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Einsatz von Medien in der Frühpädagogik

Chancen und Risiken

Seminararbeit 2011 31 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen und Hintergründe
2.1 Medien
2.2 Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern
2.3 Medienerziehung/ -kompetenz
2.4 Voraussetzungen zur Medienaneignung und zum Medienumgang

3. Risiken des Medieneinsatzes in der Frühpädagogik
3.1 Gefährdungspotenzial durch Fernsehkonsum
3.2 Zusätzliche Gefährdungspotenziale durch den Konsum von Computer und Internet

4. Chancen des Medieneinsatzes in der Frühpädagogik

5. Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Förderung der Medienkompetenz in Kindertagesstätten unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken
5.1 Rahmenbedingungen
5.1.1 Medienpädagogische Qualifikation
5.1.2 Technische Voraussetzungen
5.2 Umsetzung
5.2.1 Projektform
5.2.2 Elternarbeit
5.2.3 Einbindung in den pädagogischen Alltag

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang 1: Geräteausstattung der befragten Haushalte mit Zwei- bis Fünfjährigen

Anhang 2: Medienaktivitäten der Zwei- bis Fünfjährigen

Anhang 3: Tätigkeiten im Tagesverlauf

1. Einleitung

Das Fach Sozialinformatik als Bestandteil des Masterstudienganges Sozialmanagement spiegelt die Aktualität und Relevanz von soliden PC- und Internetkenntnissen in der heutigen Berufswelt wieder. Ohne das Wissen über Netzwerke, Microsoft Office und Hardware sind Mitarbeiter und vor allem Selbstständige auch in der Sozialwelt verloren. Als Mitarbeiterin in einer Kindertagesstätte stellte sich für die Verfasserin die Frage, inwieweit die Relevanz von Medien und insbesondere den „neuen“ Medien wie Internet und PC bereits in der Frühpädagogik berücksichtigt wird. Neben den „neuen“ Medien spielen aber auch weiterhin die „klassischen“ Medien eine Rolle in der Informationsbeschaffung. Auch Kinder sind stark von der Medienpräsenz in ihrem Alltag betroffen und verarbeiten die Erfahrungen und Eindrücke mit bzw. aus diesen Medien in ihrem Spielen und Handeln.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich daher mit dem Einsatz von Medien in der Frühpädagogik und den damit verbundene Chancen und Risiken. Unter dem Gesichtspunkt der Frühpädagogik ist hier der Einsatz von Medien im professionellen Bereich zu verstehen, welcher Kindergärten und Kindertagesstätten gleichermaßen einbindet. Die Fragestellung, inwieweit Medien zum Einsatz kommen, wird sich aus kognitiven Gründen eher mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren befassen. Der Einsatz von „neuen“ Medien bezieht sich maßgeblich auf die Vorschulkinder, da diese schon erste Erfahrungen mit dem Alphabet gesammelt haben.

Zu Beginn dieser Hausarbeit wird eine Abgrenzung der Begrifflichkeiten vorgenommen und so der Unterschied zwischen „neuen“ und „klassischen“ Medien erläutert. Zudem sollen auch die Begriffe der „Medienerziehung“ und der „Medienkompetenz“ beleuchtet sowie die Voraussetzungen zur Mediennutzung geklärt werden.

In der nahen Vergangenheit wurde häufig behauptet, dass Medien und im Speziellen Computer und Konsolenspiele einen Einfluss auf das Aggressionsverhalten von Kindern und Jugendlichen haben. Im dritten Kapitel soll unter der Überschrift „Risiken“ unter anderem dieser These nachgegangen werden. Es steht dabei die Fragstellung im Vordergrund, ob von Medien generell und speziell von den „neuen“ Medien ein Gefährdungspotenzial ausgeht, wenn diese in der Frühpädagogik zum Einsatz kommen.

Im Anschluss an die Risikoanalyse stehen dann die Chancen des Medieneinsatzes in der Frühpädagogik im Vordergrund. Vertiefend wird hier die Aussicht auf die Erlangung von neuen Kompetenzen bearbeitet.

Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Verfasserin auf dem Gebiet der Frühpädagogik und den erarbeiteten Chancen und Risiken werden im fünften Kapitel Handlungsempfehlungen entwickelt. Diese geben eine perspektivische Umsetzung der Medienerziehung und der Förderung von Medienkompetenz in der Praxis von Kindertagesstätten wieder. Zudem werden die Anforderungen an das Personal diskutiert und Umsetzungsmöglichkeiten erläutert.

