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Interkulturelle Kompetenzen als Führungskraft

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Leseprobe

Veronika Hagenauer: Cross-cultural Skills and Abilities Was zeichnet einen guten Manager aus?

Die Frage, was ein erfolgreicher cross-cultural Manager mitbringen muss, lässt sich nur schwer beantworten. Tatsache ist, dass sich die Auffassungen, was einen guten Manager auszeichnet, von Land zu Land unterschiedlich sind. So legt man in kollektivistischen Kulturen wie Japan Wert darauf, dass ein Manager auf gehorsame Teamarbeit, Harmonie in der Gruppe und Loyalität achtet. In den USA als individualistische Kultur soll der einzelne Mitarbeiter beteiligt und durch Lob motiviert werden. In Mexiko ist es wichtig, dass Manager Autoritätspersonen und Elite darstellen, während in Malaysia bescheidenes und würdevolles Verhalten erwartet wird. Die Frage ist nun, welche Fähigkeiten ein Manager haben muss, um in den unterschiedlichen Ländern der Erde erfolgreich arbeiten zu können.

Kriterien der Cultural Effectiveness

Zu Beginn stellt sich die Frage, welche Hürden ein Mensch in einem fremden Land nehmen muss, um erfolgreich zu sein. Anhand welcher Kriterien lässt sich Erfolg im interkulturellen Arbeitskontext festmachen? Nach Thomas & Fitzsimmons (2008) müssen drei Hauptkriterien erfüllt sein: An erster Stelle steht die gelungene persönliche Anpassung, worunter Wohlbefinden und Zufriedenheit fallen. Des Weiteren ist die Entwicklung und Aufrechterhaltung von interpersonellen Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Letztendlich geht es aber natürlich um das Erreichen von aufgabenbezogenen Zielen, also um das erfolgreiche Arbeiten im Ausland.

Geschichte der Forschung

In den 50er Jahren begannen Forscher sich erstmals mit cross-cultural skills zu beschäftigen, wobei es anfangs vor allem um die Anpassung von Studenten im Ausland ging (z.B. Smith, 1955). In den 60er Jahren interessierte man sich vorrangig für die Identifikation von Erfolg versprechenden Fähigkeiten, um die Erkenntnisse für die Auswahl von Freiwilligen bei den Peace Corps zu nutzen. Zu Beginn legte man den Fokus der Forschung auf stabile Persönlichkeitseigenschaften und ging von einem erfolgreichen overseas type aus, den man mit Hilfe von Fragebögen zu erheben versuchte. Allerdings stellte sich heraus, dass es kein konsistentes Persönlichkeitsmuster gab, das Erfolg im Ausland vorhersagen konnte. Später wurde mehr in Richtung Fähigkeiten und veränderbare Fertigkeiten geforscht. Es wurden verschiedene Modelle der Cultural Effectiveness postuliert, die jedoch selten empirisch abgesichert werden konnten. Grob lassen sich drei Arten von Modellen unterscheiden. Die Component Models zu Beginn der Forschung gingen von einem relativ stabilen Muster von Persönlichkeitseigenschaften und Einstellungen, sowie Fähigkeiten und

Fertigkeiten aus, die mit Erfolg im Ausland Zusammenhängen sollten. Coping and Adjustment Models beschäftigten sich vor allem mit der Anpassungsfähigkeit an eine neue Kultur und dem Umgang mit Stress im dortigen Arbeitsleben, wobei sie Situationsaspekte miteinbezogen. Developmental and Learning Models basierten auf der Idee der sozialen Lerntheorie (Bandura, 1977). Sie gehen davon aus, dass interkulturelle Fertigkeiten erst im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen erworben werden können. Allerdings ging man davon aus, dass bestimmte Charakteristika nötig sind, um diese Fertigkeiten erwerben zu können. Es stellt sich also die Frage, ob interkulturelle Fähigkeiten durch Lernerfahrung erworben werden oder eher Teil der Persönlichkeit sind.

Versuch einer Typologie der cross-cultural Skills and Abilities nach Thomas & Fitzsimmons (2008)

Nach über 40 Jahren Forschung herrscht noch immer kein Konsens, was die Kategorisierung von interkulturellen Fähigkeiten angeht. Die meisten Modelle gehen jedoch von drei bis fünf Faktoren aus. Nach eingehender Analyse der vorhandenen Forschung teilen Thomas & Fitzsimmons (2008) interkulturelle Fähigkeiten und Fertigkeiten grob in vier Kategorien ein: Information Skills, Interpersonal Skills, Action Skills und Analytic Skills.

Information Skills

Information Skills betreffen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es uns ermöglichen, kulturelle Unterschiede wahrzunehmen und zu würdigen.

