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Pränatale Diagnostik

Medizinische und rechtliche Hintergründe - Ethische Bewertungsmöglichkeiten

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Medizin - Diagnostik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Pränatalen Diagnostik
2.1 Möglichkeiten und Methoden
2.2 Risiken
2.3 Rechtliche Hintergründe

3. Zum Schwangerschaftsabbruch
3.1 Möglichkeiten und Methoden
3.2 Risiken
3.3 Rechtliche Hintergründe

4. Pränatale Diagnostik als ethischer Problembereich
4.1. Der Zusammenhang zwischen Pränataler und selektiven Schwangerschaftsabbrüchen
4.2. Auswirkungen der Pränatalen Diagnostik auf Schwangerschaftserleben der Frau
4.3. Die Bedeutung der pränatalen Diagnostik für Menschen mit Behinderung

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Pränatale Diagnostik ist zu einem festen Bestandteil der Schwangerenvorsorge in Deutschland und in vielen anderen westlichen Ländern geworden. Schwangere Frauen werden nicht nur dahingehend untersucht, dass Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt frühzeitig erkannt werden, sondern auch auf genetische Defekte oder Fehlbildungen, die das Ungeborene aufweisen kann. Gerade weil pränataldiagnostische Verfahren heute zur Alltagspraxis von Gynäkologen und Geburtshelfern gehören und zu Routineuntersuchungen für schwangere Frauen geworden sind, ist es wichtig, sie auf ihre moralische Vertretbarkeit hin zu untersuchen. Ein zentraler Bezugspunkt in der folgenden Betrachtung soll dabei die Verbindung sein, die sich zwischen Befunden der Pränatalen Diagnostik und selektiven Schwangerschaftsabbrüchen feststellen lässt.

Zunächst sollen fundamentale Aspekte der Phänomene „Pränatale Diagnostik“ und „Schwangerschaftsabbruch“ dargelegt werden. Das Kapitel zur pränatalen Diagnostik geht auf einige häufig praktizierte Methoden vorgeburtlicher Diagnostik und die mit ihnen verbundenen Möglichkeiten und Risiken ein. Anschließend werden die rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert, die die Praxis der pränatalen Diagnostik bestimmen. Zum Phänomen Schwangerschaftsabbruch werden ebenfalls Möglichkeiten und Methoden sowie potentielle Risiken desselben thematisiert. Auch hier findet eine Darstellung der rechtlichen Hintergründe statt, wobei unter anderem auf die Gesetzesänderung zur Abtreibungsregelung von 1995 eingegangen wird.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern pränatale Diagnostik für sich allein einen ethischen Problembereich darstellt oder ob vorgeburtliche Diagnosemethoden erst durch eine Koppelung an die Möglichkeit zu einem Schwangerschaftsabbruch zum moralischen Problemfall werden. Hierzu wird zunächst der Zusammenhang zwischen Befunden der pränatalen Diagnostik und Schwangerschaftsabbrüchen mit Hilfe statistischer Daten geklärt. Daraufhin wird untersucht, inwiefern pränataldiagnostische Methoden das Schwangerschaftserleben von Frauen beeinflussen oder verändern können. Abschließend wird dargestellt, welche Bedeutung Menschen mit Behinderung pränataler Diagnostik und selektiven Schwangerschaftsabbrüchen beimessen.

2. Zur Pränatalen Diagnostik

Im Folgenden soll eine Auswahl häufig angewandter Methoden der Pränatalen Diagnostik vorgestellt werden. Dabei wird sowohl auf Möglichkeiten als auch auf Risiken eingegangen, die diese mit sich bringen. Anschließend werden die rechtlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit pränataler Diagnostik dargelegt.

2.1. Möglichkeiten und Methoden

Bei der pränatalen Diagnostik werden invasive von nicht invasiven Methoden unterschieden. Unter invasiven Methoden versteht man solche, bei denen in die Gebärmutter der untersuchten Frau eingedrungen wird, während dies bei nicht invasiven Methoden nicht der Fall ist. Zu den in der Schwangerschaftsvorsorge am häufigsten angewandten nicht invasiven Methoden gehören Ultraschalluntersuchungen, der Triple Test sowie der FISH-Test. Weit verbreitete invasive Methoden sind die Chorionzottenbiopsie und die Amniozentese. Diese sollen im Folgenden genauer erläutert werden.

