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Möglichkeiten und Probleme der Netzwerkbildung industrieller Unternehmungen

Seminararbeit 2003 20 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Problemstellung, Ziel und Vorgehen

2 Vom Unternehmen zum Unternehmensnetzwerk
2.1 GRÜNDE UND ZIELE DES ORGANISATORISCHEN WANDELS
2.2 ZUM BEGRIFF DES UNTERNEHMENSNETZWERKES
2.3 ZUR THEORETISCHEN DISKUSSION
2.3.1 Theoretische Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Netzwerken
2.3.2 Hybridform, eigenständiger Koordinationsmechanismus oder kollektiver Akteur höherer Ordnung?
2.4 TYPISIERUNGSMÖGLICHKEITEN VON NETZWERKEN

3 Formen von Netzwerken

4 Chancen und Risiken der Netzwerkbildung
4.1 CHANCEN UND MÖGLICHKEITEN VON UNTERNEHMENSNETZWERKEN
4.2 RISIKEN UND PROBLEME VON UNTERNEHMENSNETZWERKEN

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: UNTERSCHEIDUNGSMERKMALE VON MARKTFÖRMIGEN, HYBRIDFÖRMIGEN UND HIERARCHISCHEN STEUERUNGS- UND REGELUNGSSTRUKTUREN

ABBILDUNG 2: EIN VERGLEICH ÖKONOMISCHER ORGANISATIONSFORMEN

ABBILDUNG 3: TYPISIERUNGSMERKMALE VON NETZWERKEN

1 Problemstellung, Ziel und Vorgehen

„Dem Netzwerk gehört die Zukunft“ (Howaldt/Kopp/Martens 2001, S. 4). Aufgrund der rasant gestiegenen Komplexität und Dynamik der Märkte sowie den gestiegenen Anforderungen an die Unternehmen bedarf es heutzutage einer Organisationsform, die den veränderten Rahmenbedingungen der Wirtschaft gerecht wird. Das Unternehmensnetzwerk wird häufig als die Organisationsform des 21. Jahrhunderts bezeichnet.

Die vorliegende Arbeit soll näher untersuchen, inwiefern sich Möglichkeiten und Chancen sowie Risiken und Probleme aus der Netzwerkbildung industrieller Unternehmungen ergeben. In Kapitel zwei sollen zunächst einige Vorbemerkungen zu Unternehmensnetzwerken ange-führt werden. Neben den Gründen und Zielen des organisatorischen Wandels wird auf den Begriff des Unternehmensnetzwerkes, die theoretische Diskussion sowie auf die Typisie-rungsmöglichkeiten von Netzwerken näher eingegangen. In Kapitel drei erfolgt eine Darstel-lung verschiedener Ausprägungsformen von Unternehmensnetzwerken. Die Chancen und Möglichkeiten sowie die Probleme und Risiken von Unternehmungsnetzwerken werden in Kapitel vier dargestellt, bevor die Arbeit mit einem Fazit in Kapitel fünf abgeschlossen wird. Wenn im Folgenden von Unternehmen bzw. Unternehmungen die Rede ist, so sind damit in-dustrielle Unternehmungen gemeint.

2 Vom Unternehmen zum Unternehmensnetzwerk

„Die Organisation des Wirtschaftens in modernen Industriegesellschaften befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Neben der Unternehmenskonzentration haben vor allem interorganisationale Kooperationsformen an Bedeutung gewonnen“ (Gerum/Achenbach/Opelt 1998, S. 1). Die turbulente Umwelt, die zunehmend durch die Globalisierung des Wettbe-werbs geprägt ist, führt zur Bildung sogenannter Unternehmensnetzwerke. Sie stellen jedoch keine grundsätzlich neue Organisationsform ökonomischer Aktivitäten dar, sondern fanden Ihren Ursprung schon im 14. Jahrhundert. Beispielhaft für organisationale Kooperationsformen ist das Verlagssystem1 (vgl. Sydow 1992, S. 54-60). Bevor in Kapitel 2.2 näher auf den Begriff von Unternehmensnetzwerken eingegangen wird, soll zunächst ein Überblick über die möglichen Entstehungsgründe und Ziele von Unterneh-mensnetzwerken gegeben werden.

