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Wenn Kinder Todeserlebnisse bewältigen müssen

Von der kindlichen Trauerphase zur pädagogischen Hilfe(-stellung)

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Trauerprozess
2.1 Aufgaben der Trauer
2.2 Exkurs: Wie trauern Erwachsene?
2.3 Wie trauern Kinder?
2.3.1 Kindliche Bilder und Vorstellungen von und über den Tod
2.3.2 Kindlicher Trauerprozess
2.4 Familiäres Umfeld und Einflussfaktoren des kindlichen Trauerprozesses

3. (Aus-)Wege und Ansätze zur Unterstützung der Trauerbewältigung

4. Resümee und Ausblick

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

7. Internetverzeichnis

1. Einleitung

Mit Kindern assoziiert und verbindet man vornehmlich Spielen, Lachen, Freude und Lernen. Trauer wird deshalb selten mit ihnen in Verbindung gebracht, obwohl „traurig sein“ zu jedem Leben dazu gehört. Dies obwohl Trauer eine natürliche Reaktion auf schmerzliche Erfahrun­gen wie bspw. Trennung, Verlust sowie Abschied und Tod ist, eine Erfahrung im Leben, die Kinder genauso wie Erwachsene begleitet (vgl. Specht-Tomann, Tropper 2001, 49). Gerade weil Kinder häufig dem Tod in Medien und Gesellschaft begegnen, dieser aber zugleich in gewisser Weise tabuisiert wird (vgl. Hinderer, Kroth 2005, 5ff; Bogyi 1999, 126), ist es von Bedeutung, diesen durch Sprechen über den Tod der Tabuisierung zu entreißen. Dies kann dann zu aufklärenden Gesprächen über Tod und Sterben führen - was gerade für Kinder wichtig ist - und hilft somit „wissender“ oder „vorbereiteter“, kurz aufgeklärter, zu sein, was wiederum Einfluss auf die Trauerbewältigung haben kann.

Mit dieser Arbeit möchte ich im Allgemeinen die Aufgabe der Trauer und ihren Verlauf skiz­zieren, im Speziellen den kindlichen Trauerprozess - inklusive seiner Einflussfaktoren und evtl. auftretender Missverständnisse dieses Prozesses - darstellen und im Konkreten versu­chen, unterstützende Maßnahmen für eine positive Trauerbewältigung aufzuzeigen. Weiterhin soll diese Arbeit dazu beitragen, ein besseres und differenzierteres Verständnis des kindlichen Trauerprozesses zu erlangen. Im ersten Teil dieser Arbeit werde ich mich den Aufgaben der Trauer, den Trauerprozessen von Erwachsenen und Kindern widmen und ggf. Unterschiede aufzeigen. Des Weiteren werde ich die familiären Einflussfaktoren auf den kindlichen Trau­erprozess eingehen, bevor ich mich im zweiten Teil der Arbeit auf Auswege und (präventive) Ansätze zur Unterstützung der kindlichen Trauerbewältigung fokussiere.

Um sich mit dem Thema hinreichend auseinander setzten zu können, lohnt es sich, einige Definitionen des Trauerprozesses und des Begriffes Trauer zu betrachten, um erstens eine bessere, respektive genauere Vorstellung von Trauer, ihrem Sinn und Zweck zu erlangen und zweitens den Grundstein bzw. einen einheitlichen Konsens zu legen, auf dem die gesamte spätere Arbeit fußt.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Trauerarbeit wie wir sie derzeit kennen und - z.T. in abge­wandelter Form - betreiben, erst seit etwa einhundert Jahren als „Trauerarbeit“ angesehen wird. Hierzu hat vor allem Sigmund Freud beigetragen, als er sein psychoanalytisches Modell der Trauerreaktion in seinem 1915 erschienen Buch „Trauer und Melancholie“ entwarf. Ab diesem Zeitpunkt wurde Trauer nicht mehr als Reaktion auf einen Verlust verstanden, auf deren Abklingen man warten, sondern als einen Prozess den man aktiv beschreiten muss (vgl. Freud 1915/1982; vgl. Fabry 2006, 2). Stellt man Freuds Vorstellungen vereinfacht dar, dann bestehen „libidiöse Bindungen („energiereiche Bindungen“, als Libido bezeichnet Freud die psychische Energie, die den Seelenvorgängen zugrunde liegt) zu Objekten (Bezugspersonen)“ (Fabry, 2006, 2). Wenn nun ein solches Objekt bspw. durch Tod verloren geht, dann bestehen immer noch zahlreiche Erinnerungen und Gefühle, die sich an die Libido binden und diese somit nicht für den Aufbau neuer Bindungen bereit ist. Nach Freud sollen also die libidiösen Bindungen nach und nach abgebaut werden, um neue Bindungen aufbauen zu können (ebd.; siehe Anhang).