Bei einer Ultraschalluntersuchung wird ein Schallkopf über den Bauch der Schwangeren bewegt, um Schallwellen auf einem Bildschirm sichtbar zu machen. Diese Untersuchung findet im Normalfall ein- bis dreimal im Schwangerschaftszeitraum statt und dient je nach Stadium der Schwangerschaft einem anderen Zweck. Im ersten Schwangerschaftsdrittel wird untersucht, ob der Embryo lebt und sich in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat.1

Im zweiten Drittel der Schwangerschaft wird zum Einen die Entwicklung der Organe und einzelner Körperteile des Kindes kontrolliert, zum Anderen ist ab diesem Zeitpunkt die Suche nach sogenannten Chromosomenmarkern möglich. Diese sind Hinweiszeichen, aufgrund derer das Risiko des Kindes errechnet wird, bestimmte chromosomal bedingte Erkrankungen zu erleiden. Somit kann die Ultraschalldiagnostik bloß auf solche Erkrankungen hinweisen, die mit Fehlbildungen einhergehen.2

Auch im letzten Schwangerschaftsdrittel werden die Organe und Körperteile des Kindes untersucht. Darüber hinaus dient die Ultraschalluntersuchung in diesem Stadium der Schwangerschaft der Geburtsvorbereitung, da sie beispielsweise frühzeitig die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts anzeigen kann.3

Eine weitere nicht invasive Methode der Pränatalen Diagnostik ist der sogenannte Triple Test. Hierbei wird der Mutter zwischen der 16. und 18. Schwangerschaftswoche eine Blutprobe entnommen und auf bestimmte Substanzen untersucht, die auf ein erhöhtes oder niedriges Risiko für das Kind, Missbildungen oder Chromosomenstörungen aufzuweisen, schließen lassen. Bei dem Triple Test ist zu beachten, dass dieser keine Tatsachen sichtbar macht, sondern bloß Risikozahlen liefert. Daher stellt dieser Test häufig den Einstieg in weitere, oft invasive, Untersuchungen dar.4

Der FISH-Schnelltest, also die Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung, hat das Ziel, die Chromosomen 13, 18, 21, X und Y auf nummerische Abweichungen zu untersuchen. Dazu werden Fruchtwasserzellen entnommen und die darin enthaltenen ausgewählten Chromosomen punktuell sichtbar gemacht. Dieser Test hat zwar den Vorteil, bereits innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis liefern zu können, allerdings kann das Ergebnis bloß als ein vorläufiges betrachtet werden, da durch das nur punktuelle sichtbar Machen der Chromosomen auch Störungen übersehen werden können. Daher sind auch bei diesem Test weitere Untersuchungen nötig, um zu einem klaren Ergebnis zu kommen.5

Eine häufig angewandte invasive Methode ist die Chorionzottenbiopsie. Dabei wird eine Probe des kindlichen Teils der Plazenta durch die Vagina oder die Bauchdecke der Mutter entnommen und auf Chromosomenstörungen oder im Verdachtsfall auf eine bestimmte erblich bedingte Erkrankung untersucht. Hierbei ist zu beachten, dass solche Störungen, die alle Zellen des Kindes betreffen (wie beispielsweise Trisomien) recht zuverlässig diagnostiziert werden können, jedoch solche Erkrankungen, die nicht alle Zellen des Kindes betreffen, sogenannte Mosaike, nicht immer gefunden und nie ausgeschlossen werden können.

