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Der Misogynie-Diskurs um die Jahrhundertwende am Beispiel von Thomas Manns Erzählung "Gefallen"

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Misogynie
2.1. Misogynie um die Jahrhundertwende

3. Konsequenzen der Misogynie in Literatur und Kunst
3.1. Begriff der Femme-fatale

4. Geschlechterproblematik und Frauenemanzipation in „Gefallen“

5. Irma Weltner als Femme-fatale

6. Kann man die Erzählung als misogyn deuten?

7. Fazit

8. Bibliografie

1. Einleitung

Misogynie könnte chronologisch gedeutet werden, doch ist in dieser Hausarbeit, dies nicht der Fall. In der Jahrhundertwende vom 19. Zum 20. Jahrhundert stehen die Geschlechterproblematik und die Frauenemanzipation als eines der wichtigsten Themen. Die Frauen hatten damals keine Stellung in Beruf, politische Aktivitäten, und ihre allgemeine Situation wird organisiert und verändert. Diese Thematik beeinflusst die Literatur und die Kunst des bestimmten Jahrhunderts.

Das Hauptthema der vorliegenden Hausarbeit ist das Frauenbild in 19. Und 20. Jahrhundert und , inwiefern dieses die Literatur und die Kunst beeinflusst. Spezieller was für Auswirkungen die Misogynie in der Erzählung von Thomas Mann „Gefallen“ hat.

Im ersten Kapitel wird ein grober Begriff der Misogynie gegeben .Im zweiten Kapitel folgen wir der Misogynie von 105 v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert , in diesem Kapitel wird auch der ausführlicher dargestellt und über die Folgen auf Frauen und Männern der unterschiedlichen Epochen bekannt gemacht.

Im dritten Kapitel werden die Konsequenzen der Misogynie in der Literatur und in der Kunst deutlich geschildert.

Im vierten Kapitel wird die Geschlechterproblematik und die Rolle der Frauenemanzipation in der Erzählung „Gefallen“ dargestellt, wo auch der Begriff der Femme-fatale eine wichtige Rolle spielt.

Danach folgt die Rede von der Protagonistin (Irma) der Erzählung als Femme-fatale.

Schließlich wird bearbeitet ob die Erzählung „Gefallen“ als misogyn gedeutet werden kann.

2. Begriff der Misogynie

Im 21. Jahrhundert besteht eine große Anzahl an Menschen die den exakten Begriff der Misogynie nicht beherrschen. Dies liegt meistens daran das Misogynie versteckt in den meisten Gesellschaften herrscht und schwierig zum Verfolgen ist. Frauenhass, anders genannt taucht vielförmig auf, nicht nur Männer zeigen ihre Fraunfeindlichkeit sondern es kann sich auch eine Frauen so verhalten. Was ist aber genau Misogynie? Und wo liegen ihre Wurzeln?

Nach den Soziologen Allan G. Johnson ist, "Frauenfeindlichkeit eine kulturelle Haltung, und zwar Hass auf Frauen, weil sie weiblich sind."[1]

Misogyne Züge kann man in vielen Beispielen hervorrufen, in der Religion, in der Literatur und in philosophische Gedanken. Grund des Frauenhasses kann die Schwäche der Männer sein, die Gedanken einer Frau zu verstehen, die von Wut und ärger bis zur Bewunderung und Furcht führen kann.

2.1. Misogynie um der Jahrhundertwende

Nach Jack Holland beginnt der Weg der Misogynie vom Denken der griechischen Philosophen, die damit die Gesellschaft geprägt haben, bis in die dunklen Gassen Londons im 19. Jahrhundert.[2]

Frauen waren um die Jahrhundertwende öfter Opfer der Gesellschaftsordnung.

Die Position/Rolle die eine Frau heutzutage besitzt, beruht keineswegs auf Zufall oder Schicksal. So wenig, wie für die ganze Menschheit die Parole der Égalité (Gleichheit) auszugeben ist , so wenig auch für die beiden Geschlechter. Die Menschen sind nicht gleich sondern verschieden.[3] Nach den Wörtern von Grete Meisel-Heß kommt man auf die Frage, ist Gleichheit und speziell bei Geschlechtern selbstverständlich?

