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Selbständiges Lernen und seine Förderung im Unterricht

Hausarbeit 2001 27 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Warum selbstgesteuertes Lernen?

2. Abgrenzung des selbstgesteuerten Lernen vom fremdgesteuertem Lernen

3. Komponenten für die Vorraussetzung von selbstgesteuertem Lernen
3.1 Motivationale Komponenten
3.1.1 Strukturelle motivationale Komponenten
3.1.2 Prozessual motivationale Komponenten
3.2 Kognitive Komponenten
3.2.1 Strukturelle kognitive Komponenten
3.2.2 Prozessual kognitive Komponenten

4. Maßnahmen zur Förderung des selbständigen Lernens

5 Literaturverzeichnis

1. Warum selbstgesteuertes Lernen?

Aufgrund der Tatsache, dass es zu einen immer schnelleren Wandel in den Lebensbereichen kommt, ist es unumgänglich dem selbständigen Lernen eine immer wichtiger werdende Bedeutung beizumessen.

Die immense Schnelligkeit des Wandels bedeutet für die Lernenden, dass ihnen nicht mehr alles auf dem goldenen Teller dargeboten werden kann, wie es z.B. einst in Schulen und Kursen im Fall des Frontalunterrichts noch der Fall war. „Lebenslanges Lernen“ ist ein Stichwort, welches im Zusammenhang mit rapider Wissensveraltung immer wieder fällt. Es verdeutlicht, dass man z.B. auch nach der Schulzeit noch dazu in der Lage sein sollte, Wissen aufzunehmen und zu erweitern. Um dieses zu gewährleisten, muss die Schule den Lernenden vorbereiten und ihm Kompetenzen unter­breiten, die es ihm ermöglichen, die benötigten Prozesse in Bewegung zu setzen, sprich: selbständiges Lernen.

Aber nicht nur die sich immer schneller verändernden Sachverhalte sind Grund für selbständiges Lernen. Ein weiterer Grund liegt in den immer größer werdenden Daten- und Informationsmengen („Wissensexplosion“[1] ). Es ist den Schulen mittlerweile nicht mehr möglich, das gesamte Wissen im Unterricht zu verarbeiten. In Lernfeldern, die viel Orientierungswissen erfordern, sollten Sachverhalte selbständig erarbeitet werden, so dass sie „später in komplexeren Lernsituationen benötigt werden“[2] können. Das gilt gleichermaßen für den umgekehrten Fall: In der Schule wird das Basiswissen vermittelt, welches durch selbständiges Erlernen aufgestockt werden soll, um die Komplexität und den Tiefgang der Sachverhalte zu erhöhen.

Ein weiterer Vorteil des selbständigen Lernens liegt in der Förderung der Metakognition, weil die Lernenden hier erfahren, wie sie lernen (z.B. in Bezug auf planen, steuern, überwachen und evaluieren) und wie sie die Effizienz dieser Vorgänge erhöhen können. Selbstgesteuertes Lernen ist auch in Verbindung mit einer höheren Eigenverantwortung zu sehen. Die Verantwortung kann nun nicht mehr auf die Lehrenden abwälzt werden, denn in Sachen Planen, Steuern und Überwachen von Lehrprozessen ist der Lernende nun sein eigener Herr und hat einen großen Eigenanteil am Lernergebnis.[3]

„Aus wissenschaftsinternen Perspektionswechsel in Psychologie und Erziehungs-wissenschaft“[4] hat das Schlagwort „selbstgesteuertes Lernen“ aus dem Grund an Bedeutung gewonnen, dass immer mehr davon auszugehen ist, dass das Individuum die wichtigste Rolle im Lernprozess übernimmt. Nicht wie im behavioristischen Denken, das die Dependenz zwischen Lernumgebung und Lernen in den Vordergrund stellt, betont die neue Denkweise die Rolle des jeweiligen aktiven und konstruktiven Lerners.

