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Selbsthilfegruppen

Essay 2009 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

1. Einleitung

In der folgenden Ausarbeitung werde ich mich mit dem Thema der Selbsthilfegruppen befassen. Ziel soll es hierbei sein, herauszustellen, was eine Selbsthilfegruppe überhaupt ausmacht, wie sie organisiert ist und welchen Stellenwert diese Organisation in unserer Gesellschaft einnimmt. Im Einzelnen werde ich den Begriff der Selbsthilfegruppe genauer definieren und herausstellen, welche Gruppen von Menschen sich Hilfe in diesen Gruppen holen.

Außerdem werde ich die Voraussetzungen für eine Aufnahme in eine Selbsthilfegruppe benennen und zudem einige der möglichen Motive anführen, die einen Menschen dazu bringen, sich Hilfe bei solch einer Hilfsorganisation zu suchen.

Als einen der Hauptaspekte wird der der Selbsthilfegruppenleitung herausgestellt, da diese von keiner speziellen Fachkraft dieses Themengebietes übernommen wird, sondern von einem Laien. In diesem Zusammenhang werde ich die Vor- und Nachteile dieses Vorgehen schildern und zudem sowohl die positiven Aspekte einer Selbsthilfegruppe als auch die negativen erörtern.

2. Allgemeine Informationen - Selbsthilfegruppen

2.1 Wachsende gesellschaftliche Anerkennung

Der Ursprung der Selbsthilfegruppe ist dem „68. Deutschen Fürsorgetag 1976“ zuzuschreiben, weil an diesem Tag zum ersten Mal eine politisch bedeutende Diskussion zum Thema der Unterstützung von Selbsthilfegruppen stattgefunden hat1. Das Interesse am Thema der Selbsthilfegruppen geriet mit der Zeit jedoch in Vergessenheit, bis zu Beginn der 80er Jahre. In dieser Zeit setzte eine neue Bewegung in der Politik ein, die sich durch die Vorsilbe „Selbst“ auszeichnet (Bsp.: Selbstversorgung, Selbstbeteiligung). Durch diesen Umschwung wurde das Thema der Selbsthilfegruppen wieder aktueller, welches in der Emanzipationsbewegung des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreichte. Als Vorläufer sind hierbei vor allem die Frauen- und Jugendbewegung zu nennen. In dieser Zeit wurden zwar viele Organisationen gegründet, in denen sich Gleichgesinnte trauen, über ihre Probleme zu reden. Dieser Fortschritt führte dazu, dass die Zahl der Selbsthilfegruppen, die in Deutschland vorzufinden sind, mittlerweile auf ca. 70.000 - 100.000 geschätzt wird, was dafür spricht, dass sich immer mehr Betroffene trauen, sich zu ihren Problemen zu bekennen und aktiv einen Schritt in Richtung Problembekämpfung zu wagen.

Insgesamt sind demnach ca. 3.000.000 Menschen Mitglied einer dieser zahlreichen Gruppen. Mit diesem hohen Ausmaß an Selbsthilfegruppen liegt Deutschland im europäischen Vergleich mitunter an der Spitze.

Gründe, die für den stetigen Anstieg von Selbsthilfegruppen verantwortlich sind, sind einerseits die Zunahme der chronischen und psychischen Erkrankungen und andererseits die veränderten Strukturen innerhalb der Familien. Ein weiterer Grund könnten die Mängel und Lücken innerhalb der bestehenden Versorgungsstruktur sein, die dazu führen, dass man sich in den Selbsthilfegruppen die Hilfe sucht, die im System nicht zu finden sind. Die Zahl der Selbsthilfegruppen wird schätzungsweise konstant bleiben oder gar steigen, da es auch in Zukunft immer Situationen geben wird, in denen Menschen aufgrund von Krankheit oder Unfällen in Not geraten werden und auf die Hilfe von außen nicht verzichten möchten und können2.