2.1 Gründe und Ziele des organisatorischen Wandels

Das Entstehen von Unternehmensnetzwerken kann sehr unterschiedliche Gründe haben und ist sehr eng mit der jeweiligen Zielsetzung der Unternehmen verbunden. Die veränderten Rahmenbedingungen des Wettbewerbs stellen neue Anforderungen an die Unternehmen und damit auch an die Organisationsform der Unternehmen.

Nach Wildemann lassen sich sieben Trends identifizieren, die die Bildung von Unterneh-mensnetzwerken forcieren: Globalisierung des Wettbewerbs, Zunahme der Arbeitsteilung, Konzentration auf Kernkompetenzen, Übergang zu System- und Modulbeschaffung oder An-gebot von Vollsortimenten, Einsatz weniger koordinationsverursachender, marktorientierter Mechanismen, Notwendigkeit der Ressourcen- und Know-how-Bündelung (vgl. Wildemann 2000, S. 226-229). Unternehmensnetzwerke stellen eine moderne Organisationsform dar, die im Rahmen einer fortschreitenden Globalisierung, einer intensiver verfolgten Arbeitsteilung auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen sowie einer Konzentration auf Kernkompetenzen Aufgaben bewältigen kann, für die ein einzelnes Unternehmen nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen würde (vgl. Nathusius 1998, S. 36). Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen können nur mit Hilfe netzwerkartiger Kooperationen im Wettbewerb mit gro-ßen Unternehmen bestehen. Jedoch sehen auch große Unternehmen die Möglichkeit, durch die Bündelung ihrer Ressourcen und ihres Know-hows Synergiepotentiale zu realisieren.

Speziell im Bereich Forschung und Entwicklung kooperieren Unternehmen, um gemeinsam neue Technologien zu entwickeln (vgl. Sydow 1997, S. 15-16). Ein Ziel der Bildung von in-dustriellen Unternehmungsnetzwerken ist die Bündelung der spezifischen Kernkompetenzen der einzelnen Unternehmen, um Synergien zu bewirken. Weiterhin sollen Kosteneinsparun-gen und Finanzierungsmöglichkeiten neuer Geschäftsfelder durch die gemeinschaftliche Auf-teilung der Kosten und Investitionen realisiert werden (vgl. Wildemann 2000, S. 241).

Die Zielsetzung der Netzwerkbildung untersuchte Wildemann mit Hilfe einer Delphi-Studie bei 155 Unternehmen2. Als strategisch bedeutende Ziele kristallisierten sich folgende heraus: Kostenreduzierung, Konzentration auf Kernkompetenzen, Wettbewerbsvorteile durch Leis-tungsdifferenzierung, Nutzung von Synergien, Lernen von anderen Unternehmen, Know-how-Bündelung, Kostenführerschaftsstrategien, Erreichen eines höheren Qualitätsniveaus, Vermarktungsvorteile, Expansion, Internationalisierung, bessere Kapazitätsleistung, Komple-xitätsreduzierung, schnelle Prozessentwicklung, schnelle Produktentwicklung, Verbesserung der Logistikleistung, Verringerung des unternehmerischen Risikos (vgl. Wildemann 2000, S. 229-230). Gerum formuliert allgemein als Ziel netzwerkartigen Kooperationen die Realisie-rung einer Kooperationsrente im Sinne einer Win-Win Strategie3 (vgl. Gerum 1998, S. 1).

2.2 Zum Begriff des Unternehmensnetzwerkes

„Die Formen, Ursachen und Ausprägungen der Organisationsform Netzwerk und die Verwendung des Begriffes sind sehr vielfältig“ (Bienert 2001, S. 66).

Da der Begriff des Netzwerkes für sehr viele Arten von Kooperationen, Zusammenschlüsse und gegenseitig abhängigen Unternehmen steht, ist es sehr schwierig eine allgemein anerkannte Definition zu finden.