Ein weiterer Vorteil des selbstgesteuerten Lernens ist derart, dass es sich gut für das Lernen von Erwachsenen eignet. Diese besondere Lernform scheint gerade in Bereichen außerhalb der Schule und an nicht institutionell verankerten Lernformen als sehr erwachsenengerecht, da man hier die Rahmenbedingungen für das Lernen selbst festlegen und steuern kann. In punkto Zeitmanagement z.B. hat dies immense Vorteile, der Lernende kann eigens entscheiden, wann er wie lange lernen möchte. Das heißt, er kann sich die Lernzeit in Abhängig­keit von anderen Tätigkeiten abstimmen.[5]

2. Abgrenzung des selbstgesteuerten Lernen vom fremdgesteuertem Lernen

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass der Erwerb von Wissen und Fertigkeiten einer Reihe von Einflüssen unterliegt, die teils selbst bzw. intern zu steuern und regulieren sind und die teils von externen Faktoren ausgehen. Bei der internen Steuerung spricht man vom selbstgesteuerten Lernen und dementsprechend vom fremdgesteuerten Lernen, wenn es um die externe Regulation geht. Im Zusammenhang mit selbstgesteuertem Lernen fallen in der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur auch oft Begriffe wie „autodidaktisches Lernen, autonomes Lernen, selbstorganisiertes Lernen, selbst­bestimmtes Lernen, offenes Lernen [oder, d. Verf.] Selbststudium“[6], diese sind jedoch größtenteils synonym mit dem Oberbegriff zu verwenden.

Zur Fremdsteuerung zählt beispielsweise die Anweisung eines Lehrers, der versucht, von außen auf den Lernprozess einzuwirken. Aber neben solch direkten Maßnahmen gehören auch indirekte Faktoren wie die Gestaltung der Lernfeldumgebung zur Fremdsteuerung. Wirken z.B. Störfaktoren wie Lärm auf das Lernen ein, wirkt es hemmend und ein optimales Lernergebnis kann nicht mehr erreicht werden.

Beim fremdgesteuerten Lernen wird zwischen dem respondenten und dem operanten Ansatz unterschieden. Beim respondenten Ansatz werden bestimmte Lernsituationen mit bestimmten gefühls­beeinflussenden Reizen gekoppelt (freundliche Worte des Lehrenden Þ Lernfreude). Dies hat aber mehr Einfluss auf die emotionale Ebene, d.h. weniger auf die direkte Steuerung des Lernens, also eher auf die Motivation. Beim operanten Ansatz ist es für das Lernen des Individuums entscheidend, was nach dem jeweiligen Verhalten passiert. Wichtig ist hierbei das Prinzip der Verstärkung, es erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse nach einem gewissen Verhalten (Fleiß ÞLob).

Zwar besteht die Möglichkeit, selbst- und fremdgesteuertes Lernen theoretisch einzeln zu betrachten, jedoch wird in der Praxis weder das eine noch das andere in seiner reinen 100prozentigen Form vorzufinden sein. Lernen ist immer im gewissen Sinne selbst- bzw. fremdgesteuert, in welchem Maße ist abhängig von der Lernsituation (vgl. Abb.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Verhältnis und Zusammenhang zwischen selbst- und fremdgesteuertem Lernen

Beim Lernen ist der Lernende immer einem Mindesteinfluss von außen unterlegen, selbst beim Lernen am heimischen Schreibtisch, augenscheinlich abgetrennt von sämtlichen externen Einflüssen bedarf es irgendwelcher Medien oder Gegenstände. Schon durch die alleinige Verwendung einer Lektüre ist man im gewissen Maße durch die Intention des Autors nicht mehr 100% selbstgesteuert und die Reinform des selbstgesteuerten Lernens ist nicht mehr gegeben. Genauso verhält es sich auch mit dem fremdgesteuertem Lernen, auch hier ist die reine Form nur theoretisch gegeben, da in der Lernsituation, egal ab h, i oder j, ein Mindestmaß an Eigen­aktivität vorhanden sein muß, d.h. ohne jegliche interne Motivation können keine neuen Gedächtnisinhalte erworben werden.

