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Feldpost - Korrespondenz im Ersten Weltkrieg zwischen Kriegs- und Heimatfront

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Der Wert der Feldpost als Selbstzeugnis

3.Kritische Aspekte und Probleme

4.Quellen und Quellenkritik

5.Schlussbetrachtung

6.Bibliographie

1. Einleitung

Dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) wird für den Verlauf der Ereignisse im 20. Jahrhundert eine hohe Bedeutung beigemessen. Er stellte die Weichen für die Entstehung neuer politischer Gruppierungen, verschärfte die Feindschaft der Völker in Europa und gilt als bedeutendster Auslöser für den Zweiten Weltkrieg.

Besonders in Deutschland wurde der Erste Weltkrieg zum Wendepunkt in der Geschichte. Nach dem Sieg über den Erbfeind Frankreich 1871 und dem Aufbau des Kaiserreiches entstand besonders in den Köpfen des einfachen Volkes ein unvergleichlicher Nationalstolz. Durch geschickte Propaganda von Seiten der Regierung, besonders unter Kaiser Willhelm II, wuchs die Begeisterung für das Militär und den Krieg. So ist es nicht verwunderlich, dass der Beginn des Krieges mit Freude aufgenommen wurde. Für sein Vaterland auszuziehen und den „Feind“ niederzuwerfen erschuf ein Gefühl von nationaler Zusammengehörigkeit. Das Volk wurde zur Einheit, zum unüberwindbaren Hindernis stilisiert. Männer aller gesellschaftlichen Schichten meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst, nur eine Minderheit versuchte sich dem zu entziehen. Sie zogen in der vergeblichen Hoffnung aus, bald nach Hause zurück zu kehren, allerdings entwickelte sich der Verlauf des Krieges anders als es die Propaganda ihnen glauben machen wollte. Der Mythos vom 'heldenhaften' Soldaten wich der Realität. Verschiedene Faktoren bestimmten den wahren Alltag der Soldaten: oft verlustreiche Kampfhandlungen, Ausharren im Schützengraben unter unmenschlichen Bedingungen, teilweise ausbleibende Lebensmittelrationen und die ständige Ungewissheit, auch was das Wohlergehen der Angehörigen betraf.

Der Kontakt zwischen Kriegs- und Heimatfront war, gemessen am heutigen Standart, eher dürftig, trotzdem nahmen Feldpostkarten und Feldbriefe einen hohen Stellenwert ein. Einige Exemplare blieben der Nachwelt erhalten und stehen den heutigen Historikern als Quellen zur Verfügung. Der weitaus größte Teil wurde jedoch vernichtet, fiel Umwelteinflüssen zum Opfer oder ist unauffindbar. Dennoch dient die erhalten gebliebene Feldpost der zum großen Teil zuverlässigen Analyse der Lebensverhältnisse und Stimmungen an den Fronten. Diese Dokumente sind leider meist schwer zu entziffern, da oft eine alte deutsche Schrift verwendet wurde, welche heute nicht mehr geläufig ist, auch die angesprochenen Umwelteinflüsse trugen dazu bei. Trotzdem kann man ihnen mit Hilfe der heutigen Technik einige Informationen entnehmen. Ziel dieser Arbeit ist die Interpretation und Erforschung einiger deutscher Postkarten und Briefe unter dem Aspekt der Quellenkritik. Es soll bewiesen werden, dass diese Dokumente nicht nur für die Kriegsgeneration, sondern auch für die Nachwelt wichtig sind.