Im Fazit werden dann alle erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst, um daraus Bilanz zu ziehen.

Da die Tätigkeit in Kindertagesstätten überwiegend von weiblichen Personen ausgeübt wird, verwendet die Verfasserin hier die weibliche Bezeichnung der Erzieherin. Um die Lesbarkeit an anderen Stellen zu erleichtern, wird ansonsten die männliche Schreibweise verwendet, gemeint sind ausdrücklich beide Geschlechter.

2. Definitionen und Hintergründe

Im folgenden Kapitel sollen grundlegende Begrifflichkeiten definiert werden, um für den weiteren Verlauf der Arbeit ein einheitliches Verständnis zu schaffen. Zudem werden auch kognitive und sozial-moralische Voraussetzungen erklärt, welche die Medienaneignung, das meint den verarbeitenden Prozess des Verstehens, welcher die Auseinandersetzung mit Medien ermöglicht, und den Medienumgang von Kindern ermöglichen.

2.1 Medien

Unter Medien werden im Folgenden gespeicherte Informationen verstanden, welche mit Hilfe von Technik, sowohl durch technische Geräte als auch durch einen technischen Prozess, genutzt werden können (vgl. Pöttinger, 1997:21). Als Unterscheidungsmerkmale von Medien können unter anderem die Wahrnehmungsorgane herangezogen werden. Zu unterscheiden sind auditive Medien (z. B. Hörspiele), die durch das Sinnesorgan Ohr aufgenommen werden, audiovisuelle Medien (z. B. Fernsehgeräte), die durch eine Kombination von Ohr und Auge wahrgenommen werden, und visuelle Medien (z. B. Printmedien), die wiederum nur durch das Auge erfasst werden.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von Medien ist ihre Einführungszeit, das heißt, die Nutzungsdauer und Akzeptanz in nahezu allen privaten Haushalten. Unter klassischen Medien werden in dieser Hausarbeit traditionelle Medien verstanden, die vorrangig und mit einem hohen prozentualen Anteil in Haushalten zu finden und somit auch verbreiteter sind. Daher werden diese Medien auch Massenmedien genannt. In unmittelbaren Zusammenhang damit steht ihre Einführungszeit, welche bereits Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte zurück liegt. Unter diesen Gesichtspunkt zählen unter anderem Fernseh- und Radiogeräte, das Telefon, Kassettenrecorder, CD-Spieler, Kino sowie Bücher und Zeitschriften.

Abzugrenzen von den klassischen Medien sind demnach die neuen Medien, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie in digitaler Form erreichbar sind, also über Internet oder Computer (vgl. Aufenanger, 1999:4 zit. bei Busse, 2002:15).

2.2 Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern

Die ARD/ZDF-Studie „Kinder und Medien 2003“ beschäftigte sich ausführlich mit der Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern. Die Studie untersuchte dabei das Medienverhalten der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren, als auch die Mediennutzung ihrer Eltern. Da die Befragung von Kindern in diesem Alter als methodisch schwierig anzusehen ist, wurde stellvertretend auf die Befragung der Erziehungsberechtigten zurückgegriffen. Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse wurden von Feierabend und Mohr in ihrem Artikel „Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern“ zusammengefasst (vgl. Feierabend & Mohr, 2004). Die Ergebnisse zeigen, dass die Haushalte, in denen die Kinder leben, im Besitz vieler verschiedener Medien sind[1]. Das am Häufigsten genutzte Medium ist das Fernsehgerät, das mit 64 Prozent die anderen Medien verdrängt und als „Leitmedium“ (Feierabend & Mohr, 2004:457) betrachtet werden kann[2]. Dieses Medium wird vorrangig in Begleitung der Eltern oder anderer Kinder genutzt und beläuft sich auf eine Nutzungsdauer von 88 Minuten pro Tag[3]. Für die Kinder in der untersuchten Altersgruppe sind die Eltern also der Zugangsschlüssel zu den Medien und somit auch von deren Vorbildfunktion abhängig. In den Kinderzimmern ist das Fernsehgerät in dieser Altersgruppe nur in sieben Prozent zu finden. Jedoch zählt der Kassettenrecorder in vielen Kinderzimmern zur Grundausstattung. Laut Studie ist im Elternhaus ein weitestgehend verantwortungsbewusster Umgang mit Medien zu verzeichnen, jedoch benutzen 44 Prozent das Fernsehgerät auch als Babysitter. Generell ist festzuhalten, dass bereits in dem untersuchten Alter Medien eine entscheidende Rolle im Alltag der Kinder einnehmen und zum Sozialisationsprozess beitragen. Die Studie zeigt weiterhin, dass der Computer eine geringe Rolle im Leben einnimmt, jedoch bleibt abzuwarten, ob sich eine steigende Tendenz entwickelt. Denn laut Studie sind die neuen Medien für berufstätige Eltern wichtiger als für Nichtberufstätige. Demnach bekommen auch schon die Kleinsten ein eigenes Gerät.

