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Welchen Einfluss haben die Massenmedien auf die Sozialisation Jugendlicher im 21. Jahrhundert?

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sozialisation
2.1 Sozialisation im 21. Jahrhundert

3 Jugend als Lebensphase

4 (Massen-) Medien und Massenkommunikationsmittel
4.1 Charakteristika und Funktionen von Medien
4.2 Massenmedien und Gesellschaft – Mediengesellschaft?
4.3 Medienkompetenz

5 Sozialisation durch Massenmedien – Chancen und Risiken
5.1 Risiken
5.1.1 Mediengewalt
5.1.2 Medienrealität und Weltsicht
5.2 Konstruktive Wirkungen und Chancen

6 Ausblick

7 Bibliographie

1 Einleitung

Heutzutage sind Medien in unserem (Alltags-) Leben geradezu omnipräsent und kaum zu umgehen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wachsen Kinder und Jugendliche in einer von elektronischen Medien geprägten Umwelt auf; die Nutzung zahlreicher Massenmedien gehört längst zum Alltag. Dass Massenmedien einen erheblichen Einfluss auf Leben und Lebensgestaltung nehmen, ist unumstritten; gerade durch die Etablierung des Internets als Informations- und Kommunikationsmedium werden Jugendlich im Laufe ihrer Sozialisation stark beeinflusst. Durch das zügige Voranschreiten von Globalisierung und Modernisierung kommt es u.a. zu einer Vermischung von medialen und sozialen Aspekten, weshalb gerade in letzter Zeit immer mehr Wissenschaftler und Publizisten in Bezug auf die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts von einer „Mediengesellschaft“ sprechen; die Jugend gilt gar als „Netzgeneration“ oder „Generation @“.

Im Verlauf dieser Arbeit soll analysiert werden, ob und weshalb man heutzutage tatsächlich von einer mediatisierten bzw. medienvermittelten Sozialisation sprechen kann und welchen Einfluss die (Massen-) Medien auf den Sozialisationsprozess Jugendlicher im 21. Jahrhundert ausüben können. Dabei sollen auch die Risiken und Chancen einander gegenübergestellt werden, welche sich für Jugendliche beim „Konsum“ massenmedialer Angebote ergeben.

2 Sozialisation

Der Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann hat eine Begriffsdefinition entwickelt, die sowohl eine person- und subjektzentrierte Sichtweise, als auch eine interaktions- und gesellschaftszentrierte Sichtweise beinhaltet:

„Sozialisation ist ein Prozess, durch den in wechselseitiger Interdependenz zwischen der biopsychischen Grundstruktur individueller Akteure und ihrer sozialen und physischen Umwelt relativ dauerhafte Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsdispositionen auf persönlicher ebenso wie auf kollektiver Ebene entstehen.“

(Hurrelmann et al. 2008: 25)

Sozialisation lässt sich ergo als ein Wirkungsmechanismus der Persönlichkeitsgenese sowie der Strukturgenese sozialer Handlungsweisen verstehen. (Vgl. Hurrelmann et al. 2008: 25)

Besonders die neuere Sozialisationsforschung betont, dass Sozialisation eben nicht nur als bloße Prägung des Individuums durch die Gesellschaft verstanden werden kann: Gesellschaftliche Vorgaben werden von Individuen nicht einfach passiv übernommen; sondern sie eignen sich diese aktiv an. (Vgl. Scherr in Korte; Schäfers 2007: 46)

Sozialisationsprozesse sind Lern- und Entwicklungsprozesse des Individuums in einer sozialen Umwelt. Im Laufe des Sozialisationsprozesses entwickelt sich wesentlich unsere gesamte „Persönlichkeit“ mit all ihren Eigenschaften, individuellen Besonderheiten sowie ihren Motiv- und Bewusstseinsstrukturen. (Vgl. Geulen in Joas 2007: 138) Hervorzuheben ist in diesem Kontext, dass der Sozialisationsprozess eines Menschen nicht planbar ist, sondern sich erst aus der Summe seiner (individuell erfahrenen) gesellschaftlichen Lernprozesse in verschiedenen Zusammenhängen ergibt. (Vgl. Geulen in Joas 2007: 142)

2.1 Sozialisation im 21. Jahrhundert

Um Überlegungen bzw. Spekulationen über Sozialisationseinflüsse auf Jugendliche des 21. Jahrhunderts anstellen zu können, erscheint es unumgänglich, zunächst einmal festzustellen, durch welche Entwicklungen dieses Jahrhundert überhaupt gekennzeichnet ist:

Es scheint eine Tendenz dahingehend zu herrschen, dass traditionelle gesellschaftliche Werte und Normen stetig an Überzeugungskraft einbüßen, auch deren Legitimationsgrundlage scheint nicht mehr stabil zu sein. (Vgl. Zimmermann 2006: 212) „Im beginnenden 21. Jahrhundert sind die Kinder und Jugendlichen von tradierten Vorgaben und Vorinterpretationen des Lebens weitgehend entbunden, Selfness ist angesagt.“ (Horx 2005 in Zimmermann 2006: 217) Die Arbeitswelt ist von einer generellen Beschleunigung und Kurzlebigkeit gekennzeichnet; von den Heranwachsenden bzw. Berufseinsteigern wird zunehmend Mobilität und Flexibilität verlangt. Des Weiteren scheint die Gesellschaft ein immer größeres Maß an Spontanität und Risikobereitschaft von ihren Mitgliedern zu verlangen, auch Selbstständigkeit wird zunehmend zu einer Schlüsselkompetenz. Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass die Gesellschaften im 21. Jahrhundert (zumindest im europäischen Kontext) deutliche Individualisierungs-, Erlebnis- sowie Pluralisierungstendenzen aufweisen.

