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Alles über Zink, Zinkmangel und die Bedeutung des Spurenelementes in der Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 14 Seiten

Zusammenfassung

Die Bedeutung von Zink in der Ernährungsmedizin wird noch oft unterschätzt. Viele Menschen in Deutschland leiden unter einer suboptimalen Zinkversorgung. Obwohl die positiven Effekte von Zink bei verschiedenen Erkrankungen seit vielen Jahren bekannt sind, wird der Zinkversorgung in Prävention und Therapie noch immer nicht die Bedeutung beigemessen, die dem Spurenelement angesichts der Vielzahl von Funktionen im Organismus eigentlich zustehen sollte. Ein Grund könnte möglicherweise im Mangel eines zuverlässigen diagnostischen Kriteriums für die Bestimmung von Zinkmangel liegen, was in den meisten Fällen möglicher Zinkmangelzustände die Supplementation „auf Verdacht“ nahe legt. Für die Behandlung von Zinkmangelerkrankungen empfiehlt sich die Anwendung von arzneilich zugelassenen Zink-Komplexen mit nachgewiesener Bioverfügbarkeit. Insbesondere Zink-Histidin ist aufgrund seiner Eigenschaften als physiologische Zink-Transportfähre im Organismus und des pharmakologischen Zusatznutzens durch die antioxidativen und antiallergischen Eigeneffekte von Histidin besonders gut für diese Zwecke geeignet. Zink-Histidin ist eine der wenigen Zinkverbindungen, deren Bioverfügbarkeit durch klinische Studien eindeutig belegt ist.

Leseprobe

Alles über Zink, Zinkmangel und die Bedeutung des Spurenelementes in der Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen

von Sven-David Müller, M.Sc.

Obwohl die positiven Effekte von Zink bei verschiedenen Erkrankungen seit vielen Jahren bekannt sind, wird der Zinkversorgung in Prävention und Therapie noch immer nicht die Bedeutung beigemessen, die dem Spurenelement angesichts der Vielzahl von Funktionen im Organismus eigentlich zustehen sollte. Ein Grund könnte möglicherweise im Mangel eines zuverlässigen diagnostischen Kriteriums für die Bestimmung von Zinkmangel liegen, was in den meisten Fällen möglicher Zinkmangelzustände die Supplementation „auf Verdacht“ nahe legt. Für die Behandlung von Zinkmangelerkrankungen empfiehlt sich die Anwendung von arzneilich zugelassenen Zink-Komplexen mit nachgewiesener Bioverfügbarkeit. Insbesondere Zink-Histidin ist aufgrund seiner Eigenschaften als physiologische Zink-Transportfähre im Organismus und des pharmakologischen Zusatznutzens durch die antioxidativen und antiallergischen Eigeneffekte von Histidin besonders gut für diese Zwecke geeignet. Zink- Histidin ist eine der wenigen Zinkverbindungen, deren Bioverfügbarkeit durch klinische Studien eindeutig belegt ist.

Zink: Ein essentielles (lebenswichtiges) Spurenelement

Eisen ist den meisten Menschen als Spurenelement ein Begriff. Auch Kenntnisse über die Funktionen von Mineralstoffen wie Kalzium und Magnesium sind weit verbreitet. Zink hingegen führt im Bewusstsein vieler Menschen noch ein stiefmütterliches Dasein. Zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass Zink das zweithäufigste Spurenelement im menschlichen Organismus darstellt. Spurenelemente sind Wirkstoffe, die nur in geringen Mengen im Körper vorkommen und dennoch lebenswichtig sind. Wissenschaftler haben das vielfältige Potenzial des „Tausendsassa“ Zink bereits erkannt. Zahlreiche Versuche und Studien in den vergangenen 25 Jahren belegen seine weitreichenden Wirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass organisch gebundenes Zink wie Zink- Histidin von Körper besser aufgenommen wird.

Was ist Zink?

