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Gandhis gewaltloser Widerstand

Inwiefern konnte Gandhi Satyagraha in der Realität umsetzen?

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Grundlagen des Konzepts

3. Satyagraya
3.1. Wortbedeutung
3.2. Abgrenzung vom passiven Widerstand
3.3. Gelübde
3.3.1. Wahrheit
3.3.2. Gewaltlosigkeit
3.3.3. Keuschheit
3.3.4. Besitzlosigkeit
3.4. Methoden

4. Umsetzung in der Realität
4.1. Fasten
4.2. Salzmarsch
4.3. Versuch der Besetzung der Dharsana-Werke
4.4. Abspaltung Pakistans

5. Fazit

1. Einleitung

„Sobald ein Volk die Gewalt nicht mehr fürchtet, wird eine Regierung sie als zwecklos aufgeben“ (Gandhi 1924:7)

Mit diesem und ähnlichen Zitaten ist Mahatma Gandhi (1869-1948) zum wohl bekanntesten Verfechter des gewaltlosen Widerstands geworden. Bis heute sind die Auswirkungen seiner Aktivitäten in Indien spürbar, nicht zuletzt dadurch, dass er einen großen Teil zu der Unabhängigkeit Indiens von der Kolonialherrschaft beitrug und mit großem Einsatz gegen bestimmte Formen des Kastensystems kämpfte. Doch nicht nur in seiner Heimat wirkte Gandhi nachhaltig, auch Martin Luther King berief sich auf ihn. „Darin, wie Gandhi auf Liebe und Nicht-Gewaltanwendung das Gewicht legte, entdeckte ich die Methode für eine Sozialreform, nach der ich so viele Monate gesucht hatte[...]Ich gelangte zu der Überzeugung, daß dies die einzige moralische und praktisch gesunde Methode war, die sich unterdrückte Menschen in ihrem Freiheitskampf eröffnete.“ (Rau 1970: 136) Gandhi war somit ein Vorbild eines anderen bedeutenden Kämpfers für Menschenrechte mit gewaltlosen Mitteln. Somit stellt sich die Frage inwieweit Gandhi sein Konzept des gewaltlosen Widerstandes in der Realität umsetzten konnte und ob es erfolgreich war.

Mit der außergewöhnlichen Persönlichkeit Gandhis und seinem Konzept des Widerstands (Satyagraga) möchte ich mich in dieser Hausarbeit auseinandersetzen.

Um Satyagraha zu verstehen ist es wichtig die Hintergründe und Motivationen zu kennen auf denen das Konzept basiert, sie sind besonders im familiären und kulturellen Umfeld des jungen Gandhis zu finden. Mit den Grundlagen und dem Konzept Satyagrahas werde ich mich in den ersten beiden Teilen der Hausarbeit beschäftigen.

Entgegen der Auffassung vieler Autoren, wie z.B. Jean-Paul Sartre (1961: 28), der die Meinung vertrat, Dekolonisation könne „nur als Folge eines entscheidenden und tödlichen Zusammenstoßes der beiden Protagonisten geschehen“, vertrat Gandhi die Meinung, dass Gewaltlosigkeit der einzig richtige Weg des Widerstands ist, denn „ Wahrheit schließt die Anwendung von Gewalt aus, da der Mensch nicht fähig ist, die absolute Wahrheit zu erkennen und deshalb auch nicht berechtigt ist zu bestrafen“ (Gandhi 1924: 241).

Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werde ich prüfen inwieweit Gandhi sein Konzept in der Realität umsetzen konnte, um zu sehen, ob Sartre nicht doch im Recht war. Dieses werde ich an verschiedenen Beispielen, wie z.B. dem Salzmarsch oder Gandhis Reaktion auf die Abspaltung Pakistans von Indien, tun.

Ich werde mich auf eine Einzelfallstudie beschränken, ein Vergleich erscheint mir nicht sinnvoll, da die kulturellen und geschichtlichen Umstände in Verbindung mit gewaltlosem Widerstand mit keinem anderen Fall vergleichbar sind. Die Hausarbeit wird die Singularität des Falls aufzeigen und somit auch, dass eine solche Bewegung nur unter den gegeben Umständen und mit der Person Gandhi an ihrer Spitze zum Erfolg geführt und daher Vergleichbares bisher nicht stattgefunden hat.

Grundlage der Ausführungen bildet die Autobiographie Gandhis (1960), es werden vorrangig Primärwerke bearbeitet.

2. Grundlagen des Konzepts

Wie in der Einleitung erwähnt, ist es entscheidend die Grundlagen des Konzepts zu kennen, um es verstehen zu können, besonders da es sehr durch die Familie Gandhi geprägt wurde.