2. Der Wert der Feldpost als Selbstzeugnis

Anhand von Selbstzeugnisse der Menschen aus den unteren sozialen Schichten und einfachen Berufen lässt sich das Zeitgeschehen oft besser rekonstruieren als bei der Analyse von Hinterlassenschaften großer Persönlichkeiten. Wohl kann man diesen Menschen meist keinen großen politischen Weitblick zutrauen, aber sie waren von den Ereignissen der Weltgeschichte, zu denen vor allem die beiden Weltkriege gehören, stärker betroffen als die Führer in Militär und Politik. Leider verfassten die wenigsten von ihnen Tagebücher oder Memoiren, da das Erlebte in Vergessenheit geriet oder vergessen werden sollte. So stützen sich Historiker auf die erhaltene Feldpost, welche die wahrscheinlich beste Auskunft über das Kriegsgeschehen gibt. Dokumente, welche „Individuelle Erfahrungen von Soldaten und Zivilisten“1 wurden zu begehrten Quellen für die Geschichtswissenschaft. Sie geben den nachfolgenden Generationen Einblicke über das Geschehen an der Front, zeigen den Alltag der Soldaten und die Beziehungen zu ihren Angehörigen. Auf der anderen Seite kann die Wirkung der Briefe und Postkarten in der Heimat in Erfahrung gebracht werden, ebenso erkennt man, wie es den Familien der Soldaten ergangen ist. Sie umfassen also stets eine Doppelperspektive2.

Die Themen der Briefe und Postkarten beschränkten sich meist auf Mitteilungen über den Gesundheitszustand des Soldaten und der gleichzeitigen Frage nach dem Befinden der Angehörigen oder der Bitte, einige Gebrauchsgegenstände an die Front zu senden. Weiterhin enthalten die Briefe und Postkarten kurze Informationen über den jeweiligen Aufenthaltsort, Position und Aufgabe, es gab auch Soldaten, die versuchten, wichtige Entscheidungen, die ihren Haushalt betrafen, mit Hilfe der Post zu erledigen. Inhaltlich gleichen sich die Briefe und Postkarten sehr; die wiederkehrende Formulierungen aber waren für Empfänger und Schreiber durchaus von großer Bedeutung.

3. Kritische Aspekte und Probleme

Bei der Bearbeitung der Feldpost entstehen einige Probleme, sowohl was die Auswertung als auch die Beschaffung des Materials betrifft. In Privathaushalten befinden sich kaum noch Briefe oder Postkarten aus den Weltkriegen. Einerseits gingen die Schriftstücke bei Umzügen und Bombenterror verloren, wurden als wertloser 'Papiermüll' entsorgt; besonders nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurden aus Angst vor eventuell gezogenen Verbindungen zum Nationalsozialismus viel aussagekräftige Feldpost vernichtet. Andererseits fielen die Briefe und Postkarten, wie in der Einleitung bereits erwähnt, die Briefe und Postkarten dem Zahn der Zeit zum Opfer. So muss vor allem auf Bücher und Archive zurück gegriffen werden, was die Arbeit natürlich sehr erleichtert, da die Feldpost dort bereits aufgearbeitet und geordnet wurde. Dennoch konnten auch einige Briefe und Postkarten aus privater Hand beschafft werden, die allerdings bei der Bearbeitung viele Schwierigkeiten verursachen. Vor allem die Postkarten waren aufgrund der geringen Größe der Buchstaben, die wohl auf die Größe des Schriftfeldes zurückzuführen ist, nahezu unleserlich. Auch unbekannte Schrift, Orthographie und Begriffe erschweren die Analyse. Nur mit Hilfe eines PC-Programms, welches die Vergrößerung der Zeilen ermöglichte, konnten die Sätze entzifferter werden.

Das wichtigste bei der Erforschung der Schriftstück bleibt natürlich, sich kritisch mit den Inhalten auseinander zu setzten. Dabei ist zu beachten, wer der Schreiber ist, welche Rolle er im Kriegsgeschehen eingenommen hat, und welche Absichten hinter den Briefen und Postkarten stecken. Auch der Bildungsstand und die politische Einstellung müssen berücksichtigt werden. Bei der vorliegenden Feldpost handelt es sich vor allem um die einfacher Soldaten, die meist auch aus einfachen sozialen Verhältnissen stammen und teilweise wenig Bildung erhalten haben, welches sich auch in Ausdrucksweise und Inhalt zeigt. Sie berichten meist nur über das, was sich direkt in ihrem Leben an der Front abspielt, da die Truppe eine in sich geschlossene Gemeinschaft bildet und kaum etwas vom Leben außerhalb derselben weiß: „Von der Außenwelt erfahren wir gar nichts... höchstens daß mal etwas bekannt wird durch einen Generalstabsoffizier, der sich in unsere Nähe verirrt.“(siehe Anm.10), wobei auffällt, dass die Texte zum Teil stark beschönigt wurden und wie auswendig gelernt klingen. Es ist beispielsweise nicht wirklich glaubwürdig, dass es den Soldaten wirklich „gut“ ging, wie wie immer wieder behaupten, wenn man sich die wahren Schrecken des Krieges vor Augen führt.

