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Ein Überblick über das Phänomen Codeswitching

Seminararbeit 2006 10 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Definition Code-switching

2. Beispiel für Code-switching
2.1. Einführung in die Griechische Grammatik
2.2. Satzanalyse
2.2.1. Glossierung
2.2.2. Klammermodell

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

0. Einleitung

Durch die stetig wachsende Migration in Deutschland, gibt es auch hier immer mehr Menschen, die bilingual aufwachsen. Nach einiger Zeit beherrschen sie meist neben der Sprache ihres Heimatlandes auch die deutsche Sprache. Auf Grund dieses reichen Sprachrepertoires ist es ihnen möglich zwischen den Sprachen zu Wechseln.

Diese Ausarbeitung soll nun einen Überblick über dieses Phänomen, welches Code-switching genannt wird, geben. Zunächst wird das Code-switching mit seinen Strukturen und Regeln näher erläutert. Anhand eines Beispielsatzes, in dem zwischen der griechischen und deutschen Sprache gewechselt wird, sollen die Grundlagen der Analyse des Code-switching erklärt werden. Bevor dieser Satz jedoch analysiert wird, erkläre ich zunächst die griechische Grammatik, um den darauf folgenden Beispielsatz verständlich zu machen. Abschließend fasse ich meine Ergebnisse und Bedeutung der Thematik in einem Fazit zusammen. Meine Ausarbeitung basiert auf der Literatur von Bechert/Wildgen (1991), Eideneier (1976), Dirim/Auer (2004), Maas (2007), Myers-Scotton (2006) und Riehl (2004).

1. Definition Code-switching

Als Code-switching bezeichnet man in der Sprachwissenschaft die Verwendung von mindestens zwei Varietäten innerhalb der selben Interaktion. Dieses Phänomen tritt häufig in mehrsprachigen Gesellschaften bei Bilingualen auf, die mehr als eine Sprache beherrschen (vgl. Bechert/Wildgen 1991:59). Entgegen der Meinung vieler Laien ist der Wechsel zwischen zwei Sprachen nicht ein Anzeichen für doppelte Halbsprachigkeit und damit kein Anzeichen dafür, dass weder die eine noch die andere Sprache sicher beherrscht wird. Es handelt sich vielmehr um „eine spezifische Kompetenz, mit Mehrsprachigkeit umzugehen“ (Dirim/Auer 2004:106).

Myers-Scotton (2006) unterscheidet zwei unterschiedliche Strukturen des Code-switching. Zum einen gibt es „inter-sential switching“ d.h. innerhalb einer Interaktion wird zwischen den einzelnen abgeschossenen Sätzen die Sprache gewechselt. Zum anderen gibt es „intra-sential switching“, dies bedeutet, dass binnen eines Satzes die Sprache gewechselt wird (Myers-Scotton 2006:239). Im ersten Fall haben wir demnach beispielsweise einen Satz auf English und einen Satz auf Deutsch nebeneinander stehen. Im zweiten Fall stehen englische und deutsche Wörter direkt in einem Satz beisammen:

(1) Hier sind einige clumps of trees.

‚Hier sind einige Gruppen von Bäumen’

In Beispiel (1) ist die NP aus dem Englischen, während der Rest des Satzes deutsch ist. Die Syntax des Satzes könnte, sowohl deutsch als auch englisch sein, da das Verb jedoch aus dem Deutschen stammt, ist die Matrixsprache deutsch.

Riehl unterscheidet hingegen zwischen „Codemixing“, Sprachwechsel zwischen zwei Sätzen, und „Codeswitching“, Sprachwechsel innerhalb eines Satzes (vgl. Riehl 2004:22).

Es gibt verschiedene Aspekte die betrachtet werden müssen, um entscheiden zu können, ob es sich um Code-switching handelt. In der Forschung wird in Bezug auf die Länge der Einheit diskutiert, ob es sich schon um Code-switching handelt, wenn ein einziges Wort „nur ad hoc in einer bestimmten Äußerung vorkommt“, ohne zum Lexikon der Varietät der Sprachgemeinschaft zu gehören. Für Myers-Scotton ist dies ein Fall von Code-switching, während Poplack und Sankhoff von einer „Ad-hoc-Entlehnung“ sprechen (Riehl 2004:20).

Bei der Untersuchung nach der Struktur von Code-switching, fand man heraus, dass häufig an Satzgrenzen oder nach einem Teilsatz die Sprache gewechselt wird. Nach dem Matrix Language Frame Model von Myers-Scotton gibt die Matrixsprache den morphosyntaktischen Rahmen vor und „die andere Sprache wird darin ‚eingebettet’“, diese Rollen können jedoch auch innerhalb eines Satzes getauscht werden (Riehl 2004:22). Schematisch lässt es sich folgendermaßen darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (Maas 2007:138)

Der Wechsel eines Elements aus der eingelassenen Sprache B, in die Matrixsprache A, ist nicht nur auf den Austausch der sprachlichen Formen begrenzt, sondern erfordert eine Übereinstimmung des grammatischen Hofes der Sprache B, mit dem Gegenstück der Sprache A, in die gewechselt werden soll(vgl. Maas 2007:138). Dies bedeutet, dass beispielsweise die grammatischen Bedingungen der beiden Sprachen unter anderem in Bezug auf Formenaufbau und Wortstellung miteinander abgeglichen werden müssen. Wenn die grammatikalischen Differenzen gering ausfallen, können „Elemente aus beiden Sprachen wechselseitig ‚getauscht’ werden“(Maas 2007:72). Diese Sollbruch- stellen, an den die Sprachen gewechselt werden können, zeichnen kompetentes Code-switching aus. Man findet sie unter anderem bei Diskursmarkierungen, rein lexikalischen Elementen, am Satzrand, zwischen Sätzen und Interjektionen (vgl. Maas 2007:72).