Soziale und gesellschaftliche Bedingungen sind Voraussetzung für das symbiotische und erfolgreiche Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Doch folgen wir den Gedanken, und den Bedingungen um die Jahrhundertwende. Mann gegen Frau und Frau gegen Mann. Um uns gezielt und nicht abweichend von der Thematik Gedanken zu machen, werden wir uns grundsätzlich mit der Stellung der Männer gegenüber den Frauen beschäftigen und insbesondere mit der Negativen. Diese negative Haltung wird als Misogynie bezeichnet, etymologisch kommt das Wort aus den altgriechischen woran auch die Wurzeln der gesamten Denkform zu finden sind. Μισεἷν „hassen“ und γυνή „Frau“. Misogynie oder Frauenhass bezeichnet also die starke Abneigung des männlichen Geschlechtes gegenüber den Frauen.[4]

Die früheste und vollständigste Stellungnahme zum Begriff der Misogynie kommt von dem stoischen Philosophen Antipatros von Tarsos (c. 150 v. Chr). Antipatros argumentiert, dass die Ehe das Fundament des Staates ist. Von ihm wird der Begriff der Misogynie zum ersten Mal benutzt, und zwar um die Darstellungsweise der Frauen in den Werken von Euripides zu bezeichnen, „την μισογυνίαν εν τᾦ γραφείν“ , „die Frauenfeindlichkeit in der Schrift “ .[5]

Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr.) berichtet, dass der griechischen Philosophen Fraunfeindlichkeit von Gynophobia verursacht wird, dies bedeutet Angst von Frauen.[6]

Im Christentum sind ebenfalls misogyne Züge bekannt, solche wie in den Paulusbriefen im neuen Testament, und zwar liegen darin die Fundamente der frühchristlichen Fraunfeindlichkeit. Speziell Sexualität mit Schuldgefühlen verbunden, Förderung der weibliche Unterwerfung und die Angst vor Verführung sind deutlich.[7]

Aristoteles, Socrates und Plato stellen in der griechischen Philosophie, die Frauen von Natur aus minderwertig gegenüber den Männern dar, dies ist bei folgenden Zitaten deutlich geschildert.

Ein grobes Beispiel vom Werk Aristoteles (384-322 v. Chr.) ist , Περὶ ζώων γενέσεως/ /Über die Entstehung der Tiere II 3, 737a 27 – 29,er erklärt: τὸ γὰρ θῆλυ ὥσπερ ἄρρεν ἐστὶ πεπηρωμένον καὶ τὰ καταμήνια σπέρμα, οὐ καθαρὸν δέ. „Das Weibchen ist nämlich gleichsam ein verstümmeltes Männchen, und die Monatsblutungen sind Samen, aber kein reiner.“ Nach Aristoteles hat also das „Männchen“ die Hauptrolle, Grund dieser Differenzierung sind hauptsächlich die Geschlechtsorgane.[8]

Nach Plato (427 - 347 v. Chr.) sind Frauen das Ergebnis einer physischen Degeneration des Menschen. "Nur Männer sind direkt von den Göttern geschaffen und haben eine Seele. Die Gerechten kehren zu den Sternen zurück, aber von den Feiglingen und Ungerechten kann mit Recht angenommen werden, daß sie in der zweiten Generation in die weibliche Natur übergehen."[9]

Folgen wir also dem Begriff viele Jahrhunderte danach, weiter. Ziel jeder Kultur ist der Mensch, und zwar der Vollmensch, als Vollmensch gilt derjenige der sich von seiner Geschlechternatur nicht mehr uneingeschränkt treiben lässt, sondern zu einem Ideal wird. In der Klassischen Epoche (1772-1805) ist die Rede von einen „Mannweib“ in Gegensatz zu der Romantik, wo es den Begriff „Androgyne“ gibt, der eine andere Bedeutung hat , und zwar dass, die Stärken der beiden Geschlechter zur Vollkommenheit führen können. (vgl. Betrachtungen zur Frauenfrage, Grete Meisel-Heß, 1914, Prometheus Verlagsgesellschaft m.b.u. , Berlin W.30, S.4)

In der Epoche der Romantik nahmen zum ersten Mal auch Frauen aktiv am kulturellen Leben teil und gestalteten dieses in immer stärkerem Maße durch ihr eigenes künstlerisches und literarisches Schaffen mit. Caroline und Dorothea Schlegel, sowie Bettina von Arnim sind wichtige Vertreterinnen der Frühromantik und durch ihre Einstellungen und literarischen Werke wird die Idee der Frauenemanzipation vorangetrieben.[10]

