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Die Rezeption der Apokalypse und der Religion in Döblins "Berlin Alexanderplatz"

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschung

Hausarbeit 2011 28 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

1) Einleitung

Döblins Roman Berlin Alexanderplatz wurde nach seinem Erscheinen 1929 sehr unterschiedlich rezipiert. Es gab sowohl negative als auch positive Auffassungen gegenüber dem neuartigen Großstadtroman. Der Erfolg des Romans war also alles andere als von einhelliger Zustimmung geprägt. Döblin brachte seine bereits in früheren Werken erprobte Montagetechnik in diesem Roman zur Perfektion. Der auf den ersten Blick entstehende Eindruck, Döblin würde wahllos fremde Texte in seinen Roman einfügen, wird bei genauerer Textbetrachtung widerlegt, da die einzelnen Textstücke nicht unverbunden neben dem Erzähltext stehen. Es wird vielmehr zur Aufgabe des Lesers sich einen Sinn aus dem bereitgestellten Material herzuleiten. Diese Schreibweise und Montagetechnik war bis dahin weitgehend unbekannt.

Besonders auffällig in diesem Roman sind die vielen einmontierten biblischen Zitate und Passagen sowie die jüdisch-christlichen Motive und Bezüge zur antiken Mythologie. Da diese motivischen Anleihen ein so großes Textkontingent des Werks beanspruchen, gehen viele Forscher davon aus, Döblin wollte mit dem Roman ein religiöses Werk oder gar eine moderne Apokalypse schaffen. So sehen einige sehr viele Gemeinsamkeiten mit der Johannesoffenbarung, sei es in der Erzählhaltung, in der Struktur oder im bloßen Inhalt. Es gab jedoch auch gegenteilige Rezeptionen des Romans, die behaupteten Berlin Alexanderplatz hätte nichts mit einer religiösen Dichtung gemeinsam.

In der vorliegenden Arbeit wird es nun darum gehen, die verschiedenen Rezeptionen des Romans kritisch einander gegenüber zu stellen. Deswegen werden zunächst die wichtigsten Rezeptionen der Apokalypse und der Religion aufgeführt. Danach werden die areligiösen Auffassungen des Romans dargestellt, um auch eine Einsicht in gegenteilige Positionen zu gewinnen. Anschließend werden Döblins Ansichten hinsichtlich der eigenen Literaturproduktion, der Religion und seiner Weltanschauung dargestellt. Dies wird notwendig sein, um am Schluss abwägen zu können, welche Art der Rezeption plausibel erscheint und welche angesichts der vorgenommenen Untersuchungen des Döblinschen Denkens und Schaffens verworfen werden kann. Denn womöglich stellt Berlin Alexanderplatz lediglich einen modernen Roman dar, der sich religiösen Motiven bedient ohne aber eine tiefere religiöse Absicht mit dem Werk zu verfolgen. Dies wird sich im Laufe der Forschungsarbeiten herausstellen.

2) Unterschiedliche Rezeption und Deutung des Werks

Der Roman Berlin Alexanderplatz hatte sehr bald nach seinem Erscheinen einen großen Erfolg und verschaffte Döblin mit den folgenden Übersetzungen auch im Ausland Ruhm und Anerkennung. Allerdings waren die Reaktionen der Leser bereits nach der Veröffentlichung eines Vorabdruckes in der Frankfurter Zeitung geteilt. Viele Kritiker waren empört darüber, dass es Döblin anscheinend Spaß mache „sich in Kot zu wälzen“ und er würde die Leser zwingen mit dem Lesen seiner Schriften „durch den Dreck zu waten“ und in die „niedrigsten Niederungen der menschlichen Gesellschaft zu steigen, daß einem der Ekel aufsteigt.“ (SANDER 1998: 137) Viele Leser beklagten sich weiterhin, dass eine Zeitung nicht „das Forum zur Aufdeckung von Eiterbeulen“ sei und man möge sie doch in Zukunft vor solch tiefem „Herabsteigen in den Schmutz des Lebens“ bewahren. Auch übten viele Rezensenten Kritik an der Schwerfälligkeit der Lektüre, da die von Döblin angewandte Montagetechnik vielen als „nicht einsichtig“ genug erschien. (BERNSMEIER 2002: 72)