Obwohl die Studie im Jahr 2003 belegte, dass Kinder zwischen zwei und fünf Jahren das Medium Computer sehr selten bis überhaupt nicht nutzen, wird in dieser Hausarbeit, wie auch in der Studie davon ausgegangen, dass die Tendenz der Nutzung steigend ist.

Betrachtet man die Kinder zwischen sechs und 13 Jahren, so ist belegt, dass die Nutzung der neuen Medien ansteigt (vgl. Frey-Vor & Schumacher, 2004:426ff.). Aufgrund dessen verstehen sich die Empfehlungen, die aus der Chancen- und Risikoanalyse hervorgehen, auch als Prävention.

2.3 Medienerziehung/ -kompetenz

Alle Medienpädagogen sind sich darin einig, dass im Dschungel der Medienwelt Kindern die nötige Kompetenz vermittelt werden sollte, um sich dort zu Recht zu finden. Auch Ursula von der Leyen, damals noch in der Rolle der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, legte einen Schwerpunkt ihrer Arbeit im Ministerium auf die Vermittlung von Medienkompetenz und förderte Tagungen wie „Medien bilden – aber wie“, um Kindern die Chance zu geben, die positiven Aspekte von Medien zu nutzen (vgl. Demmler u.a., 2009:7). Doch was versteht man unter Medienkompetenz?

Befragt man Erzieherinnen, so wie es im Forschungsprojekt „Medienerziehung im Kindergarten – Entwicklung der medienbezogenen Problemwahrnehmungen und –bewältigungsstrategien von Erzieherinnen und Erziehern“ der Universität Koblenz-Landau geschehen ist, so zeigt sich, dass viele von ihnen darunter den reinen Einsatz von Medien in der Erziehung verstehen (vgl. Großekathöfer, 2007:3). In dieser Definition bleibt jedoch das Erlernen eines urteilsfähigen Umgangs mit Medien außer Acht.

Der Soziologe Jürgen Habermas und der Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke prägten den Begriff der „kommunikativen Kompetenz“, welcher sich als Dach über die Medienkompetenz stülpt. Für jegliche Art der Sprachhandlung, also auch für den Umgang mit Medien, ist die kommunikative Kompetenz erforderlich, um in jeglichen Situationen handlungsfähig und zu sein (vgl. Pöttinger, 1997:74).

Kommunikative Kompetenz umfasst dabei nicht nur die Fähigkeit sich sprachlich auszudrücken, sondern auch die Befähigung Dinge zu verstehen, sich mit Sachverhalten auseinander zu setzen, diese zu reflektieren und eigene Interessen in Argumenten darzulegen sowie erfolgreich zu vertreten. Übertragbar ist der Begriff der kommunikativen Kompetenz in der Kommunikationstheorie auf das gesellschaftspolitische Ziel der Mündigkeit und Emanzipation, welche sich ein Mensch im Laufe seines Bildungsprozesses aneignet (vgl. Schell, 2009:82f.).

Das Fundament der Medienkompetenz bilden die Wissens- und Reflexionsdimension sowie die Orientierungsfähigkeit.

Die Wissensdimension umfasst dabei den Umgang mit der Hardware und das Erfassen von vorliegenden Strukturen. Die Analyse, Wertung und Beurteilung von Medien wird in der Reflexionsdimension zusammengefasst. Daraus ergibt sich die Orientierungsfähigkeit. Der Nutzer schätzt in diesem Schritt das Medium ein und positioniert sich diesem gegenüber. Aufbauend auf dem Fundament stellt die Handlungsdimension den entscheidenden Schritt zur Erreichung von Medienkompetenz dar. In diesem Rahmen entscheidet der Nutzer inwiefern er das Medium für sein persönliches Vorhaben nutzen und es nach seinem Belieben gestalten kann.