Hierbei ist die Bandbreite der Themenbereiche, die in einer Selbsthilfegruppe behandelt wird, äußert umfassend und behandelt sowohl gesundheitliche als auch soziale Aspekte. Die Therapiegestaltung einer Selbsthilfegruppe ist eine anerkannte Bewältigungshilfe in Bezug auf Krankheiten oder Ängste. Besonders positiv wird hierbei einerseits der Aspekt hervorgehoben, dass diese Form der Therapie nicht zwingend notwendig mit einer Verabreichung von Medikamenten verbunden sein muss und andererseits, dass sich die Arzt-Patienten-Beziehung als inniger und vertrauenswürdiger darstellt.

Zudem wurde in einem Bericht der Enquetekommission „Bürgerschaftliches Engagement“ das Konzept der Selbsthilfegruppen als „wesentliches Element aktiver Bürgerbeteiligung in der sozialstaatlich organisierten Gesellschaft Deutschland“3 beschrieben, was wiederum zum Ausdruck bringt, dass diese Form der Therapie in der Gesellschaft zunehmend an Anerkennung gewann. Als Konsequenz erlangte sie auf Bundesebene mehr Beachtung und konnte dementsprechend konkreter in die Gesundheitsförderung eingebunden wurde. Diese Aufwertung von Selbsthilfegruppen, die sich im Gesundheitssystem vollzog, führte in der Bevölkerung zu einem Wachsen des Vertrauens, weshalb in einer repräsentativen Bevölkerungsstudie gut ein Viertel der Befragten „Selbsthilfegruppen für am besten geeignet hielten, um Interessen von Bürgern in der Gesundheitspolitik zu vertreten“4.

2.2 Definition von Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen werden nicht erst nach Auftreten eines Leidens bzw. Symptoms aufgesucht, sondern bei Bedarf auch um Prävention zu betreiben, um einer Erkrankung vorzubeugen. Die Therapieformen in solch einer „Gesundheitsbezogenen Selbsthilfe“ zeigt sich hierbei z.B. in sportlichen Aktivitäten oder bewusst gesunder Ernährung. Die Gründe eines Besuches einer Selbsthilfegruppe liegen nicht immer bei der Erkrankung der eigenen Person, sondern es wird auch häufig Gebrauch davon gemacht, wenn Familienmitglieder davon betroffen sind und man nur schwer mit dieser Situation umgehen kann.

Die Themenschwerpunkte einer Selbsthilfegruppe sind entweder „Erkrankung und Behinderung“, wozu ebenfalls die Schwerpunkte Sucht und psychische Erkrankungen zählen (etwa zwei Drittel der Selbsthilfegruppen beziehen diesen Themenschwerpunkt5 ), oder aber die „soziale Selbsthilfe“, die Themenschwerpunkte des Alters, Beziehung oder Arbeitslosigkeit umfasst.

Es werden zwei Formen der Selbsthilfe unterschieden: Auf der einen Seite gibt es die individuelle Selbsthilfe, bei der eine Einwirkung anderer Personen ausgeschlossen ist und die Behandlung individuell auf einen Patienten erfolgt. Auf der anderen Seite ist die kollektive Selbsthilfe zu benennen, bei der sich Menschen zusammenfinden, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und sich durch dieses gegenseitige Verständnis unterstützen können. Oftmals fühlen sich Patienten gerade dann gut in einer Gruppe aufgehoben, wenn sie von Menschen mit dem gleichen Schicksal umgeben sind und so von deren Erfahrungsberichten profitieren können. In diesem Fall ist die „Selbst-Hilfe“ auch als „Fremd-Hilfe“ zu verstehen, aufgrund der Tatsache, dass man Hilfe im Dialog mit anderen Betroffenen sucht bzw. findet.