Vor diesem Hintergrund erscheint es als äußerst wichtig, Kinder bei diesem aktiven Prozess zu unterstützen, da sie zum einen mangels Entwicklung in Abhängigkeit von El­tern/Erwachsenen sind und sie zweitens nur so ihre Trauer richtig und gesund bewältigen können.

Zunächst werden als Trauer Gefühlszustände und/oder Verhaltensweisen vor einem drohen­den Verlust bzw. nach einem solchen Verlust bezeichnet (Feldmann 2010, 242). Feldmann (Small 2001; zit. nach Feldmann ebd.) verweist in seiner Trauerdefinition auf die englische Sprache, in der es für den Begriff Trauer drei Wörter gibt: grief (Gefühl, der Schmerz nach dem Verlust), mourning (Zeit der Trauer) und bereavement (Prozess des Beziehungsverlustes oder der Beziehungsänderung). Im deutschsprachigen Raum wird heutzutage, folgt man Feldmann, vor allem der Gefühlsteil mit dem Wort Trauer in Verbindung gebracht. Abschlie­ßend definiert er Trauer als „eine Form von psychischem Sterben, ein tatsächlicher oder anti­zipierter Verlust von identitätsrelevanten Personen oder Objekten“ (Feldmann 2010, ebd.; vgl. Kast 1993, 13).

Der Trauerforscher Jorgos Canacakis beschreibt Trauer dagegen als eine gesunde, lebensnot­wendige und kreative Reaktion auf Verlust und Trennungsereignisse (Canakakis 1987; zit. nach Hinderer, Kroth 2005, 26). Des Weiteren ist Trauer ,,eine Antwort der Seele und des Körpers auf Trennung und Verlust“ (Hinderer, Kroth 2005, 26) und kann Emotionen, wie Wut, Ärger, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Erleichterung, Schuld oder Trotz umfassen (vgl. ebd.; Kline, Levine 2004, 271ff). Im Sinne dieser Vielzahl an - z.T. widersprüchlicher - Ge­fühlen, die charakteristisch für den kindlichen Trauerprozess sind (Bogyi 1999, 140), definie­ren John W. James und Russell Friedman (Grief Recovery Institute) Trauer in ihrem Buch „When Children Grieve“ wie folgt: „Trauer setzt sich aus widersprüchlichen Gefühlen zu­sammen, die durch die Veränderung oder die Beendigung eines vertrauten Verhaltensmusters hervorgerufen werden“ (Friedman, James 2002; zit. nach Kline, Levine 2004, 257). Eine wei­tere und zudem sehr umfassende Trauerdefinition gibt die Sozialpädagogin Margit Franz. Sie schreibt: „Trauer ist ein sehr persönliches Lebensgefühl, eine tief greifende und unausweich­liche Erfahrung, die den ganzen Menschen erfasst. Wenn wir trauern, so sind wir niemals nur traurig, sondern spüren viele verschiedene Gefühle in uns. Trauer drückt sich deshalb in viel­fältigen Gefühlsäußerungen und Verhaltensweisen aus. Menschen können Trauer unterdrü­cken, aus ihrem Bewusstsein verdrängen und dennoch ist sie da. Sie ist mit dem schmerzhaf­ten Wissen verbunden, etwas Vertrautes zu verlieren. Niemand bleibt vor der Trauer ver­schont und nichts als nur die durchlebte Trauer selbst kann sie bewältigen und umwandeln helfen. Trauer ist eine angeborene, natürliche, gesunde Fähigkeit. Ohne sie könnten weder Erwachsene noch Kinder schmerzhafte Verluste begreifen, in ihr Leben integrieren und sich neu orientieren. Darüber hinaus bedeutet Trauer im herkömmlichen Sprachgebrauch auch die äußere Bekundung durch kulturell geprägte Gebräuche und Riten, wie beispielsweise das Tragen von Trauerkleidung oder die Durchführung von Zeremonien während einer Beerdi­gung“ (Franz 2009, 84).