Erst das komplexe Zusammenspiel aller oben beschriebenen Aspekte stellt die Medienkompetenz dar. Medienerziehung kann als Vorgang bezeichnet werden, der zur Medienkompetenz führt. Das folgende Modell fasst alle Aspekte der Medienkompetenz anschaulich zusammen.

Abbildung 1: Medienkompetenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schorb, 2005

Treffend beschreibt der Erziehungswissenschaftler Wassilios Fthenakis das medienkompetente Kind:

„…ein Kind, das angstfrei mit seiner medialen Umwelt umgeht, sich neugierig an diese Medien begibt, diese sowohl für Kommunikation als auch für die Lösung von Problemen zu nutzen lernt und sie als Kooperationseben mit anderen begreift. Es wird dann in die Lage versetzt, über das auf diesem Weg gelernte selbst zu reflektieren und die Grenzen – auch der Einwirkung der Nutzung – eines solchen Mediums selbst zu erkennen.“ (zit. bei Feibel, 2009:8)[4]

Zu betonen ist, dass Medienkompetenz nicht ohne Weiteres vorhanden oder zu erlernen ist. Dazu bedarf es einen Lernprozess, welcher auch mit dem Alter des Kindes und dessen Entwicklungsstand einhergeht.

2.4 Voraussetzungen zur Medienaneignung und zum Medienumgang

Kleinkinder können aufgrund ihres kognitiven Standes die Realität noch nicht in ihrer Komplexität und mit allen Zusammenhägen erfassen. Auch die Medienwelt erschließt sich ihnen daher noch nicht komplett. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich in einem Alter ab drei Jahren auf die Hauptmerkmale des Geschehens und auf äußere Merkmale von Figuren. Auch die Reflexionsdimension bleibt Kindergartenkindern verschlossen, da ihnen die notwendigen sozial-moralischen Fähigkeiten fehlen, um Medien zu reflektieren. Ab einem Alter von drei Jahren können Kinder kurze Sequenzen im audio- und audiovisuellen Bereich der Medien erfassen und verstehen. In dieser Altersspanne sind auch Lernspiele auf dem Computer denkbar, welche mit Symbolen agieren (vgl. zu diesem Abschnitt Zappen- Klicken-Surfen. Familien leben mit Medien. Heranwachsen und Medienaneignung, o. J.).

Grundlage für diese Annahmen bildet die Entwicklungstheorie von Jean Piaget. Werden Kinder mit Medien konfrontiert, welche noch nicht erschlossen werden können, kann es zu unrealistischen und falschen Einschätzungen der Realität kommen. Dies wird vor allem durch schnelles Umschalten der Fernsehprogramme begünstigt, da Sachverhalte falsch miteinander verknüpft werden (vgl. Pöttinger, 1997:16).

Abbildung 2: Der Zusammenhang zwischen Heranwachsen und Medienaneignung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifiziert nach Theunert, 2006:26

Anhand der Abbildung ist der Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten des Kindes und den damit verbundenen Medienkompetenzen dargestellt. Es ist zu sehen, dass die geistigen Fähigkeiten sowohl die Medienhandhabung als auch das Medienverständnis beeinflussen. Zudem haben die sozial-moralischen Fähigkeiten Einfluss auf das Medienverständnis und auf deren Interpretation. Die Vorlieben bei der Wahl der Medien sind durch die aktuellen Interessen und Themen des Kindes bestimmt. Auch die Interpretation derer ist eng mit den handlungsleitenden Themen verknüpft.

Aufgrund der kognitiven und sozial-moralischen Voraussetzungen sowie den handlungsleitenden Themen des Kindes ist es ratsam, angemessene Medien gemeinsam mit dem Kind auszuwählen. Denn besonders die Interessen begünstigen den Wunsch des Kindes, sich Medienkompetenz anzueignen.

[...]


[1] Vgl. Anhang 1

[2] Vgl. Anhang 2

[3] Vgl. Anhang 3

[4] Dort ohne genauere Quellenangabe

Details

Seiten
31
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656050919
ISBN (Buch)
9783656051206
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181723
Institution / Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,3
Schlagworte
einsatz medien frühpädagogik chancen risiken

Autor

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