Da die Sozialisationsvorgaben zunehmend offener werden, wird auch der Entscheidungsspielraum Jugendlicher hinsichtlich der Entwicklung ihrer „persönlichen Identität“ ausgedehnt. Dies führt allerdings häufig dazu, dass Jugendliche aufgrund der ausgedehnten Entscheidungsmöglichkeiten sowie der ausgebauten persönlichen Freiheit oftmals Orientierungsschwierigkeiten haben, welcher (Lebens-) Weg nun „der richtige“ ist. (Vgl. Zimmermann 2006: 212 f.)

3 Jugend als Lebensphase

Hillmann definiert Jugend als „relativ eigenständige Lebensphase mit zugestandenen Spielräumen der Selbstverwirklichung.“ (Hillmann 2007: 405)

Die „Lebensphase Jugend“ beginnt nach dem deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker E. H. Erikson mit Einsetzen der Pubertät; mit den physischen Veränderungen und Reifungsprozessen geht eine grundsätzliche Infragestellung bisher für selbstverständlich erachteter kindlicher Vertrautheiten einher. Zugleich kommt es zu einer regelrechten „Neuorganisation“ des Ich, soziale Beziehungen werden ebenfalls neu „geordnet“ und auch Wertvorstellungen und Interessen bilden sich neu. (Vgl. Hillmann 2007: 405) Die Jugendphase ist ergo dadurch gekennzeichnet, dass in diesem Lebensabschnitt nicht nur wesentliche physische, sondern auch psychische, emotionale geistige sowie soziale Entwicklungen erfolgen. (Vgl. Zimmermann 2006: 154) Bei allen Aussagen hinsichtlich Jugend ist stets zu beachten, dass es sich bei ‚den’ Jugendlichen keineswegs um eine homogene Sozialgruppe handelt, im Gegenteil, die Jugend ist in dem Maße differenziert wie die Gesellschaft an sich, sie trägt sogar noch erheblich zu deren Komplexität bei. (Vgl. Hillmann 2007: 405 f.)

4 (Massen-) Medien und Massenkommunikationsmittel

Nach Geulen werden diejenigen Kommunikationsformen als Massenmedien bezeichnet, die große Menschenmengen verbinden: Sprache an sich, Radio, Fernsehen, Tageszeitungen, aber auch Kino, CD-Produktionen, Bücher, Zeitschriften sowie das Internet; allesamt gelten sie als wichtige Sozialisationsinstanzen. (Vgl. Geulen in Joas 2007: 153) Hillman definiert Massenmedien als „Techniken der Verbreitung und Vervielfältigung von schriftlich, bildlichen [...] oder verbalen, musikalischen [...] Aussagen [...] für einen großen heterogenen, nicht genau bestimmbaren Adressatenkreis.“ (Hillmann 2007: 539) Massenmedien sind also Verbreitungsmedien, bei denen die Zahl der tatsächlichen Empfänger a priori unbekannt ist.

4.1 Charakteristika und Funktionen von Medien

Medien im Allgemeinen haben eine grundlegende Funktion: Die Vereinheitlichung einzelner Mitglieder einer Gemeinschaft oder Gesellschaft. (Vgl. Anderson 1998 in Friedrich 2008: 14) Gerade in großen, funktional differenzierten Gesellschaften trägt die massenhafte Nutzung etablierter Medien dazu bei, dass ein gemeinsamer Verständigungshorizont konstituiert wird. Medien spielen also eine wichtige Rolle bei der Entwicklung kultureller Orientierung, von Weltbildern und Einstellungen und fördern die globale Verbreitung von Werten. (Vgl. Wehner 1997: 96 ff. in Friedrich 2008: 14) Die Medienwissenschaftlerin Becker äußert sich in ihren Ausführungen wie folgt zu Charakter und Funktion von Massenmedien:

„Insbesondere in ihrer schon historisch gewordenen Form der öffentlich-rechtlichen Einrichtungen trugen sie [...] in weitgehendem Maße zur Inszenierung gesellschaftlicher Einheit bei. Funk, Presse und Fernsehen waren lange Zeit wesentlich dafür verantwortlich, dass sich innerhalb einer Gesellschaft trotz aller Diversifikation ein intersubjektiv tragfähiges Wirklichkeitsmodell herausbildet, weil sie aufgrund zentral vorgenommener Selektionen von Information ermöglichten, dass die Mitglieder einer Gesellschaft bei aller Unterschiedlichkeit ihrer jeweiligen Milieus auf einen gemeinsam getragenen Entwurf von Wirklichkeit Bezug nehmen konnten.“