2. Der Trauerprozess

Jeder Mensch wird in seinem Leben mehrmals bewusst - aber z.T. auch unbewusst - trau­ern, sei es beim Abschied von der Brust der Mutter, beim Verlust eines Spielzeugs, einer Wohnung oder eines Arbeitsplatzes oder sei es beim Verlust eines nahen, entfernteren Ver­wandten oder Freundes (Hinderer, Kroth 2005, 26). Erwachsene trauern anders als Kinder, was u.a. auf die Entwicklung (Reife) sowie Erfahrung mit Trauer, dem Bewusstsein von Be- wältigungsstrategien/-methoden/-konzepten bzw. dem Wissen, wo man sich ggf. Hilfe holen kann, der meist vollständig ausgereiften Fähigkeit zu kommunizieren und wider der kindli­chen Hilfsbedürftigkeit bzw. Abhängigkeit von Eltern/Erwachsenen zurück zu führen ist.

Der folgende Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Trauer von Kindern, wobei das Au­genmerk auf die Trauer von Kindern zwischen null bis ca. sechs Jahren nach einem Todesfall einer Bezugsperson (Eltern, Großeltern, Verwandte, Geschwister, Freunde etc.) gerichtet sein wird, da eine ausgiebigere und differenzierte Darstellung bspw. bei Kindern im Alter zwi­schen 0-12 Jahren den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Zunächst werde ich die Aufga­ben der Trauer - also deren Sinn und Zweck - darlegen, bevor ich einen kleinen Exkurs über den Trauerprozess von Erwachsenen gebe, um anschließend verdeutlichen zu können, dass der kindliche Trauerprozess anders verläuft, was im dritten Teil dieser Arbeit dazu dienen soll, dass man kindliche Trauer und deren Symptome differenzierter wahrnehmen und so ent­weder selbst die geeignete Stütze ist oder die angemessenen externen Hilfen für das Kind be­reitstellen kann.

2.1 Aufgaben der Trauer

Will man als Außenstehender, Betroffener oder Helfer/Unterstützer den Trauerprozess und deren Bewältigung verstehen und positiv beeinflussen gilt es, auch die - z.T. heilenden - Aufgaben, die die Trauer mit sich bringt, zu kennen, zu verstehen und zu akzeptieren bzw. ggf. zu fördern. Schon Freud wusste die Aufgaben der Trauer zu benennen, indem er der Trauer eine bestimmte psychische Rolle zugestand, die die Erinnerungen und Erwartungen der Hinterbliebenen an den Verstorbenen lösen sollte (Freud 1969, 82; vgl. Nitsche 2010, 18). Der Psychologe William Worden vertritt die Ansicht, dass die einzelnen Trauerphasen, re­spektive Trauerprozesse, (siehe 2.2 und 2.3) unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben, die im Ergebnis eine „heilende“[1] Wirkung auf die Trauernden besitzen, also die Trauerbewälti­gung positiv beeinflussen. Worden (vgl. 2011) hat folgende vier Aufgaben der Trauer zu­sammengefasst und definiert.

Die Realität anzuerkennen, ist die erste Aufgabe der Trauer. Es ist hierbei nicht richtig - auch und gerade bei Kindern - die Realität zu beschönigen, bspw. mit Formulierungen wie ent­schlafen, verreisen, weggehen etc. (Hinderer, Kroth 2005, 26; Franz 2009, 90ff; vgl. Worden 2011, 223; vgl. Bogyi 1999, 126), da dies in der kindlichen Vorstellung und in den kindlichen Bildern vom Tod die Endgültigkeit des Todes untergräbt, da der Verstorbene ja von einer Rei­se zurück kommen oder vom Schlaf wieder erwachen müsse. Gefühle und Verhaltensweisen wie Verleugnung, Gefühlsschock oder Empfindungslosigkeit sind kennzeichnend bei der Verarbeitung dieser Traueraufgabe (Franz 2009, 90ff).