Doch es gab auch positive Meinungen gegenüber dem Sujet des Romans. Kritiker betonten seine Bedeutung für die Entwicklung des modernen Romans gerade wegen seiner Montagetechnik, die vielen auch als „äußerst produktives und zeitgemäßes künstlerisches Verfahren“ galt. (BERNSMEIER 2002: 73) Wieder andere begrüßten, dass ein Autor endlich einmal „die unmittelbare zeitgeschichtliche Wirklichkeit zum Thema erhoben habe“ und feierten den Roman „als ein bedeutendes literarisches Ereignis des Jahres 1929.“ (BERNSMEIER 2002: 72) Auch dankte ein Leser Döblin dafür, dass er in seinem Werk darauf aufmerksam macht, „dass am Alexanderplatz ein anderes Weltbild lebt, das auch gut und böse kennt, aber mit den von uns weit abweichenden Begriffsinhalten.“ Ein anderer schrieb, dass er „den Roman als Werk tiefer Reinheit“ empfände, „weil er voll tiefen Schmerzes ist.“ (SANDER 1998: 140, 141)

Doch es gab auch andere Rezeptionen. Da die biblischen Motive in dem Roman sehr stark vertreten sind, gab dies vielen Döblinforschern Anlass dazu, das Werk als religiösen Roman oder gar als moderne Apokalypse zu interpretieren. Manche hingegen sahen ihn jedoch als einen gänzlich unreligiösen Roman an, der sich lediglich theologischen Elementen bedient. Im Folgenden werden knapp die wichtigsten Ansichten der Döblinforscher vorgestellt, die vor allem den apokalyptischen und den religiösen Aspekt in Döblins Werk Berlin Alexanderplatz betonen. Dabei werden den Arbeiten von Christian CLEMENT und Markus WALLENBORN jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet, weil diese die aktuellsten Forschungsarbeiten darstellen und von all den untersuchten Schriften am intensivsten eine apokalyptische Rezeption vertreten - beide jedoch auf eine ganz unterschiedliche Weise.

2.1) Apokalyptische Rezeption Christian Clements

Christian CLEMENT, ein Autor, der in seinem wissenschaftlichen Bericht „Die alte Welt muss stürzen“ eine klare Ansicht bezüglich der Rezeption des Romans Berlin Alexanderplatz vertritt, bezeichnet diesen als „literarische Apokalypse“. Obwohl man dem Werk seiner Meinung nach nicht direkt seine „eschatologische Dimension“ ansieht, ist es doch von zahlreichen apokalyptischen Elementen durchzogen. CLEMENT gesteht Berlin Alexanderplatz seine moderne epische Form zu, sieht es jedoch sowohl inhaltlich als auch formal als „theologisch konzipiertes Werk“ an, da der Roman besonders stark von biblischen Intertexten geprägt ist. (CLEMENT 2009: 173) So sind beispielsweise Babylon und der Typus der Hure aus dem Alten Testament, wie auch Engel und teuflische Elemente in den Roman integriert. Döblin bedient sich auch weiterer Figuren der Johannesoffenbarung, wie „Adam und Eva samt Schlange, Noah, Abraham und Isaak, Hiob und Esther.“ (CLEMENT 2009: 176) All diese theologischen Gehalte werden in Berlin Alexanderplatz montageartig mit Hilfe von Zitaten oder Paraphrasen in den Text eingebaut. (vgl. CLEMENT 2009: 177)

Des Weiteren betont CLEMENT die Ähnlichkeit zwischen der Johannesoffenbarung und Berlin Alexanderplatz in der Rahmenstruktur. Denn so wie die Visionen des Johannes in eine Briefform eingebettet sind, umrahmt von einem Erzähler, der das Geschehen näher beschreibt, so sind auch die apokalyptischen Elemente stets mit der Biberkopfhandlung verbunden. Auch diese Handlung ist dann wiederum eingebettet in die Kommentare des allwissenden Erzählers des Romans. (vgl. CLEMENT 2009: 177)

Für CLEMENT ist das „Partikuläre stets Symptom des Universellen“. (CLEMENT 2009: 186) Deswegen sind die Belehrungen nicht nur für Franz Biberkopf bestimmt, sondern Weisheiten für die ganze Menschheit. So vertritt Berlin die ganze Welt „und Biberkopf die Menschheit insgesamt.“ (CLEMENT 2009: 186) Auch die Johannesoffenbarung ist nicht an eine einzelne Person gerichtet, sondern an alle Menschen.