Arthur Schopenhauer (1788-1860) publizierte im Jahre 1851 sein Werk Parerga und Paralipomena , da befindet sich ein wichtiges Kapitel mit dem Titel „Über die Weiber“ in dem die Fraunfeindlichkeit Schopenhauers deutlich zu Tage tritt , „Zwischen Männern ist von Natur aus bloß Gleichgültichkeit ; aber zwischen Weibern ist schon von Natur Feindschaft“[11] und „Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit; sondern bloße Äfferei, zum Behuf ihrer Gefallsucht, ist es, wenn sie solche affektieren und vorgeben.“[12] Für Schoppenhauer spielt das weibliche Geschlecht keine wichtige Rolle in der Gesellschaft sondern eine ganz niedrige die sogar das Verhältnis zwischen Frauen negativ beeinflusst.

Als repräsentatives Frauenhasserbeispiel der Moderne könnte man Otto Weininger nennen, der das weibliche Geschlecht in seinem Buch Geschlecht und Charakter (1903) als „amoralisch“ bezeichnet und dessen Definition über Geschlechterunterschiede schon in der Embryologie liegt.[13] Dies sind die Wörter von Otto Weininger, Schüler Schoppenhauers über das weibliche Geschlecht:

«Das Verhältnis von Mann und Weib ist kein anderes als das von Subjekt und Objekt. Der Mann ist das Etwas, das Weib ist das Nichts.»

In seinem Werk wird Mann als „M“ bezeichnet, und Frau als „W“, Geschlechterproblematik ist sein Hauptthema, aber außerdem nimmt er auch scharf Stellung gegen die Juden. Nach Weininger haben die Juden eine weibliche Natur und die müssen sie bekämpfen. Er gilt als einer der Vertreter des Antifeminismus und Antisemitismus der Wiener Moderne. Über die Emanzipation der Frauen meint Weininger dass, ihr Bedürfnis an Emanzipation und ihre Leistung dafür im Zusammenhang steht, mit „der Menge von „M“, die in ihr fließt“[14]. Wittgenstein wurde von dem Werk von Weininger stark beeinflusst.[15]

Diese waren die wichtigsten Vertreter der Misogynie durch die Jahrhunderte, wenn man vom Zeitalter der Hexenverfolgung (15.-17. Jhdt.) absieht, dies in diesem Fall nicht thematisiert wird wegen seiner Größe und Vielfältigkeit.

Die geistige und körperliche Ablehnung der Frauen durch die Männer, liegt nicht immer an äußerlicher Schwäche oder angenommener Unfähigkeit der Frauen, sondern Gründe dafür sind auch eine bestimmte Angst ,die, die Kraft der Mutter , der Geliebten , der Ehefrau, und im allgemeinen einer aktiven Frau verbreitet. Männer können sogar vor Bewunderung negativ gegen das von ihnen sogenannte „schwachen Geschlecht“ reagieren.

Abschließend gibt es Frauenfeindlichkeit seit den biblischen Zeiten bis in die modernen Zeiten. Vor allem im 21. Jahrhundert ist es nicht selten das jemand über Diskriminierung und unfaire Behandlung von Frauen aufgrund des Geschlechts berichtet.

3. Konsequenzen der Misogynie in Literatur und Kunst

Wie erwähnt sind die „Vorzüge“ oder die „Fehler“ der Frauen so stark kritisiert worden, dass nahezu ihre weibliche Existenz in Frage kommt. Diese Denkform hatte natürlich Große Auswirkungen in der Literatur und in der Kunst. Geschlechterproblematik und insbesondere Frauenfeindlichkeit sind in der Geschichte der Literatur und in der Kunst eine zeitlose Themenauswahl.

Doch deuten wir in allen Werken Vielfalt und Multiperspektivität was dieses Frauenbild betrifft, es ist gleichzeitig ein „Wunsch und Angst-Bild“ und dadurch ist es eng mit der Misogynie verbunden. Erwähnenswert ist dass, Misogynie zur Hierarchisierung und Ordnung der früheren Gesellschaften gedient hat. Frauenfeindlichkeit stellt in Geschichte und Gegenwart ein repressives Machtmittel dar und dies sollte keinesfalls geleugnet werden. (vgl. Andrea Geier S. 3).