Eine oft zitierte und häufig verwendete Definition findet sich bei Sydow: „Ein Unternehmensnetzwerk stellt eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform ökonomischer Aktivitäten dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmen auszeichnet“ (Sydow 1992, S. 79). Von einem Unternehmensnetzwerk abzugrenzen ist das strategische Netzwerk. Es unterscheidet sich von anderen Netzwerken dadurch, dass es von einem oder mehreren fokalen Unternehmen strategisch geführt wird (vgl. Sydow 1992, S.81).

„Ein strategisches Netzwerk stellt eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende, polyzentrische, gleichwohl von einer oder mehreren Unternehmen strategisch geführte Organisationsform ökonomischer Aktivitäten zwischen Markt und Hierarchie dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmen auszeichnet“ (Sydow 1992, S. 82).

2.3 Zur theoretischen Diskussion

Im Folgenden wird versucht, mit Hilfe von theoretischen Ansätzen die Entstehung von Netzwerken zu erklären. Weiter unten wird die Frage aufgegriffen, inwieweit die Organisationsform Netzwerk eine Hybridform zwischen Markt und Hierarchie, einen eigenständigen Koordinationsmechanismus oder einen kollektiven Akteur höherer Ordnung darstellt.

2.3.1 Theoretische Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Netzwerken

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine Theorie, welche die Evolution und Organisa-tion strategischer Netzwerke abschließend erklären kann. Es finden sich jedoch in erster Linie zwei theoretische Ansätze - die Transaktionskostentheorie sowie die Interorganisationstheo-rien -, auf die ich mich ebenfalls in meinen Ausführungen beschränken will.4 Der zentrale Gedanke des Transaktionskostenansatzes ist die einzelne Transaktion, die den Prozess der Anbahnung, Vereinbarung, Kontrolle und Anpassung des physischen Güteraus-tausches umfasst. Ziel der Transaktionskostentheorie ist es, die Kosten, die bei einer Transak-tion anfallen, durch die geeignete Wahl einer Organisationsform zu minimieren. Spezifität und Unsicherheitsgrad von Transaktionen sind die zentralen Einflussgrößen auf die Transak-tionskosten. Niedrige Spezifität und geringe Unsicherheit führen zu einer Koordination über den Markt als effizienteste Organisationsform. Eine hierarchische Koordinationsform ist am effizientesten bei hoher Spezifität und Unsicherheit von Transaktionen. Eine mittlere Ausprä-gung der Determinanten Spezifität und Unsicherheit führt zu kooperativen Organisationsfor-men. Diese kooperativen Organisationsformen können auch als Netzwerke aufgefasst werden (vgl. Weber/Dehler/Wertz 2000, S. 268; Sydow 1992, S. 129 f.; Bienert 2001, S. 77-81; Schreyögg 1999, S. 392). Diese Sichtweise wird als intermediäre Position bzw. Hybridform bezeichnet. Neben der intermediären Position gibt es noch die Sichtweise der autarken Positi-on von Netzwerken und die Sicht der Netzwerke als übergeordnete Koordinationsform (vgl. Corsten 2001, S. 7-8). Auf diese Diskussion wird in Kapitel 2.3.2 näher eingegangen. Neben dem Transaktionskostenansatz werden in der wissenschaftlichen Literatur des öfteren die Interorganisationstheorien in Form der Austauschtheorie und des ressourcenbasierten An-satzes für die Entstehung von Netzwerken herangezogen.

