätze in der BRD 1990/91 bis 2002

Abbildung 6: Besuch von Kinderbetreuungseinrichtungen in Prozent

Abbildung 7: Erwerbstätigenquote Frauen in Prozent, Stand 2007

1. Einleitung

Die bundesdeutsche Gesellschaft durchläuft einen von vielen Seiten als dramatisch gesehenen Alterungsprozess. Dieser Prozess, auch demographischer Wandel genannt, ist neuerdings in aller Munde. Er bestimmt den Diskurs in der Familienpolitik, welche seit einiger Zeit einen bedeutend höheren Stellenwert erfährt. Dies ist sicher nur allzu eindeutig der demographischen Entwicklung in der Bundesrepublik zuzuordnen. Blickt man auf die Parteiprogramme der bundesdeutschen Parteien im Punkto Familienpolitik, so lässt sich diese These leicht untermauern. Alle Parteien erkennen die Wichtigkeit dieses Politikfeldes in der heutigen Zeit. Die CDU/CSU Regierungsfraktion spricht in diesem Zusammenhang unter dem Titel „Familie in den Mittelpunkt der Gesellschaft Rücken“ von der Familie als Keimzelle unserer Gesellschaft, welche in den Mittelpunkt der Politik der Fraktion gestellt wurde. Als wesentliches Argument hierfür wird der demographische Wandel angeführt.1

Die SPD Regierungsfraktion verweist auf das Gesetz zur Kinderbetreuung von 2005 und spricht von Familienpolitik die das Kinderkriegen, über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wieder leichter machen soll.2 Dies soll durch bessere infrastrukturelle Maßnahmen geschehen, worauf im späteren Verlauf dieser Arbeit noch weiter eingegangen wird.

Für Bündnis 90/DIE GRÜNEN ist nur ein Kinderfreundliches Land ein zukunftsfähiges Land. Die Partei weißt auf die Notwendigkeit des, so wie sie sagt, in der Vergangenheit zurückgestellten Problems hin.3

Im Punkto Geburtenrate ist die Bundesrepublik schon seit langem Schlusslicht im europäischen Vergleich. Schon seit mehr als 30 Jahren liegt die Geburtenrate, natürlich bis 1989 nur im westen der Republik zu betrachten, bei ca. 1,4 Kinder pro Haushalt.4 Notwendig um die Elterngeneration zu ersetzen wäre aber mindestens eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau.5

Doch wie lässt sich dies erklären? Und kann man diesem Trend entgegenwirken? Steht doch Deutschland im internationalen Vergleich bei Familienpolitischen Ausgaben in der Spitzengruppe. Hinzu kommt, dass die Familienpolitik seit mehr als 50 Jahren über ein eigenes Ministerium auf Bundesebene verfügt. „Diese strukturelle Stärke kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Familienpolitik bis heute keinen prominenten Stellenwert im tagespolitischen Geschäft der jeweiligen Bundesregierungen erhalten hat“.6 All diese Fragen wird die Arbeit im späteren Verlauf noch einmal aufgreifen.

Es wird viel über Reformen und Lösungsansätze diskutiert. Das öffentliche und politische Interesse an Familienpolitik steigt vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Erste Lösungsansätze sind auch schon impliziert worden. Hier zu nennen das neue Elterngeld und das Gesetz zum Ausbau der Tagesbetreuung von Kindern aus dem Jahre 2005. Zunächst soll die erste Nennung dieser Maßnahmen reichen, auf ihre Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit wird die Arbeit im späteren Verlauf noch eingehen.

Politiker, Wissenschaftler, Experten auf der Suche einer Lösung oder besser Wirksamen Gegenmaßnahmen um den demographischen Wandel einzudämmen, verweisen oft auf die skandinavischen Länder, hier vor allem Schweden, und Frankreich. Diese Länder haben es geschafft sich einer Geburtenrate, die die Sterberate nivelliert, äußerst nah anzunähern. In dieser Arbeit wird Schweden eine zentrale Rolle spielen, um die Unterschiede zum bundesdeutschen Ansatz in der Familienpolitik zu verdeutlichen.

Wie diese Maßnahmen aussehen, dazu im späteren Verlauf mehr, doch vorwegzunehmen ist das Schweden einen weniger direkt monetären Ansatz als die Bundesrepublik verfolg, sondern sich vielmehr darauf konzentriert infrastrukturelle Maßnahmen zur Förderung der Familie zu schaffen. Hierneben spielt die Gleichstellung von Mann und Frau eine entscheidende Rolle. Doch wie gesagt, dies soll vorerst reichen.

Diese Arbeit wird sich also unter der Fragestellung: „Welche familienpolitischen Maßnahmen sind notwendig, um dem Demographischen Wandel in der Bundesrepublik Deutschland entgegenzuwirken?“ genau mit diesen Fragen zur Familienpolitik und den Problemfeldern die der Demographische Wandel aufwirft beschäftigen. Sie wird Elemente der Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, sowie im Königreich Schweden vergleichend analysieren und am Ende Schlüsse für die Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland ziehen und Anreize geben. Es soll beleuchtet werden ob die Familienpolitik überhaupt Einfluss auf den demographischen Wandel hat und haben kann und wenn ja, welche Faktoren notwendig sind um diesem entgegenzuwirken.

