Lade Inhalt...

Die Verhandlungen im UNO-Sicherheitsrat zum Irakkonflikt 2003

Hausarbeit 2009 30 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geschichte des Irakkonflikts 2003 und der Entscheidungsprozess im UNO-Sicherheitsrates

3. Analyse der Positionen der beteiligten Staaten zum Irakkonflikt 2003 im Rahmen der Verhandlungen im UNO-Sicherheitsrat
3.1 Position der USA
3.2 Position des Iraks
3.3 Position von Großbritannien
3.4 Position der Bundesrepublik Deutschland
3.5 Position Russlands
3.6 Position Frankreichs

4. Schlussfolgerungen

Quellenliste

Literaturliste

Anhang: Die Tabellen zur Inhaltsanalyse der Reden im UNO-Sicherheitsrat

1. Einleitung

Der Krieg im Irak 2003 hat bis heute einen großen negativen Einfluss auf die internationalen Beziehungen. Der Krieg war von den Vereinten Nationen (UNO) nicht legalisiert und es gab auch keine plausible Legitimation für den Krieg. Trotz der Proteste einzelner Akteure der Weltgemeinschaft wurde die Militäraktion im Irak 2003 federführend der Vereinigten Staaten (USA) durchgeführt.

Im Sicherheitsrat der UNO gab es einige Mitglieder, die versucht haben den Irakkrieg 2003 zu verhindern. Es ist ihnen aber nicht gelungen. Woran lag es? Gab es die Möglichkeit diesen Konflikt friedlich zu lösen oder war die Militäraktion in dem Fall unabdingbar? In dieser Hausarbeit werden die Fehler der Kriegsgegner bei den Verhandlungen im UNO-Sicherheitsrat analysiert. Sie geben Auskunft darüber, warum der Versuch einer friedlichen Beilegung im Rahmen der UNO-Verhandlungen gescheitert ist.

Der Irakkonflikt im Jahre 2003 hat eine große Auswirkung für alle Beteiligten Akteure und die internationale Gemeinschaft insgesamt. Der Konflikt unterscheidet sich von allen anderen Konflikten, die bereits im Rahmen der UNO verhandelt wurden. Die USA als eines der ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates haben ohne ein UNO-Mandat gegen einen souveränen Staat Gewalt angewendet. Das widerspricht den Prinzipien des Systems der internationalen Beziehungen, das im Rahmen der UNO geprägt wurde.

Die Vorkommnisse des letzen Irakkonfliktes sind noch nicht so ausführlich erforscht in der wissenschaftlichen Literatur. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass der Konflikt noch nicht vollständig beendet ist und seit dem Waffenstillstand zu wenig Zeit vergangen ist. Politikwissenschaftler erforschen sowohl die Geschichte, den Verlauf des Konfliktes und seine Ursachen, als auch seinen Einfluss auf die internationalen Beziehungen. Besonders oft geht es um die transatlantischen und europäischen Beziehungen.

Die Ursachen und Anlässe des Irakkonfliktes und auch der Konfliktverlauf werden in den Artikeln von Michael Walzer[1], Michael Naumann[2], Günter Hofmann[3], Josef Joffe[4] und Martin Klingst[5] analysiert. Der Irakkrieg wird als ein internationaler Konflikt charakterisiert. Es wird auf die Frage eingegangen, ob es von den USA legal und legitim war den Krieg im Irak zu führen und ob der Krieg sein Ziel erreichte. Die drei Hauptkriterien dieser Konfliktanalysen sind Legalität, Legitimität und Effektivität.

Michael Staak[6], Gisella Müller[7], Thomas Jäger und Andrea Szukala[8], Franko Algieri[9] und Georg Schild[10] thematisieren den Einfluss des Irakkonfliktes auf die transatlantischen Beziehungen und konzentrieren sich auf die Folgen des Konfliktes.