Zink ist ein lebensnotwendiges (essenzielles) Spurenelement. Der menschliche Organismus kann Zink nicht selber herstellen, und verliert täglich kleine Mengen über Urin, Schweiß und Hautabschilferungen. Die Speicher für Zink im Körper sind nur sehr begrenzt. Daher muss Zink regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Der menschliche Körper enthält zwei bis drei Gramm Zink. Das Spurenelement ist in erheblichem Maße an zahlreichen Umsetzungsvorgängen im Stoffwechsel beteiligt und findet sich in nahezu allen Körpergeweben. Die höchsten Konzentrationen weisen Knochen, Muskulatur, Haut, Haare und Leber auf. Aber auch Gehirn, Iris und Retina des Auges, Bauspeicheldrüse und Hoden sind auf dieses Spurenelement angewiesen. Der individuelle Versorgungszustand eines Menschen mit Zink hängt von Alter, Geschlecht, Ernährungsweise, Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand ab.

Welchen Nutzen bietet eine ausreichende Zinkzufuhr für den Körper?

Insgesamt zeigt Zink im Zusammenspiel mit nahezu 400 Enzymen seine Vielseitigkeit. Damit beeinflusst Zink praktisch alle Vorgänge im menschlichen Körper. Zink wirkt an zahlreichen Auf- und Abbauprozessen der Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße mit. Die Zellteilung und damit das Wachstum sind zinkabhängig. Dies kommt Haut und Haaren zugute: Ohne Zink wäre die Erneuerung der Haut nicht möglich. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich in der Haut ein hoher Zinkgehalt findet. Zink fördert die Elastizität der Haut durch Beteiligung am Kollagenstoffwechsel - Kollagen ist ein Bestandteil des Bindegewebes - und wirkt sich entscheidend auf die Wundheilung aus. Zinksalben haben sich bereits seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel bewährt. Zudem wird Zink zur Umwandlung von Linolsäure zu Linolensäure benötigt, die für die Verhornung der Haut unverzichtbar ist. Auch am Stoffwechsel der Haarfollikel ist es beteiligt und sorgt hier für eine Verbesserung der Qualität des Keratins. Keratin ist der Hauptbestandteil der Haare und findet sich auch in den Nägeln.

Zink trägt zur Stärkung des Immunsystems auf verschiedenen Wegen bei. Es fördert sowohl die Bildung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark als auch die Reifung der T- Lymphozyten im Thymus. Diese sind für die Abwehr von Erregern notwendig. Darüber hinaus besitzt Zink antivirale Eigenschaften. Es hemmt die Bildung von schnupfen- verursachenden Rhinoviren und verhindert ihr Eindringen durch die Schleimhäute. Zink vermag bei zusätzlicher Zufuhr nachweislich Symptome einer Erkältung zu lindern und ihre Dauer herabzusetzen. Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik empfiehlt in den Erkältungszeiten Frühjahr und Herbst jeweils über sechs Wochen die Einnahme einer organischen Zinkverbindung. Empfehlenswert ist eine Menge von 15 bis 30 Milligramm Zink täglich. Seine immunschützende Wirkung ist auch für Pollenallergiker von Bedeutung, denn Zink kann symptomlindernde Wirkungen bei Allergien (Heuschnupfen und allergischen Hauterkrankungen) erzielen. Zink hemmt die Ausschüttung von Histamin, das für die Auslösung von allergischen Symptomen verantwortlich ist. Daher sollten Allergiker auf eine ausreichende Zink-Zufuhr achten.

Die Beteiligung von Zink am Zellschutz durch Mitwirken bei der Bekämpfung freier Radikale ist auch für das Fortschreiten des Alterungsprozesses des Körpers entscheidend. Die Bildung freier Radikale im Körper ist ein natürlicher Prozess, der durch Einflüsse wie UV-Strahlung, Rauchen und Umweltbelastungen gefördert wird. Freie Radikale schwächen die Zellen und das Immunsystem, führen zum vorzeitigen Altern und fördern die Krebsentstehung.