In dieser Arbeit werden also zwei in ihren Modellen unterschiedliche Wohlfahrtsstaaten behandelt. Bei der Bundesrepublik Deutschland handelt es sich um einen konservativen Wohlfahrtsstaat7, welcher durch großen Einfluss der Kirche und durch eine korporatistische Struktur der Gesellschaft geprägt ist.8

Das Königreich Schweden wird als Prototyp eines sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates9 gesehen. Als primäre staatliche Ziele kann man soziale Umverteilung und die Herstellung von Gleichheit, auch zwischen Männern und Frauen, nennen.10

Es soll also diskutiert werden ob das schwedische Modell als Vorbild für das bundesdeutsche Modell zur Familienpolitik, jedenfalls in den hier in der Arbeit betrachteten Teilaspekten, dienen kann und ob dieses hemmend auf den demographischen Wandel einwirken kann. Die Relevanz dieses gesamten Fragenkomplexes ist eindeutig. Unsere Gesellschaft altert. Immer weniger Menschen der jüngeren Generation müssen immer mehr Menschen der älteren Generation finanzieren, welche durch immer bessere Medizin immer älter werden. Dies stellt den Wohlfahrtsstaat Deutschland vor erhebliche finanzielle Herausforderungen in vielen Politikfeldern. Nur zu nahe liegt es doch da, durch Reformen einer lang vernachlässigten Familienpolitik steuernd auf diesen Prozess einzuwirken.

Das erste Kapitel der Arbeit wird sich mit den Begriffen „demographischer Wandel“ und Familienpolitik beschäftigen. Eine definitorische Auseinandersetzung mit diesen Begriffen am Anfang schafft Sicherheit im Umgang und ist zwingend erforderlich. Weiterhin wird im diesem Kapitel die Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Schweden skizziert, um einen Überblick über die aktuelle Situation und die erwarteten Prognosen für die Zukunft in den beiden Ländern zu erhalten. Kurzum soll in diesem Kapitel in die Thematik eingeführt werden und Grundlagen geschaffen werden.

Das zweite Kapitel wird sich mit der Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden beschäftigen. Hier wird die Familienpolitik beider Länder in ihrer Gesamtheit kurz skizziert. Im späteren Verlauf der Arbeit werden dann einzelne familienpolitische Elemente in beiden Staaten im Hinblick auf die Forschungsfrage untersucht.

Das dritte Kapitel wird sich mit der Kinderbetreuung der beiden Staaten auseinandersetzen. Hier wird untersucht welchen Einfluss die Art der Kinderbetreuung auf die Fertilität und damit die Geburtenrate der beiden Staaten hat. Unter der zentralen Frage: ist Kinderbetreuung der zentrale Faktor für mehr Geburten? wird dies für beide Staaten dargestellt werden.

Das vierte Kapitel behandelt den Faktor Gleichstellung von Mann und Frau. Es wird untersuchen welchen Einfluss die Gleichstellung auf die Geburtenrate hat. Hier werden wieder die Unterschiede und die daraus entstehenden Effekte, in beiden Staaten deutlich gemacht.

Das fünfte Kapitel wird sich als Fazit dann schlussendlich mit der Frage auseinandersetzen, ob das Königreich Schweden ein Vorzeigemodell für die Bundesrepublik Deutschland sein kann und ob vor allem die dort vorherrschende Familienpolitik dem demographischen Wandel der Gesellschaft entgegenwirken kann? Weiterhin werden die aus den Ergebnissen der vorigen Kapitel entstandenen Schlussfolgerungen, im Hinblick auf die Forschungsfrage, für die Bundesrepublik Deutschland gezogen.

2. Begriffsbestimmungen sowie Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und im Königreich Schweden.

2.1. Demographie / demographischer Wandel

Diese in der Überschrift aufgeführten Worte sind in aller Munde. Doch was bedeuten sie eigentlich?

Demographie stammt von den griechischen Wörtern „demos“, was so viel wie Volk, und „graphein“, was so viel wie einritzen, schreiben bedeutet.

