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Mobbing in der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 13 Seiten

Leseprobe

1. Einleitung

„Sie schlugen auf mich ein, nahmen mir immer wieder meine Schulsachen weg und beschimpften mich“

Diese Aussage eines 13-Jährigen Jungen der im Internet anonym bleiben möchte, beschreibt seine Leiden, die er monatelang durchmachen musste als Mobbing-Opfer. In den letzten Jahren häufen sich die Medienberichte über das Phänomen des Mobbings. Viele verstehen denn Begriff dennoch nicht richtig, sondern interpretieren ihn einfach indem sie jede „fiese“ Handlung als Mobbing bezeichnen. Aus diesem Grund und persönlichem Interesse, möchte ich mich in meiner Hausarbeit mit dem Phänomen des Mobbings beschäftigen. Ich beanspruche nicht, dass ich das Thema „Mobbing“ auch nur annähernd vollständig wiedergebe. Dies würde den Rahmen meiner Hausarbeit gänzlich sprengen. Vielmehr soll meine Hausarbeit als eine Art Einführung in das Themengebiet „Mobbing“ dienen. Angefangen bei den Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen und Kennzeichen von Mobbing in der Schule möchte ich zu den Opfer- bzw. Täterprofilen übergehen. Schließlich sollen Lösungsansätze und Präventionsmaßnahmen für dieses Phänomen zusammentragen werden.

2. Zum Begriff „Mobbing“

Den Begriff „Mobbing“ führte erstmals der Verhaltensforscher Konrad Lorenz 1963 ein. Abgeleitet ist der Begriff von den englischen Wörtern „mob“ und „to mob“, was so viel wie Gesindel und anpöbeln bedeutet. Im Englischen wird statt „mobbing“ der Begriff „bullying“ verwendet, während man in Deutschland diesen Begriff vorwiegend auf Mobbing-Handlungen unter Kindern bezieht. Konrad Lorenz beobachtete das Verhalten von Gänsen, die sich zusammenscharten um Füchse in die Flucht zu schlagen. Dieses Schutzverhalten wurde im Gegensatz zu der heutigen Bedeutung als clever und positiv gewertet. Der heutige Begriff in seiner Bedeutung geht auf den deutsch-schwedischen Psychologen Heinz Leymann zurück. Dieser veröffentlichte 1993 sein Buch mit dem Titel „Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann“. Das Buch löste eine Diskussion über Mobbing aus, über ein Phänomen, welches bis dahin wenig beachtet wurde. Es gibt wenige Forschungsergebnisse über das Gebiet „Mobbing“, der Begriff wird häufig sehr unwissend verwendet. So spricht man, oft fälschlicherweise, bei alltäglichen Konflikten schon von Mobbing. Andere sind der Meinung, dass Mobbing einfach nur eine Modediagnose ist und zu viel Beachtung bekommt. Der Begriff wird rasch instrumentalisiert. Er wird aufgrund mangelnder Definition und Eingrenzung sehr inflationär verwendet und verliert dadurch auch seine eigentliche Bedeutung (vgl. Teuschel 2010: 4 ff.). Deswegen möchte ich zunächst versuchen eine genauere zu Definition geben: Wie schon erwähnt bedeutet der Begriff so viel wie anpöbeln oder schikanieren. Zu Mobbing gehört zusätzlich, dass eine Person ausgeschlossen und belästigt wird. Dabei ist es von Bedeutung, dass die Belästigungen geplant, systematisch und immer wieder auftreten. Das heißt, dass das Mobbing seitens der Täter oder den Tätern über eine längere Zeitspanne hinweg auftreten muss. Einmalige Ereignisse, wie etwa ein Wutausbruch einem Menschen gegenüber oder Ähnliches, sind kein Mobbing. Auch wenn zwei Gruppen in verbale oder gewalttätige Auseinandersetzungen geraten, heißt es nicht, dass es gleich unter Mobbing fällt (vgl. Gebauer 2007: 29 ff.). Es ist aber durchaus möglich, dass sich ein leichter Konflikt zuspitzt und dadurch eine Basis für einen Mobbing-Prozess bietet (Böcker 2006: 37). Mobbing heißt im Bezug auf Schule, dass ein Schüler über mehrere Monate schikaniert und ausgegrenzt wird. Das Mobben läuft meistens verdeckt ab, denn der Täter versucht sich selbst dadurch schützen und nicht aufzufallen. Täter und auch Opfer senden aber meist Signale, diese sollten von Erwachsenen wahrgenommen und geklärt werden, denn die Betroffenen haben meist nicht die Kraft selbstständig aus der Situation herauszukommen. Da Lehrer oft die Situation der Gemobbten unterschätzen und dadurch nicht beachten, unterstützen sie, wenn auch unbewusst, die Täter. Im Normalfall sind alle Schüler in der Klasse über die Situation informiert. Deswegen ist Mobbing kein individuelles, sondern ein soziales Phänomen, welches alle betrifft und auch von allen Beteiligten gelöst werden sollte (vgl. Gebauer 2007: 29 ff.).