In der Regel findet die Untersuchung nur einmal während der Schwangerschaft statt, doch in den seltenen Fällen eines unklaren Befundes ist eine Wiederholung oder eine zusätzliche andere Untersuchung nötig, um ein sicheres Ergebnis zu erhalten. 6

Eine zusätzliche weit verbreitete invasive Untersuchungsmethode ist die Amniozentese oder auch Fruchtwasserpunktion, bei der zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche durch die Bauchdecke der schwangeren Frau Fruchtwasser entnommen wird. In dem Fruchtwasser befinden sich Zellen des Embryos, welche es ermöglichen, den Chromosomensatz des Ungeborenen zu untersuchen. Die Untersuchung ist sehr zuverlässig und wird daher häufig angewandt, doch ähnlich wie bei der Chorionzottenbiopsie können auch durch die Fruchtwasserpunktion keine Störungen ausgeschlossen werden, welche nicht alle Zellen des Kindes betreffen. Zudem kann bei vielen erblich bedingten Störungen die Schwere des Krankheitsbildes nicht vorhergesagt werden.7

2.2. Risiken

Die Methoden der Pränatalen Diagnostik bringen nicht bloß Möglichkeiten, sondern auch eine Reihe von Risiken mit sich. Hier wird die Unterscheidung zwischen invasiven und nicht invasiven Untersuchungsmethoden wichtig, denn diese können sich sehr unterschiedlich auf die Schwangerschaft auswirken.

Nicht invasive Methoden der Pränatalen Diagnostik führen zu keinen nachweisbaren physischen Beeinträchtigungen bei der Mutter oder beim Kind. Allerdings können sie das Schwangerschaftsempfinden der Frau beeinflussen und bilden häufig den Einstieg in weitere, risikoreichere Untersuchungen.8

Diese weiterführenden, invasiven Untersuchungen können tatsächlich erhebliche physische Folgen mit sich bringen. Bei der Chorionzottenbiopsie etwa liegt die Fehlgeburtenrate zwischen 1% und 5 %.9 Darüber hinaus kann es zu Missbildungen an den Fingern, Zehen, an der Zunge und am Unterkiefer des Kindes kommen, vor allem wenn der Eingriff vor der zehnten Schwangerschaftswoche vorgenommen wird. Für die Frau bestehen keine erheblichen gesundheitlichen Risiken, es ist jedoch möglich, dass nach dem Eingriff Schmerzen und Blutungen entstehen.10

Wie die Chorionzottenbiopsie bringt auch die Amniozentese ein Fehlgeburtenrisiko mit sich, das mit etwa 1% jedoch ein wenig niedriger ist. Auch das Verletzungsrisiko für das Kind ist sehr gering, kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.11 Weitere Risikofaktoren bei der Amniozentese können Krämpfe, Wehen, der Verlust von Fruchtwasser und leichte Blutungen sein.12

2.3. Rechtliche Hintergründe

Bisher gibt es keine gesetzlichen Regelungen für die Pränatale Diagnostik. Allerdings haben Frauen durch die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse einen Anspruch auf medizinische Vorsorge während der Schwangerschaft, welche auch die Pränatale Diagnostik mit einschließt. Leistungen, die von der Krankenkasse getragen werden, sind in den Mutterschafts-Richtlinien geregelt, die erstmals 1966 vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erlassen wurden. Diese Mutterschafts-Richtlinien geben den durchschnittlichen Ablauf der Schwangerenvorsorge durch einen Gynäkologen vor, wobei die Frau jedoch die Möglichkeit hat, über Art und Umfang der Vorsorge im Einzelnen zu entscheiden und jede Leistung abzulehnen.13

Einen umfassenderen Geltungsbereich als die Mutterschafts-Richtlinien haben die Richtlinien zur Pränataldiagnostik der Bundesärztekammer, welche 1998 erlassen wurden. Diese beziehen sich nicht nur auf von den Krankenkassen getragene Leistungen, sondern auch auf privat bezahlte Leistungen und Maßnahmen, welche zu Forschungszwecken durchgeführt werden. Die Richtlinien regeln das ärztliche Handeln, vor allem aber auch die Information und Beratung der Schwangeren. Zudem sollen sie eine Entscheidungshilfe zum Abbruch oder zur Fortsetzung einer Schwangerschaft ermöglichen.14

3. Zum Schwangerschaftsabbruch

Im Folgenden wird dargelegt, welche Methoden zum Abbruch einer Schwangerschaft aktuell praktiziert werden. Zudem wird auf die damit verbundenen Risiken für die Mutter sowie auf die rechtliche Lage zum Schwangerschaftsabbruch eingegangen.