Die Austauschtheorie geht von knappen Ressourcen und funktionalen Spezialisierungen der Unternehmen aus. Aufgrund dieser Bedingungen findet zwischen den Akteuren ein Austausch statt, wobei der Nutzen des Austausches die Kosten übersteigt. Im Vergleich zur Transakti-onskostentheorie wird hier auch der Wert des Objekts betrachtet. Im Mittelpunkt der Ressour-cenabhängigkeitstheorie steht ebenfalls die Tatsache, dass die Unternehmen ihre Ressourcen-knappheit überwinden, indem sie sich mit anderen austauschen. Zusätzlich geben die Unter-nehmen einen Teil ihrer Autonomie ab und es entstehen Abhängigkeitsverhältnisse. Um ein-seitige Abhängigkeitsverhältnisse zu vermeiden, bilden sich Netzwerke dadurch, dass selbst Abhängigkeitsverhältnisse aufgebaut werden (vgl. Corsten 2001, S.8-9; Bienert 2001, S. 81-84; Sydow 1992, S. 191-199).

Alle Versuche, die Entstehung von Netzwerken theoretisch zu erklären, sind lediglich als Partialansätze zu sehen (vgl. Sydow 1992, S. 129; Corsten 2001, S. 2-3).

2.3.2 Hybridform, eigenständiger Koordinationsmechanismus oder kollek- tiver Akteur höherer Ordnung?

An dieser Stelle soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Organisationsform des Netzwerkes in die bekannten Koordinationsmechanismen des einzuordnen ist. Bis heute gibt es keinen Konsens in der Frage, ob das Netzwerk eine Hyb-ridform zwischen Markt und Hierarchie darstellt, einen eigenständigen Koordinati-onsmechanismus verkörpert oder sogar als kollektiver Akteur höherer Ordnung angesehen werden muss. Im Rahmen dieser Seminarar-beit kann auf die wissen-schaftliche Diskussion die-ser Fragestellung nicht ab-schließend eingegangen werden. Trotzdem sollen die verschiedenen Standpunkte kurz dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Unterscheidungsmerkmale von marktförmigen, hybridförmigen und hierarchi-schen Steuerungs- und Regelungsstrukturen (Quelle: in Anlehnung an Williamson 1996, S.186, zitiert in Dinter 1999, S.30).

Nach Williamson stellt das Netzwerk eine Hybridform zwischen Markt und Hierarchie dar (vgl. Williamson 1996, S. 167-212; Dinter 2001, S. 26-31). Williamson begründet seine Auffassung mit der Analyse der Transaktionskosten. Er benennt vier Charakteristika institutioneller Arrangements als bedeutende Einflussgrößen der Effizienz von Organisationsformen: die Anreizintensität, die Kontrollmechanismen, die Anpassungsfähigkeit und die Kosten der E-tablierung und Nutzung des institutionellen Arrangements selbst (vgl. Bienert 2001, S. 86-88). Williamson zeigt, dass die Hybridform im Gegensatz zu den Organisationsformen Markt und Hierarchie hinsichtlich aller Charakteristika einen mittleren Grad aufweist und damit auf dem Markt-Hierarchie-Kontinuum anzusiedeln ist (siehe Abb. 1).

[...]


1 „Verlag, Produktionsorganisation, in der die Herstellung bestimmter Güter durch (formal) selbständige Gewer-betreibende durch einen Dritten mehr oder weniger umfassend organisiert ist; dezentrale, überwiegend hand-werkliche Produktion wird mit zentraler Organisation des Absatzes verbunden“(Gabler Wirtschaftslexikon 1997, S. 4078).

2 Detailliertere Informationen zur Delphi-Studie finden sich bei Wildemann, H. (1998): Entwicklungs-, Produktions-, Vertriebsnetzwerke in der Zulieferindustrie - Ergebnisse einer Delphi-Studie, München, 1998.

3 Eine Win-Win Strategie ist dadurch gekennzeichnet, dass alle teilnehmenden Partner von der Kooperation profitieren und im Gegensatz zu einem Verzicht auf die Kooperation einen höheren Nutzen erzielen.

4 Eine umfassende Darstellung theoretischer Ansätze zur Erklärung der Evolution und Organisation strategischer Netzwerke findet sich bei Sydow 1992, S. 127-224.

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638224079
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17977
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Möglichkeiten Probleme Netzwerkbildung Unternehmungen Seminar Industrielles Management Umwelt

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