(Becker 1998: 2 in Friedrich 2008: 14f )

Im 21. Jahrhundert leisten Massenmedien einen erheblichen Anteil zur Konstitution der Kultur sowie der sozialen Wirklichkeit. Dabei fungieren sie nicht nur als „Speicher“ des gesamten gesellschaftlichen Wissens, sondern darüber hinaus als Forum für einen gesellschaftlichen Austausch. (Vgl. Lukesch 2008 in Hurrelmann et al. 2008: 390 f.) Massenmedien dienen als Vermittler von „Informationen, praktischer Lebenshilfe, Unterhaltung, Erholung und Zerstreuung“ (durch Freizeitkonsum) und ihre Inhalte sind jeweils auf die individuellen Interessen und Bedürfnisse ganz spezifischer Zielgruppen konzipiert. Sie dienen dabei als Instanz, welche Kritik äußert, Kontrolle übt und darüber hinaus zum Selbstverständnis der Gesellschaft beiträgt; in dem sie einen Diskurs über Gegebenheiten, Ereignisse und Probleme führen, welche die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit angehen. (Vgl. Hillmann 2007: 539) Betrachtet man dabei exemplarisch das Massenmedium Fernsehen, so gelingt es diesem laut McQuail, die Privatsphäre mit der Öffentlichkeit verbinden. Dies komme daher, dass sich die Programme an die Allgemeinheit wenden und dadurch zu einem erheblichen Bestandteil kollektiver Erfahrungen werden. (Vgl. McQuail 1997: 90 in Plake 2004: 201 f.)

4.2 Massenmedien und Gesellschaft – Mediengesellschaft?

Um die mediale Sozialisation näher analysieren zu können, ist es unumgänglich, den historisch gesellschaftlichen Kontext zur Analyse hinzuzuziehen. Dadurch wird ersichtlich, dass Gesellschaft, Medien und Individuum im 21. Jahrhundert in einem Wechselverhältnis zueinander stehen und sich somit gegenseitig beeinflussen.

Medien und Massenmedien im Speziellen, haben somit einen immanenten Einfluss auf das Wissen, das Verhalten sowie die Bildung von Einstellungen und Urteilen von Menschen. (Vgl. Ecarius et al. 2008 in Hurrelmann et al. 2008: 111) Bei einer kritischen Betrachtung wird schnell ersichtlich, dass die heutige Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen von Massenmedien geprägt bzw. regelrecht durchdrungen ist. Dabei muss die Nutzung bzw. der Konsum von Medien gar nicht immer bewusst geschehen, sondern findet oftmals als bloße Hintergrundbetätigung statt. Insofern ist ein Großteil des Medienkonsums gar nicht das Resultat bewusster Entscheidungen; er ergibt sich vielmehr nebenbei aus Gewohnheit oder aus der Situation heraus.

Hillmann beschreibt das Verhältnis von Massenmedien und Gesellschaft wie folgt:

„Der Begriff „Mediengesellschaft“ betont in diesem Kontext in besonderer Weise, dass das Erscheinungsbild moderner Gesellschaften untrennbar mit der Existenz von Massenmedien und –kommunikation verflochten ist.“ (Hillmann 2007: 549) Da die alltägliche Medienexposition einen äußerst dominanten Charakter aufweist, stellen die über die Medien verbreiteten Inhalte wichtige Umwelterfahrungen (für Jugendliche) dar und können somit als bedeutsame Sozialisationsfaktoren fungieren. Von Bedeutung erscheint hierbei stets das Verhältnis des Menschen im medialen Sozialisationsprozess, agiert er als aktives Subjekt oder wird er zum bloßen Objekt degradiert? (Vgl. Lukesch 2008 in Hurrelmann et al. 2008: 384 ff.)

Zwischen medial verbreiteten Kommunikationen und Rezeptionsprozessen herrschen laut dem Soziologen Sutter komplexe Wechselwirkungen: Aufgrund der Komplexität können Medienangebote weder auf bloße Inhalte reduziert werden, noch kann den Rezipienten eine ausschließlich passive Rolle zugedacht werden. Medien fungieren als Konstrukteure unseres Weltbildes, sie stellen also Wirklichkeitsentwürfe bereit, auf welche sich die Gesamtheit der Rezipienten stets berufen bzw. mit der sie sich (kritisch) auseinandersetzen kann. (Vgl. Sutter 2001: 7)

4.3 Medienkompetenz

Jugendliche des 21. Jahrhunderts wachsen wie selbstverständlich mit Massenmedien wie z.B. dem Internet auf, die intensive Mediennutzung hat einen festen Platz in ihrem Alltag; so kommt ihr beispielsweise bei der Suche nach Identität und Möglichkeiten der Persönlichkeitsentfaltung eine tragende Rolle zu. Die gesellschaftliche Entwicklung wird zudem immer stärker durch die schnell fortschreitenden Entwicklungen der Informations- und Medientechnologie beeinflusst.

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656045212
ISBN (Buch)
9783656044734
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181457
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,9
Schlagworte
welchen einfluss massenmedien sozialisation jugendlicher jahrhundert

Autor

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