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Johannes Rau: Sein Leben und Wirken für NRW

Seminararbeit 2006 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Das Leben des Johannes Rau
2.2 Das politische Wirken Raus in NRW

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Um den Politiker und Menschen Johannes Rau drehen sich viele Be­hauptungen, Anerkennungen und Kritiken. Sein politisches Wirken gab dazu Anlass. Das Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden was an Kritik und Lob berechtigt ist. Anlässlich der Trauer­feier für Johannes Rau, am 17.02.06, in der Düsseldorfer Tonhalle, würdigte Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU) in ihrer Rede Johannes Rau als einen Menschen, der "das Land geprägt hat wie kein Zweiter. Die Spuren, die er hinterlassen hat, sind tief und un­übersehbar."[1]

Was waren das für Spuren die er hinterlassen hat? Wie hat er das Land geprägt?

Um dies herauszufinden muss man sich mit seinem politischen Wirken befassen und zudem sich seinen Lebenslauf genauer anschauen. Vielleicht gibt es ja Zusammenhänge zwischen Lebenslauf und Herkunft des Johannes Rau und seinen politischen Handlungen. Rau blieb fast 20 Jahre Minister­präsident von Nordrhein-Westfalen. Seine Amtszeit war geprägt von einer miserablen Ausgangslage des Landes Nordrhein-Westfalen, verursacht durch den Niedergang der Kohle und Stahlindustrie. Als er das Land übernahm steckte es in einer tiefen Strukturkrise.

Als Quellenmaterial stehen umfangreiche Landtagsreden, Regierungs­erklärungen und ähnliches zur Verfügung, sowie einige Biographien über Johannes Rau. Zudem sind auch einige Standardwerke über Nordrhein-Westfalen aussagefähig über die Politik des Johannes Rau.

2.Hauptteil

2.1 Das Leben des Johannes Rau

Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal als drittes Kind seiner Eltern Helene und Ewald Rau geboren. Er hatte vier Geschwister, seine ältere Schwester Leni (1926), sein älterer Bruder Traugott (1929), sowie die jüngeren Geschwister Christel (1932) und Hartmunt (1934). Seine Mutter entstammte einer oberbergischen Unternehmer­familie und sein Vater, ein frommer und religiöser Mann, besaß ein Textilgeschäft bis 1925. Aufgrund der Erlebnisse im Ersten Weltkrieg und den turbulenten Ereignissen der Weimarer Republik wandte sich der Vater Raus dem Pietismus zu. Dieser trat dann dem pietistischen Verein des Blauen Kreuzes in Wuppertal bei und wurde dort Vereinssekretär und hauptberuflich Prediger. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Ewald Rau nicht mehr zum Blauen Kreuz zurück und arbeitete als freier Prediger. Er verstarb am 15. Dezember 1953 unglücklich, weil er aus einer defekten Tür, in einer Kurve, eines Busses der Wuppertaler Stadtwerke fiel und dann an den Verletzungen starb. Ewald Rau war eine prägende Gestalt für seine Kinder, „belesen und herzensgut“[2]. Er zeigte seien Kindern was „ein Akt tätiger Nächstenliebe ist“[3]. Z.B. brachte Ewald Rau gelegentlich Obdachlose mit nach Hause und versorgte sie, ebenso waren Waisenkinder häufiger zu Gast im Hause Rau. Sein Vater sowie das christliche Umfeld, in dass er durch seinen Vater geraten war, prägten Johannes Rau sehr stark. Daher war Raus erstes Berufsziel das Pfarramt. Allerdings verließ er das Gymnasium, das er besuchte, mit dem Abschluss der Mittleren Reife am 30. September 1948 und begann fünf Tage später eine Lehre als Verlagsbuchhändler, die er erfolgreich abschloss. Nebenbei war er auch als Feuilletonredakteur bei der Westdeutschen Rundschau tätig und schrieb Musik-, Literaturkritiken und rezensierte Bücher. Dieser Tätigkeit bildete auch die Grundlage für sein späteres politisches Leben, denn als die Deutsche Presseagentur die Gründung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) verkündete und der Wuppertaler Adolf Scheu zu den Gründungsmitgliedern gehörte, suchte der Lokalchef der Westdeutschen Rundschau händeringend jemanden, der Adolf Scheu interviewte. Er bat Johannes Rau dies zu tun, da alle anderen Journalisten an Grippe erkrankt waren. Am Ende des Interviews fragte Scheu Rau, ob er nicht auch in die GVP (Gesamtdeutsche Volkspartei) eintreten wollte. Rau sagte zu und sein politisches Leben begann am 2. Dezember 1952. Die GVP wurde von Gustav Heinemann, dem ehemaligen Bundesinnenministers gegründet. Dieser trat aus der CDU aus, weil er gegen die Wiederbewaffn­ung Deutschlands war und diesbezüglich Adenauers Politik nicht mittragen konnte, er hielt dies für die falsche Politik. Die GVP war eine christliche, pazifistische Partei, die hoffte, die Gegensätze zwischen Ost und West überbrücken zu können. Diese Partei stimmte mit Raus persönlichen Überzeugungen überein. Er wurde sofort zum provisorischen Kreis- und Orts­vorsitzenden von Wuppertal ernannt[4]. Gustav Heinemann wurde sein politischer Mentor, Leitfigur und Vorbild[5]. Dieser war bekennender Christ, ein väterlicher Freund und ein Politiker der für seine Ideale stand, ihn wollte Rau sich zum Vorbild nehmen[6]. Allerdings erzielte die Partei keine langfristigen Erfolge und blieb politisch bedeutungslos. Sie löste sich am 17./18. Mai 1957 selbst auf.