Bemerkenswert ist auch seine Fähigkeit die Schwermetallbelastung des menschlichen Organismus herabzusetzen, indem Zink die Aufnahme von Schwermetallionen wie Cadmium, Nickel, Blei und Quecksilber in den Körper vermindert. Eine Anreicherung von Schwermetallen im Körper kann zu Fruchtbarkeitsstörungen führen und wird teilweise für die Krebsentstehung verantwortlich gemacht.

Weitere positive Effekte werden dem Zink in Bezug auf mäßigen Alkoholkonsum zugesprochen. Zink wirkt neuen Studien zu Folge dem Absterben von Leberzellen entgegen. Ein bis zwei Stunden vor Alkoholkonsum sollte prinzipiell 15 Milligramm Zink eingenommen werden, um die Leber zu schützen.

Die Verbindungsstellen von Nervenzellen enthalten Zink. Damit ist der Tausendsassa auch an der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt und von besonderer Bedeutung für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Zink ist maßgeblich an der Bildung von Insulin und dessen Freisetzung aus den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse beteiligt. Damit ist Zink mitentscheidend für eine optimale Blutzucker-Regulation.

Stoffwechsel von Zink

Die Zinkaufnahme erfolgt vorwiegend im Dünndarm, insbesondere im oberen Abschnitt. Die Zink-Aufnahme in die Dünndarmzellen kann je nach Zufuhr und Konzentration sowohl aktiv als auch passiv erfolgen. Beim passiven Transport „fließt“ das Zink durch die Zellhülle ins Zellinnere. Dieser Transport findet ständig statt und ist nicht steuerbar. Besteht im Körper eine Zink-Unterversorgung oder ist die Zink-Aufnahme mit der Nahrung zu gering, wird der aktive Transport „zugeschaltet“, um einer Unterversorgung vorzubeugen oder entgegen zu wirken. Hierbei transportiert ein spezieller Mechanismus das Zink unter Energieverbrauch in die Darmschleimhaut-Zelle.

Aus der Darmschleimhaut-Zelle wird Zink ins Blut weitergeleitet, wo es in erster Linie an das Bluteiweiß Albumin gebunden und zu den unterschiedlichen Geweben des Körpers transportiert wird. Hier wird es nach Bedarf besonders von den beiden Aminosäuren Histidin und Cystein aus seiner Verbindung mit Albumin gelöst und in die Zellen des Gewebes aufgenommen. Minimale Mengen an Zink können in Muskulatur, Knochen, Haut, und Leber eingelagert werden. Ein Teil dieser „Reserven“ wird bei unzureichender Zinkzufuhr aus der Muskulatur ins Blut freigesetzt und zu den Geweben transportiert, die es benötigen. Aus diesem Grund ist eine beginnende Zink-Unterversorgung über einen Bluttest praktisch nicht feststellbar. Die Zink-Konzentration im Blut wird auch bei leeren Gewebespeichern noch konstant gehalten und fällt erst ab, wenn ein manifester Mangel herrscht.

Wie viel Zink brauche ich?

Der individuelle Bedarf und die Aufnahme von Zink sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik empfiehlt Erwachsenen im Gleichklang mit anderen internationalen Fachgesellschaften die tägliche Aufnahme von 15 Milligramm Zink. Schwangere und Stillende benötigen ebenso wie chronisch Kranke oder Angehörige der Risikogruppen täglich 15 bis 30 Milligramm Zink. Individuelle Faktoren wie Alter, Geschlecht, Versorgungszustand und körperlicher Zustand beeinflussen den Zinkbedarf und die ZinkAufnahme. Die Resorption von Zink im Darm hängt zudem von der Zusammensetzung der Nahrung ab (s. Seite 27).

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656038733
ISBN (Buch)
9783656038580
DOI
10.3239/9783656038733
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2011 (Oktober)
Schlagworte
Zink Zinkmangel Sven-David Müller Diätassistent Zinkhistidin Zink-Histidin

Autor

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Titel: Alles über Zink, Zinkmangel und die Bedeutung des Spurenelementes in der Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen