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Theorien der Sozialen Arbeit

Eine kritische Diskussion, im Bezugsrahmen einer Fallgeschichte

Seminararbeit 2011 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Das Theorie/Praxis Verhältnis

2 Fallgeschichte
2.1 Darstellung des Falles
2.2 Reflexion der Fallgeschichte

3 Die Theorie Sozialer Arbeit von Alice Salamon
3.1 Grundzüge des theoretischen Ansatzes Alice Salomons
3.2 Fallanalyse unter Bezugnahme auf die Theorie Alice Salomons
3.3 Kritische Diskussion der Theorie Alice Salomons

4 Das Konzept „Lebensbewältigung“
4.1 Grundzüge des Konzeptes „Lebensbewältigung“
4.2 Fallanalyse unter Bezugnahme auf das Konzept „Lebensbewältigung“
4.3 Kritische Diskussion des Konzeptes „Lebensbewältigung“

5 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
5.1 Grundzüge der Theorie „Lebensweltorientierung“
5.2 Fallanalyse unter Bezugnahme auf die lebensweltorientierte Soziale Arbeit
5.3 Kritische Diskussion der Theorie „Lebensweltorientierung“

6 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel der hier vorliegenden Seminararbeit, ist die kritische Diskussion diverser Theorien Sozialer Arbeit, im Rahmen einer Fallgeschichte.

Als Fallgeschichte wurde ein Fall aus dem Bereich der Familienhilfe gewählt, welcher einen für dieses Feld Sozialer Arbeit charakteristischen Kasus darstellt.

Es werden drei Ansätze zur Analyse des dargelegten Falles angewendet und anschließend kritisch diskutiert. In diesem Kontext erschien es mir als sinnvoll eine klassische Theorie aus den Ursprüngen Sozialer Arbeit zu wählen. Hierzu dient der Ansatz von Alice Salomon, die als eine Wegbereiterin der Wissenschaft Sozialer Arbeit angesehen werden kann. Komplementierend finden desweiteren zwei bedeutende Theorien der Gegenwart ihre Anwendung. Das Konzept „Lebensbewältigung“ von Lothar Böhnisch sowie der Ansatz „Lebensweltorientierung“ von Hans Thiersch. Diese beiden Theorien wurden aufgrund ihres immensen, strukturbildenden Einflusses auf die Soziale Arbeit ausgewählt.

Der Rahmen dieser Arbeit lässt es nicht zu weitere Theorien mit einzubeziehen, aus diesem Grund findet etwa die Systemische Theorie von Silvia Staub-Bernasconi, die unumstritten einen prägenden Charakter in aktuellen Theoriediskursen einnimmt, keine Applikation im Rahmen dieser Arbeit.

1.1 Aufbau der Arbeit

Im Abschnitt 1.2 folgt eine Darstellung des Theorie/Praxis Verhältnisses, um die enge Korrelation beider Zugänge zu verdeutlichen.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Fallgeschichte. Hierzu erfolgt zunächst eine Deskription des Falles (Kapitel 2.1). Anschließend wird die Fallgeschichte unter Bezugnahme auf phänomenale, kausale und aktionale Fragestellung reflektiert (Kapitel 2.2).

Die Kapitel drei bis fünf sind gleichermaßen aufgebaut. Die Theorien werden im ersten Unterkapitel zunächst in wesentlichen Grundzügen dargestellt, darauffolgend wird die Fallgeschichte in Bezug auf die Theorie analysiert und abschließend im dritten Unterkapitel kritisch diskutiert.

Kapitel 3 legt hierbei sein Augenmerk auf die Theorie Sozialer Arbeit von Alice Salamon.

Im folgenden Passus wird das Konzept „Lebensbewältigung“ von Lothar Böhnisch behandelt (Kapitel 4).

Das abschließende Kapitel des Hauptteils dieser Arbeit (Kapitel 5) befasst sich mit dem von Hans Thiersch geprägten Ansatz der „Lebensweltorientierung“.

Resümierend folgt in Kapitel 6 eine Schlussbemerkung.

1.2 Das Theorie/Praxis Verhältnis

„Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind!“

Dieses Zitat von Immanuel Kant (1724-1804) drückt in äußerst anschaulicher Art und Weiße die enge Verbundenheit von Theorie und Praxis aus.

Zumeist wird im Verhältnis der beiden Begriffe ein Widerspruch vermutet, ohne die enge Korrelation zu realisieren. „Beide Zugänge müssen unterschieden, aber auch aufeinander bezogen und in ihrer wechselseitigen Provokation produktiv verstanden werden“ (Füssenhäuser und Thiersch 2005, S. 1877).

Soziale Arbeit als Profession richtet sich an die Aufgaben der täglichen Praxis. Hierbei wirkt sie unterstützend, klärend und beratend für ihre AdressatInnen. Sie dient der Hilfe im Umgang mit Lebensbewältigungs- und Lebensgestaltungsaufgaben innerhalb sich verändernden gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen.

Soziale Arbeit als Wissenschaftsdisziplin dient der reflexiven Analyse und somit der Schaffung von Handlungsideen, Handlungsoptionen und Handlungsperspektiven für die Praxis Sozialer Arbeit. Hierzu ist eine gewisse Distanz zu direkten Erfordernissen der Praxis nötig, um Strukturen, Aussagen sowie empirische Befunde zu reflektieren und zu klären. (vgl. Füssenhäuser und Thiersch 2005, S. 1877)

Als handlungswissenschaftliche Disziplin impliziert Soziale Arbeit sowohl das Erkennen (Theorie) als auch das Handeln (Praxis), da sich beide Zugänge gegenseitig bedingen. Die Praxis ist nie frei von theoretischen Erkenntnissen, ebenso wie sich die Theorie zumeist an den Gegebenheiten der Praxis orientiert. (vgl. Kleve 2006, S. 16)

Im Kontext der professionellen Sozialen Arbeit, ist somit sowohl ein handlungswissenschaftlicher, theoretischer Fundus ebenso unabdingbar, wie eine sich reflektierende Praxis.

2 Fallgeschichte

Die folgende Fallgeschichte schildert die Lebenssituation der Familie Köhler. Die Betrachtung erfolgt im Rahmen des Arbeitsfeldes der Familienhilfe. Der hier dargestellte Fall ist rein fiktiv und ebenso wie die Namen der Akteure frei erfunden. Er stellt jedoch einen charakteristischen Fall dieses Feldes Sozialer Arbeit dar.

2.1 Darstellung des Falles

Familie Köhler lebt in einer Zweizimmerwohnung mit einer Größe von 45 Quadratmetern. Die Wohnung befindet sich in der Großstadt H. und scheint in starkem Maße renovierungsbedürftig zu sein. Thomas Köhler ist 43 Jahre alt und ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Er war in einem Betrieb der Metallindustrie als Hilfsarbeiter tätig, bis er vor drei Jahren seine Arbeitsstelle verlor. Desweiteren leben in der Familie die nicht erwerbsfähige Ehefrau Doris (37 Jahre, gelernte Bäckereifachverkäuferin) sowie der gemeinsame Sohn Kevin (14 Jahre, Hauptschüler).

Die Familie lebt in stark beengten Wohnverhältnissen. Die Wohnung besteht aus einem kleineren Kinderzimmer und einem größeren Zimmer, das tagsüber als Wohnzimmer und in der Nacht als Schlafzimmer der Eltern fungiert.

Der Familienvater Thomas Köhler fällt durch seine laute, aggressive und kommandierende Art auf. Die Aggressivität drückt sich des Öfteren in Form von Schlägen aus, was besonders Kevin häufig zu spüren bekommt. Dieser reagiert zumeist mit Flucht nach draußen. Auch der Arbeitsplatzverlust Thomas Köhlers, sowie dessen Ausschluss aus dem Altherren Fußballverein, welchem er viele Jahre angehörte, lässt sich auf seine an den Tag gelegte Aggression zurückführen. Auch im nahen Verwandtschafts- und Freundeskreis führte sein Verhalten zu vollständiger Abwendung. Er selbst sieht die Ursache jedoch nicht in seinem dargelegten Verhalten, sondern in seinem Umfeld. Was durch seine Aussage, „die verstehen das alle nicht, ich mein das ja nicht so“, bekräftigt wird.

Als weitere Problematik erweist sich in diesem Zusammenhang sein stark ausgeprägter Alkoholkonsum, welchen er jedoch nicht als problematisch ansehe, da er diesen, ebenso wie die Zurechtweisung durch Schläge, auch schon von seinem Vater kenne und „ein bisschen Alkohol“ habe, laut Thomas Köhler, „ja noch keinem geschadet“. Im Übrigen müsse er ja auch in irgendeiner Form Dampf ablassen, da er für sich auf dem Arbeitsmarkt keine Perspektive sehe.

Doris Köhler macht einen stillen, niedergeschlagenen und resignierten Eindruck. Sie ist aufgrund einer stark ausgeprägten, chronisch-rheumatischen Erkrankung bereits seit fünf Jahren nicht mehr erwerbsfähig und verlässt seitdem selten das Haus. Auch die Bewältigung der Haushaltsaufgaben überfordert sie des Öfteren, aufgrund der schubartig auftretenden Schmerzzustände. Auch ihr Ehemann ist ihr hierbei keine Hilfe, da er die Haushaltstätigkeiten als „Frauenarbeit“ ansehe. Die Aussage Doris Köhlers, dass ihr einfach alles zu viel sei und sie auch nicht wisse, wie das alles weitergehen solle, wiederholt sie im Gespräch immer wieder.