Der Konflikt im Irak, seine Vorgeschichte und die Folgen sind in der Literatur relativ ausführlich beschrieben. Der Entscheidungsprozess im UNO-Sicherheitsrat wurde bisher noch nicht gründlich erforscht. Deswegen lautet die Fragestellung dieser Hausarbeit: Warum ist es nicht gelungen den Konflikt im Irak 2003 im Rahmen der Verhandlungen im UNO-Sicherheitsrat zu verhindern? Für die Beantwortung dieser Frage sollte man erstens den Verlauf des Konfliktes und den Entscheidungsprozess im Sicherheitsrat untersuchen. Zweitens sollen die Reden der UNO-Vertreter zum Irakkonflikt in der Endphase der Verhandlungen vor dem US-amerikanischen Einmarsch und auch kurz danach analysiert werden.

Methodisch basiert die Hausarbeit auf der quantitativen Inhaltsanalyse. Diese Methode wird als ein Instrument für die Erforschung politischer Texte verwendet. Sie basiert auf der systematischen Ausgliederung und Fixierung bestimmter Einheiten des Textes. Mit dieser Methode werden die Reden der UNO-Vertreter analysiert, die in der Endphase der Verhandlungen gehalten wurden. Der Kern dieser Methode besteht darin, dass man damit die Häufigkeit der Wörter, die mit einem oder anderem Thema verbunden sind, quantifizieren kann. Auch das Niveau der emotionalen Färbung der Reden lässt sich erforschen.[11]

Mit der Methode der Inhaltsanalyse wurden die Reden der Vertreter der USA, des Iraks, Großbritanniens, Deutschlands, Russlands und Frankreichs in der Endphase der Verhandlungen im Sicherheitsrat der UNO vom 16. Oktober 2002 bis zum 21. August 2003 analysiert. In dieser Zeit haben zehn Sicherheitsratsitzungen stattgefunden. Die Liste der Begriffe wurde auf Grund ihrer Häufigkeit gemacht und auf zwei relevante Kategorien aufgeteilt: friedliche Beilegung und militärische Einmischung. Zur Kategorie „friedliche Beilegung“ gehören die folgenden drei Begriffe: Frieden, Friedensregelung und Abrüstung. Zur Kategorie „militärische Einmischung“ gehören die Begriffe: Krieg, Konflikt, Krise und Massenvernichtungswaffen. Der Begriff Konflikt, der in den Reden nur selten vorkommt, wurde auf Grund seiner Relevanz in die Kategorie „militärische Einmischung“ einbezogen. Damit kann überprüft werden, welcher Begriff öfter benutzt wurde: Krieg oder Konflikt. Diese Begriffe signalisieren die Emotionalität der Reden. Unabhängig von den beiden Kategorien war der Begriff „UNO“ bei der Analyse auch als ein neutraler Begriff dabei, weil seine Zugehörigkeit sich kontextabhängig ändern konnte. Die Reden wurden in der russischen Sprache analysiert. Die entstandenen Tabellen mit den Resultaten wurden danach ins Deutsche übertragen. Das heißt, die Begriffe hatten in manchen Fällen ein wenig andere emotionelle Färbung.

2. Geschichte des Irakkonflikts 2003 und der Entscheidungsprozess im UNO-Sicherheitsrates

Die Militäraktion im Irak hat am 20. März 2003 angefangen. Die militärischen Kampfhandlungen dauerten nur 23 Tage, obwohl der Waffenstillstand erst am 2. Mai 2003 offiziell verkündet wurde. In dieser kurzen Zeit sind 156 amerikanische und 11000 irakische Soldaten getötet worden. [12] Später starben noch mehr. Der Konflikt hat eine sehr große Auswirkung auf die internationalen Beziehungen. Viele Staaten waren daran direkt oder indirekt als Befürworter oder Gegner der Militäraktion beteiligt, darunter auch die untersuchten Länder USA, Irak, Großbritannien, Deutschland, Russland und Frankreich. Der Irakkonflikt entzweite die Staatengemeinschaft in Befürworter und in Gegner der Militäraktion ohne UNO-Mandat. Die Gegner der Militäraktion ohne UNO-Mandat waren: der Irak, Deutschland, Russland, Frankreich, Kanada, Mexiko, China, Pakistan, Neuseeland, Belgien und Österreich. Folgende Länder waren für ein militärisches Eingreifen: die USA, Großbritannien, Salvador, Nicaragua, Kolumbien, Georgien, Usbekistan, Afghanistan, Äthiopien, Eritrea, die Republik Korea, Japan, Philippinen, Australien, Spanien, Niederlande, Dänemark, die Schweiz, Albanien, Mazedonien, Bulgarien, die Türkei, Italien, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und Estland. [13] Die Aufzählung bezieht sich auf Gegner und Befürworter des Krieges zu Beginn der Militäraktion. Danach hat sich die Lage verschoben. Direkte Akteure gibt es aber nur zwei in diesem Konflikt. Das sind der Irak und die USA, weil die Kriegserklärung an den Irak von den USA ausging.