3. Komponenten für die Vorraussetzung von selbstgesteuertem Lernen

Schiefele und Pekrun[7] arbeiten 4 zentrale Merkmale des selbstgesteuerten Lernens aus:

- der Lernprozess wird vom Lernenden selbst aktiv in eine bestimmte Richtung gelenkt, die meist darauf abzielt, die Lernergebnisse positiv zu beeinflussen. Dieses kann sich auf der kognitiven bzw. metakognitiven, auf der motivationalen und auch auf der verhaltens­bezogenen Ebene vollziehen.
- der Lerner überwacht den eigenen Lernprozess und greift bei Bedarf ein, um die Aktivität wieder in die richtige geplante Richtung zu lotsen (Wirksamkeit der „selbstbezogenen Feedbackschleife“[8] ).
- ein weiteres entscheidendes Kriterium für das selbstgesteuerte Lernen ist die motivationale Komponente, hier entscheidet sich, in welchem Maße und warum bestimmte selbstgesteuerte Strategien angewendet werden.
- auch die volitionale Steuerung gehört zu den Aspekten selbstgesteuerten Lernens. Sie bestimmt die Förderung des eigenen Handelns und schirmt die Lernabsicht des eigenen Ichs von störenden oder konkurrierenden Faktoren ab.

Alle diese Merkmale finden sich auch in dem übersichtlich strukturierten, theoretischen Konzept von Friedrich und Mandl[9] wieder. Im folgenden wird das von ihnen ausgearbeitete Konzept des selbstgesteuerten Lernens analysiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Interessen

strukturell Ziele

Selbstwirksamkeit motivationale

Komponenten selbstwerterhaltene Strategien

prozessual volitionale Strategien

Selbst- emotionale Prozesse

Gesteuertes

Lernen Informationsverarbeitungsstrategien

prozessual Kontrollstrategien

Ressourcenstrategien

kognitive

Komponenten Inhaltswissen

strukturell Aufgabenwissen

Strategiewissen

Abbildung 2. Motivationale und kognitive Komponenten selbstgesteuerten Lernens[10]

In dem Konstrukt werden Prozesse und Strukturen gezeigt, die wichtig für das selbstge­steuerte Lernen sind. „Mit Strukturen sind hier überdauernde, habituelle Merkmale/Verhaltensdispositionen der Lernenden gemeint, mit Prozessen das aktuelle offene und verdeckte Verhalten in konkreten Situationen.“[11]

3.1 Motivationale Komponenten

Motivationale Komponenten sind entscheidend bei der Auswahl der jeweiligen Aufgabe bezüglich Inhalt und Anspruch. Weiterhin haben sie auch Auswirkungen auf die anzuwendenden Lernstrategien und auf die Menge von Anstrengung und Ausdauer, die man in die Aufgabe investieren möchte.

3.1.1 Strukturelle motivationale Komponenten

Zu den strukturellen motivationalen Komponenten gehören „motivationstheoretische Konzepte wie Bedürfnis, thematisches Interesse, Ziel und Selbstwirksamkeits­überzeugungen“[12]. Bedürfnisse definieren sich in der Art, dass von innen heraus ein bestimmtes Verlangen nach etwas vorliegt. Zu den psychologischen Bedürfnissen zählen z.B. das Bedürfnis nach Kompetenz, das nach sozialer Eingebundenheit und nach Autonomie. Diese Bedürfnisse sind Teile der Basis für das Vorhandensein von intrinsischer Motivation, diese wiederum ist Basis für das selbstgesteuerte Lernen. Ein großes Eigeninteresse am Lerngegenstand fördert auch die intrinsische Motivation. Besteht ein hohes thematisches Interesse des Lernenden am Lernstoff, so hat dieses einen positiven Einfluss auf den Lernprozess und letztlich werden schneller aufwendige Lern­strategien verwendet.