„Trauer geht nicht ohne Schmerz“ (Hinderer, Kroth 2005, 27). Somit ist die zweite Aufgabe der Trauer darin zu sehen, den Abschiedsschmerz zu durchleben, da Trauer und der Schmerz, der aus ihr herrührt, nur bewältigt werden können, wenn er wirklich empfunden und zugelas­sen wird. Für Kinder bedeutet das, dass der Schmerz nicht weggetröstet und unterdrückt wer­den soll, quasi betäubt, da er so nicht den Weg zur erfolgreichen Bewältigung zeigen kann (ebd.; vgl. Thein [2011], [3]). Unterdrückte Trauer unterdrückt den natürlichen Entwick­lungsprozess und kann zu Krankheiten (posttraumatische Belastungsstörungen, Trauma usw.) führen (Franz, 2009, 105)! Weiterhin zeigen sich hier vor allem Gefühle und Emotionen, wie Enttäuschung, Geiuhlsausbrüche oder Aggressionen gegenüber sich, anderen, Gegenständen oder gar gegen den Verstorbenen selbst (ebd., 92ff).

Verinnerlichen von dem was war, ist Teil der dritten Aufgabe. D.h. dass Erinnerungen ge­pflegt werden sollen, indem man über Erlebnisse mit dem Verstorbenen spricht oder sich dar­über unterhält, was bspw. die Oma dazu gesagt oder über was sie sich gefreut hätte (Hinderer, Kroth 2005, 27). Suchen-Finden-Trennen und Idealisieren des/der Verstorbenen, sind bei die­ser Aufgabe Verhaltensweisen, die immer wieder auftreten (Franz 2009, 96ff).

In der vierten Aufgabe geht es vor allem darum, eine neue Identität zu entwickeln(Hinderer, Kroth 2005, 27; vgl. Franz 2009, 84), d.h. „ein neues Selbst- und Familienbild zu entwickeln, zu dem Vater, Mutter oder Geschwister nicht mehr dazu gehören“ (Hinderer, Kroth 2005, 27). Dabei ist darauf zu achten, dass Kinder sich nicht in der Verantwortung sehen, den Verstor­benen und seine Aufgaben oder Eigenschaften zu ersetzen oder zu imitieren. Sollte dies der Fall sein, müssten die beteiligten Personen, sich aber auch dem Kind klar zu machen, dass dies nicht die Aufgabe des Kindes sein kann und darf, auch wenn die Unterstützung als hilf­reich empfunden wird (ebd.; vgl. Jewett Jarrett 2006, 160ff). Loslassen und ein neuer Lebens­bezug zeigen sich an diesem Punkt nach dem Motto: „Mein Opa ist tot, aber das Liebe vom Opa bleibt“ (Franz 2009, 99f).

2.2 Exkurs: Wie trauern Erwachsene?

Die Psychotherapeutin Verena Kast (1993) hat die Trauer in vier Phasen eingeteilt und be­schrieben. Dieses Vier-Phasenmodell soll im Folgenden skizziert werden, da es eines - wenn nicht Das - geläufigste ist. Eine genauere ausführlicher Betrachtung der Trauerphasen nach Verena Kast kann an dieser Stelle nicht erfolgen, da dies nicht Thema dieser Arbeit ist. Es sei deshalb auf das Buch „ Trauern “ (Kast 1993) verwiesen, in dem ausführlich die Phasen aber auch die Probleme in den einzelnen Trauerphasen beschrieben und aufgearbeitet werden.

Die erste Phase ist die des Nicht-wahrhaben-Wollens. In dieser Phase ist/sind der/die Betrof­fene/n sowohl von der Nachricht als auch von eigenen Emotionen so überwältigt, dass sie meist selbst wie tot oder starr wirken. Je plötzlicher und unverhoffter die Todesnachricht ein­trifft, desto länger kann diese Phase dauern (Bowlby 1980; zit. nach Kast 1993, 61; vgl. Specht-Tomann, Tropper; zit. nach Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. [2011], [1f]) - von wenigen Stunden bis mehreren Wochen. In dieser Phase ist es wichtig, dass dem/den Betroffenen bei der Regelung der Angelegenheiten des Verstorbenen sowie bei den täglichen Erledigungen geholfen wird, damit sie spüren, dass sie nicht allein sind. Es sollte ein Gleichgewicht zw.