Die Interessenskollision zwischen den beiden Akteuren bestand darin, dass die USA dem Irak die Produktion der Massenvernichtungswaffen und besonders die geheime Herstellung der Atomwaffe vorwarf. Die Diktatur Saddam Husseins wurde von der amerikanischen Regierung als gefährlich für die irakische Bevölkerung sowie bedrohlich für die USA und die ganze Welt erklärt. Saddam Hussein stand unter Verdacht Terroristen zu unterstützten.

Die irakische Regierung hat offiziell die Vorwürfe der Vereinigten Staaten widerlegt und erklärt, dass die Produktion der Massenvernichtungswaffen schon längst gestoppt wurde, darunter auch die Herstellung der Atomwaffen. Der Irak stand für die UNO-Inspektoren offen. Die irakische Regierung hat auch erklärt, dass sie nie die Terroristen unterstützt hat und am Terrorakt vom 11. September 2001 nicht beteiligt war. Die Anklage, so verteidigte sich die irakische Regierung, entbehre jeder Grundlage.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001, als Terroristen der al-Qaida Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers und Pentagon lenkten, haben den Konflikt der USA mit dem Irak neu entfacht. Die Regierung der USA hat danach „den Weltkreuzzug gegen den Terrorismus“[14] erklärt. Der Irak stand unter dem Generalverdacht ein Staat der „Achse der Bösen“ zu sein. Die Verbindung zwischen Saddam Hussein und Ben Laden wurde nie genau bewiesen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass solche Kontakte stattgefunden haben, war groß. Der Krieg im Irak konnte politische und wirtschaftliche Gewinne für die USA bringen, nämlich die Kontrolle in dieser strategisch wichtigen Region und der Zugriff auf die irakische Rohstoffindustrie.

Seit 2001 begann das Pentagon den Umsturzplan der irakischen Diktatur auszuarbeiten. Im Januar 2002 hat der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, seine Rede zur Lage der Nation gehalten, in der er erklärte, dass die amerikanische Außenpolitik auf den Kampf gegen den Terrorismus und auf den Sturz der Diktaturen der so genannten „Achse des Böses“ gerichtet sei. Dazu gehörten der Irak, der Iran und Nordkorea. [15] Der Präsident der Vereinigten Staaten hat es mehrmals angedeutet, dass er zum militärischen Einmarsch bereit ist und dass diese Entscheidung längst getroffen sei. Der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter George W. Bush, Dick Cheney, hat diese Vermutung in seiner Rede am 26. August 2002 nochmals bestätigt. Danach gab es kein Zweifel mehr daran, dass die USA nicht nur bereit sind einen Krieg anzufangen, sondern auch kein UNO-Mandat dafür brauchen. [16] Im Herbst 2002 wurde in den USA eine Meinungsumfrage durchgeführt, in der sich die Befragen für den militärischen Einmarsch in den Irak aussprachen, allerdings nur mit einem UNO-Mandat.[17]

Schon im Sommer 2002 hat der britische Premier Minister Tony Blair eine offizielle Erklärung gemacht, dass im Fall des Irakkonfliktes die Vereinigten Staaten von Großbritannien unterstützt werden. Diese Entscheidung Blairs hat weder die britische Bevölkerung noch seine Parteikollegen geteilt. Ein UNO-Mandat für die Gewaltanwendung im Irak hätte den britischen Premierminister aus dieser heiklen Situation retten können. Es kam aber anders.

