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„Absturz oder Sinkflug des Adlers“ - Die USA, eine fallende Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhalt

„Absturz oder Sinkflug des Adlers“ - Die USA, eine fallende Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium?!

I.Hegemonie vs. Imperium - Begriffserläuterungen
I.1.Hegemonie
I.2.Imperium

II.Die Decline-Debatte um die USA!
II.1.Die USA als Hegemon
II.2. „ American Empire “10

III.„The Fall of the US [] - And Then What?“
III.1.China - „ ein hei ß er Anw ä rter auf den Thron “
III.2.Ein weiterer Ausweg: die Regionalisierung?
III.3.Die USA, tats ä chlich ein sinkendes Schiff?!

Schlussfolgerung!

Literaturnachweis!

„Absturz oder Sinkflug des Adlers“ - Die USA, eine fallende Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium?

Der 25. Dezember 1991 - ein symbolisches Datum. Anfang und Ende zweier Supermächte, die sich während einem halben Jahrhundert bekriegt haben. Mit der Auflösung der Sowjetunion erreichen die USA den Zenith ihrer alleinigen, weltweiten Macht - laut George Modelski und William R. Thompson.1 2

1991 gelang es den Vereinigten Staaten von Amerika, sich ein zweites Mal an die weltweite Führungsspitze zu setzen. Warum ein zweites Mal? Nun, Modelski zufolge kann man den gesamten Geschichtsverlauf in verschiedene Hegemoniezyklen, oder auch Long cycles (LC), einteilen.3 Jeder dieser Zyklen umfasst die Spanne des Aufstiegs, des Gipfels und des Niedergangs einer Macht, die für diesen Zeitraum eine weltweite Führungsposition einnimmt. Um die Art Letzterer genau festzulegen, braucht es einer weiteren Erläuterung die im Verlauf dieser Arbeit folgen wird. Anhand empirischer Studien konnte Modelski in Zusammenarbeit mit Thompson bis dato zehn solcher Zyklen belegen. Demzufolge befänden wir uns momentan im zehnten Hegemonialzyklus, das heißt im LC USA II. Dieser begann 1973 und soll in den 2030er Jahren enden.4

Doch spätestens seit 9/11 und dem „Kampf gegen den Terror“ stellt sich immer wieder die Frage um die Beschaffenheit der Macht der USA. Handelt es sich wirklich um eine Hegemonie oder sind sie nicht doch eher eine Imperialmacht? Des Weiteren werden seitdem immer mehr Stimmen lauter, die behaupten, dass die Vereinigten Staaten sich in der Phase des Niedergangs befänden. Doch ist dem in der Tat so? Und was käme nach LC10?

Um diese Fragen beantworten zu können, werden wir uns in einem ersten Teil der Erläuterung der Begriffe „Hegemonie“ und „Imperium“ widmen. Dies ist nötig, da die Begriffe auch in der wissenschaftlichen Literatur oft Konnotationen haben oder systematisch quasi synonym eingesetzt werden. In einem zweiten Teil werden wir uns mit der Decline -Debatte um die USA beschäftigen. Diese vereint die Fragen um die Machtbeschaffenheit sowie um den möglichen Niedergang der USA und unterteilt sie in verschiedene Strömungen. Im Zusammenhang mit dem Fall der Vereinigten Staaten werden wir uns an dieser Stelle auch mit der Frage auseinandersetzen, wer oder was darauf folgen wird. Im letzten Drittel werden wir uns mit der Frage beschäftigen, ob die USA sich wirklich im „Absturz oder Sinkflug“ befinden.

I.Hegemonie vs. Imperium - Begriffserläuterungen

An der Technischen Universität Braunschweig wurde unter Prof. Dr. Ulrich Menzel ein Forschungsprojekt zum Thema „Imperium oder Hegemonie“ eingerichtet. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, die von Modelski und Thompson ausgearbeiteten Hegemoniezyklen empirisch zu untersuchen und dabei herauszuarbeiten, ob es sich bei der jeweiligen Führungsmacht tatsächlich um eine hegemoniale oder doch um eine imperiale Macht handelt.5 In diesem Zusammenhang hat das Forschungsteam um Menzel genaue Begriffserläuterungen festgelegt, an denen ich mich im Laufe dieser Arbeit orientieren möchte. Im Folgenden werden die vom Projekt festgelegten Definitionen angeführt und kurz erläutert.