Weiterhin haben nach CLEMENT beide Texte die für sie „typische Selbstausweisung“, denn beide Erzähler versuchen den Wahrheitsgehalt ihrer Geschichten zu versichern. Johannes preist die Zuverlässigkeit seiner Worte an, indem er von seinem Text als „Wort der Weissagung“ spricht und der Erzähler in Berlin Alexanderplatz betont, dass die Darstellung der Dinge „die grausige Wahrheit sei.“ (CLEMENT 2009: 176, 177)

CLEMENTs Ansicht nach finden sich in Döblins Werk nicht die traditionellen Untergangsvorstellungen, sondern es geht vielmehr um die „Offenlegung“ und „Enthüllung“ des Sinns der Welt und damit verbunden auch um die „Offenlegung von Ursprung, Wesen und Zweck des Daseins.“ (CLEMENT 2009: 178) Trotzdem bezeichnet CLEMENT Berlin Alexanderplatz als „authentische Apokalypse“, denn er kommt zu dem Schluss, dass die Biberkopfhandlung der apokalyptischen Geschichtsdarstellung „bis ins Detail“ ähnelt. (CLEMENT 2009: 175, 179) Die Apokalypse in Berlin Alexanderplatz vollzieht sich seiner Meinung nach jedoch über Biberkopf selbst. (vgl. CLEMENT 2009: 182) Er erkannte die sein Schicksal bestimmenden Umstände in seiner Passivität nie an, weshalb eine Reflexion über seine Schuld unterblieb und er letztlich an seinen Schicksalsschlägen elend zu Grunde geht. Zudem entsprechen auch Biberkopfs charakterliche Schwächen den „apokalyptischen Sünden“, welche ebenfalls Anteil an seinem Scheitern haben. (CLEMENT 2009: 181)

Letztendlich zerbricht Biberkopf also an einer Apokalypse, die er sich selbst zuzuschreiben hat. Er wird von all den Menschen, die wegen ihm Schmerz erlitten haben angeklagt. Der Tod erscheint Biberkopf und auch Reinhold wird mit Attributen des Teufels ausgestattet. (vgl. CLEMENT 2009: 182) Biberkopfs innere Wandlung ist jedoch keine Art Neugeburt in einer anderen Welt, denn er lebt in demselben Berlin wie zuvor. Dies ist laut CLEMENT ebenfalls mit der Johannesoffenbarung vergleichbar, weil darin „die neue Welt nicht als das ganz Neue, sondern als das verwandelte Alte“ aufgefasst wird. (CLEMENT 2009: 186)

Es lässt sich somit festhalten, dass CLEMENT die Ansicht vertritt, der Roman stelle eine moderne literarische Apokalypse dar, weil sich Döblin bei der Konzeption seines Werkes stark an der biblischen Apokalypse orientiert hat. So wird das Leben als aufbauende und zerstörende Kraft in dem Roman dargestellt und tritt „in Form von Schicksalsereignissen verhüllt“ sowohl an Biberkopf als auch an den Leser heran. (CLEMENT 2009: 187)

Christian CLEMENT vertritt eine solch apokalyptische Rezeption des Werks nicht alleine. Auch WALLENBORN betont die apokalyptische Dimension des Romans, spricht jedoch vielmehr von der Darstellung des Scheiterns einer Apokalypse.