Helfen und Ermutigen also Nähe und Distanz gefunden werden. Jedoch sollte/n der/die Be­troffenen ihren Gefühlen in dieser Phase freien Lauf lassen können, ohne befürchten zu müs­sen, dass diese Gefühlsausbrüche fehl am Platz seien oder nicht akzeptiert würden (vgl. Kast 1993, 61f). In dieser Phase geht es also grob formuliert darum, dem/den Trauernden dort zu unterstützen wo er/sie überfordert sind, ihn/sie nicht allein zu lassen (da sein) und ihm/ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie alle Gefühle, die sie empfinden, ausdrücken zu können oh­ne dafür verurteilt zu werden (vgl. Specht-Tomann, Tropper; zit. nach Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. [2011], [1f]).

Die zweite Phase ist die Phase der aufbrechenden Emotionen. Gefühle wie Wut, Trauer, Freude (Kast 1993, 62; Hinderer, Kroth 2005, 26), Zorn (Bowlby 1980; zit. nach Kast ebd.), Angst und Ruhelosigkeit (Parkes 1978; zit. nach Kast ebd.) sind kennzeichnend für diese Pha­se. Ärzte und Verwandte werden im Zorn beschuldigt und mit Vorwürfen überhäuft am Tod Schuld zu sein, was den Trauernden in gewisser Weise erleichtert, denn er glaubt so ein Stück weit der Hilflosigkeit entfliehen zu können. Mit unter richten sich Zorn und Ärger auch gegen den Verstorbenen selbst, da er die/den Hinterbliebene/n im Stich gelassen habe. Auch Freude über die schöne gemeinsame Zeit oder dass es überhaupt diese Beziehung/Freundschaft gab, wird teilweise geäußert. Wichtig ist, dass all das zur Bewältigung des Trauerprozesses bei­trägt und dass vom Begleiter weder Schuldgefühle des Trauernden gegenüber dem Verstorbe­nen wegargumentiert, verstärkt bzw. abgeschwächt - sondern nur wahrgenommen werden (Kast 1982, 62ff)! Die Gefühle sollen einfach nur geteilt und das „Emotions-Chaos“ muss durchlaufen und ausgehalten werden, denn nach Kast können nur so alte Verhaltensmuster aufbrechen und neue entstehen (vgl. Kast 1993, 67; vgl. Specht-Tomann, Tropper; zit. nach Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. [2011], [2f]).

Die Phase des Suchens und Sich-Trennens schließt sich als dritte Phase an. Der/die Hinter­bliebene/n suchen in dieser Phase den realen Menschen, das gemeinsame Leben oder Orte mit Erinnerungswert. Sie suchen in Gesichter von Unbekannten und bspw. Geräuschen des Verstorbenen und sammeln diese Erinnerungen oder reden mit dem Verstorbenen, was ihnen die Trauer erleichterr. Dieses Suchen-Finden-sich-trennen führt dazu, dass der/die Hinterbliebene/n irgendwann wieder ja zum (Weiter-)Leben sagt/sagen und nicht mehr in der Trauer verweilen (Kast 1993, 67ff). Diese Phase kann Wochen, Monate oder gar Jahre dauern (Bowlby 1980; zit. nach Kast 1993, 70). Beim - oft wiederholten - Erzählen von Geschichten und Erlebnissen mit dem/der Verstorbenen sollte/n Begleiter/Freund(e) vor allem Geduld haben, zuhören, Gefühle und Phantasien ernst nehmen und zulassen, jedoch nicht dazu drängen, den Verlust endlich zu akzeptieren (vgl. ebd., 71; vgl. Specht-Tomann, Tropper; zit.

[...]


[1] Ich habe „heilende“ in Anführungszeichen gesetzt, da mit dem Begriff Heilung die Genesung von einer Krank­heit assoziiert wird und Trauer ja per se keine Krankheit darstellt von der man geheilt werden muss, sondern einen Gefühlszustand nach einem Verlust beschreibt, den es zu bewältigen gilt.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656023135
ISBN (Buch)
9783656023708
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179833
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
Tod; Trauer; Traume; Schmerz; Todeserlebnisse; Kast; Trauerphase; Kind; Trauerprozess; pädagogische Hilfe; Bilder vom Tod Trauerbewältigung; Angst; Wut; Schuld

Autor

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