Rau folgte seinem Mentor in die SPD, die ihm zunächst gar nicht gefiel, weil man sich unter den Genossen stets Duzte. Auch das Wort Genosse hat er nicht geliebt. Die Arbeiterpartei SPD war ihm zu einseitig auf die Interessen der Arbeiterschaft ausgelegt. Die SPD befand sich noch vor dem Godesberger Programm, das die SPD letztlich zur Volkspartei machte[7]. Dennoch wurde er schon 1958 der Vorsitzende der Jusos in seiner Heimat­stadt Wuppertal. Rau hatte wenige Monate zuvor im Bundestagswahlkampf 1957 Verteidigungs­minister Franz-Josef Strauß scharf attackiert in der Westdeutschen Rundschau. Als „Minister ohne Würde“ bezeichnete er ihn, weil Strauß 1949 noch strikt gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands war und mit der Aussage: „Wer in Deutschland noch einmal ein Gewehr anfaßt, dem sollen die Hände abfallen“ Wahlkampf machte. Nun im Walkampf 1957 erklärte Strauß zum Thema Wiederbewaffnung:“ Er sei nicht feige, denn er sei kein Wehrdienstverweigerer.“[8]. Rau war durch diesen öffentlich Konflikt bekannt geworden, vor allem innerhalb der SPD. Deswegen stellten ihn die Jusos auch als Kandidat für den Landtag auf, obwohl Rau selber nicht mit einem Erfolg rechnete. Allerdings kam er als einziger SPD- Kandidat in Wuppertal durch, alle anderen Wahlkreise in Wuppertal verlor die SPD an die CDU. So zog Rau 1958 als jüngster Abgeordneter in den Düsseldorfer Landtag ein. Sein Aufgabenfeld im Landtag wählte er sich mit der Jugend- und Bildungspolitik selber: Da hatte er aus der Arbeit im Verlag und aus der Arbeit mit der evangelischen Jugend Erfahrungen gesammelt (Bibelkreise und Jugendfreizeiten). 1964 bewarb er sich neben seinem Landtagsmandat auch um ein Mandat im Wuppertaler Stadtrat, das er ebenfalls erhielt, nachdem er allerdings 1961 beim ersten Versuch gescheitert war. Er wurde auch Fraktionsvorsitzender der SPD im Düsseldorfer Landtag am 9. Januar 1967, obwohl er zunächst nicht antreten wollte, denn er musste sich gegen den Gegenkandidaten Walter Klimt durchsetzen, der von Ministerpräsident Kühn unterstützt wurde[9]. Seine politischen Freunde in der Fraktion schafften es genügend Stimmen für Rau zu sammeln. Er übernahm 1969 auch das Amt des Oberbürgermeisters in Wuppertal. Dieses Amt hatte er nur 10 Monate inne und wurde 1970 Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nord­­rhein-Westfalen. Auch da hatte Ministerpräsident Kühn einen anderen Kandidaten im Sinn, dieser lehnte aber ab mit dem Hinweis darauf, dass die jungen Studenten einen jungen Hochschulminister brauchen[10]. Eine weitere große Herausforderung stellte sich Rau, als es um die mögliche Nachfolge des Ministerpräsidenten Kühn ging. Rau hatte in Kühn keinen Fürsprecher, dieser favorisierte Friedhelm Farthmann, der den größten SPD Bezirk in Nordrhein-Westfalen hinter sich hatte. Als dieser öffentlich Interesse am Amt des SPD Landes­vorsitzenden bekundete (dem Amt, das als klassisches Kronprinzenamt galt), wurden Raus Freunde aktiv, Rau selber zunächst nicht. Seine Freunde zogen den mächtigen Unter­bezirksfürsten Hans-Otto Bäumer auf Raus Seite, erst danach am 23. Februar 1977 teilte Rau der SPD Findungskommission mit, dass er für das Amt des Landesvorsitzenden kandiere. Es folgte ein viermonatiger Machtkampf innerhalb der nordrhein-westfälischen SPD. Am 25. Juni 1977 siegte Rau knapp über seinen Rivalen Farthmann im zweiten Wahlgang. Dennoch war der Ministerpräsidenten­posten Rau noch nicht sicher. Posser, der dienstälteste Minister im Kabinett Kühn, meldete ebenfalls öffentlich seine Kandidatur an, gestützt von Ministerpräsident Kühn. Dieser versuchte Rau von einer Kan­didatur abzubringen. Diesen erneut Monate andauernden Machtkampf konnte Rau, am 17. September 1978, erneut knapp für sich entscheiden und konnte so für das Amt des Ministerpräsidenten kandieren, so dass er kurz darauf am 20. September 1978 mit allen Stimmen der SPD/FDP Koalition zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Dieses Amt hatte er bis 1998 inne. Er heiratete 1982 eine Enkeltochter seiner politischen Ziehvaters Gustav Heinemann, Christina Delius. Aus dieser Beziehung gingen drei Kinder hervor. Während seiner Amtszeit gewann er vier Landtagswahlen, drei davon mit absoluter Mehrheit. Er unterlag jedoch in der Bundestagswahl 1987 Bundeskanzler Helmut Kohl im Kampf um das Kanzleramt.