Am 12. September 2002 hat George W. Bush in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung offiziell gesagt, dass er die Absicht habe, in Übereinstimmung mit der UNO zu handeln. Nach seiner Rede war es aber ziemlich klar, dass der amerikanische Präsident eher eine einseitige Entscheidung treffen werde.[18] Die Aufgabe von der UNO bestand darin, solche Bestrebungen des amerikanischen Präsidenten einzugrenzen und das einseitige Handeln der USA zu vermeiden. Aber die USA und Großbritannien hatten kurz nach dieser Sitzung die ersten Kriegsvorbereitungen begonnen.

Die anderen ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates Frankreich, Russland und China hatten sich mit der Bundesrepublik Deutschland verbündet und ihre Position für die Friedenssicherung in der Region und gegen den Krieg erklärt. Diese Staaten hielten die Vorwürfe der USA an den Irak für nicht ausreichend für einen militärischen Einmarsch. Nach ihrer Auffassung war der Vorwurf über die irakische Atomwaffenproduktion nicht ausreichend bewiesen. Deshalb gehe vom Irak keine direkte Gefahr für die USA aus. Man sollte nicht die Sicherheit der Menschen und Stabilität der Region riskieren. Am Verdacht gegen Saddam Hussein, Verbindungen zur al-Qaida zu haben, zweifelten die Regierungen dieser Staaten auch. Zuerst sollten die Vorwürfe und Verdächtigungen bewiesen werden und danach sollte man dementsprechend Entscheidungen treffen und handeln.[19] „Die Ergebnisse der UNMOVIC-Inspektionen im Irak auf der Suche nach der Massenvernichtungswaffe und die offiziellen Erklärungen der USA und Großbritannien konnten Deutschland, Russland und Frankreich nicht überzeugen. Nach den Inspektionen sind zu viele Fragen offen geblieben. All das konnte die Notwendigkeit des Krieges nicht beweisen.“[20]

Die meisten Gegner einer militärischen Lösung des Irakkonfliktes waren der Meinung, dass die irakische Diktatur für die Weltgemeinschaft weniger gefährlich ist als die Folgen eines Krieges in dieser unstabilen arabischen Region. Nach dem Krieg konnte der Irak zu einer Territorium für Terroristen werden, was zur noch größeren Gewalt führen könnte.

Trotz der Auseinandersetzungen sollte der UNO-Sicherheitsrat eine konkrete Vorgehensweise mit dem Problemfall Irak ausarbeiten. Den Mitgliedstaaten ist es gelungen ein Basisdokument, die UNO-Resolution 1441, gemeinsam auszuarbeiten, in dem sie sich auf einen konkreten Plan geeinigt haben. Im Dokument ist festgeschrieben, dass die UNMOVIC-Inspektoren 2002 eine gründliche, flächendeckende Inspektion im Irak durchführen sollten. Nach dem Mandat sollten sie auch den Irak zur Kooperation und Zusammenarbeit vorbereiten.[21]

Die wichtigsten Auseinandersetzungen zwischen dem amerikanisch-britischen Allianz und Deutschland-Russland-Frankreich-Gruppierung waren mit den Kriterien verbunden, nach denen man die Ergebnisse der Inspektionen einschätzen sollte. Die Position der Vereinigten Staaten und Großbritannien lautete: die Resolution 1441 soll den militärischen Einmarsch in den Irak erlauben soll, falls der Irak sich der Zusammenarbeit mit den Inspektoren verweigere oder die Resolution auf irgendeine Weise verletzen wird. Deutschland, Russland und Frankreich haben darauf bestanden, dass erstmal die Ergebnisse der Inspektionen vorliegen sollen und danach kann diesbezüglich eine Entscheidung getroffen werden. Aber diese Entscheidung sollte extra getroffen werden und deswegen war sie nicht in der Resolution 1441 festgeschrieben. Auf diese Weise wollten die Gegner des Krieges Spielraum für die kommende Entscheidung lassen. Es sollte keinen Automatismus in den Krieg geben.[22]