Ein weiteres Forschungsgebiet beschäftigt sich mit der Frage nach der Funktion und der Motivation des Codes-switching. An dieser Stelle wird unterschieden zwischen soziolinguistisch motiviertem Code-switching auf Grund von äußeren Einflüssen und psycholinguistisch motiviertem Code-switching ohne Absicht des Sprechers(vgl. Riehl 2004:22ff.). Besonders in intimen Registern, wie der Familie oder dem Freundeskreis, kommt es häufig zum Code-switching. In Jugendkreisen wird der Sprachwechsel genutzt zur sozialsymbolischen Funktion der Abgrenzung oder als Kennzeichen des Dazugehörens.

2. Beispiel für Codeswitching

2.1 Einführung in die Griechische Grammatik

Um den in 2.2 angeführten Beispielsatz analysieren und verstehen zu können, sollen im Folgenden zunächst die Grundlagen der griechischen Grammatik und die Besonderheiten, die den Satz betreffen, erläutert werden. Das Griechische „ist eine eigenständige indogermanische, dem Deutschen also verwandte Sprache“(Eideneier 1976:8). Auch wenn man diese Verwandtschaft insbesondere in der Morphologie und teils bei der Flexion von Wortstämmen sieht, so gibt es doch einige Unterschiede auf die ich im Folgenden eingehen möchte (vgl. Eideneier 1976:8).

Das Personalpronomen steht als Subjekt nur im Satz, wenn dieses betont werden soll. Dies ist jedoch nicht häufig der Fall. Fehlt es im Satz, wird es durch die konjugierte Personalendung des Verbs (s. Tabelle im Anhang) genügend gekennzeichnet (ebd. 29). Das finite Verb hat sechs unterschiedliche Endungen, genauer gesagt eine für jede Person im Singular und im Plural(s. Tabelle im Anhang). Innere Flexion wie im deutschen „ich gebe, du gibst“, sind im Griechischen nicht zu finden (ebd. 37).

Im Gegensatz zum Deutschen muss das Adjektiv in prädikativer Stellung in Bezug auf Genus, Kasus und Numerus dekliniert werden (ebd. 34).

Bei Bestimmungswörtern wie Artikel, Pronomen und Adjektiven wird auch im Plural stets zwischen den drei Genera differenziert (ebd.).

Bei der Grundform der griechischen Sätze kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass die Grundform des deutschen Hauptsatzes auch die des griechischen Hauptsatzes ist. Abweichungen betreffen vor allem die Stellung des Verbs im Satz.

„Es gibt im Griechischen weder eine differenzierte Stellung des Verbs im Haupt- und abhängigen Nebensatz noch eine Trennung von Verbbestandteilen bei trennbaren Verben und bei zusammengesetzten Zeiten in der Abhängigkeit“ (ebd.63).

Vereinfacht kann jedoch gesagt werden, dass in Aussagesätzen meist Verberststellung gilt und das Subjekt fehlt bzw. ist in der Endung des Verbs enthalten ist. Fehlt das Subjekt jedoch nicht, so steht es wie im Deutschen an erster Stelle und das Verb an zweiter Stelle. Auch in Fragesätzen ist meist Verberststellung vorhanden, während das Subjekt fehlt. Ist dies jedoch nicht der Fall, so steht das Subjekt an erster Stelle und das Verb an zweiter Stelle oder umgekehrt.

Zur Konstruktion deutscher Modalverben gibt es im Griechischen keine Analogie, stattdessen werden abhängige Sätze verwendet (ebd. 52).

Um einen Wunsch oder eine Absicht auszudrücken, wie im Deutschen mit wollen und möchte, sagt man:

(2) Thelo na…..

‘Ich möchte, dass…’ (ebd. 53)

Ein weiterer Unterschied zum Deutschen ist, dass es im Griechischen keinen Infinitiv gibt (ebd. 54).

Bei den griechischen Lokalrelationen werden Ort und Richtung in der Regel identisch ausgedrückt. Das gilt unter anderem auch für die Präposition „in, an, auf usw. + Nomen im Dativ ist zugleich in, an, auf, usw. + Eigenname, Substantiv oder Pronomen im Akkusativ“ (ebd. 61). Die „Allerweltspräpositionen“se und apo, welche immer mit dem Akkusativ stehen, werden dürftig/ungenügend von einander unterschieden. se bedeutet ‚in, an, auf, zu, nach’ und apo wird mit ‚von, von…her, durch, seit’ übersetzt (ebd. 61). Kombiniert man se bzw. apo zu Lokaladverbien, kann man zwischen Nähe (se) und Entfernung (apo) unterscheiden.

(3) pano sto trapezi

‚auf dem Tisch’

Das Beispiel (3) zeigt den Gebrauch des präpositionalen Ausdrucks pano seoben auf’ und gleichzeitig die Verschmelzung des Artikels to mit der Präposition se zu sto (ebd. 62). Denn folgt auf die Präposition se der bestimmte Artikel, so verschmelzen beide zu einem Wort.

2.2 Satzanalyse

2.2.1 Glossierung

Um das Phänomen des Code-switching nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu veranschaulichen, möchte ich im Folgenden einen Beispielsatz analysieren und glossieren.

(5) Möchtest du jetzt sto spiti gehen?

‚Möchtest du jetzt sto spiti gehen?

Möchte-est 2.SG ADV s-to SG geh-en

2.SG NOM SG NEUTR INF

PRÄS PP NEUTR AKK

IND PRÄP DEFINIT

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656031758
ISBN (Buch)
9783656031604
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180426
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,8
Schlagworte
codeswitsching

Autor

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