„Zu misogynen Phänomenen, Motiven und Strukturen in der Literatur, der bildenden Kunst , der Philosophie , der Medizin und der Wissenschaftsgeschichte gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen aus der späten 60er bis Ende der 70er Jahre der 20. Jahrhunderts. Misogynie wurde als „Gewalt gegen Frauen und der Abwertung von Frauen“ und „als Ursache für die Unterdrückung weiblicher Bildung, weiblichen Begehrens und weiblicher Subjektivität erachtet“. Patriarchat und Misogynie galten als Korrelate.[16]

Wenn durch den Begriff der Misogynie in der Literatur und in Kunst eine Rezension gestaltet wird, dann handelt es sich meistens über die Stereotypisierung von Frauen in verschiedene Epochen, so wie die Heilige, die Hurre, Femme-fatale, Hexe, Femme- fragile und andere. (vgl. Geier Andrea S.8)

3.1. Begriff der Femme-fatale

Zur Analyse der Misogynen Züge von Thomas Mann (1875 –1955) werden wir das literarische frauenstereotyp der Femme-fatale näher unter der Lupe nehmen.

„Im Mythos und in der Literatur hat es den Typus der Femme-fatale immer gegeben, denn Mythos und Literatur sind nur die dichterische Widerspiegelung des wirklichen Lebens; im wirklichen Leben aber hat es an mehr oder minder vollkommenen Exemplaren herrschsüchtiger und grausamer Frauen nie gefehlt.“[17]

Eine Femme-fatale wird meistens verführerisch und geheimnisvoll dargestellt, mit ihren Scharm und ihre Sexualität führt sie ihr „Opfer“ zu ein unwiderstehliches Verlangen nach ihr, dies kann oft gefährliche folgen verursachen. Ihre Fähigkeit ihr „Opfer“ auf einer übernatürlichen Art und Weise zu hypnotisieren war sehr unheimlich für die früheren Zeiten, und daher wird sie oft als Zauberin, Hexe, Vampir oder Dämon bezeichnet.[18]

[...]


[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Misogyny

[2] Jack Holland, Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses , ZWEITAUSENDEINS; Auflage: 1., Aufl.2007, Im Vorwort

[3] Betrachtungen zur Frauenfrage, Grete Meisel-Heß, 1914, Prometheus Verlagsgesellschaft m.b.u. , Berlin W.30,

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Misogynie (abgeruffen am : 10-09-2011)

[5] http://en.wikipedia.org/wiki/Misogyny (abgeruffen am : 10/9/2011)

[6] Ebda. (abgeruffen am : 10/9/2011)

[7] Ebda. (abgeruffen am : 10/9/2011)

[8] Sabine Föllinger, Differenz und Gleichheit : das Geschlechterverhältnis in der Sicht griechischer Philosophen des 4. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. Stuttgart : Steiner, 1996 (Hermes : Einzelschriften ; 74), S. 130-138

[9] http://www.womenpriests.org/de/traditio/inferior.asp (abgeruffen am : 09/09/2011)

[10] http://www.bnv-bamberg.de/home/ba2527/schule/wq_frauenbilder (abgeruffen am : 09/09/2011)

[11] Arthur Schopenhauer ,Parerga und Paralipomena: kleine philosophische Schriften, Band 2, §. 368.

[12] Ebda. §. 369.,

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlecht_und_Charakter (abgeruffen am : 8/9/2011)

[14] Otto Weininger, Geschlecht und Charakter,

[15] http://en.wikipedia.org/wiki/Misogyny#cite_note-Cicero-14 (13.09.2011)

[16] Geier , Andrea : Wider die Frau: zu Geschichte und Funktion misogyner Rede

[17] http://de.wikipedia.org/wiki/Femme_fatale#cite_note-1 (abgerufen am : 13-9-2011)

[18] http://en.wikipedia.org/wiki/Femme_fatale (abgerufen am : 13-9-2011)

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656024941
ISBN (Buch)
9783656024668
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179908
Institution / Hochschule
Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης - Thessaloniki – Aristotle University of Thessaloniki , German faculty
Note
8/10
Schlagworte
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Autor

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