Am 8. November 2002 wurde die Resolution nach achtwöchigen Verhandlungen unterschrieben. Die Streitfrage wurde auf die folgende Weise gelöst: im Fall, dass der Irak die Zusammenarbeit mit den UNO-Inspektoren boykottiert, wird das Land „seriöse Folgen“ zu erwarten haben, die nicht konkreter beschrieben wurden. In die Resolution 1441 wurde eben die Formulierung „Die UNO-Mitgliedstaaten können alle möglichen Mittel benutzen, um das Ziel zu erreichen“ nicht einbezogen.[23] Wenn diese Formulierung in der Resolution festgeschrieben worden wäre, hätte sie einen militärischen Einmarsch in den Irak erlauben. In den früheren UNO-Resolutionen zu den internationalen Konflikten stand diese Formulierung schon mehrfach: Resolutionen zum Irakkonflikt 1990 und 1991, zum Konflikt in Somalia 1993, zum Bosnienkonflikt 1993-2005 und zum Afghanistankonflikt 2002. Diesmal konnte der Präsident der Vereinigten Staaten die Notwendigkeit dieser Formulierung mit seinen Argumenten im UNO-Sicherheitsrat nicht durchsetzen. Das heißt, dass die Resolution 1441 als Dokument des internationalen Rechts den militärischen Angriff der USA auf den Irak zu keiner Zeit legalisierte. Die Resolution war kein Freifahrtsschein in den Krieg, sondern wollte ihn ausdrücklich verhindern.

Die Bedeutung des zentralen Dokuments verschob sich aber in der Folgezeit, weil am 13. November 2002 der Irak sein Einverständnis mit dem Inhalt der Resolution erklärte und zur Zusammenarbeit bereit war. Den ersten Bericht über die Herstellung von Massenvernichtungswaffen hat Irak schon im Dezember bereitgestellt. Der Bericht war sehr ausführlich, aber er beinhaltete keine neuen Informationen. Die wichtigsten Fragen blieben offen: Wo befinden sich die Arsenale der chemischen und biologischen Waffe sowie der Mittelstreckenraketen? [24]

Sofort nach diesem Bericht hat die Regierung der Vereinigten Staaten die Bereitstellung nicht vollständiger Informationen als die Verletzung der Resolution 1441 klassifiziert. Die USA haben jeden Anlass genutzt, um dem Irak nichtkooperatives Verhalten und die Verletzung der Resolution vorzuwerfen.

Der Irakkonflikt und die Verhandlungen im Rahmen der UNO haben nicht nur die transatlantischen Beziehungen verändert, sondern auch die europäische Außenpolitik gespaltet. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) hatten sich vorher darauf geeinigt, die Entscheidungen über die gemeinsame Außenpolitik zusammen zu treffen. Im Fall des Irakkonflikts gab es aber keine konsistente außenpolitische Position der Europäer. Deutschland hat sein Nein zum Irakkrieg ohne die vorherige Konsultation mit den EU-Mitgliedstaaten erklärt. Eine ganze Reihe der EU-Länder wie Spanien, Italien und osteuropäische Staaten sind dem Nicht-EU-Mitglied Großbritannien gefolgt und haben die USA unterstützt. Diese Entscheidung wurde auch ohne eine gemeinsame Besprechung getroffen. Frankreich hat seine Unterstützung des Einmarsches in den Irak nur mit einem UNO-Mandat erklärt und stand so in der Mitte zwischen den beiden Positionen. Später hat das Land doch die deutsche Position eingenommen. Auf jeden Fall haben die EU-Mitgliedstaaten ihre Positionen nicht miteinander abgestimmt, wie es in den EU-Verträgen vorgesehen ist.