3. Erscheinungsformen von Mobbing in der Schulklasse

Es gibt ein breites Spektrum an Erscheinungsformen, einige möchte ich im Folgenden aufführen:

Schulmaterialien oder Kleidungsstücke des Opfers werden beschädigt oder verschwinden plötzlich

Das Fahrrad wird beschädigt

Über den Schüler oder die Schülerin wird hinter dem Rücken schlecht geredet, es werden Lügen und Gerüchte verbreitet

Die oder der Betroffene wird aus sozialen Verbindungen gänzlich ausgeschlossen

Das Opfer wird immer wieder vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht, beispielsweise wenn es eine Aufgabe an der Tafel löst

Mitschüler fangen in der Gegenwart von jemandem an zu flüstern, sie machen Andeutungen

Ein und dieselbe Person wird ständig bei Gruppenarbeiten ausgeschlossen

Es wird demjenigen verboten sich aktiv am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen

Kinder die sich auf die Seite des Opfers stellen werden unter Druck gesetzt und im Extremfall mit gemobbt

Es kommt zu körperlicher Gewalt in Form von treten, spucken etc.

Die Nahrung des Opfers wird immer wieder verunreinigt

Es kommt zu sexuellen Beschimpfungen, oder Anspielungen und Provokationen

Die Diffamierungen werden dem Opfer in Form von Worten mitgeteilt oder erfolgen als Zetteln, in e-Mails oder als Nachrichten auf das Handy

Andere Kinder werden gegen das Opfer aufgehetzt

Die Täter nehmen bestimmte persönliche Merkmale des Opfers ins Visier, beispielsweise die Nase die Kleidung, eine Weltanschauung, die Frisur oder die Behinderung

Jemand wird fortlaufend als dumm dargestellt und mit oder ohne Waffen bedroht

Dem Opfer werden Verletzungen zugefügt

Es kommt zu Erpressungen von Wertgegenständen oder Geld

Viele dieser genannten Merkmale kommen immer mal wieder vor in der Schulzeit, was aber nicht gleich unter Mobbing fällt. Erst wenn eins oder mehrere der genannten Punkte über eine längere Zeitdauer auftreten, spricht man von Mobbing (Gebauer 2007: 30 ff.).

4. Mobbing in der Schule – Entstehungsbedingungen

Natürlich liegen wichtige Ursachen für das Mobbing in Schulen auch im familiären und gesellschaftlichen Bereich. Es ist aber wichtig zu erwähnen, dass die Schule ein potentieller Ort ist, an dem das Mobbing umgesetzt wird. Deswegen hat die Schule auch die Aufgabe, dass gegen Mobbing vorgegangen wird. Für die Entstehung von Mobbing ist nämlich das Schulklima von großer Bedeutung. Dabei gibt es mehrere Bedingungen die die Entstehung von Mobbing negativ begünstigen. Ein fehlendes Lehrerengagement und eine Laissez-Faire-Haltung des Lehrers können Mobbing beispielsweise sehr negativ begünstigen. Auch schlechte soziale Bedingungen wie etwa mangelnde kommunikative Fähigkeiten der Schüler sind zum Nachteil, da diese eher Schwierigkeiten haben, Konflikte kommunikativ und friedlich zu lösen. Ferner wirkt sich eine gestörte Lehrer-Schüler Beziehung sehr ungünstig auf das Schulklima aus, diese tritt ein wenn sich beide Parteien abwertend gegenüber stehen oder die Kommunikation vermeiden. Auch ein Lehrer der einen Schüler offen und ständig blamiert oder ihn sozial etikettiert, indem er ihn beispielweise vorwirft ein Nichtsnutz zu sein, schafft eine Grundlage auf der die anderen Schüler agieren können. Der Lehrer ist auch in seinem Erziehungsverhalten ein großes Vorbild. Wenn er versucht seine Ziele nur durch Bestrafungen zu erreichen, dann besteht die Gefahr, dass Schüler dieses Verhalten nachahmen, weil sie denken, dass man seine Ziele durch Bestrafung erreichen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Klassenregeln. Wenn ein chaotisches Klima herrscht und Schüler glauben das Regeln nicht verbindlich sind, wird die Schule als eine Art rechtsfreier Raum gesehen, in dem sich jeder nach Belieben verhalten kann. Auch eine eintönige und reizlose Gestaltung des Klassenraumes und des Schulgeländes bzw. Schulgebäudes fördert eine schlechte Atmosphäre und kann Auslöser eines schlechten Schulklimas werden, welches wiederum zu Mobbing führen kann. Letztendlich kann eine mangelnde Identifikation und Verbundenheit mit der Schule ein schlechtes Schulklima fördern. Die Schüler haben dadurch ein schwächeres Zusammengehörigkeitsgefühl, welches sich auf das Verhalten der Schüler auswirkt.

Ferner ist das Lernklima von großer Bedeutung, deswegen sollten Faktoren die die Entstehung von Mobbing begünstigen auch hier vermieden werden. Dazu gehören beispielsweise Lerninhalte die sehr wenig Lebensweltbezug haben. Ein langweiliger Unterricht oder Leistungsunterforderung bewirken, dass Schüler mit der Zeit möglicherweise Aggressionen aufbauen. Schüler sollten so weit wie möglich den Unterricht mitgestalten können. Auch ein zu hoher Leistungsdruck fördert Mobbing. Nach einer von Klett durchgeführten Untersuchung, sind Leistungsdruck und Stress die wichtigsten Ursachen für Gewalt an Schulen. Letztendlich sollten die sozialen Fähigkeiten der Schüler stets gefördert werden und das rein intellektuelle Lernen nicht allzu stark überbewertet und in den Vordergrund gerückt werden (vgl. Jannan 2008: 28ff.).

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Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656036593
ISBN (Buch)
9783656036814
DOI
10.3239/9783656036593
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180732
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
mobbing schule

Autor

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