Das Besondere an Selbsthilfegruppen ist vor allem, dass sie nur selten von professionellen Ärzten bzw. Psychologen geleitet werden, sondern von Menschen, die zwar keine spezielle Ausbildung in diesem Bereich besitzen, den Teilnehmern jedoch zuhören können und ihnen durch langjährige Erfahrung bei der Bewältigung ihrer Probleme Hilfe bieten möchten. Es geht den Selbsthilfegruppen stets um die Unterstützung von Menschen mit Problemen und nicht um eine Chance, aus dem Leiden anderer Menschen einen Profit zu schlagen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Selbsthilfegruppen eine breite Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten bieten und sich Sitzungen nach den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmen richtet, ist eine konkrete Definition einer „Selbsthilfegruppe“ nur schwer zu äußern. Eine in der Gesellschaft gängige Definition lautet, dass „Selbsthilfegruppen freiwillige August 2004. S.11

Zusammenschlüsse von Menschen auf örtlicher/regionaler Ebene sind, um gemeinsam Krankheiten und psychische Probleme, an denen sie selbst oder Angehörige leiden, zu lösen“6. Zudem werden zwei verschiedene Formen der Selbsthilfe unterschieden. Zu einem gibt es die „private Selbsthilfe“, die sich darin auszeichnen, dass die Betroffenen mit der Absicht teilnehmen, nur sich selber helfen zu wollen. Zu anderen kann jedoch auch eine „soziale Selbsthilfegruppe“ aufgesucht werden, wie zu Beginn bereits erörtert worden ist. In dieser Form der Selbsthilfegruppe geht es im Wesentlichen darum sowohl sich als auch anderen Betroffen zu helfen.

2.3 Altruismus

Wenn Betroffene Menschen, die mit Problemen in ihrem Leben zu kämpfen haben, dennoch die Kraft und Zeit aufbringen, um anderen Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, wird von Altruismus gesprochen.

Diese Unterstützung von anderen Betroffenen gibt ihnen ein Gefühl der Anerkennung und Selbstachtung. Dies führt wiederum zu einem ansteigenden Gefühl in der Gesellschaft gebraucht zu werden. Sie empfinden durch ihre Unterstützung etwas Positives bewirken zu können. Diese Form der Hilfe gegenüber anderen Menschen dient gleichzeitig der eigenen therapeutischen Behandlung und hat somit einen positiven Aspekt für beide Seiten. Das heißt, dass man einen doppelten Nutzen daraus zieht, wenn man anderen Menschen hilft: Zum Einen wird jenen geholfen, die diese Hilfe wirklich nötig haben, und zum Anderen hilft man sich selber durch das neu erlangte oder gestärkte Gefühl der Selbstbestätigung.

2.4 Wie arbeitet eine Selbsthilfegruppe ?

Da es noch viele unerforschte oder nur im kleinen Kreise bekannte Erkrankungen gibt, die zu diesem Zeitpunkt kaum Selbsthilfegruppen für die Betroffenen anbieten, werden diese Betroffenen in die sogenannten „Blauen Adressen“ aufgenommen. Auf diesem Wege werden Betroffene gesucht, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Wenn sich dann mehrere Betroffene durch diese „Blauen Adressen“ zusammen gefunden haben, wird der Erkrankung mehr Beachtung geschenkt und den Betroffenen schließlich Hilfe gegeben.

[...]


1 Vgl. Balke, Klaus; Thiel, Wolfgang (Hrsg.). Jenseits des Helfens: Professionelle unterstützen Selbsthilfegruppen. Freiburg im Breisgrau: Lambertus.1991. S.16

2 Vgl. Kindler, Kilian. Wohlfahrtsverbände und Selbsthilfegruppen zwischen Interessenegoismus und Altruismus. Hartung-Gorre Verlag Konstanz.1992. S.13

3 Robert Koch-Institut: Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 23. August 2004. S.7

4 Robert Koch-Institut: Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 23. August 2004. S.8

5 Vgl. Robert Koch-Institut: Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 23.

6 Robert Koch-Institut: Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 23. August 2004. S.9

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656049845
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181791
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,3
Schlagworte
selbsthilfegruppen
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Titel: Selbsthilfegruppen