Als Deutschland und Frankreich es versucht haben sich zu einigen, gingen Italien und Spanien auf die amerikanisch-britische Seite über. Im Januar 2003 hat der ehemalige Premierminister Spaniens, José Maria Aznar, zusammen mit Tony Blair dem amerikanischen Präsident George W. Bush eine offizielle Erklärung zur Unterstützung seiner Politik geschickt. Diese Erklärung hat der italienische Premierminister Silvio Berlusconi später auch unterschrieben. Später haben auch Dänemark, Portugal, Polen, Ungarn und Tschechien die Erklärung unterstützt. Die anderen damaligen EU-Beitrittskandidaten haben sich später mit einer zusätzlichen Erklärung an die Regierung der Vereinigten Staaten gewandt. Die Niederlande haben keine dieser Erklärungen unterschrieben, aber tendierten zur amerikanischen Position.[25] Auf der deutsch-französischen Seite war nur Belgien ganz eindeutig. Luxemburg, Österreich, die Schweiz und Irland haben auch zur friedlichen Position tendiert. So hat der Irakkonflikt die europäische Politik stark gespalten.

[...]


[1] Walzer, Michael (2004): Noch ist es nicht zu spät, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak, Frankfurt am Main.

[2] Naumann, Michael (2004): Der falsche Krieg, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main.

[3] Hofmann, Günter (2004): Der lange Weg zum lauten Nein, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main.

[4] Joffe, Josef (2004): Krieg gegen das eigene Volk, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main.

[5] Klingst, Martin (2004): Wohin mit Saddam?, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main.

[6] Staak, Michael (2004): Nein zur Hegemonialmacht, in: Europa nach dem Irak-Krieg. Ende der transatlantischen Epoche?, Baden-Baden.

[7] Müller, Gisella (2004): Großbritannien im Irak-Konflikt – Juniorpartner oder Schoßhund der USA?, in: Europa nach dem Irak-Krieg. Ende der transatlantischen Epoche?, Baden-Baden.

[8] Jäger, Thomas/Szukala, Andrea (2004): Außenpolitische Strategie und ökonomische Interessen Deutschlands nach dem Irakkrieg 2003, in: Europa nach dem Irak-Krieg. Ende der transatlantischen Epoche?, Baden-Baden.

[9] Algieri, Franko (2004): Europas Selbstbestimmungsprozess. Wie definiert sich Europa gegenüber den USA?, in: Europa nach dem Irak-Krieg. Ende der transatlantischen Epoche?, Baden-Baden.

[10] Schild, Georg (2004): Eine Verfassung für Europa, in: Europa nach dem Irak-Krieg. Ende der transatlantischen Epoche?, Baden-Baden.

[11] Боришполиц К.П. Методы политических исследований. М: 2005.

[12] Kilian, Björn/Tobergte, Christian/Wunder, Simon (Hrsg.) (2005): Nach dem Dritten Golfkrieg. Sicherheitspolitische Analysen zu Verlauf und Folgen des Konflikts, Berlin, S. 14.

[13] Ebd, S. 15.

[14] Klingst, Martin (2004): Wohin mit Saddam?, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main, S. 85.

[15] Der Fischer Weltalmanach, Zahlen, Daten, Fakten (2003), Frankfurt am Main, S. 71.

[16] Ebd., S. 71.

[17] Ebd., S. 58.

[18] Joffe, Josef (2004): Krieg gegen das eigene Volk, in: Der Fischer Weltalmanach, Pulverfass Irak., Frankfurt am Main, S. 118.

[19] Der Fischer Weltalmanach, Zahlen, Daten, Fakten (2003), Frankfurt am Main, S. 91.

[20] Ebd., S. 92.

[21] Die Resolution des UNO-Sicherheitsrates 1441 (2002): Arbeitspapier des UNO-Sicherheitsrates.

[22] Der Fischer Weltalmanach, Zahlen, Daten, Fakten (2003), Frankfurt am Main, S. 137.

[23] Die Resolution des UNO-Sicherheitsrates 1441 (2002): Arbeitspapier des UNO-Sicherheitsrates.

[23] Der Fischer Weltalmanach, Zahlen, Daten, Fakten (2003), Frankfurt am Main, S. 137.

[24] Ebd., S. 67.

[25] Ebd., S. 52

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656022640
ISBN (Buch)
9783656022701
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179799
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – OSI
Note
1,7
Schlagworte
Irakkrieg Konfliktforschung Interbationale Beziehungen

Autor

Zurück

Titel: Die Verhandlungen im UNO-Sicherheitsrat zum Irakkonflikt 2003