Kevin Köhler ist selten zuhause anzutreffen, er fällt desweiteren durch seine schlechten Schulleistungen auf. Im Gespräch wirkt er abwesend und wenig kommunikativ, er macht zudem einen benebelten Eindruck. Diesbezüglich war Kevin auch schon in Kontakt mit der Schulsozialarbeiterin, da er bereits dreimal von Lehrern beim gemeinsamen „Kiffen“ mit älteren Jugendlichen auf dem Schulgelände beobachtet wurde. Im Rahmen dessen wurde er für zwei Wochen der Schule verwiesen. Sollte er erneut auffällig werden, droht ein Schulverweis. In einem persönlichen Gespräch bestätigte Kevin, dass er regelmäßig Cannabis konsumieren würde und dies in seiner Clique auch so üblich wäre.

2.2 Reflexion der Fallgeschichte

Die Fallgeschichte wird im Folgenden unter Bezugnahme auf die phänomenale, kausale und aktionale Fragestellung reflektiert und analysiert. Hierdurch sollen die Dimensionen der dem Fall zugrunde liegenden Phänomene erfasst und grundlegende Handlungsoptionen erschlossen werden.

Die phänomenale Frage geht in diesem Kontext der Frage nach: „Was ist los?“ Dies generiert Deskriptionen. Die kausale Frage hinterfragt die Ursache: „Warum ist das so?“ Infolgedessen werden Erklärungen produziert. Die aktionale Frage: „Was ist zu tun?“ schafft Handlungsideen. (vgl. Kleve 2006, S. 16)

Bezogen auf die phänomenale Frage lässt sich sagen, dass es sich um eine Familie bestehend aus zwei Elternteilen und einem minderjährigen Sohn handelt. Die Eltern sind beide nicht erwerbstätig, die Mutter aufgrund einer Erkrankung auch nicht erwerbsfähig. Der vierzehnjährige Kevin besucht die Hauptschule. Die Familie wohnt gemeinsam in einer Zweizimmerwohnung mit einer Größe von 45 Quadratmetern, woraus sich schließen lässt, dass beengte Wohnverhältnisse vorherrschen. Der Vater Thomas Köhler zeigt ein aggressives Verhalten, es besteht offensichtlich auch ein Alkoholproblem. Das Leben der Mutter Doris Köhler ist stark durch ihre schwere Erkrankung geprägt. Sohn Kevin leidet unter der Aggression seines Vaters. Auch bei ihm ist aufgrund der Vorkommnisse in der Schule eine Suchtproblematik zu hinterfragen.

Im Hinblick auf die kausale Frage ist zunächst die Erwerbslosigkeit beider Elternteile zu nennen. Hierdurch bedingt ist offensichtlich eine starke Frustration vorhanden, was sich bei Thomas Köhler durch aggressives Verhalten und bei Doris Köhler durch Rückzug ausdrückt. Auch die Alkoholproblematik Thomas Köhlers scheint hierbei eine große Rolle zu spielen. Bei der Mutter steht die Krankheit im Vordergrund, was eine unzureichende Bewältigung der Alltagsaufgaben mit sich bringt. Abschließend sind die beengten Wohnverhältnisse zu nennen. Der Wohnraum gestaltet sich für eine dreiköpfige Familie als zu klein.

Im Kontext der aktionalen Frage ist zunächst die finanzielle Grundsicherung der Familie zu überprüfen. Auch die Kostendeckung der durch die Krankheit der Mutter anfallenden Behandlungs- und Arzneimittelkosten ist zu hinterfragen. Desweitern gilt es, Möglichkeiten, die Wohnsituation betreffend, zu überprüfen. Gegebenenfalls ist ein Umzug der Familie in eine größere Wohnung durchführbar. In Bezug auf die Suchtproblematik des Vaters und der dahingehenden Auffälligkeiten des Sohnes scheint eine Suchtberatung als zweckdienlich. Weiterführend wäre auch eine psychologische Beratung für beide Elternteile angeraten. Für Thomas Köhler aufgrund der Belastung durch die Erwerbslosigkeit und um die Aggression zu thematisieren. Im Falle von Doris Köhler, um auf die durch die Krankheit hervorgerufene psychische Belastung einzugehen. Desweiteren stellt sich die Frage, ob und inwieweit die Erziehungshilfe in den Fall integriert wird.

Die zugrundeliegenden Phänomene, ihre Ursachen und die daraus abgeleiteten Handlungsideen werden in den folgenden Kapiteln unter Bezugnahme auf die ausgewählten Theorien näher beleuchtet.

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Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656023487
ISBN (Buch)
9783656023739
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179809
Institution / Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,0
Schlagworte
theorien sozialen arbeit eine diskussion bezugsrahmen fallgeschichte

Autor

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Titel: Theorien der Sozialen Arbeit