3.1. Möglichkeiten und Methoden

Bei der Wahl der Methode zum Schwangerschaftsabbruch kommt es hauptsächlich auf das Stadium der Schwangerschaft an. Zu wählen ist zwischen einem instrumentellen und einem medikamentösen Abbruch, wobei in manchen Fällen beide Wege miteinander kombiniert werden.15

Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist noch ein rein medikamentöser Abbruch möglich. Dieser wird, insofern keine gesundheitlichen Risiken seitens der Frau bestehen, ambulant durchgeführt. Dabei werden der Schwangeren nach einer vorausgegangenen gynäkologischen Untersuchung Medikamente verabreicht, die in den meisten Fällen nach 48 bis 72 Stunden zum Absterben des Embryos führen. Bei einem geringen Teil der Frauen misslingt der medikamentöse Abbruch, sodass eine instrumentelle Ausräumung der Gebärmutter vorgenommen wird.16

In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft ist es möglich, eine Saugkürettage durchzuführen. Dabei wird der Frau eine Kunststoff- oder Metallkanüle in den Uterus eingeführt, über die durch Erzeugen eines Unterdrucks der Inhalt der Gebärmutter abgesaugt wird.17

Im zunehmenden Schwangerschaftsalter werden Wehen auslösende Methoden angewandt. Diese werden zumeist in Kliniken durchgeführt. Die medikamentös ausgelösten Wehen führen zu einer Totgeburt, wobei bei unvollständiger Plazenta auch eine anschließende Kürettage zur Entleerung der Gebärmutter nötig ist.

Je fortgeschrittener die Schwangerschaft ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Fetus lebend geboren wird. Um dies zu vermeiden, wird meist, in Absprache mit den Eltern, zunächst ein Fetozid durch eine Injektion in die Nabelvene oder das Herz des Fetus durchgeführt.18

3.2. Risiken

Ein Schwangerschaftsabbruch kann eine Reihe von Komplikationen und Risiken mit sich bringen, deren Auftreten desto wahrscheinlicher ist je später im Verlauf der Schwangerschaft der Abbruch stattfindet.19

Bei instrumentellen Schwangerschaftsabbrüchen können durch Verletzungen mit den verwendeten Instrumenten Sofortkomplikationen auftreten. Es ist möglich, dass bei einem Eingriff die Uteruswand durchbrochen wird. Treten dabei noch Darm- oder Gefäßverletzungen auf, kann dies für die Frau lebensbedrohlich sein. Dieser Fall tritt zwar nur selten auf, kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.20

[...]


1 Vgl. Bühler, Erika/Schaefer, Wiebke (1997), S.28f

2 Vgl. Kurmann, Margaretha (2002), S.33

3 Vgl. Bühler, Erika/Schaefer, Wiebke (1997), S.29

4 Vgl. ebenda, S.33ff

5 Vgl. Kurmann, Margaretha (2002), S.35

6 Vgl. Bühler, Erika/Schaefer, Wiebke (1997), S.39ff

7 Vgl. ebenda, S.44ff

8 Vgl. Bodes, Silvia (1999), S.25

9 Vgl. Bühler, Erika/Schaefer, Wiebke (1997), S.42; Bodes, Silvia (1999), S.25

10 Vgl. Bodes (1999), S.25

11 Vgl. Bühler, Erika/Schaefer, Wiebke (1997), S.47

12 Vgl. Bodes (1999), S.25

13 Vgl. Lux, Vanessa (2005), S.10f

14 Vgl. ebenda, S.14

15 Vgl. Stauber, Manfred/Weyerstahl, Thomas (2007), S.425

16 Vgl. Gembruch et al. (2010), S.120

17 Vgl. Stauber, Manfred/Weyerstahl, Thomas (2007), S.426

18 Vgl. Gembruch et al.(2010), S.122

19 Vgl. Stauber, Manfred/Weyerstahl, Thomas (2007), S.427

20 Vgl. ebenda

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