2.2) Anti-Apokalyptische Rezeption Markus Wallenborns

Markus WALLENBORN sieht Berlin Alexanderplatz als bewusst konzipiertes Werk der Apokalypse, allerdings deutet er diese noch einmal anders als CLEMENT. (vgl. WALLENBORN 2006: 5) Seiner Meinung nach ist der apokalyptische Charakter offensichtlich, da der Roman stark von motivischen Anleihen an die biblische Apokalypse durchzogen ist und vor allem die wichtigsten biblischen Motive im Roman etabliert sind, wie beispielsweise die Hure Babylon. Ebenso sind direkte Bezugnahmen auf „christliche Vorstellungen der Apokalypse“ zu erkennen. (WALLENBORN 2006: 4) Weiterhin weist WALLENBORN, wie auch CLEMENT, auf Ähnlichkeiten in der „Erzählhaltung“ beider Texte hin. Denn sowohl der Erzähler der Johannesoffenbarung als auch der Erzähler in Berlin Alexanderplatz sind um die „Beglaubigung ihrer Geschichte bemüht“. So beteuert der Erzähler im Roman von Anfang an die Wahrhaftigkeit seiner Geschichte und auch „Johannes beruft sich auf höchste Autoritäten.“ (WALLENBORN 2006: 4) Doch trotz dieser Gemeinsamkeiten beider Texte geht Berlin Alexanderplatz seiner Ansicht nach nicht „nahtlos“ in dem Strukturmuster einer christlichen Apokalypse auf. (WALLENBORN 2006: 8) WALLENBORN vertritt vielmehr den Standpunkt, dass sich hier eine individuelle Apokalypse Franz Biberkopfs abzeichnet, die mit Hilfe apokalyptischer Elemente gestaltet wird und „eine ganz eigene Färbung erhält“. (WALLENBORN 2006: 11) Doch ist diese individuelle Apokalypse Biberkopfs keine, wie oben bereits festgestellt, traditionell biblische, denn die Erlösung von Biberkopf glückt nicht beziehungsweise hat nur sehr bescheidenen Erfolg. Letztlich geht alles so weiter wie es begonnen hat, da Biberkopf als normaler Arbeiter einer Fabrik wieder um seine Existenz kämpfen muss. Eine Erlösung findet also im Grunde nicht statt und damit wird die Apokalypse einer ganz entscheidenden Facette beraubt. (vgl. WALLENBORN 2006: 7)

Da somit nicht nur der Untergang einer Person dargestellt wird, sondern mit ihr auch das Scheitern der Apokalypse selbst, spricht WALLENBORN von einer „Apokalypse der Apokalypse“. (WALLENBORN 2006: 13) Das ist auch der Punkt, der WALLENBORNS Ansicht von der CLEMENTs unterscheidet, denn seiner Meinung nach wird der Roman am Ende zu einer „Anti-Apokalypse“, in der die eigentliche Apokalypse verneint wird. (vgl. CLEMENT 2009: 174) Auch ist die Weltsicht Döblins eine ganz andere als die des Johannes. Seine Vorstellung einer offenen Zukunft und einer Dynamik des endlosen Werdens und Vergehens schließen eine beabsichtigte Konzeption der Apokalypse eigentlich aus. (vgl. WALLENBORN 2006: 9, 10)

Im Folgenden werden nun knapp weitere Ansichten von Döblinforschern dargestellt, die jedoch weniger die apokalyptischen Elemente als vielmehr die religiöse Ausrichtung des Werks betonen.

2.3) Religiöse Rezeptionen

Weiterhin betonte auch Alfred Muschg die Ähnlichkeit zwischen Döblins Werk und der biblischen Apokalypse. Er jedoch sieht die Gemeinsamkeit beider Texte in dem Schreibstil. Seiner Meinung nach ist die biblische Apokalypse das literarische Modell, an dem Döblin seinen Schreibstil orientiere. Denn er würde „Visionen, Zitate und Paraphrasen“ in eine Rahmenhandlung einbetten, wie das auch in der Johannesoffenbarung der Fall sei. (CLEMENT 2009: 177)

Wilhelm Michel beschrieb den Roman als „mittelalterliches Mysterienspiel“ und Bernhard Rang betont die metaphysische Dimension des Werks und nennt es ein „unglaubliches plastisches, bis zum Grauen und zur apokalyptischen Höhe metaphysisch sich steigerndes Bild des heutigen Babels“. (SANDER 1998: 153)

Auch H. A. Wyss hob die metaphysische Linie des Werks hervor und bezeichnete Berlin Alexanderplatz als „Erziehungsroman ohne moralische Absicht“ und als ein „religiöses Buch“, da Biberkopf langsam zur Besinnung komme und „belehrt wird.“ (SANDER 1998: 153)