I.1.Hegemonie

Ein Hegemon übernimmt die Führerschaft über andere souveräne Staaten. Unter keinen Umständen unterdrückt er andere Länder.6 Er übernimmt lediglich eine führende Rolle in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Militär. Seine Führerschaft wird von anderen Staaten akzeptiert, da es unter ihr zu einer gewissen Ordnung und somit zu Frieden und Wachstum kommt. Des Weiteren gewährt der Hegemon den Zugang zu öffentlichen Gütern, das heißt zu Gütern, an deren Beteiligung jeder Recht hat. Der Hegemon beschützt diese und stellt sie den anderen Ländern kostenlos zur Verfügung. Diese nehmen dann als free rider daran Teil.7

Seine Macht übt er nicht über Waffengewalt, also über hard power aus. Er bedient sich soft power, das heißt seiner Ausstrahlungskraft um sich als Anführer zu behaupten. Um als Hegemon gelten zu können muss er jedoch über beide verfügen.8

Zbigniew Brzezinski, früherer Sicherheitsberater Bill Clintons, verfasste 1997 vier Merkmale, die einen modernen Hegemon ausmachen.9 So muss der heutige Hegemon zum Ersten weltweit militärische Präsenz zeigen. Dies deckt sich mit der Voraussetzung Modelskis, laut der eine hegemoniale Macht über mehr als 50% der weltweiten Flotte verfügen muss. Damit die Flotte als Indikator dienen kann, werden in dieser Berechnung nur die Hauptkriegsschiffe der jeweiligen Epoche, wie etwa heutzutage Destroyer oder Flugzeugträger, beachtet.10 Des Weiteren soll die Hegemonie größte Volkswirtschaft sein. Das heißt sie verfügt über 50% des Welteinkommens. Ein weiteres zu erfüllendes Kriterium ist der technische Vorsprung in den innovativen Branchen, vor allem in der Informationstechnik. Dies stimmt in etwa mit dem überein, was Modelski als Phase der Innovation beschreibt. Um sich von anderen führungsanstrebenden Mächten zu unterscheiden, muss ein Staat sich durch eine bestimmte Innovation hervorheben.11 Hierin liegt auch der Grund seines Untergangs. Letzterer definiert sich durch den Nachlass der Innovationskraft.

Auf diese Weise kann sich dann eine innovativere Macht als Führungsmacht durchsetzen.12 Als letztes Merkmal nennt Brzezinski die kulturelle Ausstrahlungskraft, die sowohl die populäre Massenkultur wie auch die Hochkulturen betrifft.13

Menzel hat anhand Modelskis Forschungen noch weitere Merkmale ausgearbeitet. So kontrolliert der Hegemon die für die Gesellschaft wichtigen Ströme und Netzknoten. Des Weiteren verfügt er über eigene Ressourcen und finanziert sich somit selbst über internationalen Handel.14

Halten wir also fest: der Hegemon ist Anführer unter Gleichen. In einem Weltsystem kann keine finale Entscheidung ohne die hegemoniale Macht durchgesetzt werden. Bei einer Entscheidung liegt es in ihrer Verantwortung, diese zu leiten, nicht die eigene Entscheidung durchzusetzen. Auf diese Weise ist eine Hegemonialmacht mit dem aktuellen internationalen Staatensystem , das aus autonomen, souveränen Ländern besteht, die alle über Rechtsgleichheit verfügen, kompatibel. Es handelt sich also um eine globale, offene, leitende Macht.15

I.2.Imperium

Anders das Imperium. Hierbei handelt es sich um eine Herrschaft über andere Länder. Im Gegensatz zur Hegemonie verfügt ein Imperium über eine stattliche Landmacht. Sein Ziel ist es, sein Territorium weitläufigst auszudehnen und somit Macht über die peripheren Staaten zu erlangen. Somit reicht seine Macht „nur“ bis zu seinen Staatsgrenzen. Sie umfasst also einen eher regionalen, geschlossenen Raum.

Des Weiteren manifestiert ein Imperium seine Macht über hard power beziehungsweise über deren Organe aus Armee, Geheimdienst, Polizei und Bürokratie, muss auf diese Weise also nicht unbedingt eine besondere Attraktivität auf andere Staaten haben, da sein Mechanismus auf Zwang beruht.

Finanziert wird das Imperium über die Tribute, die ihm die untergebenen Territorien zu leisten haben. Falls die Herrschaftskosten diese übersteigen kommt es zum schnellen Niedergang des Imperiums. Meist wird dieser noch durch die Verweigerung der Kooperation der sogenannten Vasallen beschleunigt.16

Um die Erläuterung des Imperiums zu komplettieren darf man auf keinen Fall den Unterschied zwischen formellem und informellem Imperium außer Acht lassen.

Ersterer ist wohl besser bekannt unter der Bezeichnung Kolonialismus. Hierbei strebt eine Macht die Herrschaft über ein fremdes Gebiet an. Dieses wird dann militärisch besetzt, vom „Mutterland“ aus verwaltet und steht unter dessen Flagge.17 Es handelt sich hierbei also um eine direkte Machtausübung über Vasallenstaaten.

Bei dem zweiten Typus, also dem informellen Imperium, geht es nicht um die territoriale Herrschaft über fremde Gebiete. Hierbei erstrebt die imperiale Macht die Kontrolle über die fremde Wirtschaft. Sie möchte diese an ihren eigenen Interessen ausrichten. Das betroffene Land muss sich in diesem Fall auch politischen Vorschriften des informellen Imperiums beugen.18 Bei diesem Typus handelt sich also eher um eine indirekte Machtausübung. Beide Typen streben jedoch auf Dauer die Herrschaft über eine fremde Gesellschaft an.

[...]


1 WALLERSTEIN, Immanuel, Absturz oder Sinkflug des Adlers? Der Niedergang der amerikanischen Macht. Hamburg 2004.

2 MODELSKI, George; THOMPSON, William R., Leading sectors and world powers: the coevolution of global economics and politics. Columbia, University of South Carolina Press, 1996, S.154.

3 MODELSKI, George, Long cycles in world politics. Seattle, Presse universitaire Washington, 1987.

4 MODELSKI; THOMPSON, op. cit., S. 154.

5 MENZEL, Ulrich, «Projekt Imperium oder Hegemonie», http://www-public.tu-bs.de:8080/ ~umenzel/inhalt/dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25 Januar 2011).

6 MENZEL, Ulrich, USA 1990-ca. 2035: Hegemonialmacht mit imperialen Zügen.

(Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften n° 99), November 2010,

konsultierbar unter: MENZEL, Ulrich, op. cit., http://www-public.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/ dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25. Januar 2011).

7 MENZEL, Ulrich, «Die Hierarchie der Staatenwelt», in: Imperium oder Hegemonie,

(Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften n° 95). März 2010, S. 22,

konsultierbar unter: MENZEL, Ulrich, op. cit., http://www-public.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/ dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25. Januer 2011).

8 Idem, S. 9.

9 BRZEZINSKI, Zbigniew, Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt 1999.

10 MODELSKI, George; THOMPSON, William R., Seapower in Global Politics, 1494-1993. Houndmills 1998; Idem, Leading sectors. op. cit., S. 194; MENZEL, «Die Hierarchie der Staatenwelt», op. cit., S. 27.

11 MODELSKI; THOMPSON, Leading Sectors. op. cit., S. 52-53.

12 MENZEL, « Die Hierarchie der Staatenwelt», op. cit., S. 41.

13 DERS., S. 9.

14 DERS ., S. 41.

15 SCHROEDER, Paul W., «Is the U.S. an Empire?». Unter: http://hnn.us/articles/1237.html (zuletzt besucht am 25. Januar 2011).

16 MENZEL, « Die Hierarchie der Staatenwelt», op. cit., S. 41-42.

17 «Typen imperialistischer Herrschaft». Unter: Wolfgang Currlin Home Page, Imperialismus. http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_imperialismus.htm (zuletzt besucht am

26. Januar 2011).

18 Idem.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656018575
ISBN (Buch)
9783656018896
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179519
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg
Note
1,0
Schlagworte
Hegemonialmacht Hegemonie Modelski USA China Imperialmacht Imperium Hegemonie versus Imperium

Autor

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