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Großstadtlyrik und -wahrnehmung in Peter Fox' "Schwarz zu Blau"

Unterrichtspraktische Prüfung (UPP) im Fach Deutsch (2. Staatsexamen)

Unterrichtsentwurf 2010 19 Seiten

Deutsch - Gattungen

Leseprobe

1. Thematik

1.1. Unterrichtsvorhaben

Großstadtlyrik

1.2. Thema der vorigen Stunde

Eine lyrische Ortsbesichtigung – Berlin in expressionistischen Gedichten

1.3. Stundenthema

Großstadtwahrnehmung heute – Peter Fox’ Schwarz zu Blau

1.4. Thema der nachfolgenden Stunde

Elemente der Lyrik in Rap-Texten – sprachliche und stilistische Mittel in Peter Fox Schwarz zu Blau

2. Ziele

2.1. Gesamtlernziel

Die Schülerinnen und Schüler erkennen die ambivalente Beziehung des lyrischen Ichs in Peter Fox’ Lied Schwarz zu Blau zur Stadt Berlin, indem sie sich in den einzelnen Strophen in die Wahrnehmung des lyrischen Ichs hineinversetzen, diese anschließend mit dem Refrain vergleichen und auf die Farbmetaphorik übertragen.

2.2. Teillernziele

Die Schülerinnen und Schüler können ...

ihre spontanen Assoziationen zu Peter Fox’ Schwarz zu Blau benennen, indem sie dem Lied zuhören und ihren ersten Eindruck formulieren.

das Lied inhaltlich analysieren, indem sie die Wahrnehmung des lyrischen Ichs in den einzelnen Strophen notieren und anschließend mögliche Gedanken des lyrischen Ichs in einer vorbereiteten Gedankenblase festhalten.

den Inhalt des gesamten Liedes erfassen, indem sie sich die Strophen und die erarbeiteten Gedankenblasen gegenseitig vorstellen.

die einzelnen Gedanken des lyrischen Ichs zu einer Gesamtwahrnehmung der Stadt zusammenfügen, indem sie die Ergebnisse der einzelnen Gruppen vergleichen und diskutieren.

die Farbmetaphorik Schwarz zu Blau deuten, indem sie die Aussage des Refrains auf die Arbeitsergebnisse der Gruppen übertragen.

3. Didaktische und unterrichtsmethodische Entscheidungen

Die Klasse 8e ist eine bilinguale Klasse, die in den Fächern Erdkunde (Geography) und Geschichte (History) in englischer Sprache unterrichtet wird und insgesamt als sehr leistungsstark bezeichnet werden kann. Obwohl in schüleraktiven Phasen die Unterrichtsbeteiligung recht hoch ist, ziehen sich einige Schülerinnen und Schüler aus dem Unterrichtsgeschehen zurück. Ein Grund hierfür ist die in kooperativen Arbeitsphasen meist zunehmende Lautstärke. Eine Evaluation ergab, dass ein Großteil der Schülerinnen und Schüler sich jedoch für die Erarbeitungsphasen eine ruhige Arbeitsatmosphäre wünscht. Ein anderer Grund sind persönliche ‚Ängste’ einiger Schülerinnen und Schüler, vor der ganzen Klasse frei zu sprechen. Man kann insgesamt im Hinblick auf die kommunikativen Fähigkeiten von einer heterogenen Klasse sprechen.

Aus diesem Grund wurde für die Erarbeitungsphase als zentrale methodisch-didaktische Entscheidung eine Einzelarbeitsphase mit anschließendem Austausch in Kleingruppen gewählt, damit ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Im Austausch können auch die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsergebnisse einbringen, die sich vor der gesamten Klasse mit Redebeiträgen eher zurückhalten. Darüber hinaus sollen die Spontan- und Präsentationsphase die ‚schüchternen’ Schülerinnen und Schüler motivieren, sich aktiv am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.

Den thematischen Rahmen der heutigen Stunde bildet die Unterrichtseinheit „Großstadtlyrik“. Der Kernlehrplan Deutsch führt dieses Thema als inhaltlichen Schwerpunkt für die Jahrgangsstufe 7/8 unter dem Oberbegriff „Lesen – Umgang mit Texten und Medien“[1]. Hier wird als Kompetenzerwartung formuliert, dass die Schülerinnen und Schüler „lyrische Formen (Ballade, Erzählgedicht, themenverwandte bzw. motivgleiche Gedichte)“[2] untersuchen und „deren Merkmale und Funktion“[3] erarbeiten können. Im schulinternen Curriculum des Couven-Gymnasiums wird für die Jahrgangsstufe 8 innerhalb des Unterrichtsvorhabens „Gedichte als Spiegel der Erfahrung“[4] der Schwerpunkt auf „themenverwandte/ motivgleiche Gedichte“[5] gelegt und als möglicher Baustein explizit die „Großstadtlyrik“[6] aufgeführt.