Günther Dehn zum Beispiel nahm eine entschieden christliche Deutung des Werks vor und nannte es ein „religiöses Buch“. Nicht aber weil es geprägt sei von biblischen Motiven und Zitaten, sondern „weil überall da, wo so klar die Grenzen des Menschenseins erkannt werden wie hier [...], die Frage nach Gott aufgeworfen wird.“ (SANDER 1998: 154)

So betont auch Walter Muschg, der Halbbruder von Alfred Muschg, den religiösen Charakter des Romans und bezeichnet ihn ebenfalls als „Döblins erste religiöse Dichtung“. Seiner Meinung nach setze sich die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins in Döblins Manas in Berlin Alexanderplatz nun vollends durch, „nur nicht in indischer, sondern in christlicher Bildersprache“. (SANDER 1998: 177) Wegen den stets wiederkehrenden biblischen Elementen spricht er von einem sich immer mehr verstärkenden „religiösen Unterton“ der den Roman begleite und ihn in einem „Mysterium von der Wiedergeburt des Menschen“ enden lasse. Muschg deutet Döblins Werk auch autobiographisch. Er vertritt den Standpunkt, dass sich Döblin gegen Ende seinen eigenen Untergang prophezeie, „der seit der polnischen Reise von 1925 seinen Schatten voraus warf.“ (SANDER 1998: 177) Deswegen deutet er Berlin Alexanderplatz und viele andere frühere Werke als „Vorstufen“ zu seiner später „vollzogenen Konversion zum Katholizismus“. (SANDER 1998: 176)

Es gibt auch andere Forscher, die versuchen Döblins ganzem Schaffen vor seiner Konversion eine Einheit zu verleihen, indem sie es als Tests und Irrwege auf der Suche nach Gott ansehen. Eine dieser Personen ist Dorothee Sölle. Ihrer Meinung nach bildet sich in Berlin Alexanderplatz bereits Döblins erst 1941 öffentlich vollzogene Konversion zum Katholizismus ab. Sie ist der Ansicht, dass in dem Roman Döblins optimistische Weltanschauung zu Tage tritt, mit welcher eine Eigenverantwortung, ein selbstständiges freies Handeln und das Einsehen von Schuld einhergehen. Diese Weltsicht entspricht ihrer Meinung nach dem „christlichen Menschenbild“. (CLEMENT 2009: 185) Zwar wird dies im Roman nicht wirklich hervorgehoben, da Biberkopf sein schlimmes Schicksal einfach hinnimmt, allerdings erweist sich dies auch als sein größter Fehler, den er am Ende letztlich noch überwindet.

Doch es gibt auch gegenteilige Ansichten hinsichtlich der Rezeption der Religion in Berlin Alexanderplatz. Aus diesem Grund werden im nächsten Kapitel nun die Döblinforscher vorgestellt, die eine areligiöse Rezeption des Werks vertreten.

2.4) Areligiöse Rezeptionen

Klaus MÜLLER SALGET, der innerhalb der Döblin Forschung eine wegweisende Position einnimmt, unterstreicht die „politische Thematik“ des Werks. Er bezeichnet Biberkopfs Schicksal als ein typisches Thema der Zeit: Die „Ichverkrampfung“ und die „Blindheit für die Realität.“ (MÜLLER SALGET 1972: 348) Des Weiteren spricht er sich gegen die „Opfer-Theorie“ aus und erklärt sie für völlig „unangemessen“. „Die göttliche Instanz“ würde in dem Roman gänzlich fehlen, weshalb es Biberkopf auch nie gelingen könne sich in Gottes Sinne zu erheben. Damit widerspricht er Muschg und besagt, dass Berlin Alexanderplatz eben nicht „Döblins erste christliche Dichtung“ sei. (SANDER 1998: 193)

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Details

Seiten
28
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656036531
ISBN (Buch)
9783656036739
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180791
Note
1,0
Schlagworte
rezeption apokalypse religion döblins berlin alexanderplatz eine auseinandersetzung forschung

Autor

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Titel: Die Rezeption der Apokalypse und der Religion in Döblins "Berlin Alexanderplatz"