Die Kategorie umfasst beispielsweise Aufgeschlossenheit (openmindedness), die in Zusammenhang mit Interaktion mit Locals steht (Tucker, Bonial & Lahti, 2004). Des Weiteren konnte sich zeigen, dass Studenten, die vorhaben, ins Ausland zu gehen, signifikant aufgeschlossener sind als Studenten ohne Auslandspläne (Van der Zee & Van Oudenhoven, 2001).

Ein weiterer Aspekt ist die Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, Unsicherheit zu ertragen. Diese Fähigkeit ist rein intuitiv höchst relevant, da das Leben und Arbeiten in einer unbekannten Kultur eine Fülle an unsicheren Situationen mit sich bringt. Die Forschung konnte einen Zusammenhang mit Interesse an interkulturellen Aktivitäten (Tucker et al., 2004), wahrgenommener eigener Tauglichkeit für den Job im Ausland (Van der Zee & Brinkmann, 2004) und Interaktion mit Locals (Tucker et al., 2004) zeigen.

Der wohl wichtigste Aspekt der Kategorie Information Skills ist die kulturelle Empathie oder auch Sensibilität. Hierbei geht es um die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu schätzen, „being alert and sensitive to the needs, orientations, values and aspirations of other persons“[I] (Ruben, 1977).

Ein Negativbeispiel wäre die Missachtung kultureller Besonderheiten im Urlaub.

Häufig kommt es vor, dass sich Touristen kaum mit den Gepflogenheiten ihres Urlaubslandes auseinander setzen. So ist beispielsweise das Oben-Ohne- Sonnenbaden an öffentlich zugänglichen Stränden in streng muslimischen Ländern verpönt und wird von Einheimischen als Affront wahrgenommen.

Kulturelle Sensibilität steht im Zusammenhang mit Anpassung und Effektivität (Nishida, 1985), Zufriedenheit (Cui & Awa, 1992) sowie interkultureller Kommunikation und Beziehungen (Bush, Rose, Gibert & Ingram, 2001). Eine Metaanalyse von Mol et al. (2005) konnte darüber hinaus einen signifikanten Zusammenhang in Höhe von r = .29 mit Arbeitsleistung zeigen. Kulturelle Empathie scheint einer der stärksten Prädiktoren erfolgreicher interkultureller Interaktionen zu sein.

Interpersonal Skills

Im Cluster der interpersonellen Fähigkeiten geht es vor allem um Kommunikation, um die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturen zu interagieren. Kommunikation ist der einfachste Weg, Wissen über eine fremde Kultur zu erlangen; Wissen führt wiederum zu einer gelungenen Anpassung. Des Weiteren führt Interaktion mit anderen Menschen zu einer größeren Zufriedenheit, da der Mensch als soziales Wesen zwischenmenschliche Beziehungen braucht.

Generell geht es in dieser Kategorie vor allem um Kommunikationsfähigkeit. Ein wichtiger Aspekt sind hierbei Sprachkenntnisse. Metaanalysen konnten zeigen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Sprachkenntnissen und Anpassung (z.B. Hechanova, Beehr & Christiansen, 1993), sowie Job Performance (Mol et al., 2005) besteht. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es sich hierbei nicht um einen linearen Zusammenhang handelt; Grundkenntnisse einer Sprache sind ein großer Vorteil, dann allerdings schaffen erst sehr gute Kenntnisse einen erneuten Mehrwert in Bezug auf Anpassung und Job Performance. Weitere Aspekte dieser Kategorie sind soziale Flexibilität und Geselligkeit, wobei es sich hierbei eher um Facetten der Persönlichkeit als um Fähigkeiten handelt. Sie stehen ebenfalls im Zusammenhang mit Anpassung (z.B. Parker & McEvoy, 1993).

Insgesamt lässt sich sagen, dass Fähigkeiten der Kategorie Interpersonal Skills einen großen Einfluss auf den Erfolg eines interkulturellen Managers haben. Alle Kriterien des Erfolgs werden direkt von diesen Fähigkeiten beeinflusst: Anpassung und Zufriedenheit, interkulturelle Beziehungen und schließlich Job Performance. Des Weiteren konnten die Zusammenhänge in Metaanalysen gesichert werden.

Action Skills

In dieser Kategorie geht es um die Handlungskomponente, um die Fähigkeit, in ungewohnten kulturellen Kontexten, passende Verhaltensweisen auszuwählen.

[...]


[I] Ruben (1977), zitiert in Thomas & Fitzsimmons (2008), S. 210

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656046554
ISBN (Buch)
9783656046196
DOI
10.3239/9783656046554
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181397
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
interkulturelle kompetenzen führungskraft

Autor

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Titel: Interkulturelle Kompetenzen als Führungskraft