Der Begriff bezeichnet die „Beschreibung und Erklärung von Struktur und Wandel der Bevölkerung, beispielsweise anhand des Aufbaus und des demographischen Übergangs.“11 Bei dem Begriff „demographischen Übergang“ handelt es sich um einen „Fachausdruck der Demographie für die Beschreibung und Erklärung der Bevölkerungsveränderung insbesondere in Europa seit Mitte des 18. Jahrhunderts“.12

2.1.2. Familienpolitik

Der Begriff Familienpolitik beschreibt die „institutionellen, prozessualen und entscheidungsinhaltlichen Aspekte des Handelns, das darauf gerichtet ist, Konflikte bezüglich der Lage der Familie und ihrer Angehörigen verbindlich zu regeln. Die Ziele, Mittel und Institutionen der Familienpolitik variieren von Land zu Land und Epoche zu Epoche.“13 „Der Begriff wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingeführt und zunächst vor allem im Sinne von Bevölkerungspolitik verstanden.“14 Die moderne Familienpolitik hat sich von diesem Verständnis entfernt. Heutzutage ist sie eher kompensatorisch und korrektiv ausgerichtet.15 Dies meint zum Beispiel die Beseitigung von sozialer Ungleichheit und Materieller Engpässe durch den Staat.16

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Familienpolitik verfassungsrechtlich dem Besonderen Schutz des Staates unterstellt.

2.2. Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland.

In der Bundesrepublik Deutschland war die Bevölkerungsentwicklung von einem kontinuierlichen Zuwachs der Bevölkerungszahl geprägt. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 1871 bis zur Mitte der 1990er Jahre. Sie kletterte dabei von ca. 41 Millionen im Jahre 1871 - über 56 Millionen um 1900 - auf knapp 69 Millionen im Jahre 1935. Im Jahr 1952 kletterte die Bevölkerungszahl zum ersten Mal über die 70 Millionen Marke, im Jahr 1991 zum ersten Mal über die 80 Millionen Marke.17

In West und Ostdeutschland gab es eine gegensätzliche Bevölkerungsentwicklung. In Westdeutschland erhöhte sich die Bevölkerungszahl von 1950 bis 2006 um 14, 7 Millionen bzw. 28,9 Prozent. In Ostdeutschland sank sie im gleichen Betrachtungszeitraum um 1,7 Millionen bzw. 9,5 Prozent.18

Jedoch hat sich die Dynamik des Bevölkerungswachstums im zeitlichen Verlauf zunehmend abgeschwächt. Im Jahre 2002 gab es einen Wendepunkt. Dort wurde der bisherige Höchststand erreicht. Seitdem sind die Bevölkerungszahlen rückläufig. Zwischen 2002 und 2006 fiel die Zahl der Bevölkerung um 0,27 Prozent auf 82.314.906 von vorher 82.563.680.19 Seit 1972 ist die Geburtenrate in Deutschland konstant unter die Sterberate gefallen. Trotzdem bliebe die Bevölkerungszahl bis dato relativ stabil. Dies kann man mit dem Wanderungsüberschuss erklären, den Deutschland fast in jedem Jahr bis dato hatte. Doch seit 2002 kann auch er bekanntlich die Rückläufigkeit der Bevölkerungszahl nicht mehr aufhalten.20

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, denen die Annahme der Fortsetzung der aktuellen demographischen Entwicklung, einem moderaten Anstieg der Lebenserwartung und einem Wanderungssaldo von 200.000 zugrunde liegt, wird im Jahre 2050 die Bevölkerungszahl auf knapp 74 Millionen Bundesbürger sinken. Der Anteil der Personen von 60 Jahren oder älter wird knapp 40 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.21 Die daraus entstehenden Probleme für Wirtschaft und soziale Sicherung sind eminent, sollen hier jedoch zunächst nicht weiter diskutiert werden.

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung in der BRD in absoluten Zahlen 1871 bis 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, Jahrbuch 2007

[...]


1 vgl. Singhammer, 2006, S. 291-293

2 vgl. Humme, 2006, S 294 -297

3 vgl. Deligöz, 2006, S 298

4 vgl. Statistisches Bundesamt, Geburten in Deutschland, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffen tlichungen/Bevoelkerung/BroschuereGeburtenDeutschland,property=file.pdf, zugegriffen am 08.03.2009

5 vgl. ZDWA, Finanzieller Ausgleich oder Gleichstellung von Mann und Frau,http://www.zdwa.de/zdwa/debatten/20051111_21534341_debatteW3DnavidW261.php, zugegriffen am 08.03.2209

6 Merten, 2006, S. 306

7 Esping-Andersen, 1990

8 Rühling/ Kassner, 2007, S. 19

9 Esping- Andersen, 1990

10 Rühling/ Kassner, 2007, S. 23

11 Schmidt, 2004, S. 147

12 ebd.

13 Schmidt, 2004, S. 221

14 ebd.

15 vgl. Schmidt 2004, S. 221

16 ebd.

17 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Die soziale Situation in Deutschland, http://www.bpb.de/wissen/AE3W2K.html, zugegriffen am 16.03. 2009

18 ebd.

19 ebd.

20 ebd.

21 Bundeszentrale für politische Bildung, Die soziale Situation in Deutschland, http://www.bpb.de/wissen/1KNBKW.html, zugegriffen am 16.03.2009

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656017783
ISBN (Buch)
9783656018209
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179385
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
familienpolitik bundesrepublik deutschland königreich schweden vergleich welche maßnahmen wandel

Autor

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