1998 gab er seine Ämter in NRW und der SPD auf, um für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, welches er am 23. Mai 1999 bekam, nachdem er fünf Jahre zuvor dem CDU Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Roman Herzog, unterlegen war. Er griff während seiner Amtszeit gesellschaftlich relevante Themen wie die Zuwanderung, die Bio- und Gentechnik oder die Globalisierung auf und hielt alle seine Berliner Reden selber, anders als sein Amtsvorgänger Roman Herzog. Am 1. Juli 2004 endete Raus Amtszeit als Bundespräsident. Er starb am 27. Januar 2006 in Berlin.

[...]


[1] Vgl. http://www.wdr.de/themen/politik/personen/rau_johannes/staatsakt_duesseldorf/060217.jhtml?rubrikenstyle=politik am 28.06.06.

[2] Vgl. Filmer, Werner, Schwan, Heribert: Johannes Rau, Düsseldorf, 1986. S. 30. Im folgenden abgekürzt als Filmer, Werner.

[3] Vgl. Filmer, Werner S.29.

[4] Vgl. Kleine, Rolf, Spruck, Mattihas: Johannes Rau, München, 1999. S. 31. Im folgenden Abgekürzt als Kleine, Rolf.

[5] Vgl. Filmer, Werner S. 104.

[6] Vgl. Kleine, Rolf S. 56.

[7] Vgl. Potthoff, Heinrich, Miller, Susanne: Kleine Geschichte der SPD 1848-2002, Bonn 2002. S. 208f. Im folgenden abgekürzt als Potthoff, Heinrich.

[8] Vgl. Kleine, Rolf S. 43.

[9] Vgl. Kleine, Rolf S. 67.

[10] Vgl. Kleine, Rolf S. 76.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656024200
ISBN (Buch)
9783656024064
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179912
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
3,0
Schlagworte
Johannes Rau Rau NRW Nordrhein Westfalen Universitätsgründung

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Titel: Johannes Rau:  Sein Leben und Wirken für NRW