Dafür ist natürlich die Zensur der Briefe verantwortlich: Immer wieder wurden Postsperren verhängt3, Feldpost wurde von der OHL beschlagnahmt oder bestimmte Passagen gestrichen.

Auch wurden „Postüberwachungsstellen“ eingerichtet, die die „Postsendungen der Zivilbevölkerung überprüften“.4 Dadurch sollten militärische Vorgehensweisen geheim gehalten werden, außerdem wurde durch die Verschleierung der wirklichen Lebensbedingungen die Moral an der Heimatfront nicht gefährdet. Zu diesem Zweck wurden oft vorgedruckte Karten verwendet, welche bereits Aufdrucke wie „Es geht mir gut, ich bin gesund.“ hatten.5

Aber auch die Soldaten selbst schrieben ihren Angehörigen nicht alles, was sie wirklich erlebten, da sich die Wahrheit kaum in Worte fassen lies. Wie konnte man auch seinen Angehörigen, die immer noch das Bild des heldenhaften, deutschen Soldaten und eines baldigen Sieges hatten, von erfolglosen Gefechten, Ungeziefer, Langeweile, schlechter Versorgung, Krankheiten, Verstümmelungen und Tod erzählen?6

4. Quellen und Quellenkritik

Um die Arbeit mit den Dokumenten zu erleichtern, werden wichtige Zitate unter wenigen Themenkomplexen zusammengefasst, einerseits, weil sich markante Sachverhalte wiederholen und deshalb auch von von höherer Bedeutung sind, andererseits, weil eine Aufarbeitung aller zur Verfügung stehenden Dokumente den Rahmen sprengen würde. Als wesentlichstes Thema der Feldpost muss die Versorgung und natürlich auch Unterversorgung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen angesprochen werden. Besonders in den letzten Kriegsjahren findet sich fast jedem Brief findet sich die Bitte der Soldaten um die Sendung derselben. Wie bekannt, war die Versorgung der Soldaten zu diesem Zeitpunkt mehr als dürftig:

„Liebe Eltern und Schwester!

Euren Brief vom 6. habe ich erhalten, wie ich euch schon geschrieben habe. Hoffentlich habt ihr meinen Brief auch erhalten. Ich habe bis jetzt noch kein Paket erhalten. [...] ich habe die letzte Zeit was hungern müssen. Schickt mir doch jetzt regelmäßig was und wartet nicht so lange bis ich erst schreibe. Sonst muss ich immer viel zu lange warten. Denn das Essen, was wir hier bekommen, ist nicht ganz was besonderes. Denn zuviel schickt ihr mir nicht “ (13.01.1917)

[...]


1 Wolfrum, Edgar: Krieg und Frieden in der Neuzeit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2003 S. 106.

2 Ebd., S.26.

3 Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Selbstzeugnissen; Reader zu Vorlesung, S.40.

4 Lakowski, Richard/Büll, Hans-Joachim: Lebenszeichen 1945: Feldpost aus den letzten Kriegstagen, Militzke Verlag Leipzig 2002, S.17.

5 wie Anm.3, S.41.

6 Barnett, Corelli: Anatomie eines Krieges. Eine Studie über die Hintergründe und entscheidenden Phasen des Ersten Weltkrieges; Bechtle, München - Eslingen 1963.

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656049173
ISBN (Buch)
9783656048732
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181591
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
feldpost korrespondenz ersten weltkrieg kriegs- heimatfront

Autor

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Titel: Feldpost - Korrespondenz im Ersten Weltkrieg zwischen Kriegs- und Heimatfront