Die Familie Gandhi stammt aus der Kaste der Bania, der Händlerkaste. Mahatmas Gandhis Vater war nicht ehrgeizig und neigte nicht dazu Reichtümer zu sammeln. Er war weder mit reichlich Allgemeinwissen noch mit religiösem Wissen ausgestattet, doch kurz vor seinem Tod besann er sich auf die Religion.

Mahatma Gandhis Mutter hingegen war eine tief religiöse Frau, die vor jeder Mahlzeit zu beten pflegte und täglich den Tempel besuchte. Sie fastete oft und dies mit viel Heiterkeit. Oft nahm sie nur Nahrung zu sich, wenn die Sonne zu sehen war, was in der Regenzeit eher seltener der Fall ist. Der Junge Gandhi saß lange Zeit vor dem Haus um seine Mutter zu benachrichtigen, wenn die Sonne erschien. Doch wenn die Mutter sich dessen vergewissern wollte, war die Sonne oft schon wieder verschwunden, sodass sie wieder nichts aß. Das prägte Gandhi.

Viele seiner späteren Charakteristika, wie „die Wahrheitsliebe, die Religiosität, die das ganze Alltagsleben durchdringt, die Praxis des Fastens“ (Rau 1970: 11) waren schon in Gandhis Elternhaus zu finden.

Mahatma war ein scheues, schüchternes Kind, das jegliche Gesellschaft mied und sich stattdessen lieber mit Lernen beschäftigte.

Ein einschneidendes Ereignis fand in seinem 13. Lebensjahr statt, er wurde mit einem gleichaltrigen Mädchen verheiratet. Rückblickend beschreibt er dies als eine Schande.

Es kam ihm nie in den Sinn seine Frau zu betrügen, denn ihm war „die Leidenschaft für die Wahrheit eingeboren“( Gandhi 1960: 29). Trotz dieser Leidenschaft übertrat Gandhi Regeln, er aß z.B. einmal Fleisch und quälte sich später mit Gewissensbissen gegenüber seinen Eltern, denn die Familie Gandhi waren Vaishnavas, d.h. sie lehnten den Fleischkonsum strikt ab. Ein anderes Mal klaute er seinem Bruder Gold, schuldbewusst wollte er es seinem Vater beichten, doch er traute sich nicht. So nahm er ein Stück Papier und schrieb seinem Vater was geschah, als dieser das Geständnis las, begann er zu weinen und zerriss die Notiz. Die Qual in den Augen seines Vaters war Gandhi von diesem Zeitpunkt an stets präsent und hielt ihn von anderen Misstaten ab.

Im Haus der Familie Gandhi gingen Anhänger der verschiedensten Religionen ein und aus. Jain-Mönche achteten die Familie sogar so sehr, dass sie gegen die eigene Regel, Speisen von der Familie, von Nicht-Jains, annahmen. Gandhi selbst schrieb, dass bei ihm somit schon früh der Grundstein für Toleranz gegenüber anderen gelegt wurde (Gandhi 1960:47). Einzig das Christentum konnte er nicht verstehen, später jedoch, in England, begann er es durch eingehendes Studium doch zu akzeptieren.

Schon in jungen Jahren stellte Gandhi fest: „Eines aber schlug tiefe Wurzeln in mir: die Überzeugung, daß Moral die Grundlage der Dinge und daß Wahrheit die Substanz aller Moralität ist. Wahrheit wurde mein einziges Ziel. Sie wuchs täglich an Wichtigkeit und meine Vorstellung von ihr wurde immer weiter.“ (Gandhi 1960:49).

(Gandhi 1960: 23-46)

3.Satyagraha

3.1. Wortbedeutung

Satyagraha entstammt dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt das Festhalten an Wahrheit und Gerechtigkeit, Gandhi umschrieb es auch als „Macht der Wahrheit“ (Gandhi 1924:10), „Macht der Seele“ (Gandhi 1924:10) oder „Macht der Liebe“ (Gandhi 1924:10).

Gandhi selbst schreibt in seiner Autobiographie, dass das Prinzip Satyagraha in sein Leben trat, bevor er es benennen konnte. Er wollte es vom passiven Widerstand abgrenzen, weil dieser als Waffe der Schwachen und von Hass gekennzeichnet galt. Er selbst fühlte sich nicht imstande einen Namen für das entdeckte Prinzip zu finden, so bekam es diesen schließlich über einen Wettbewerb in der Zeitung. (Gandhi 1960: 283)

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656026914
ISBN (Buch)
9783656026716
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180124
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Ghandi Widerstansdenken Gewaltloser Widerstand

Autor

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Titel: Gandhis gewaltloser Widerstand