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Die Form der Erwachseneninitiation nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Seminararbeit 2008 10 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Die Notwendigkeit der Erwachseneninitiation

Erwachseneninitiation in der Geschichte

Die christliche Initiation Erwachsener heute

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Aufnahmerituale kennt jede Gemeinschaft. Wer Mitglied im Kreis der Autofahrer werden will, muss eine Führerscheinprüfung absolvieren, wer im örtlichen Sportverein mitturnen möchte, unterschreibt eine Mitgliedserklärung, Jugendbanden kennen den Ritus der Mutprobe und wer in die Gemeinschaft der Christen eintreten möchte, der wird getauft.

Das Symbol der Taufe ist älter als die christliche Kirche selbst. Jesus als toraobservanter Jude lies sich von Johannes dem Täufer in den Fluten des Jordans taufen, als Symbol der Umkehr und der Buße. Gar könnte man Jesus als Anhänger Johannes des Täufers verstehen[1]. Doch dies soll nicht Gegenstand der Hausarbeit sein. Schon die frühen und frühesten Christen kannten in Anlehnung an die Taufe Jesu die Taufe als Symbol der inneren Zuwendung zu Gott und des symbolischen Loswerdens der Sünden, sowie der Nachfolge Jesu Christi. Denn er war es, welcher der Taufe eine – im Gegensatz zu Johannes – neue Bedeutung der inneren Wiedergeburt des Menschen durch den Heiligen Geist zugesprochenhatte–mitder äußerlichen Reinigung durch Wasser als symbolische Handlung zur Loswaschung vom „alten Leben“ und der Sünden – unter Beibehaltung der Symbolik der Buße.

Beschäftigen soll sich der folgende Text jedoch in erster Linie mit Taufe von Erwachsenen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Mit der Durchsetzung der Säuglingstaufe als gängiger Praxis zu Beginn des 6. Jahrhunderts[2], verlor die Erwachsenentaufe an Bedeutung. Im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde dieser Schritt rückgängig gemacht.

Manifestiert wurde dieser Entschluss in der Herausgabe der Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ unter dem Punkt 64:

„Ein mehrstufiger Katechumenat für Erwachsene soll wiederhergestellt und nach dem Urteil des Ortsordinarius eingeführt werden.[3]

Die Notwendigkeit der Erwachseneninitiation

Zu Beginn dieser Arbeit und zur Erläuterung der Notwendigkeit der Wiederherstellung einer Ordnung zur Erwachseneninitiation sei zunächst ein Ausflug in statistische Sphären, sowie in die gesellschaftliche Situation der Bundesrepublik Deutschland erlaubt.

Im Osten Deutschlands ist lediglich eine Minderheit von 25 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Religion zugehörig. Der Prozentsatz der Katholiken, gemessen an der Gesamtbevölkerung beträgt gerade mal 5 Prozent. Obwohl die Anzahl der Neutaufen längst nicht an die Zahl der Kirchenaustritte heranreicht, ist dennoch eine wachsende Zahl an Erwachsenentaufen zu beobachten. 1990 wurden insgesamt 6.940 Personen getauft, die über sieben Jahre alt waren, 1999 waren es bereits 15.303 – etwa ein Drittel davon wiederum älter als 14 Jahre.[4]

Die Gründe für diese neuerliche Steigerung der Zahl der taufwilligen Erwachsenen sind in vielen unterschiedlichen Fakten zu suchen. Hierbei wären zum einen die Kinder der 68er-Generation zu nennen, die sich – mittlerweile auf eigenen Beinen stehend – Gedanken über ihre Spiritualität machen und dem Christentum im Gegensatz zu ihren Eltern offen gegenüber stehen. Auch viele Spätaussiedler aus den ehemaligen Ländern der UdSSR kommen zurück nach Deutschland und dürfen nun zum ersten Mal frei ihren Glauben leben.

Für Menschen aus dem nichtchristlichen Milieu der ostdeutschen Bundesländer gibt Ähnliches, aber banale Ideen um Erleichterungen beim Finden eines passenden Kindergartenplatzes oder andere soziale Vorteile sollen an dieser Stelle als Taufmotivation ebenfalls nicht verschwiegen werden. [5]

Nichtsdestoweniger sind die aufgewiesenen Gründe allesamt Anlass sich konkret in unserer Zeit Gedanken über die Erwachseneninitiation zu machen.

Zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der über „Sacrosanctum Concilium“ die klare Anweisung für eine Neugestaltung des Erwachsenenkatechumenats vorgelegt wurde, war die Motivation hierfür in erster Linie in den zahlreichen Missionsgemeinden zu sehen. Dort herrschten noch, man verzeihe mir die flapsige Formulierung, urchristliche Zustände, wurden doch erwachsene Menschen hier erstmals mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht und entschieden sich diese – wie zu urchristlichen Zeiten dann bewusst – im Gegensatz zum gängigen Ritus der Säuglingstaufe – für den Eintritt in die christliche Gemeinschaft.

Die Erwachseneninitiation in der Geschichte

Zur genauen Beleuchtung der Erwachseninitiation lohnt sich ein Blick in die Geschichte, wurde doch die Neugestaltung des Erwachsenen-Katechumenats sehr stark im Lichte der Christwerdung der frühen christlichen Gemeinschaften ausgerichtet.

Als erstes fällt auf, dass im Gegensatz zur heutigen Dreiteilung der christlichen Initiation in Form von Säuglingstaufe, Erstkommunion und Firmung, bei der Erwachseneninitiation seit Urzeiten eine komplette Initiation mit Spendung von Taufe, Firmung und Eucharistie in ein und derselben Versammlung stattfand.[6]

[...]


[1] Mt 11,11: Jesus bezeichnet hier Johannes als „den Größten unter den vom Weibe Geborenen“

[2] Handbuch der Liturgiewissenschaft, 50

[3] Zitiert nach RAHNER, VORGRIMLER, Kleines Konzilskompendium, 72

[4] Zahlen entnommen der Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zur Erwachsenentaufe, 7 - 11

[5] Vgl. Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz, Erwachsenentaufe, 12 - 14

[6] Vgl. Handbuch der Liturgiewissenschaft, 45

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656037392
ISBN (Buch)
9783656037842
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180996
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Katholische Theologie
Note
2,5
Schlagworte
form erwachseneninitiation zweiten vatikanischen konzil

Autor

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Titel: Die Form der Erwachseneninitiation nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil