Lade Inhalt...

Gender und Beruf - Karrieren und Barrieren

Seminararbeit 2009 10 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gender und Beruf - Karrieren und Barrieren

3 Gender und Schule

4 Gender und Kommunikation

5 Fazit

6 Quellen

1 Einleitung

In der folgenden Ausarbeitung soll zum einen betrachtet werden, inwiefern sich die Rolle der Frau im Laufe der Zeit verändert hat beziehungsweise ob sie konstant geblieben ist. Zum anderen soll der Aspekt der Frauenrolle im Beruf und der Familie aufgegriffen werden. Hierbei gilt es zu erörtern, ob eine Gleichberechtigung oder Ungleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht.

Des Weiteren soll bewertet werden, ob Frauen und Männer in gleicher Weise in ihren Tätigkeiten in der Gesellschaft anerkannt werden oder ob auch in diesem Zusammenhang starke Differenzen zu verzeichnen sind. Hierbei gilt herauszustellen, inwiefern die Selbstachtung und das Selbstkonzept unter den gesellschaftlichen Unterschieden zu leiden haben und Frauen dadurch ihre Fähigkeiten sogar unterschätzen. Solch ein Verhalten kann sich auf den weiteren Berufsverlauf auswirken, da diese Frauen dann häufig frauentypische Berufe auswählen und zu großen Respekt vor männerdominierten Berufen haben. Jedoch gibt es auch Frauen, die sich gegen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zur Wehr setzen und für ihre Gleichstellung und Rechte im Beruf kämpfen. In diesem Zusammenhang soll gezeigt werden, welche institutionellen Hilfsmaßnahmen den Frauen hierbei zur Verfügung gestellt werden.

Zuletzt soll erörtert werden, inwiefern die Kommunikation zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden ist beziehungsweise Gemeinsamkeiten zu erkennen sind.

2 Gender und Beruf - Karrieren und Barrieren

Wenn man weiter in die Vergangenheit der Geschichte der Frau blickt, erkennt man, dass Frauen schon immer mit Benachteilungen in Bezug auf ihre Berufschancen zu kämpfen hatten, weil ihnen u.a. der Beruf von ihren Ehemänner verwehrt wurde mit dem Hintergrund, dass sie sich völlig der Erziehung der Kinder und der Rolle der Hausfrau hingeben sollten.1 Demnach sind Frauen erst Ende des 19.Jahrhunderts zum Abitur zugelassen worden und darüber hinaus wurde ihnen erst viel später als den Männern, im Jahr 1900, die Hochschulberechtigung erteilt.2

Jedoch änderte der Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland die aufsteigende Gleichberechtigung der Frauen, weil alte Normen und Werte wiederbelebt wurden, was wiederum bedeutet, dass die Frau ausgefordert worden ist, ihre alte Rolle der Hausfrau und Mutter wieder einzunehmen.3 Aufgrund der zahlreichen männlichen Todesopfer während der Kriege herrschte ein Überangebot an Arbeitsplätzen, weshalb Frauen die Möglichkeit bekamen, für schlechte Bezahlung, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Doch erst seit den Anfängen der Frauenbewegung Ende des 19.Jahrhunderts haben Frauen die reale Chance bekommen, sich im Bereich der Bildung gegen die Männer zu behaupten. Von diesem Zeitpunkt an erreichen Frauen bessere Bildungsabschlüsse als Männer und schließen ihr Studium in einem geringeren Zeitraum ab.4

Bei einem Vergleich der Verteilung von Männern und Frauen in dem Beruf eines Dozenten / einer Dozentin an einer Universität wird deutlich, dass deutlich mehr Männer vertreten sind, da im Jahre 2006 nur 9,2 Prozent der Professuren von Frauen übernommen wurden, der Anteil der studierenden Frauen dagegen bei ca. 50-80 Prozent zu verzeichnen war.5 Der Anteil der Frauen, sowohl im Bereich der Professur als auch in der Rolle der Studentin ist jedoch regional sehr unterschiedlich und hängt zudem zum größten Teil von der Studienrichtung ab. Demnach reichte im Jahr 2008 in Studienrichtungen wie beispielsweise Theologie, Soziologie, Architektur und Medizin der Frauenanteil an Hochschullehrerinnen an etwa 25 Prozent heran.6

Bei der Betrachtung der Rolle der Frau im Bereich der Wissenschaft wird deutlich, dass Frauen in diesem Bereich äußert wichtig und kompetent sind. Jedoch ist es für Frauen schwierig, Kinder und Beruf flexibel miteinander zu kombinieren, weshalb der Bereich der Naturwissenschaften weiterhin von dem männlichen Geschlecht dominiert wird. Nichtsdestotrotz sind die Karrierechancen der Frauen in dem Bereich der Wissenschaft steigend, weil sie sich zum einen auf den Beruf und die damit verbundenen Veränderungen anpassen und zum anderen die ihnen gebotenen Hilfen wie beispielsweise Krippenplätze dankend annehmen. Darüber hinaus sind die Frauen der Moderne bereit, für ihre Ziele, Anerkennung und Chancen, sowie gegen die Benachteiligung zu kämpfen.7 Auch werden Frauen von der Gesellschaft ermutigt, sich einen Beruf, der von Männern dominiert wird, anzueignen, wie beispielsweise durch eigens für Frauen gemachte Aktionen wie den „Girls Day“. Diese Hilfen wurden den Frauen über Jahre hinweg verwehrt, da die Männer stets jegliche Unterstützung bekamen und somit ihr Leben planen konnten. Jedoch besitzen Frauen heutzutage das Selbstbewusstsein, Handwerkberufe und andere männerdominierte Berufe zu erlernen und werden sogar mit dem Amt der Bundeskanzlerin besetzt.8

Des Weiteren planen Frauen für gewöhnlich ihr weiteres Leben im Gegensatz zu den Männern nur in kleinen Schritten, weil sie aufgrund ihrer biologischen Uhr oftmals von Zweifeln geplagt sind. Sie leben mit der Befürchtung, dass es für die Planung einer Familie zu spät sein wird, wenn sie sich erst auf ihre Karriere konzentrieren und die Familienplanung weiter nach verschieben.9 Es gibt jedoch auch eine ganz andere Seite: Frauen, die bereits während des Studiums ein Kind besitzen, verfügen über einen geringeren Druck, da sie sehen, dass sie sowohl Karriere als auch Familie miteinander vereinen können. Auch sind Frauen einem doppelten Druck ausgesetzt, da sie ohne Beruf als weniger wert angesehen werden und daher das Gefühl haben, sowohl Hausfrau als auch Mutter und darüber hinaus auch noch berufstätig sein zu müssen. Der Anteil der Männer, die während der Familienerweiterung auf ihren Beruf für eine gewisse Zeit verzichten, sich dem Haushalt und der Kinderbetreuung widmen und der Frau ermöglichen, ihrem Beruf weiter nachzugehen, liegt unter 5 Prozent.10

Darüber hinaus wurden Frauen weniger ermutigt, sich hohe Ziele zu setzen und diese auch umzusetzen. Ein weiterer Grund, weshalb Frauen oft der Mut fehlt, dass sie ihre Ziele im Berufsleben verfolgen, ist die Ansicht der Gesellschaft, da diese von einem bestimmten Bild der Rolle der Frau in ihrem Denken und Handeln geleitet werden. Der Frau wird von der Gesellschaft häufig die Rolle der Mutter und Hausfrau zugeschrieben, die die berufliche Karriere den Männern zu überlassen hat. Aus diesem Grund zielt auch die Personalpolitik darauf hin, dass sich sowohl Frauen als auch Männer, egal welchen Alters, sexueller Orientierung, religiöser Einstellung oder Geschlecht, frei entfalten sollen und folglich ihre Leistungsfähigkeit zum positiven entwickeln können.11

Aufgrund dieses Wandels fühlen sich Männer im Berufsleben häufig von den Frauen bedroht und sehen diese als Konkurrenz an. Zudem haben sie immer noch Probleme damit, eine Frau als ihre Vorgesetzte zu akzeptieren, da sie sich in ihrem Stolz verletzt fühlen und an der alten Rollenverteilung festzuhalten pflegen.12

3 Gender und Schule

Ein weiterer Bereich in dem das junge weibliche Geschlecht im Gegensatz zu den männlichen Mitschülern benachteiligt worden ist, ist der Bereich der Schule. Demnach wurde erst ab dem Jahr 1908 eine gewisse staatliche Verantwortung gegenüber Mädchen und junger Frauen übernommen, da sie vorher nur bis zur Elementarbildung integriert, von höherer Bildung dagegen komplett ausgeschlossen wurden.13 Erst im Jahr 1908/09 wurden Frauen erstmals zur Einschreibung an einer Universität zugelassen, was einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung für die Frauen bedeutete. In den 1960er Jahren herrschten immer noch geschlechterspezifische Unterschiede in den Lehrplänen, sodass die Mädchen in Fächern wie beispielsweise Hauswirtschaft und Nadelarbeit gefördert wurden und nahezu aus dem naturwissenschaftlichen Bereich ausgeschlossen wurden. Das männliche Geschlecht wurde dagegen in den Bereichen der Naturwissenschaft, Deutsch und Mathematik gefördert.14 Durch diese konsequente Trennung sollten auf der einen Seite die Mädchen auf ihre spätere Rolle der Hausfrau und Mutter vorbereitet werden und auf der anderen Seite die Jungen für das Berufsleben. Somit trug die Schule durch dieses Vorgehen „zu einer Fixierung der Geschlechterrollen bei, die nicht nur durch die Lerninhalte, sondern auch die die Art der Vermittlung und die benutzten Materialien, z.B. die Schulbücher, verstärkt wurde“.15 Dagegen wurden Mädchen und Jungen in den Volksschulen häufig zusammen unterrichtet, was jedoch rein finanzielle Gründe hatte, um die Kosten der Schulbildung so gering wie möglich zu halten.

Als im Jahr 1970 schließlich die Koedukation, d.h. die gemeinsame Bildung von Mädchen und Jungen, endgültig eingeführt worden ist, konnten Mädchen und Jungen eine gemeinsame Schule besuchen, da Mädchen vor der Einführung der Koedukation eine separate Schule zu besuchen hatten. Nachdem Mädchen und Jungen einem gemeinsamen Lehrplan folgten, stellte sich heraus, dass Mädchen in der Schule sogar oftmals tendenziell erfolgreicher waren als ihre männlichen Mitschüler. Dies wurde in den Bereichen der Schulnoten, der Wiederholung eines Schuljahres, sowie der Erfolgsquoten deutlich. Bei Betrachtung dieser Veränderungen aus dem Blickfeld der Jungen zeigt sich, dass das neue, durch das weibliche Geschlecht hervorgebrachte Arbeits- und Sozialverhalten einen gewissen Misserfolg für die Jungen darstellt, da die Lehrkräfte das Arbeitsverhalten der Jungen häufiger als irritierbar und unkonzentriert ansehen, das der Mädchen hingegen als langfristig ausdauernd und zielbewusst. Alles in allem wird die Meinung vertreten, dass die Mädchen im Gegensatz zu den Jungen ein angemesseneres Schulverhalten aufweisen.16

Doch auch wenn beide Geschlechter in der Schule gleichberechtigt behandelt werden, herrschen dennoch Differenzen zwischen Mädchen und Jungen im Bereich der gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen als auch Machtverteilung. Zudem besitzen nicht alle Frauen ein so starkes Selbstbewusstsein, um sich in von Männern dominierenden Bereichen des Berufes durchzusetzen. Nichtsdestotrotz liegen noch keine empirischen Studien vor, die die Erfolge einer Koedukation bestätigen beziehungsweise widerlegen können, sodass man keine Angabe darüber machen kann, ob es nicht doch für das weibliche Geschlecht von Vorteil wäre, sie auf eine geschlechterspezifische Schule zu schicken, in der sie speziell auch in dem Bereich der Naturwissenschaft gefördert werden.17 Es wird jedoch angenommen, dass die Frauen aufgrund der fehlenden Erfahrungen in dem praktisch-technischen Bereich, das Interesse an den Naturwissenschaftlichen Fächern im Laufe der Jahre verlieren.

Sowohl die Auswahl der Schulfächer als auch des Studiengangs, die von den Schülern und Schülerinnen individuell getroffen wird, nimmt einen aktiven Einfluss auf den weiteren Bildungsprozess sowie die spätere Arbeitslaufbahn. In diesem Zusammenhang weisen Mädchen und Jungen ein unterschiedliches Wahlverhalten auf, was unter anderem auf die gesellschaftliche Rolle zurückzuführen ist, die dazu drängen, typische männliche beziehungsweise typische weibliche Fächer zu wählen.18 Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass die Wahl eines bestimmten Faches gleichzeitig bedeutet, dass andere Fächer und somit andere Perspektiven in der Zukunft und Erwerb bestimmter Kompetenzen abgelehnt werden.

Ein weiterer Aspekt, der die Mädchen und Jungen in der Schule voneinander unterscheidet, ist der des Selbstkonzeptes. Unter dem Selbstkonzept wird die Wahrnehmung und Einschätzung seines eigenen Könnens verstanden, die situationsabhängig sowohl positiv als auch negativ ausfallen kann. Demnach stellt es sich heraus, dass das Mathematik-Selbstkonzept bei Mädchen weit aus negativer ausfällt als bei den Jungen, wobei nachlassende mathematische Leistungen nicht als Grund dafür anzuführen ist.19 Daraus folgt die Erkenntnis, dass Frauen und Männer ihre eigene Leistung unterschiedlich wahrnehmen, wobei Frauen ihre eigenen Leistungen subjektiv niedriger einschätzen als sie – objektiv betrachtet – wirklich ist. Aus diesem Grund wählen Frauen auch nur Fächer, von denen sie glauben, eine entsprechend gute Leistung erbringen zu können. So neigen Frauen häufig dazu, Fächer wie beispielsweise Computerkurse nicht zu wählen, weil sie ihr eigene Leistung und die damit verbundenen Erfolgserwartungen als äußerst gering ansehen und einschätzen.20 Darüber hinaus beeinflusst zudem die Reaktion der Gesellschaft das Wahlergebnis der Frauen. Aus diesem Grund vermeiden sie die Wahl eines männertypischen Bereiches, weil sie glauben, dass sie ansonsten einen geringeren sozialen Zuspruch erhalten.

[...]


1 Vgl. Marx, Oliver. Individualisierung der Frau. Eine kritische Reflexion weiblicher Lebenssituationen im Beruf und Familie. VDM Verlag Dr. Müller. Saarbrücken. 2007, S.8

2 Vgl. ebd., S.17

3 Vgl. ebd., S.18

4 Vgl. ebd., S.7

5 Vgl. http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/118659#Frauenanteil_unter_Studierenden_und_Professuren

6 Vgl. ebd

7 Vgl. Marx, Oliver. Individualisierung der Frau. Eine kritische Reflexion weiblicher Lebenssituationen im Beruf und Familie. VDM Verlag Dr. Müller. Saarbrücken. 2007, S.10

8 Vgl. Marx, Oliver. Individualisierung der Frau. Eine kritische Reflexion weiblicher Lebenssituationen im Beruf und Familie. VDM Verlag Dr. Müller. Saarbrücken. 2007, S.7

9 Vgl. ebd., S.10-11

10 Vgl. Mühlen Achs, Gitta. Wer führt? Körpersprache und die Ordnung der Geschlechter. Verlag Frauenoffensive. München. 2003, S.10

11 Vgl. Wesely, Sabine. Gender Studies in den Sozial- und Kulturwissenschaften. Kleine Verlag. Bielefeld. 2000, S.280

12 Vgl. Marx, Oliver. Individualisierung der Frau. Eine kritische Reflexion weiblicher Lebenssituationen im Beruf und Familie. VDM Verlag Dr. Müller. Saarbrücken. 2007, S.22

13 Vgl. Kreienbaum, Maria Anna / Urbaniak, Tamina. Jungen und Mädchen in der Schule. Konzepte der Koedukation. Cornelson Verlag. Berlin. 2006, S.12

14 Vgl. Faulstich-Wieland, Hannelore / Weber, Martina / Willems, Katharina. Doing Gender im heutigen Schulalltag. Juventa Verlag. Weinheim und München. 2004, S.11

15 Kreienbaum, Maria Anna / Urbaniak, Tamina. Jungen und Mädchen in der Schule. Konzepte der Koedukation. Cornelson Verlag. Berlin. 2006, S.15

16 Vgl. ebd

17 Vgl. ebd., S.14

18 Vgl. Wesely, Sabine. Gender Studies in den Sozial- und Kulturwissenschaften. Kleine Verlag. Bielefeld. 2000, S.220

19 Vgl. ebd., S.222

20 Vgl. Wesely, Sabine. Gender Studies in den Sozial- und Kulturwissenschaften. Kleine Verlag. Bielefeld.2000, S.222

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656051459
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181805
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Schlagworte
gender beruf karrieren barrieren
Zurück

Titel: Gender und Beruf - Karrieren und Barrieren