Im Rahmen der Unterrichtsreihe wurde nach einer Einführung und Rekapitulation der „wesentliche[n] Fachbegriffe zur Erschließung von Literatur“[7] die Stadt und ihre Wahrnehmung als thematischer Schwerpunkt festgelegt. In diesem Kontext fand zuerst eine stilistische und sprachliche Auseinandersetzung mit der lyrischen Darstellung der Stadt statt. Im weiteren Verlauf konzentrierte sich die Arbeit jedoch zunehmend auf die Großstadt Berlin. Es wurden vornehmlich Texte aus der Zeit des Expressionismus analysiert und interpretiert, zu nennen seien u.a. Oskar Loerkes Blauer Abend in Berlin, Georg Heyms Berlin I und Paul Boldts Auf der Terrasse des Café Josty. Die Auseinandersetzung mit der modernen Wahrnehmung von Stadt gestaltete sich jedoch schwierig, da moderne Gedichte in diesem Kontext zum einen nur schwer für die Schülerinnen und Schüler einer Jahrgangsstufe 8 zu erschließen sind und zum anderen die Lebenswelt der Lernenden nicht berühren. Diese Problematik zeigt sich auch in Waltraud Wendes Sammelband Großstadtlyrik, in dessen Vorwort sie den modernen Autoren von Großstadtlyrik attestiert, dass der Leser häufig nicht mehr entscheiden kann, ob die komponierte Textwelt eine wie auch immer rekonstruierbare Verbindung zur außersprachlichen ‚wirklichen’ Wirklichkeit besitzt: oder aber nur mehr als phantastische Rekonstruktion des ‚anything goes’ eines postmodernen Bewußtseins gedeutet werden kann [].[8]

Ellen Lissek Schütz behauptet in ihrem Sammelband Großstadtlyrik gar, dass die gegenwärtige Großstadtlyrik schlicht „langweilig geworden“[9] sei.

Da die Lyrik erfahrungsgemäß nicht zu den Lieblingsthemen der Schülerinnen und Schüler gehört, jedoch die Auseinandersetzung mit der Großstadt, deren Kulturen und Sonderbarkeiten die Schülerinnen und Schüler fasziniert, wurde bei der Planung der Stunde Wert darauf gelegt, einen Bezug zu der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen. In einem Forum zu Rap-Texten, das vornehmlich von Jugendlichen besucht wird, findet man zum Beispiel folgenden Eintrag:

Also wir kennen es alle [] Gedichtsinterpretationen im Deutschunterricht [] jeder hasst sie keiner mag sie [] ob das jetzt Romantik oder Klassik oder Expressionismus ist [] aber egal [] wenigstens habe ich dann meinem Deutschlehrer vorgeschlagen mal einen Rap-Text zu interpretieren [].[10]

Dass die Auseinandersetzung mit Hip-Hop und Rap-Texten im Unterricht nicht nur einen Zeitgeist widerspiegelt, sondern didaktisch sinnvoll und praktisch umsetzbar ist, zeigen Veröffentlichungen, wie z.B. Sascha Verlans Buch Rap-Texte, in dem er einen Kanon geeigneter Texte für den Unterricht zusammengestellt und im Vorwort feststellt:

[] Rap hat eine literarische Revolution ausgelöst, die ihresgleichen sucht: In Kinderzimmern und Jugendhäusern, in Parks und auf der Straße, in Kneipen und Diskotheken wird heute wieder gereimt, gedichtet und in Versen gestritten.[11]

[...]


[1] Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Kernlehrplan für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. S. 43.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

[4] Couven-Gymnasium: Schulinternes Curriculum Deutsch SI (G8). S. 34.

[5] Ebenda.

[6] Ebenda.

[7] Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Kernlehrplan für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. S. 43.

[8] Waltraud Wende (Hg.): Großstadtlyrik. S. 36.

[9] Ellen Lissek-Schütz (Hg.): Großstadtlyrik. Texte und Kommentar. S. 109.

[10] rap.de Forum: Rap im Unterricht. (http://forum.rap.de/forum/archive/index.php/t-7611.html)

[11] Sascha Verlan (Hg.): Arbeitstexte für den Unterricht. Rap-Texte. Stuttgart 2003.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656028857
ISBN (Buch)
9783656029007
Dateigröße
6.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179805
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Aachen
Note
1,7
Schlagworte
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