Das motivationstheoretische Konzept der Zieltheorie befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen habitueller Zielsetzung und der Qualität bzw. der Quantität des Lernens. „Individuelle Lernziele lassen sich als kognitive Repräsentationen subjektiv erwünschter Soll­zustände definieren“[13], die die lernende Person zu verwirklichen versucht. In der wissenschaftlichen Literatur werden oft die habituell intrinsische bzw. die habituell extrinsische Lernmotivation unterschieden. Zu den inneren Beweggründen zählen z.B. das Interesse oder die Neugierde am zu Lernenden oder das Verlangen nach Kompetenz. Zur extrinsischen Zielorientierung gehören nach Schiefele und Pekrun[14] vier Ziele, wie das Zeigen von Überlegenheit gegenüber anderen, der Drang nach Leistungsrückmeldung und das Streben nach sozialer Anerkennung sowie die Verfolgung materieller Ziele. Hierbei wurde festgestellt, dass eine hohe Korrelation zwischen intrinsischer Lernmotivation und positiven Lernergebnissen besteht.

Mit der Selbstwirksamkeitsüberzeugung verbindet man die Erwartungshaltung eines Lernenden, Kompetenzen inne zu haben, die einen dazu befähigen, in bestimmten Situationen bestimmte adäquate Handlungen auszuführen. Aufgabenwahl, Anstrengungs­bereitschaft und Anstrengungsdauer werden in Hinblick auf das Lernen konkurrierenden Faktoren von der Selbstwirksamkeitsüberzeugung der lernenden Person beeinflusst. Diese Überzeugung wiederum ist abhängig von vergangenen Erfolgen bzw. Misserfolgen von vorhandenen Lösungsmodellen in ähnlichen Situationen. Jedoch kann eine zu große Gewissheit auch kontraproduktiv auf einen Lernprozess einwirken, z.B. dann, wenn einem der Anspruch einer Aufgabe als nicht mehr genügend anspruchsvoll erscheint, wirkt sich dieses negativ auf die Anstrengungsbereitschaft aus.

3.1.2 Prozessual motivationale Komponenten

Nach Friedrich und Mandl gehören die selbstwerterhaltenen Strategien, die volitationalen Strategien und die lernbegleitenden emotionalen Prozesse zu den prozessual motivationalen Komponenten. Zu den selbstwerterhaltenen Strategien gehören alle Maßnahmen, die im „Dienste der Aufrechterhaltung des eigenen Selbstkonzeptes stehen“[15]. Friedrich und Mandl beschreiben vier Bewältigungsstrategien, die im Rahmen von selbstgesteuertem Lernen für das Selbstbild des Lernenden relevant sind[16].

[...]


[1] Helmut F. Friedrich und Heinz Mandl: Analyse und Förderung selbstgesteuerten Lernens. In: F.E. Weinert, H. Mandl (Herausgeber). Psychologie der Erwachsenenbildung. S. 237

[2] R. Dubs: Lehrerverhalten. Zürich 1995. S. 263

[3] vgl. R. Dubs: Lehrerverhalten. Zürich 1995. S. 263

[4] Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. a.a.O. S.237

[5] vgl. Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. S.237f

[6] Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. S. 239

[7] vgl. Ulrich Schiefele, Reinhard Pekrun: Psychologische Modelle des fremdgesteuerten und selbstgesteuerten Lernens. In: F.E. Weinert (Herausgeber): Psychologie des Lernens und der Instruktion. S 258

[8] U. Schiefele, R. Pekrun. S.258

[9] H.F. Friedrich, H. Mandl. S. 242

[10] H.F. Friedrich, H. Mandl. Abb. 1. S. 242

[11] H.F. Friedrich, H. Mandl. S.242f

[12] H.F. Friedrich, H. Mandl. S. 243

[13] U. Schiefele, R. Pekrun. S. 267

[14] vgl. U. Schiefele, R. Pekrun. S. 267

[15] H.F. Friedrich, H. Mandl. S. 245

[16] vgl. H.F. Friedrich, H. Mandl. S. 245f

Details

Seiten
27
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638225700
ISBN (Buch)
9783638645515
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18171
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Selbständiges Lernen Förderung Unterricht Lern- Denkstrategien

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